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 „Scharfe“ Fotos von Afghanistan
 Tornados übernehmen Aufklärungsauftrag
Jagel (uz) [31.03.07]. Zumindest einige Soldaten des Aufklärungsgeschwaders 51 „Immelmann“ brauchen sich keine Sorgen über den bevorstehenden Kontingentwechsel machen: Sie können ihn selbst in die Hand nehmen und werden selbst fliegen. Sechs Maschinen vom Typ „Tornado“ verlegt die Luftwaffe noch vor Ostern nach Afghanistan. In den letzten Wochen haben sich die „Immelmänner“, wie sie in der Presse zur Zeit liebevoll genannt werden, auf den Einsatz vorbereitet. Ungezählte Transporte wurden vom Fliegerhorst im Schleswig-Holsteinischen Jagel nach Masar-i-Sharif auf den Weg geflogen. Ein Vorkommando hat auf dem dortigen „Flughafen“ bereits alles für das Eintreffen der Aufklärungsspezialisten auf Vordermann gebracht.
In Aufbruchstimmung: Tornado mit einem Recce-Pod an der Unterseite. Fotos: Zeitter
Die Infrastruktur sei, soweit man das bereits beurteilen kann, recht ordentlich für den bevorstehenden Auftrag im Rahmen des ISAF-Mandats, ist von den Soldaten einvernehmlich zu hören. Die eine oder andere Sorgenfalte ist dennoch erkennbar.
Von den Tornados mit dem Recce-Pod (Recce ist die Abkürzung für Reconnaissance = Aufklärung) unter dem Rumpf verspricht sich die NATO optimale Aufklärungsergebnisse aus dem unwegsamen Bergland Afghanistans. Der Tornado eignet sich durch Beweglichkeit, Geschwindigkeit und Flughöhe deutlich besser für diese Aufgabe, als die bislang vorwiegend eingesetzten Aufklärungsdrohnen oder gar Satellitenaufnahmen. Neben einem Infrarotsystem kann der Recce-Pod zwei weitere optische Systeme tragen, zum Beispiel mit verschiedenen Brennweiten. Normalerweise überfliegen immer zwei Maschinen die angegebenen Ziele. Bis zu eineinhalb Stunden kann ein solcher Aufklärungsflug dauern und die Besatzungen gehen zur Zeit davon aus, dass sie drei bis vier Flüge täglich absolvieren. Die Flüge führen in "Tiefen" von bis 1500 (ca. 500 m). Damit also auch durchaus in die Reichweite von Flugabwehrstellungen. Für die Selbstverteidigung ist aber natürlich auch der Recce Tornado bewaffnet.
Das Herzstück des neuen Einsatzverbandes sind aber eigentlich nicht die Tornados, sondern die eher unscheinbaren Container, in denen das Bildmaterial nach dem Flug ausgewertet wird. Je nach Auftrag bleiben den Soldaten zum Teil sogar nur 45 Minuten zwischen Landung und der Übertragung eines ersten Ergebnisberichtes an den Auftraggeber. Eine knappe Zeitspanne, wenn man bedenkt, dass allein die Filmentwicklung rund 15 Minuten in Anspruch nimmt. Liegen die Daten aber erst einmal bei den Auswertern, geht alles ganz schnell. Mit schnellen Handgriffen und geübten Blick macht sich jeweils ein zweiköpfiges Team an die Feinarbeit. Kein Fahrzeug bleibt den Männern hier verborgen. Die Bildqualität der 12x12 cm großen Negative beweisen die Männer eindrucksvoll mit einer Aufnahme von einem Gartenstuhl, dessen Latten auf der Sitzfläche nachgezählt werden können. Ihre Leistungsfähigkeit haben die Soldaten schon mehrfach, oft im Verborgenen unter Beweis gestellt. Von 1995 bis 2001 lieferten die Soldaten des Geschwaders bereits Ergebnisse, als es um die Umsetzung des Abkommens von Dayton im ehemaligen Jugoslawien ging.
Herzstück des Geschwaders: Die Auswertung.
Aber auch im Inland sind die „Immelmänner“ erfolgreich, ihre Infrarotbilder zeigten bei den jüngsten Hochwassereinsätzen kritische Deichbereiche an. Selbst die Kriminalpolizei ersucht das Geschwader gelegentlich um Amtshilfe bei Observierungsaufgaben.
Um die Freizeitgestaltung im Camp in Afghanistans Norden müssen sich die Männer in den nächsten Wochen wohl wenig Sorgen machen. Das Arbeitspensum wird reichhaltig sein. Mehr Sorgen machen den Soldaten da eher die Bedingungen vor Ort. Der Teufel liegt im Detail. So hat die Klimaanlage der Auswertungsmodule dem allgegenwärtigen feinen Sand nichts entgegenzusetzen und Sand ist ja bekanntlich der größte Feind von empfindlichem Filmmaterial. Die Tatsache, dass die Container der Module im bundeswehrtypischen olivgrün die Sonne geradezu anziehen und bislang noch niemand so ganz genau weiß, ob die Klimaanlage die Temperaturen überhaupt bewältigt, wird da schon zur Nebensächlichkeit.
Einer der kritischen Faktoren in der Mission: Der feine Sand Afghanistans schmilzt in den Triebwerken.
Auch die Techniker des Geschwaders haben den Sand quasi im Auge. Schon die alliierten Luftstreitkräfte haben in Afghanistan ihre Erfahrungen mit dem Wüstensand gemacht. Wenn der Sand in die Triebwerke gelangt, schmilzt er und verstopft die feinen Bohrungen, die für die Kühlung des Triebwerks zuständig sind. „Wir werden die Betriebsstunden für die Triebwerke deutlich verkürzen und die Auswirkungen des Sands genau beobachten“, erzählt Hauptfeldwebel Thorsten W., der in Jagel mit für Wartung und Instandsetzung der Triebwerke zuständig ist. Getauschte Triebwerke werden in die Heimat transportiert. Die Kapazitäten werden vor Ort nicht für solche Aufgaben ausreichen.
An Herausforderungen also eben so wenig mangeln, wie an den Aufträgen. Dazu kommt die politische Diskussion, die in den vergangenen Wochen über die Entsendung der Tornados nach Afghanistan geführt wurde. Allen voran engagierte sich hier das „Darmstädter Signal“ ein Zusammenschluß aus aktiven und ehemaligen Unteroffizieren und Offizieren der Bundeswehr gegen die neue Mission. Mit einem offenen Brief wandte sich das Forum vor der Entscheidung im Bundestag an die Abgeordneten und warnte vor den Folgen.
"Immelmänner" auf dem Weg zu neuen Aufgaben.
 Der Kommentar: Große Brüder nach Afghanistan
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