[31.03.07]. Der nächste
Einsatzbeginn ist abgehakt. In den nächsten Tagen übernehmen
deutsche Tornados den Aufklärungsauftrag in Afghanistan.
Als ob die Aufgabenpalette und das Engagement der Bundeswehr
nicht schon umfangreich genug wären, wurde tatsächlich
noch ein Bereich ausgemacht, der noch Kapazitäten
frei haben könnte.
Mit welcher quasi "strohhalmgenauen" Präzision
die Luftwaffe diesen Auftrag meistern kann, hat
sie mehrfach bewiesen.
Ich gebe es zu, ein gewissen Unbehagen befiel mich in
der "Zelle Auswertung" auf dem Fliegerhorst in Jagel,
als die Leistungsfähigkeit des Waffensystems geschildert
wurde. Als ob ich nicht schon in einem Container stand
- es fiel mir unweigerlich das fernsehberühmte Containerdorf
vom "großen Bruder" ein. Ein bißchen Big Brother kommt
nun auch nach Afghanistan.
Dass die Soldaten in diesem Einsatz mal aber auch ohne ihr
Improvisationstalent, das im letzten Bericht des Wehrbeauftragten
deutlich
gelobt wurde, auskommen, ist noch nicht gewiss.
Befristet für zunächst einmal sechs Monate
soll der Einsatz des Aufklärungsgeschwaders 51 "Immelmann" aus
Jagel sein. Doch die aktuellen Nachrichten aus Limassol,
die eine Verlängerung des Marine-Engagement vor
dem Libanon auf Tisch bringen - weil man sich, salopp
formuliert, nicht auf eine neue "Lead-Nation" einigen
kann - zeigen, dass eingehaltene Fristen, wie beim Kongo-Einsatz
nicht die Regel sind.
Dazu kommt, dass die Verlegung der Soldaten von vielen
kritischen Stimmen begleitet wird. Dennoch:
Alle Widersprüche gegen dieses Engagement sind schnell
verhallt. Damit ist die Bundeswehr, noch kein halbes
Jahr nach der Ablehnung eines Engagements im Süden
des Landes durch die Bundesregierung genau dort vor Ort.
Zwar nicht IM Süden des Landes, dafür aber ÜBER
dem Süden des Landes. Auf das Detail kommt es offensichtlich
an.
Und nochmals liegt die Tücke im Detail und in der
Definition: Aufklärung: Ja! Kampf: Nein! So ist
der politische Tenor für das neue Mandat. Bei Aufklärungsflügen,
kann es ja gar nicht um Kampfaufträge gehen, lautet
die illusorische Trennung der Aufgaben. Dass die Aufklärungsergebnisse,
die die Piloten gewinnen aber nur taktisch für die
optimale Planung neuer Feldlager dienen, mag wohl kaum
jemand behaupten. Auch für das humanitäre Engagement,
für das die Bundeswehr in allen Einsatzgebieten
ein hohes Ansehen und gewissen Erfolg genießt,
sind die Aufklärungsergebnisse eher unbrauchbar.
Es ist für mich schwer einzuordnen, dass die Aufklärung
potentieller Ziele nicht doch schon zum Kampfgeschehen
gehört - und zwar unmittelbar. Unmittelbar kann
der Kampfeinsatz auch bei diesem Mandat auf die Piloten
der Luftwaffe zu kommen. Sie werden sich in Flughöhen
bewegen, die durchaus in der Reichweite von Luftabwehrwaffen
liegen und für den Fall eines Angriffs sind sie
durchaus in der Lage zu kämpfen.
Ich gebe zu, ich habe derzeit teilweise meine liebe Not,
Entscheidungen nachzuvollziehen.
Dennoch Politik und Soldaten stehen hier in unterschiedlichen
Blickwinkeln. Denn letztere sind die Leidtragenden der
Entscheidungen. Es bleibt also der Wunsch, dass von den
sechs entsandten Maschinen am
Ende, möglichst in
einem halben Jahr, auch wieder sechs sicher auf dem Fliegerhorst
in Jagel aufsetzen werden.
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