truppen.info: Truppe: Brandschutz in der Bundeswehr
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 „Unser Personal ist auch nach der Dienstzeit begehrt“
 Die Brandschutz-Komponente im Objektschutz der Luftwaffe
Jever (uz) [01.07.07]. Wenn Major Udo Okunneck vor seine Staffel tritt, dann weiß er ganz genau, dass ein Fünftel der Einheit nicht anwesend ist. Seine Staffel, die 9. im 3. Objektschutzbataillon der Luftwaffe ist auf Brandschutzaufgaben spezialisiert. Seit Juli 2006 ist der Brandschutz die Hauptaufgabe einer kompletten Staffel in Jever und diese ist zugleich auch die einzige ihrer Art in der Bundeswehr. Der letzte Zug der Einheit wird gerade noch aufgestellt. Die Soldaten sind aber in ihrem Job längst alte Hasen. Ihre Aufgaben versehen sie nicht auf den Fliegerhorsten der Bundeswehr, sondern ausschließlich in den Einsatzregionen. Zuerst im afghanischen Kabul und inzwischen in Mazar-i-Sharif sorgen die Männer und eine Frau für die Sicherheit auf den Flugfeldern, aber auch in den Feldlagern. Seit die Aufklärungs-Tornados in diesem Stützpunkt der Bundeswehr stationiert wurden, sind auch ein "paar Mann" mehr aus der 9. Staffel ständig im Einsatz. Die Soldaten von Okunneck geben sich in Afghanistan quasi die Klinke in die Hand.
100 Mann ist die Staffel stark, wenn alle Dienstposten besetzt sind. Wenn man den obligatorischen Innendienst abzieht, bleiben 88 Brandschutzfeldwebel übrig. Bei einer Stärke der Feuerwehr im ISAF-Einsatz von rund 20 Mann reicht es zumindest theoretisch, dass jeder nur einmal jährlich einen Auslandseinsatz absolviert. So viel zur Theorie. Über reichlich Einsatzerfahrung verfügen die meisten der Soldaten, oft sind es sechs oder mehr, wie bei Hauptfeldwebel Frank Schneegans. Recht neu im Team ist Oberfeldwebel Ingrid Pannek, sie entschuldigt sich in der kleinen Gesprächsrunde schon fast dafür, dass sie "erst" einmal auf einer Kontingentliste stand. Ein "Defizit", das sich vermutlich schnell ausgleichen lässt. Die Brandschutz- Komponente für den Einsatz soll eigentlich durch geeignete Reservisten ausgeglichen werden, oftmals stehen diese aber nicht in ausreichendem Umfang zur Verfügung. Die Soldaten der 9. Staffel müssen dann zum Leidwesen des Staffelchefs aushelfen.
Aufgrund der Dienstgradstruktur und des Auftrags der Einheit, welche keine Grundwehrdienstleistenden hat, ist es wichtig, einen dienst- und lebenserfahrenen Chef und Spieß zu haben.
"Wasser in die Heide!" Die Brandschutzstaffel im Objektschutzbataillon der Luftwaffe ist auf den Kampf gegen das Feuer spezialisiert.
Fotos: Uwe Zeitter
Eine seiner Hauptaufgaben sieht er dabei, wie er sagt, durchaus auch in der Fürsorge: "Ich versuche schon zu verhindern, dass ein Familienvater zweimal pro Jahr ins Ausland muss", berichtet Okunneck. Aber auch umgekehrt sind die "Fronten" klar in der 9. Staffel. "Wir bekommen immer wieder Personal, das der Meinung ist, wir würden hier irgendwo auf einem Fliegerhorst in Bereitschaft stehen. Diese falschen Vorstellungen müssen wir sehr schnell korrigieren, berichtet der Chef, die Kameraden schmunzeln.
Training für den Einsatz: Die Soldaten tragen die Verantwortung auf dem Flugplatz in Masar-i-Sharif.
Eine wirkliche Einzigartigkeit dürfte die Motivation sein, mit der die Männer die Einsätze absolvieren. Er habe so etwas in seiner 20jährigen Dienstzeit noch nie erlebt, betont der Chef und erzählt, dass noch nie ein Soldat bei ihm im Büro gestanden habe, der aus irgendeinem Grund nicht in den Einsatz wollte. In Masar-i-Sharif stellen die Soldaten rund um die Uhr eine 23köpfige Bereitschaft. „Das Funkgerät ist auf Schritt und Tritt am Mann“, erzählt Oberfeldwebel Rolf Fritsch, der gerade aus seinem jüngsten Einsatz zurückgekehrt ist. Neben der Verantwortung für den Flugbetrieb und das Feldlager, aus fachlicher Sicht, sind die Kameraden im Einsatzgebiet auch oft durch Ausbildung und die Überprüfung des vorhandenen Löschgerätes gefordert. Dazu kommt die Wartung der Fahrzeuge, die eigentlich zum Bestand der Staffel aus Jever gehören und ein wenig Regeneration. „Möglichst an einem schattigen Plätzchen“, wie Fritsch hinzufügt. Ortskundig sind die Soldaten natürlich alle und haben inzwischen auch „ihre“ Feuerwache gebaut, um die ständige Bereitschaft so angenehm wie möglich zu halten.
Zu Hause wird geprobt, damit im Einsatz die handgriffe sitzen.
Eine zivile Feuerwehr auf dem Flugplatz in Masar-i-Sharif gibt es übrigens nicht. Auch nicht alle der Piloten, die den Flughafen ansteuern, sind eine Präsenz von Feuerwehr-Kräften nach deutschem Standard gewohnt. Im schlimmsten Fall beschränkt sich das Engagement der Soldaten aber nicht nur auf das Feldlager. Bei einem Brand im Krankenhaus von Masar-i-Sharif waren die Soldaten auch zur Stelle, um gegen die Flammen anzukämpfen. Retten, Bergen und Löschen ist der Alltag für die Männer und Frauen, ein Alltag, der nie langweilig wird, wie sie versichern.
In der spärlichen Zeit zwischen den Auslandseinsätzen, die die Soldaten zu bewältigen haben, bauen sie Urlaub ab, erhalten sich die Brandschutz-Soldaten ihre Lizenzen, steigern die körperliche Leistungsfähigkeit, vor allem im Hinblick auf die Atemschutzvorgaben und bilden sich fort. Zur Weiterbildung gehören auch jährlich acht Wochen, die bei Berufsfeuerwehren zu absolvieren sind. Diese Ausbildungsabschnitte werden durch die Staffel selbst geplant, betont Hauptfeldwebel Schneegans.
Für den praktischen Dienst stehen den Soldaten in Jever auch einige Tanklösch- und andere Einsatzfahrzeuge zur Verfügung. Die Angehörigen der Staffel wünschten sich zwar oft moderneres Geräte, die Zwecke für die Aus- und Weiterbildung des Personals können aber auch die vorhandenen Fahrzeuge noch erfüllen, bestätigen die Soldaten. „Wir schaffen es immer wieder, mit diesem Material zu arbeiten“, drückt sich der Chef verhalten aus. Die recht betagten Fahrzeuge stehen auch in der Einsatzregion zur Verfügung. Für die Männer ist es dort eigentlich schon wieder ein Vorteil, dass seine Männer auf die moderne Technik mit viele Elektronik verzichten müssen, denn die älteren Fahrzeuge können auch noch von den Soldatinnen und Soldaten selbst gewartet werden.
Wasser marsch....!
Als einziges „Feuerwehrpersonal in Fleckentarn“, zumindest bei der Luftwaffe, kommen auf die Angehörigen der Einheit aber auch einzelne Abstellungen zu. Beispielsweise sind die Objektschützer oft vor Ort, wenn es darum geht, beim Fallschirmsprungdienst die Außenlandeplätze für die Hubschrauber zu sichern. Auch in den Fach-Dezernaten des Streitkräfteunterstützungskommandos sind die Männer und Frauen von Udo Okunneck gefragte Fachleute.
Die Soldaten, die derzeit zur Staffel gehören, haben meistens eine andere ursprüngliche Verwendung in der Bundeswehr wahrgenommen. Neue Kameraden können sich gezielt für die 9. Staffel bewerben. „Die Ausbildung erfolgt entsprechend den zivilen Richtlinien“, bemerkt Hauptfeldwebel Gerd Jöhrens. Die besteht aus der dreijährigen Feuerwehrausbildung und den militärischen Laufbahnlehrgängen, die militärische Ausbildung erfolgt meist zum Infanteristen. Voraussetzung ist für eine Laufbahn in diesem Bereich eine absolute körperliche Fitness, um die Voraussetzungen für den Atemschutz zu erfüllen, aber auch ein „Eingangsberuf“ aus einem bestimmten technischen Spektrum. Den Soldaten steht aber die Möglichkeit offen, bei entsprechender Verpflichtung über eine Maßnahme der zivilberuflichen Aus- und Weiterbildung (ZAW) entsprechende Qualifikationen zu erwerben. Die Ausbildungszeit verlängert sich dadurch natürlich nochmals.
Die Soldaten beim Einsatz im Krankenhaus von Masar-i-Sharif.
Fotos: Objektschutzbataillon der Luftwaffe, 9. Staffel
Die 9. Staffel wird nach aktueller Planung die einzige Staffel in der Luftwaffe bleiben, die sich um Brandschutzaufgaben zu kümmern hat. Ein Nachwuchsproblem kennt Major Okunneck für seine Staffel eigentlich nicht. Lediglich die Dienstposten für Offiziere sind, bis auf einen, unbesetzt. Eine entsprechende Laufbahn gab es bislang für Soldaten nicht. Die Regeneration für die Dienstposten ist schwierig. Für die weiteren Dienstposten der Feldwebeldienstgrade gibt es genügend Bewerber. Umgekehrt gibt es aber auch für die Zeitsoldaten, die die Staffel verlassen, reichlich Angebote aus dem zivilen Bereich. „Ich habe es noch nicht erlebt, dass ein Soldat nach dem Ausscheiden aus dem militärischen Dienst ohne Job da stand“, bestätigt der Staffelchef. Zumal viele seiner Männer und Frauen auch Qualifikationen für den Rettungsdienst aufweisen können.
In einem Punkt sind sich die Soldaten absolut einig. Sie haben einen Job der interessanter ist als ein „normaler“ Job, der von einer Minute auf die andere ganz anders sein kann.
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