truppen.info: Truppe: Die Luftwaffe
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 Alles neu macht die Luftwaffe
 Die Zukunft liegt in der Vielseitigkeit
"Anneliese" (links) und "Christoph 29" beim Übergabe-Appell.
Itzehoe/Hamburg (uz) [08.05.06]. Etwas traurig scheint "Anneliese" dreinzuschauen. Verständlich, denn sie wird verdrängt, ihr Job wird demnächst ein viel Jüngerer machen. Er hört auf den Namen Christoph. Doch der Reihe nach: "Annelise" ist eine Bell UH 1D der Luftwaffe, grün "gekleidet" mit oranger Tür und der Kennung 70+46, die letzten Jahre war sie, im Search and Rescue-Einsatz (SAR) rund um Hamburg. Mehr als 30000 Menschen verdanken ihr und ihrer Vorgängerin ihr Leben. Ihre Vorgängerin und eine ihrer Besatzungen haben ihr Engagement im Jahr 2002 bei einem Absturz sogar mit dem Leben bezahlt. Seit Januar 2006 steht Annelise, die zugleich die Hauptdarstellerin in der ZDF-Serie "die Rettungsflieger" ist, nicht mehr beim Bundeswehr-Krankenhaus in Wandsbek bereit, sondern ist nach Rendsburg-Hohn zurückgekehrt. Ihren Job macht jetzt "Christoph 29" er ist deutlich jünger als "Anneliese" und auch viel moderner, er ist eine Bell 212 und komplett in orange lackiert. Auf seinem Leitwerk prangt in großen Lettern "Innenministerium", geflogen wird er von Beamten des Bundesgrenzschutzes aus Bad Bramstedt.
Den Namen "Anneliese" gaben dem Hubschrauber, der sich punktgenau in jede Hamburger Straße herabließ, übrigens die Besatzungen und dann auch die Bürger der Stadt Hamburg. In der vergangenen Woche „traten“ beide Hubschrauber und ihre Besatzungen zu einem Übergabeappell an.
Auch wenn der Typ Bell UH 1D demnächst von der Bundeswehr ausgemustert wird: "Anneliese" geht keinesfalls gleich in Pension, sie wird auch abgezogen, um Ressourcen für das neue Einsatzspektrum der Bundeswehr zu schaffen.
"Hier wird die Transformation sichtbar", führte Generalleutnant Hans-Peter Stieglitz, der Inspekteur der Luftwaffe, entsprechend in seiner Rede aus. Nach und nach wird sich die Luftwaffe komplett aus der deutschen SAR-Bereitschaft zurückziehen. Nur eine der Konsequenzen der Transformation. Für den General steckt hinter diesem Wort der Umbau seines Organisationsbereiches, um auf alle erdenklichen Aufgaben im neuen Einsatzspektrums reagieren zu können.
Der Rückzug aus dem „SAR-Geschäft“ liegt insbesondere auch daran, dass der neue Hubschrauber-Typ, den die Bundeswehr beschafft, der NH90, wegen seine Größe nicht mehr in den Straßen der Großstädte.
Der neue Transporthubschrauber NH 90 / MH 90.
Keine Änderung gibt es für das Sanitätspersonal. Die Ärzte und Sanitäter werden künftigen eben mit den „fremden“ Maschinen Leben retten.
Die Luftwaffe konzentriert sich mehr auf ihre neuen Aufgaben. Die sind in den vergangenen Jahren immer umfangreicher geworden. Die Luftstreitkräfte gelangen längst in einigen Teilbereichen an ihre Grenzen. Schon seit Jahren ist für Soldaten in den Einsatzländern der Hin- und Rücktransport eine Art Lotteriespiel, immer wieder werden Passagiermaschinen befreundeter Streitkräfte "geliehen" oder ziviler Transportraum gemietet. Die Transall ist beispielsweise zwischen dem usbekischen Termez und Afghanistan auf Sichtbedingungen angewiesen, die am Hindukusch aber nicht grundsätzlich gegeben sind. Der monatelange Traum vom eigenen Bett findet für die Kontingentsoldaten öfter schon am Flughafen in Kabul in jähes Ende. Ähnliches gilt für die voluminösen Transporte. Regelmäßig wird entsprechender Transportraum in Form der Antonov An 124 angemietet. Egal, ob die Marine Bordhubschrauber in Djibouti austauscht oder das Heer zur Erdbebenhilfe nach Pakistan aufbricht, die Flieger aus der ehemaligen Sowjetunion sind gefragter denn je. Die Antonov kann mühelos zwei Transporthubschrauber vom Typ CH-53 G aufnehmen, die Transall der Bundeswehr gar keinen. Die Betreiber dieser Großraumtransporter haben, gesichert durch einen Rahmenvertrag mit der Bundeswehr, eigens in Leipzig eine Niederlassung errichtet. Große Aufgaben könnten also ihre Schatten vorauswerfen... Diese Transporte durch die Zivilfirmen werden wohl auch trotz der geplanten Einführung des Airbus A 400 M nicht überflüssig werden. Die Ausmusterung der meist mehr als 30 Jahre alten Transall dürfte dennoch ein Meilenstein auf dem Weg der Transformation sein.

In die Tage gekommen: TransAll der Bundeswehr.
Neben dem Airbus 400 M werden bei der Luftwaffe zwei weitere neue Waffensysteme eingeführt. Der erwähnte NH 90 wird die Mittleren Transporthubschrauber vom Typ Bell UH 1 D ablösen. Die Bezeichnung lässt hier ebenso auf eine längere Entwicklungszeit schließen wie beim Eurofighter, der insbesondere die MiG 29 ablöst und dessen Konzeption einst als "Jäger 90" begann. Die Frage, ob der Eurofighter denn noch die technische Ausstattung der 90er Jahre besäße, wird von Fachleuten immer sehr schnell verneint. Die technische Ausstattung sei im Laufe der Jahre angepaßt worden.
Fakt dürfte aber sein, dass der Luftwaffe die "Transformations-Hausaufgaben" mit diesen technischen Mitteln nicht leichter gemacht werden. Der Entwicklung des Eurofighters liegt die Erkenntnis zu Grunde, dass der Tornado für einen Luftkampf, wie er in den 80er Jahren, also zu Zeiten des kalten Krieges wahrscheinlich war, zu schwerfällig sei. "Der Tornado ist eben kein Jagdflugzeug", hörte man damals die Verantwortlichen argumentieren. Gut 20 Jahre später wird diese Lücke nun geschlossen. Die Luftwaffe verfügt nun über, so sagt man, eines der mordernsten Jagdflugzeuge der Welt. Der unmittelbare Luftkampf aber ist im Aufgabenfeld der Bundeswehr ein weites Stück nach hinten gerutscht. Es scheint, als ob die technischen Möglichkeiten den Forderungen laufender Transformationsprozesse hinterher hinken. In den vergangenen Jahrzehnten wurden die Rüstungsprojekte der Luftwaffe immer wieder auf die lange Bank geschoben, zum Teil auch mit dem Einsatz der MiG 29, die von der Nationalen Volksarmee der DDR übernommen wurden, überbrückt. Nun ist es an der Zeit, diese Versäumnisse aufzuholen, um im internationalen Vergleich nicht weit zurückzufallen, auch wenn es haushaltspolitisch nicht rosiger aussieht.

High-Tech oder veralteter Flieger? Der Eurofighter.
Fotos: Zeitter
Neben den Transportkapazitäten sind von der Luftwaffe zur Zeit vor allem Aufklärungs- und Überwachungsaufgaben gefordert. Erst im vergangenen Jahr hat die Teilstreitkraft die Tornados der Marine übernommen, um deren Auftrag fortzusetzen. Und noch einen weiteren Auftrag erhält die Luftwaffe im Zusammenhang mit den Aufklärungstätigkeiten: Die Einführung des unbemannten Aufklärungsflugzeuges "Eurohawk" ist bis in das Jahr 2009 im schleswig-holsteinischen Jagel bei Schleswig geplant. Mit dieser Einführung sinkt nicht nur die Belastung der Piloten, die zur Aufklärung beispielsweise mit dem ECR-Tornado eingesetzt werden, sondern auch deren Gefährdung bei solchen Einsätzen. Doch die Ziele des Eurohawk sind höher gesetzt. Er könnte auch bei der Marine die Aufgaben der Breguet Atlantic und deren Nachfolger P3C Orion übernehmen.
Eine der potentiellen Einsatzoptionen hat die Luftwaffe ebenfalls im vergangenen Jahr erfahren, als ihre Piloten für mehrere Monate den Luftraum über Litauen überwachten. Ein Auftrag, der übrigens mit der durchaus betagten Phantom F4 durchgeführt wurde.
Wenige Änderungen erfährt die Luftwaffe in ihrer Führungsstruktur. Hier wurden während den vergangenen Strukturreformen bereits entscheidende Grundlagen gelegt und der richtige "Riecher" bewiesen und die "Hausaufgaben" mit den vorhandenen Mitteln gemacht. Schmerzliche Einschnitte wird es durch die Auflösung von zwei Flugplätzen geben. Zum einen wird der in Jever (Jagdbombergeschwader 38) geschlossen, zum anderen wird das Lufttransportgeschwader 63 im bayerischen Landsberg/Penzing aufgelöst. Als Transportstützpunkte bleiben dann Wunstorf (Niedersachsen) und Rendsburg-Hohn (Schleswig-Holstein). Besonders für die Einsatzaufgaben dürfte der Verlust von Landsberg schmerzlich sein, immerhin war der Flugplatz in den vergangenen 15 Jahren eines der wichtigsten Drehkreuze für die Kontingentsoldaten auf dem Balkan. Zu den verbleibenden Standorten würde sich, soweit nicht auf zivile Flughäfen ausweicht, die Flugzeit deutlich erhöhen.

Luftwaffensicherungskräfte sind längst in allen Einsatzgebieten präsent. Foto: privat
Die einzige wesentliche strukturelle Änderung erfahren derzeit die Luftwaffensicherungskräfte, die in Objektschutzbataillonen zusammengefasst werden. Neu ist dabei zum Beispiel auch der Aufbau einer Diensthundestaffel oder die Integration der Feuerwehrkräfte. Die Zeiten in den Luftwaffensicherungskräfte nur mit ihrem Geschwader "ausrückten" sind spätestens 2000 mit dem Einsatz einer Sicherungskompanie aus Luftwaffen-, Heeres- und Marinekräften im KFOR-Einsatz in Mazedonien und im Kosovo beendet. Längst sind es nicht mehr zwingend die heimischen Flugplätze, die in Zeiten des kalten Krieges gegen eine Bedrohung von Osten geschützt werden mussten, es kann durchaus auch ein Feldlager in Afghanistan sein.
Auch der Einsatz von Kampfflugzeugen war noch vor 1990 eindeutig kalkulierbar. Alle Aufgaben der Luftwaffe aus dieser Zeit waren von deutschem Boden aus anzutreten. Heute muss sich die Luftwaffe auch mit Fragen beschäftigen, wie beispielsweise in einer Wüstenregion die Wartung der Maschinen und die Logistik für ihr Personal funktionieren könnte. Es ist nicht davon auszugehen, dass künftig immer auf europäische Partner zurückgegriffen werden kann, wie dies noch 1998 zum Kosovo-Einsatz im italienischen Piacenza möglich war.
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