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Auswirkungen einer Katastrophe bewältigt |
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Militärische und zivile Helfer üben
Hand in Hand |
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Routiniert werden die Patienten von den zivilen Helfern übernommen. |
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Wunstorf (uz) [05.04.06].
Die Einsatzleitung der Johanniter-Unfall-Hilfe steht
in der Nähe der Parkposition der Wunstorfer Transportflugzeuge
bereit und etwa 40 Fahrzeuge des deutschen Roten Kreuzes
und der Johanniter stehen für den Krankentransport bereit. Im
Anflug auf den Fliegerhorst sind bereits zwei der insgesamt
sechs Maschinen, ihre Fracht: 140 zum Teil schwer verletzte
Soldaten, die von der Bundeswehr und NATO-Partnern
nach einer fiktiven Katastrophe evakuiert wurden. Die Rettungskräfte
aus der Region wurden ungefähr eine Stunde
vor der ersten Landung über
ihre Leitstellen alarmiert.
Früher war es so, dass Verletzte, insbesondere in den Einsatzgebieten der
Bundeswehr, möglichst lange vor Ort stationär behandelt wurden. Das hat sich
grundlegend verändert: „Durch die modernen
Transportmöglichkeiten ist es auf jeden Fall besser selbst Intensivpatienten,
nach Deutschland zu fliegen“, betont Oberfeldarzt
Dr. Carsten Baumann, der Fliegerarzt des Lufttransportgeschwaders
62 aus Wunstorf.
Zusammen mit seinem Kollegen, dem Leiter des Standortsanitätszentrums
in Wunstorf, Oberstabsarzt Dr. Sami Mohtadi ist er der Initiator
dieser großangelegten Übung. Wichtig ist bei einer solchen
Evakuierungsaktion allerdings auch, dass die Patienten vom
Flugzeug möglichst
schnell in die nächste
Klinik gebracht werden. Genau dafür
wurde diese Übungssituation entwickelt.
Insbesondere die große Zahl von Verletzten stellt für
die Region am Steinhuder Meer die besondere Herausforderung
dar. Viele der zivilen Rettungskräfte hatten noch nie zuvor Verletzte
aus einem Flugzeug übernommen.
Das Szenario auf dem Flugplatz ist dabei nicht einmal unrealistisch.
Ständig wird in Wunstorf eine Transall mit MedEvac-Ausrüstung
(Medizinische Evakuierung) in Bereitschaft gehalten. Die
Soldaten wurden beispielsweise auch eingesetzt, um im Jahr
2002 Intensivpatienten aus
den Krankenhäusern in der Hochwasserregion an der Elbe auszufliegen.
Es kann also durchaus passieren, dass Wunstorf der Zielflughafen
für
mehrere MedEvac-Flugzeuge zeitgleich ist. In diesem Fall
kamen die ausländischen
Maschinen, die ohnehin für eine Luftwaffenübung der NATO
in Wunstorf zu Gast waren, dazu. Eingesetzt wurden für die
Evakuierung zwei deutsche und eine französische Transall (C-160,
C-160 NG), eine griechische Herkules (C-130) und jeweils
eine spanische und eine polnische Casa (CN-295). Für
die zivilen Retter war dies noch eine zusätzliche,
sprachliche Herausforderung, die sonst bei Rettungseinsätzen
von ihnen nicht verlangt wird. Das Angebot
dieser Übung haben die Helfer aber gerne angenommen,
sagt Thorsten Ernst, der die Übung
für
die Johanniter-Unfall-Hilfe beobachtet. Er betont: „Wenn uns
die Bundeswehr schon so eine exklusive Übung
zur Verfügung stellt, sind wir gerne mit dabei.“ |
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| Jeder Hand
griff muss sitzen, um innerhalb kürzester Zeit aus 140
Soldaten Patienten zu machen, ohne Schmerzen zu verursachen... |
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Bereits am Nachmittag wurden für das Vorhaben 140 Soldatinnen
und Soldaten aus dem benachbarten Nienburg so maskiert und
geschminkt, dass den Rettern die Verletzungen eindrucksvoll
vor Augen geführt
wurden. Der Wunstorfer Speisesaal wurde zu einer überdimensionalen
Maskenbildnerei umfunktioniert. Gut gelaunt bereiteten sich
die Soldaten auf die kommenden Stunden auf der Trage vor und übten
sich auch darin, zwischen Schläuchen und Bandagen noch mal eine
Zigarette anzuzünden. Richtig echt wirkten die "Verletzungen",
wo zwischen angebrannten Uniformteilen zum Beispiel die Verbrennung
zum Vorschein kam oder Blut bereits
den Verband über der Wunde durchnäßt hatte. Anschließend
wurden die Darsteller nach Jever geflogen, wo dann die ausgewählten
Maschinen zur Evakuierung einschwebten.
Das Geschehen, das zu dieser großen Zahl an „Verletzten“ geführt
hat, bleibt dabei offen. Vor allem sind Knochenbrüche und Verbrennungen
zu beklagen. Es könnte sich zum Beispiel um ein Flugzeugunglück
gehandelt haben, aber auch ein Anschlag auf Soldaten in den
Einsatzgebieten oder sogar ein Terroranschlag könnten zu solchen
Ausmaßen
geführt haben. Eine Rolle spielt das auf dem Flugfeld in Wunstorf
an diesem Abend nicht. Hier gehen die Helfer, ob uniformiert
oder nicht, mit viel Ruhe und Routine vor. Dr. Mohtadi, der
die Übergaben
aufmerksam überwacht,
bringt den Erfolg der Übung auf eine einfache Formel: „Gerade
im Notfall muss man die richtigen Leute zum richtigen Zeitpunkt
am richtigen Ort haben.“ Diesmal hat es funktioniert:
In kurzen Abständen landen die Transportflugzeuge, um ihre Patienten
an die wartenden Helfer zu übergeben. So bald die Propeller still
stehen, fährt ein Rettungsfahrzeug nach dem anderen
zur Laderampe der Flugzeuge und die Ärzte
besprechen die diagnostizierten Verletzungen. Und das obwohl
die Patienten, die bei Bewußtsein sind, drängeln. Lautstark
wird aus dem Laderaum der französischen Transall um Hilfe geschrien.
So mancher Darsteller ist schon recht heiser, als die Türen des
Krankenwagen geschlossen werden.
Die Helfer wollen sich auf dem erfolgreichen Verlauf dieser Übung
nicht ausruhen, Bedarf für weitere Vorhaben dieser Art gibt
es immer.
Und wie es sich für die Bundeswehr gehört,
gibt es am Ende, wenn die Verbände im Müllsack und die Masken
wieder im Schminkkoffer verschwunden sind, eine Entschädigung für
alle: Heiße
Erbsensuppe.
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| Noch vor dem Eintreffen der Flugzeuge stehen die Helfer
bereit. |
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| Der Fliegerarzt
übergibt einen Intensivpatienten an seinen Kollegen. |
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| Prioritäten
festlegen: Informationsaustausch vor der Übergabe
der Patienten. |
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| Ständig
treffen Maschinen mit weiteren Opfern ein: Hier die
Herkules der griechischen Streitkräfte. |
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| Die
Arbeit in der fliegenden Intensivstation verlangt
viel Erfahrung. |
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| Sieht
schlimmer aus, als es ist. |
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| Gutgelaunte
Darsteller warten auf ihren Einsatz. |
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Noch
kurz eine Infusion andeuten und dann kann es losgehen...
Fotos: Zeitter |
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| Übungsende:
Auf dem Fliegerhorst Wunstorf kehrt wieder Ruhe ein. |
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