truppen.info: Truppe : Deutsche Jets über Litauen
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 Deutsche Kampfjets über Litauen
 Luftwaffe sichert für drei Monate Luftraum über dem Baltikum
Siauliai (lb) [02.09.05]. So viel Krach sind die Litauer seit dem Abzug der Russen nicht mehr gewohnt. Zwei Mal täglich ziehen zwei deutsche Phantom-Abfangjäger vom litauischen Siauliai aus ihre Kreise über dem Baltikum. Beim Truppenbesuch des deutschen Luftwaffen-Chefs, Generalleutnant Klaus-Peter Stieglitz, drehten sich die Fragen der litauischen Presse denn auch fast ausschließlich um den Lärmschutz. Aber der erste Eindruck täuscht: die Bevölkerung freut sich über das NATO-Engagement in ihrem Land, das für drei Monate durch die Deutschen sichergestellt wird. Ohne die internationale Unterstützung wäre es sehr ruhig in Siauliai – die gesamte Luftwaffe Litauens verfügt über zwei „Strahlflugzeuge“ und einen Doppeldecker.

Take off zum Kontroll-Flug über dem Baltikum: Deutsche Phantom-Abfänger im Litauischen Siauliai.
Fotos: Bessel
Zufrieden: Generalleutnant Klaus-Peter Stieglitz.
Sorgen für den nötigen Antrieb: Pipeline-Pioniere.
truppen.info vor Ort:
Aus Litauen berichtet:
Lars Bessel,
Chefredakteur
 
 
Die Luftwaffe steht dagegen schon mit vier Abfangjägern für den Ernstfall bereit. Sei es, dass ein anderes Flugzeug Hilfe braucht, weil Funk oder Radar ausgefallen sind, und sicher zum Boden begleitet werden muss. Sei es, dass ein Flugzeug unberechtigter Weise in den Luftraum Litauens, Lettlands oder Estlands eindringt, „abgefangen“ – und notfalls abgeschossen werden muss. Die Wahrscheinlichkeit ist zweifelsohne gering.
Das Vorgängerkontingent aus den Niederlanden flog – nicht zuletzt aufgrund der maroden Start- und Landebahn – denn auch nicht mehr als irgend nötig. Bei den Deutschen sieht das anders aus. Immerhin hatte General Stieglitz seine Truppe offensiv bei der NATO angeboten – und nun gilt es Flagge zu zeigen.
Auf diese Weise hat das deutsche Kontingent in den ersten beiden Monaten rund eine Million Liter Flugbenzin verbraucht, so der Chef der Pipeline-Pioniere, die für die Spritversorgung vor Ort verantwortlich sind. „Wir sind schon im ersten Monat mehr geflogen, als die Niederländer im gesamten viertel Jahr.“ Das Kerosin liefert eine litauische Mineralölfirma als zivil-übliches Jet-A-1 „bester Qualität“. Mit allerlei Mixtur wird daraus in einigen Stunden F-34 speziell für die Phantom gebraut.
Von denen stehen stets zwei Maschinen voll einsatzbereit parat. Die Vorgabe lautet: bei einem realen Alarm müssen beide Maschinen innerhalb von 15 Minuten in der Luft sein. Für die Piloten nichts ungewöhnliches: zuhause gilt es die Luftraumüberwachung in derselben Art und Weise ganzjährig sicherzustellen. Und dazu gehört Übung. Die vielen Flüge in Litauen dienen deshalb nicht nur dazu, Präsenz zu zeigen, sondern auch zum weiteren Training. Übrigens auch für das litauische Unterstützungspersonal zum Beispiel im Tower, das auf diese Art „on the job“ NATO-Standards üben kann.
Der entscheidende Unterschied zu daheim sind die Lebensumstände der deutschen Soldaten. Nach Dienst geht es nicht nach Hause, sondern ins Hotel. Rund 115 Männer und Frauen sind in Litauen eingesetzt. Die Kameradschaft ist gut, hört man von allen, die Stimmung auch. Kein Wunder: anders etwa als bei einem Einsatz auf dem Balkan werden die Soldaten im Schnitt alle 14 Tage ausgetauscht. Nach Dienst und einer Dusche im gepflegten Hotelzimmer geht es in kleinen Gruppen in zivil in die Stadt, sei es ins Restaurant, in die Kneipe oder die Disco. Um ein Uhr nachts ist Zapfenstreich, samstags sogar erst um drei. Natürlich nur für jene, die nicht auf Abruf bereit stehen müssen. Überwacht wird die Regelung von der deutschen Militärpolizei, den Feldjägern, „ohne Probleme“.
Siauliai ist eine Stadt mit rund 130.000 Einwohnern, die es verstanden hat, sich in den ver-gangenen Jahren sichtbar zu mausern. Nicht zuletzt die Anwesenheit der NATO bringt weitere Devisen ins recht arme Land an der Ostsee – vermutlich auch daher das Klagen über die neue Lärmbelästigung. Ein gutbezahlter Facharbeiter erhält im Monat rund 700 LTL, rund 250 €. Ein großes Bier kostet zwar auch nur 1,50 €, der Liter Benzin allerdings deutlich über einen Euro. Die litauische Küche ist gut, so gut, dass sogar die Mittagsverpflegung am Flugplatz von einem örtlichen Hotel geliefert wird. Allerdings nach Meinung der Soldaten zu einem vielfach überzogenen Preis. Aber der zuständige Veterinär habe halt nicht alle einheimischen Küchen, aus denen die Soldaten abends auf eigene Kosten essen, für die offizielle Verpflegung zugelassen.
Der Inspekteur der Luftwaffe, Generalleutnant Stieglitz, ist zufrieden mit dem, was er bei seiner 24-stündigen Stippvisite zu sehen und zu hören bekommt. Anders als die vielen notwendigen Zuarbeiter, vom Funker bis zum „Wetterfrosch“, vom Sanitäter bis zum Feuerwehrmann, ist der General allerdings schneller zuhause. Während die Soldaten mit einem Transportflugzeug vom Typ „Transall“ hin und her fliegen, nimmt ihr Chef eine F-4F Phantom – statt drei Stunden, ist es da nur eine Stunde Flug …
 
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