Der entscheidende Unterschied zu daheim sind die Lebensumstände der deutschen
Soldaten. Nach Dienst geht es nicht nach Hause, sondern ins Hotel. Rund
115 Männer
und Frauen sind in Litauen eingesetzt. Die Kameradschaft ist gut, hört
man von allen, die Stimmung auch. Kein Wunder: anders etwa als bei einem Einsatz
auf dem Balkan werden die Soldaten im Schnitt alle 14 Tage ausgetauscht. Nach
Dienst und einer Dusche im gepflegten Hotelzimmer geht es in kleinen Gruppen
in zivil in die Stadt, sei es ins Restaurant, in die Kneipe oder die Disco.
Um
ein Uhr nachts ist Zapfenstreich, samstags sogar erst um drei. Natürlich
nur für jene, die nicht auf Abruf bereit stehen müssen. Überwacht
wird die Regelung von der deutschen Militärpolizei, den Feldjägern, „ohne
Probleme“.
Siauliai ist eine Stadt mit rund 130.000 Einwohnern, die es verstanden hat,
sich in den ver-gangenen Jahren sichtbar zu mausern. Nicht zuletzt die Anwesenheit
der NATO bringt weitere Devisen ins recht arme Land an der Ostsee – vermutlich
auch daher das Klagen über die neue Lärmbelästigung. Ein gutbezahlter
Facharbeiter erhält im Monat rund 700 LTL, rund 250 €. Ein großes
Bier kostet zwar auch nur 1,50 €, der Liter Benzin allerdings deutlich über
einen Euro. Die litauische Küche ist gut, so gut, dass sogar die Mittagsverpflegung
am Flugplatz von einem örtlichen Hotel geliefert wird. Allerdings nach Meinung
der Soldaten zu einem vielfach überzogenen Preis. Aber der zuständige
Veterinär habe halt nicht alle einheimischen Küchen, aus denen die
Soldaten abends auf eigene Kosten essen, für die offizielle Verpflegung
zugelassen.
Der Inspekteur der Luftwaffe, Generalleutnant Stieglitz, ist zufrieden mit
dem, was er bei seiner 24-stündigen Stippvisite zu sehen und zu hören bekommt.
Anders als die vielen notwendigen Zuarbeiter, vom Funker bis zum „Wetterfrosch“,
vom Sanitäter bis zum Feuerwehrmann, ist der General allerdings schneller
zuhause. Während die Soldaten mit einem Transportflugzeug vom Typ „Transall“ hin
und her fliegen, nimmt ihr Chef eine F-4F Phantom – statt drei Stunden,
ist es da nur eine Stunde Flug … |