truppen.info: Truppe: 50 Jahre Luftwaffe
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 50 Jahre und kein bißchen leise
 Minister Jung dankt der Luftwaffe für den schnellen Einsatzbeginn
Besucherandrang auf dem Vorfeld des Fliegerhorst Laage.
Laage (uz) [19.08.06] Aufgeregt verläßt ein Schwarm Schwalben den Flugplatz Rostock-Laage, hier ist etwas mehr los als sonst an diesem sonnigen Samstagvormittag: Die Luftwaffe feiert Geburtstag und wie sie feiert! Mit einem interessanten Tag der offenen Tür, der ein wahres Familienfest wurde.
Und ein besonderes Schmankerl hat sich die Luftwaffe für ihren 50. Geburtstag aufgehoben: Erstmals wurde der „Eurofighter“ von Piloten der Bundeswehr bei einer Vorführung geflogen. Die ersten Maschinen wurden erst kürzlich in Neuburg an der Donau in Dienst gestellt, die Piloten werden aber in Laage ausgebildet.
Mit einer Flugshow, wie es sie lange nicht mehr gab, darüber sind sich die Fach-Beobachter einig, präsentierte die Luftwaffe ihr Können und lockte mit dem intensiv geprobten Szenario Luftfahrt- Begeisterte aus der ganzen Republik nach Mecklenburg-Vorpommern.
In einem Szenario, das durchaus realistisch sein könnte, fingen zunächst zwei „Eurofighter“ eine „feindliche“ „Phantom F4“ ab. Im folgenden überflog ein „AWACS“- Aufklärungsflugzeug den Ort des Geschehens, ein angenommes Bürgerkriegsland, bevor mehrere Kampfflugzeuge „Tornado“, „Phantom F4“ und natürlich „Eurofighter“ den Luftraum behaupteten, um vorwiegend deutsche Staatsangehörige, aus der „Krisenregion Laage“ zu evakuieren. Nach dem Einsatz der Luftwaffe im vergangenen Jahr zu Luftraumsicherung über Litauen und den jüngsten Evakuierungsfllügen in den Nahen Osten für die Luftwaffe keine ganz fremden Vorstellungen mehr.
In der Zusammenarbeit aller Bereiche der Luftwaffe mit Unterstützung des Heeres wurde die Rettung vorgeführt. Aus einem Transporthubschrauber „CH-53“ wurden Fallschirmjäger abgesetzt, bevor aus einer „TransAll“ Hilfsgüter abgeworfen wurden. Selbstverständlich unter ständiger Sicherung durch die Kampfflugzeuge im Luftraum. In der einzigartigen Sarajevo-Landung setzte eine TransAll Luftwaffensicherungskräfte ab, um die Evakuierung vorzubereiten. Zwei Leichte Transporthubschrauber vom Typ Bell UH 1 D sicherten die Soldaten zusätzlich aus der Luft, während die TransAll wieder abhob und erst später ebenfalls mit einer Sarajevo-Landung wieder zur Abholung der Sicherungskräfte und der „Zivilpersonen“ einschwebte. Die Sarajevo-Landung entstand während des Transportes von Hilfsgütern in die eingeschlossene Stadt. Immer wieder wurden die Transportmaschinen dabei von Geschossen getroffen. Die Piloten haben als Konsequenz daraus die Maschinen möglichst lange auf Flughöhe gehalten, bevor sie nahezu senkrecht zur Landung ansetzen. Die sogenannte Übung „Snap“ (=Biss) wurde zweimal an diesem Tag absolviert. Die Zuschauer bekamen so einen Überblick über die Fähigkeiten der Luftwaffe. Während der Übung wurde beispielsweise auch ein Tornado in der Luft betankt. Nach der Übung zeigte einer der Fluglehrer des „Eurofighters“ einen Ausschnitt aus dem Leistungsspektrum des neuen Fliegers.
Der Eurofighter in Aktion.
Dicke Luft über dem Flughafen Rostock-Laage.
Das Abwerfen von Versorgüngsgütern, für die Besatzungen der "TransAll" längst Routine.
Spektakulär: Die "Sarajevo-Landung".
Selten am Himmel zu sehen: AWACS-Aufklärer der NATO.
Die Besucher waren begeistert, egal, ob es der Flugzeugfan aus dem Elsaß oder die Nachbarn des Fliegerhorstes waren, die den Lärm der Bundeswehr öfter ertragen müssen, aber, so betont eine Rentnerin aus der Umgebung, der sei ja schließlich auch mit Arbeitsplätzen in der Region verbunden. „Klar manchmal ist es schon nervig“, meint ein anderer Nachbar, „aber das ist hier eben so.“ Die Bundeswehr gehört in der Region zu den größten Arbeitgebern. Da feiert man in der Nachbarschaft eben auch gerne mit und nimmt auch einiges dafür in Kauf. Weit mehr als 100000 Besucher sind es nach Angaben der Organisatoren gewesen. Einen regen Zuspruch fanden dabei auch die Stände der Nachwuchsgewinnung. Neben den beiden Flugvorführungen gab es auch allerhand am Boden zu sehen: Waffenschau der Luftwaffensicherungskräfte, „Leistungsschau“ der Flugabwehr und natürlich jede Menge Flugzeuge, von den Maschinen der Bundeswehr über die „MiG 29“, die jahrelang in Laage zu Hause war, über die Maschinen aus den unterschiedlichsten Nationen bis hin zu einem Lazarett-Airbus oder einem AWACS-Aufklärungsflugzeug. Besonders vor diesen beiden Maschinen bildeten sich lange Besichtigungsschlangen. „Damit will ich jetzt einfach los fliegen“, schwärmte die 16jährige Andrea im Cockpit des Eurofighters, bevor sie dem nächsten Besucher wieder Platz machen muss. Eine Karriere bei der Bundeswehr hat sie eigentlich nicht im Auge, aber der Flieger faszinierte sie trotzdem, wie sie sagte. Der Wunsch des Fluges blieb allerdings unerfüllt.
Am Nachmittag statte auch der Verteidigungsminister, Dr. Franz Josef Jung den Geburtstagskindern einen Besuch ab, weihte ein neues mobiles Radar-Gefechtszentrum ein und überbrachte die Glückwünsche der Bundesregierung: „50 Jahre Luftwaffe ist Leistungsfähigkeit, Einsatzbereitschaft und ein Stück Erfolgsgeschichte der Bundeswehr und ich bin unserer Luftwaffe sehr dankbar für ihre Effektivität und für die Art und Weise, wie sie den Einsatz leistet “, war der Verteidigungsminister voll des Lobes.
Zugleich dankte er dem Inspekteur der Luftwaffe, Generalleutnant Klaus-Peter Stieglitz, für die schnelle Bereitstellung von zwei „TransAll“-Maschinen, die am Freitag von den Vereinten Nationen angefordert wurden und die noch am selben Tag für humanitäre Hilfsflüge nach Jordanien gestartet sind.
Der Minister betonte vor Journalisten und Besuchern, er erwarte vor einem Einsatz von den Vereinten Nationen, dass es ein klares Mandat gebe. Es liege bereits ein Entwurf für Rules of Engagement, die Einsatzregeln, vor, der in die richtige Richtung gehe, nämlich ein robustes Mandat gingen zu schaffen. „Ein robustes Mandat bedeutet immer, dass man im Zweifel auch kampffähig sein muss“, betonte Dr. Jung und ergänzte: „Das bedeutet, wenn eine Grenzsicherung vorgenommen wird, dass ich nicht nur im Beobachterstatus bleibe, sondern dass ich auch handlungsfähig bin und deshalb ist eine kampffähigkeit notwendig.“
Ab dem 2. September sollen, so Dr. Jung weiter, die UN-Kräfte in die Region verlegt werden. „Ich halte es für wichtig, dass auch die europäischen Partner effektive Angebote machen und hier sticht das Italienische Angebot heraus“, setzte sich der Minister für das Engagement der Nachbarstaaten ein.
Der Einsatz der Bundeswehr, mit einem Schwerpunkt der Marine, scheint damit beschlossene Sache. Angesprochen auf seinen schnellen Vorstoß, der Umfragen zu folge ohne breite Unterstützung ist, gab sich Dr. Jung selbstsicher: „Wir müssen noch ein Stück Überzeugungsarbeit zu leisten, das ist wahr. Ich habe ja schon einen anderen Einsatz zu verantworten. Wenn ich an den Kongo-Einsatz denke, waren 73% der Bevölkerung dagegen und nachher hat sich die Entwicklung so dargestellt, dass doch die Mehrheit gesagt hat: ‚das ist richtig‘. In einer solchen Region einen stabilen Frieden herbeizuführen, das ist, glaube ich, auch in unserem nationalen Interesse. Deshalb glaube ich, dürfen wir uns einem solchen Einsatz nicht verweigern“, gab der Verteidigungsminister seine klare Linie vor.
Sicherungskräfte begleiten die "Evakuierten" in die Maschine.
Mission beendet.
Der "Stolz der Luftwaffe", der "Eurofighter auf dem Rückweg.
Lächeln für's Erinnerungsfoto.
Mit etwas Geduld konnte man einen Blick in den Lazarett-Airbus werfen.
Verteidigungsminister Dr. Franz Josef Jung und Generalleutnant Klaus-Peter Stieglitz.
Die Luftwaffenpiloten begeisterten und faszinierten ihre Zuschauer.
 
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