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Herr Admiral, gestatten Sie mir zu Beginn bitte eine persönliche
Frage: Sie haben nach dem Ende Ihrer militärischen Karriere
den Vereinsvorsitz bei der EAS übernommen. Ihre letzte
Verwendung als erster Inspekteur der Streitkräftebasis
war sicherlich eine große Herausforderung auf militärischem
Neuland, was hat Sie motiviert, statt in einen „Ruhe“-Stand
dieses Amt zu übernehmen? |
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Vizeadmiral a.D. Bernd Heise. Foto: EAS |
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Ich
hätte die Herausforderungen meines Dienstes ohne die
nachhaltige Unterstützung von Soldatinnen und Soldaten
sowie zivilen Mitarbeitern nicht bestehen können. Mein
Ehrenamt ermöglicht mir nun, etwas zurück zu geben.
Gerade die Evangelische Arbeitsgemeinschaft für Soldatenbetreuung
(EAS) kann als Teil der Kirche unter den Soldaten einen spürbaren
Beitrag zur Abfederung der Belastungen dieser Menschen auf Grund der
hohen Einsatzfrequenz und durch den stetigen Strukturwandel in der
Bundeswehr leisten. |
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Kirche und Soldaten sind für viele Menschen ein Widerspruch.
Sie stehen einem kirchlichen Verein vor, der sich ausschließlich
mit der Betreuung von Soldaten beschäftigt, wo sehen Sie
den Schwerpunkt der Betreuung? |
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Ich freue mich, dass Menschen zunehmend die friedenssichernden
Einsätze unserer Soldaten als ganz im Einklang mit unseren christlich-abendländischen
Werten und als Gebot christlicher Nächstenliebe verstehen.
Natürlich haben auch die Menschen in der Bundeswehr selbst Anspruch auf
christlich getragene Zuwendung. Das will die EAS als der diakonische Arm der
Evangelischen Militärseelsorge im Inland und in den Einsätzen leisten.
Diakonie unter den Soldaten hat den Menschen in seiner Gesamtheit zu sehen. Deswegen
richten wir unseren Betreuung an den Inhalten „Bildung, Kultur sowie Freizeit
und Sport“ aus.
Wir wollen also mehr sein als die Truppenkantine. Es erfüllt uns überdies
mit Freude, dass wir die Zuwendungen aus Kirchensteuermitteln der evangelischen
Soldaten und des Bundes für Jeden, der zu uns kommt, einsetzen können,
unabhängig von seiner Rasse, seinem Rang oder seiner Religion. |
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Über viele Jahre waren die Soldatenheime zentrale Anlaufstellen
der EAS für Soldaten. Welche Einwirkungen hat der Rückzug
der Bundeswehr aus vielen Regionen und auch die vermehrt heimatnahe
Verwendung von Wehrpflichtigen auf dieses Konzept? |
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Die EAS begeht in diesem Jahr gemeinsam mit ihrer katholischen
Schwesterorganisation, der KAS, das 50 jährige Bestehen. Mit dem Wandel
der Bundeswehr haben sich auch die Aufgaben der EAS verändert und
erweitert.
Gleichwohl bilden die Soldatenheime weiterhin zentrale
Punkte für unsere Betreuung im Inland. Unser Angebot zielt nicht nur
auf die Wehrpflichtigen, sondern auch auf die Längerdiener, denen
wir als am Standort allein lebende Pendler oder dort mit ihren Familien
wohnende umfangreiche Möglichkeiten der Freizeitbetreuung bieten.
In ausgewählten Standorten ohne Soldatenheim sind wir mit unseren
Maßnahmen der „Offenen Betreuung“ präsent.
In beiden Feldern arbeiten wir mit der Evangelischen
Militärseelsorge ganz eng zusammen. |
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In wieweit hat sich der Betreuungsschwerpunkt für die EAS in den
vergangenen Jahren ins Ausland verlagert? |
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So, wie es für die Militärseelsorge selbstverständlich
ist, unsere Truppen im Auslandseinsatz seelsorgerisch
zu begleiten, folgen auch EAS und KAS, ökumenisch und ökonomisch
in einer Arbeitsgemeinschaft verbunden, ihrem Anspruch,
gerade Soldatinnen und Soldaten in besonderen Belastungen diakonisch/karitativ
zu betreuen. Sichtbares Zeichen sind drei OASEn, die
mit ihrem
Betreuungsangebot und gepflegter Gastronomie ein Stück
Heimat ersetzen und als „Gemeindehäuser“, Gottesdienstraum
und „Raum der Stille“ den Menschen auch eine Rückzugsmöglichkeit
aus dem Einsatzalltag bieten wollen.
Mit der langen Abwesenheit der Soldaten von ihren Familien
und Partner, aber auch vermehrt durch den Strukturwandel der
Bw im Inland hat sich mit der Familienbetreuung ein weiterer
Schwerpunkt für uns ergeben. Die EAS unterstützt die
Familienbetreuungszentren der Bw finanziell, materiell und im
Rahmen ihrer Möglichkeiten auch personell. Eigene Betreuungsangebote
sind Partnerseminare vor, während und nach den Einsätzen,
Familienfreizeiten und die Telefonbetreuung im Inland zurückbleibender
Partner, mit der Aktion „Leihen Sie Ihr Ohr“.
Herzlich sage ich an dieser Stelle allen ehrenamtlichen
Helfern für ihr Engagement Dank. |
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Einen Ort der Ruhe und Gemütlichkeit bieten die Oasen der EAS/KAS
in den Feldlagern der EUFOR-, KFOR- und ISAF-Einsätze.
Foto: Zeitter |
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Derzeit werden von der KAS und der EAS OASEn in Afghanistan,
Bosnien-Herzegowina und in der Provinz Kosovo betrieben.
Reichen diese Einrichtungen für eine umfangreiche Betreuung der Soldaten
im Auslandseinsatz aus?
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EAS/KAS stellen über
die OASEn hinaus bereits in anderen Auslands-standorten Betreuungspakete
und -maßnahmen zur Verfügung.
In Mazar-e-Sharif werden wir mit der Fertigstellung des gehärteten Betreuungszentrums
im Feldlager einen großen Raum von der Bundeswehr anmieten und darin die
gewohnte Betreuung im Stil einer OASE sowie die Möglichkeit zur Abhaltung
von Gottesdiensten schaffen.
Für im Personalumfang und zeitlich begrenztere Einsätze haben wir gerade
einen Betreuungscontainer mit umfangreichem Betreuungsmaterial befüllt.
Damit können wir flexibel auf veränderte Einsatzparameter, auch und
gerade
in der unwirtlichen Aufbauphase eines Einsatzes reagieren.
Wir werden diesen Container demnächst einem begleiteten Praxistest unterziehen
und soweit notwendig die Beladung dem erfahrenen Bedarf anpassen. |
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Welche Möglichkeiten für Betreuungsmaßnahmen
hat die EAS in den Einsatzregionen? Wie verläuft die Kooperation
mit der Bundeswehr, die ja in dieser Zeit auch „Arbeitgeber“ der
Betreuungsfeldwebel ist? |
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Über unterschiedliche Formen unserer Einsatzbetreuung habe
ich gerade berichtet. Die OASEn sind mit Betreuungsgerät, wie Musikimstrumenten,
DVD-Spielern, Filmen und Spielen ausgestattet. Im Rahmen des finanziell
Machbaren sorgen wir für Auftritte von Künstlern von Comedy über
Musikgruppen bis zum Theater, eine akzeptable Sicherheitslage vorausgesetzt.
Ohne eine ganz enge und tragfähige Kooperation mit der Bundeswehr könnte
unsere Betreuungsarbeit nicht gelingen. Wir sind für die Beistellung von
Heimfeldwebeln a Konto des Bundes sowie vom Mitwirken der Betreuungs-feldwebel
in den OASEn abhängig und dankbar, dass auch für letzteres ganz überwiegend
ein Verständnis bei den Einsatzverantwortlichen vor Ort gewachsen ist. Schließlich
ist in den Balkan-OASEn nur noch ein Heimfeldwebel finanzierbar.
Die Personalkosten für den zweiten Heimfeldwebel in Kabul erstatten EAS/KAS. |
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Die Einsatzregionen der Bundeswehr nehmen kontinuierlich
zu, wann stoßen die beiden Vereine an eine Grenze des Machbaren,
oder wie beugen Sie vor, um nicht an eine Grenze zu stoßen? |
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Die
OASEn müssen sich in Investitionen und Betrieb wirtschaftlich
selbst tragen. Gewinne werden uneingeschränkt für
die Betreuung im Einsatz und anteilig für die Familienbetreuung
eingesetzt. Zuwendungen Dritter stehen uns
dafür nicht
zur Verfügung. Wir sind daher gehalten, die Einrichtungen
nach kaufmännischen Kriterien zu unterhalten. Geringe
Mindereinnahmen einzelner Einrichtungen können wir zeitweise
im Verbund auffangen.
Dauerhafte Defizite sind nicht tragbar. Wenn die Kostenforderungen
des Bundes für Heimfeldwebel signifikant stiegen oder der Zuspruch
der Soldaten nachließe, müssten wir uns schweren Herzens
entscheiden, auch eine Einrichtung zu schließen.
Nur so ließe sich ein Aufwachsen an anderer Stelle bewerkstelligen.
Durch vermehrte Öffentlichkeitsarbeit werden wir den Soldaten
verdeutlichen, dass letztendlich Sie es sind, die durch
ihre Inanspruchnahme unserer Angebote und unserer Gastronomie
die weitere Einsatzbetreuung
und die Unterstützung der Familienarbeit sichern. |
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Auch die Arbeit Ihres Vereines steht und fällt mit dem Personal.
Kann die EAS auf ausreichend qualifiziertes und engagiertes
Personal zurückgreifen
und was erwarten Sie von Ihren Mitarbeitern in den Soldatenheimen
und OASEn? |
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In
der Tat wird für unsere Arbeit besonders qualifiziertes
Personal benötigt.
Da wir in den meisten OASEn nur noch über einen Heimfeldwebel
verfügen, muss dieser sowohl gastronomisch wie für die Betreuung
qualifiziert sein.
Gleiches gilt für die Leiter der Soldatenheime im Inland. Die
EAS greift daher sehr gerne auf ehemalige Soldaten mit Küchenmeister-
bzw. vergleichbaren Qualifikationen zurück, denen wir eine ergänzende
betreuerische Fähigkeit vermitteln. Zum Erhalt des gastronomischen
know hows betreiben wir eine Anzahl unserer Heime in Selbstbewirtschaftung
und verfügen über begrenzte „Springer“, die im Inland oder im Einsatz kurzfristig aushelfen.
Für die OASEn unterstützt uns die Personalorganisation der
Bundeswehr bei der Gewinnung von geeigneten Reservisten
und dankenswerter Weise auch der Verband der Reservisten
der Bundeswehr. |
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Mit der Bundeswehr verschwinden auch in vielen Region
die Soldatenheime, oft werden Soldatenheime von der Bevölkerung attraktiver
empfunden als von Soldaten. Welchen Weg geht die EAS
in Zukunft? |
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Soldatenheime
sind, konzeptionell gewollt, immer auch Stätten der Begegnung
von Soldaten und zivilen Mitbürgern. Daher sind uns diese
sowohl als Gäste wie als Mitglieder in den Kuratorien
der Heime und als ehrenamtliche Helfer
sehr willkommen.
Ich habe ausgeführt, dass die Arbeit in den Soldatenheimen nur
einen Teil unserer Betreuung ausmacht. Offene Betreuung, Familienbetreuung
und unser Engagement im Einsatz werden auch zukünftig wichtige
Pfeiler in unserem besonderen, christlich begründeten Wirken
zu Gunsten der Soldatinnen, Soldaten und ihrer Familien sein.
Daher bin ich mir, trotz allseits begrenzter Finanzen,
auch weiterhin der notwendigen Zuwendungen unserer
Auftraggeber, des Evangelischen Militärbischofs und des Bundesministers
der Verteidigung sicher. |
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(Das Gespräch führte Uwe Zeitter) |
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