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Von
der Wiederbewaffnung bis zum Hindukusch |
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Schlaglichter aus 50 Jahren Bundeswehr |
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Bonn / Berlin [12.11.05]. Am 12.
November 1955 waren in der Bonner
Ermekeil-Kaserne die ersten 101 Freiwilligen
angetreten, um von
Bundesverteidigungsminister Theodor Blank
die Ernennungsurkunden zu empfangen. Doch
diese Zeremonie begann mit einer Panne:
Nur ein Dutzend der Männer trug
Uniform. Hosen und Jacken für den Rest der
künftigen Soldaten waren noch nicht fertig. Dass der fünfzigste Geburtstag der
Bundeswehr bereits ab dem 7. Juni gefeiert
wird, macht dennoch Sinn: An diesem Datum
wurde 1955 die "Dienststelle Blank" des
gleichnamigen ersten Verteidigungsministers
der Bundesrepublik Deutschland in
"Bundesministerium für Verteidigung"
umbenannt. Das Amt Blank (auch „Dienststelle
Blank“ genannt) war von 1950 bis 1955 der
Vorläufer des Bundesministeriums der
Verteidigung. Die offizielle Bezeichnung
lautete „Dienststelle des Bevollmächtigten
des Bundeskanzlers für die mit der
Vermehrung der alliierten Truppen
zusammenhängenden Fragen“. Geleitet wurde es
von Theodor Blank, der von 1955 bis 1956
Bundesverteidigungsminister war.
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| Theodor Blank bei seiner Vereidigung zum ersten Bundesverteidigungsminister der Bundesrepublik |
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Die Wiederbewaffnung
Es war nicht selbstverständlich, dass
nur zehn Jahre nach dem Untergang des
Dritten Reichs und der bedingungslosen
Kapitulation der Wehrmacht wieder eine
deutsche Armee aufgestellt werden
sollte. Doch der Kalte Krieg ließ das
eigentlich Undenkbare wahr werden: Die
Amerikaner fürchteten ein Vorrücken der
UdSSR Richtung Westen. Deutschland
sollte der starke und vor allem
bewaffnete Partner der USA sein.
Bereits ab Juni 1950 beriet Gerhard Graf
von Schwerin Bundeskanzler Adenauer in
sicherheitspolitischen Fragen und traf
Vorbereitungen für den Aufbau eines
künftigen Verteidigungsministeriums. Im
Oktober 1950 wurde er jedoch von Konrad
Adenauer entlassen, nachdem er mit
Pressevertretern über seine Tätigkeit
gesprochen hatte. Das Thema der
Wiederbewaffnung Deutschlands war zu
dieser Zeit ein hochbrisantes
politisches Thema. Nach den Erfahrungen
im Zweiten Weltkrieg hatten die
Alliierten zunächst die völlige
Entmilitarisierung Deutschlands
beschlossen. Erst unter dem Eindruck des
Koreakrieges Anfang der 50er Jahre
begannen die Westmächte auf Initiative
der USA Verhandlungen über einen Beitrag
der Bundesrepublik zur „Verteidigung der
freien Welt“. Innenpolitisch stieß die
Wiederbewaffnung bei vielen Deutschen
auf Ablehnung. |
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Theodor Blank mit der Ernennungsurkunde
zum ersten Verteidigungsminister der
Bundesrepublik Deutschland und
Bundespräsident Theodor Heuss |
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Die EVG-Verträge
Am 26. Februar 1954 wird im Deutschen
Bundestag über einen "deutschen Wehrbeitrag"
debattiert. Das war nötig geworden, weil die
auch von der Bundesrepublik angenommenen
Verträge über die Europäische
Verteidigungsgemeinschaft (EVG) die
Schaffung einer gemeinsamen Armee in
Westeuropa vorsahen. Schließlich wird nach
der dritten Lesung die 1. Wehrnovelle
("Gesetz zur Ergänzung des Grundgesetzes")
mit 2/3-Mehrheit (vor allem durch Mitglieder
der CDU/CSU-Fraktion) angenommen. Auch der
Bundesrat stimmte zu, sodass das Gesetz mit
der Unterzeichnung durch Bundespräsident
Theodor Heuss am 26. März 1954 in Kraft
treten konnte. Das Grundgesetz wurde in drei
Punkten geändert:
Artikel 73:
Der Bund bekommt die ausschließliche
Gesetzgebung nun auch über die "Verteidigung
einschließlich der Wehrpflicht der Männer
vom vollendeten 18. Lebensjahr an und des
Schutzes der Zivilbevölkerung"
Artikel 79 Absatz 1:
Das Verfassungsänderungsverfahren wird für
völkerrechtliche Verträge, die "eine
Friedensregelung, [...] zum Gegenstand haben
oder der Verteidigung der Bundesrepublik zu
dienen bestimmt" erleichtert.
Artikel 142a:
Im neu angelegten Artikel wird erklärt "Die
Bestimmungen dieses Grundgesetzes stehen"
dem EVG-Vertrag "nicht entgegen".
Sofort nach Inkrafttreten der
Verfassungsänderung wurde mit der
Rekrutierung Freiwilliger für die neue
europäische Armee, die in den EVG-Verträgen
vorgesehen war, begonnen. Als allerdings am
31. August 1954 die französische
Nationalversammlung die Verabschiedung des
EVG-Vertrages vertagte, war diese Armee
gescheitert. Es musste eine neue Möglichkeit
für einen deutschen Wehrbeitrag gesucht
werden. |
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| Konrad Adenauer beim Besuch in der Andernacher Krahnbergkaserne, in die die ersten
Wehrpflichtigen der Bundeswehr eingezogen wurden. |
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Der NATO-Beitritt
Diese Frage wurde im September/Oktober 1954
auf der Neunmächtekonferenz in London
geklärt, als der Beitritt Deutschlands zur
NATO und zum Brüsseler Pakt beschlossen
wurde. Am 27. Februar 1955 ratifiziert der
Bundestag die Pariser Verträge, die
Bundesrepublik wird somit NATO-Mitglied. Die
Verträge treten zum 5. Mai 1955 in Kraft.
Der Beitritt der Bundesrepublik wird mit
einer Zeremonie am 9. Mai 1955 im Paris
abgeschlossen. In
Westdeutschland sind die Pariser Verträge
heftig umstritten. Zum ersten Mal seit
Bestehen der Bundesrepublik bildet sich mit
der so genannten Paulskirchen-Bewegung eine
außerparlamentarische Initiative. Sie wird
vor allem von der SPD, den Gewerkschaften
und weiten Teilen der evangelischen Kirche
getragen. Am 29. Januar 1955 verabschieden sie in der
Frankfurter Paulskirche das "Deutsche
Manifest". Sie lehnen darin die Pariser
Verträge ab und rufen zum Widerstand gegen
die deutsche Teilung auf. Letzten Endes kann sich jedoch die
Bundesregierung unter Adenauer durchsetzten. |
Mit der Unterzeichnung der Pariser Verträge
im Oktober 1954 wurden der Bundesrepublik
Streitkräfte von maximal 500.000 Mann
zugestanden. Gleichzeitig wurde der Verzicht
auf ABC-Waffen, strategische Bomber und
größere Kriegsschiffe vertraglich fixiert.
Außerdem wird im Rahmen der Pariser Verträge
zwischen Deutschland und Frankreich noch das
Saarstatut ausgehandelt. Es sichert die
politische Autonomie und die wirtschaftliche
Anbindung der Region an Frankreich. Der
deutsch-französische Streit über das
Saarland wird damit beendet. Für die Bundeswehr entwickelte eine
Expertenkommission aus ehemaligen
Wehrmachtsgenerälen das Konzept einer "Armee
in der Demokratie". Die Soldaten sollten als "Staatsbürger in
Uniform" gelten - unter dem Oberbefehl eines
Politikers und der Kontrolle des Parlaments.
Besonders problematisch in den Anfangsjahren
der Bundeswehr war die Einstellung neuer (Unter)-Offiziere
höherer Dienstgrade. Eine "saubere"
Besetzung dieser Posten war kaum möglich, da
nahezu alle militärisch vorgebildeten
Deutschen zwangsläufig eine Vergangenheit
aus der Wehrmacht hatten, solche
Personen aber zur Schaffung einer
Führungsstruktur unbedingt notwendig waren.
Um das Risiko, die "falschen" Soldaten
einzustellen, zu minimieren, wurden alle
Offiziere vom Oberst an aufwärts durch den
Personalgutachterausschuss überprüft, ein
Gremium aus 38 Persönlichkeiten des
öffentlichen Lebens, die vom
Bundespräsidenten auf Vorschlag der
Bundesregierung und nach Bestätigung durch
den Bundestag ernannt worden waren. Dass die Bundeswehr zur Heimat ehemaliger
Wehrmachtsoffiziere werden könnte, die einen
Eid auf Adolf Hitler abgelegt hatten,
wischte Bundeskanzler Konrad Adenauer (CDU)
mit einem lakonischen Kommentar beiseite:
"Ich glaube, dass mir die Nato 18-jährige
Generäle nicht abnehmen wird." Damit
war das Thema vorerst vom Tisch. Eine
Auseinandersetzung mit dem Verhältnis der
Bundeswehr zur Wehrmacht erfolgte erst viel
später. |
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An alle Deutschen! Flugblatt der CDU mit Auszug aus der
Regierungserklärung vom 3. Dezember
1952, in der Bundeskanzler Adenauer
für die Unterzeichnung der Pariser
Verträge und die Westbindung wirbt. |
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Rettet Einheit, Freiheit,
Frieden. Gegen Kommunismus und
Nationa-lismus! Deutsches Manifest
Sozialdemokraten, Gewerkschaftler
und Theologen verabschieden am 29.
Januar 1955 in der Frankfurter
Paulskirche das "Deutsche Manifest".
Sie lehnen darin die Pariser
Verträge ab und rufen zum Widerstand
gegen die deutsche Teilung auf. |
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Von Null auf 300.000 Mann in nur fünf Jahren
Theodor Blank war nur eine kurze Zeit im Amt
des Verteidigungsministers. Noch während
seiner Amtszeit wurde im Juli 1956 die
allgemeine Wehrpflicht eingeführt. Im
Oktober 1956 löste der CSU-Politiker Franz
Josef Strauß Blank ab. Zu diesem Zeitpunkt
hatte die Bundeswehr eine Truppenstärke von
65.000 Mann erreicht. Unter Strauß wuchs die
Bundeswehr bis 1960 schließlich auf 300.000
Mann. Der spätere bayerische
Ministerpräsident sorgte gleichwohl für den
ersten großen Skandal auf dem Sessel des
Verteidigungsministers. Strauß verstrickte
sich in die so genannte Spiegel-Affäre.
Am 26. Oktober 1962 durchsucht die Polizei
auf Anordnung der Bundesanwaltschaft in
einer nächtlichen Aktion die Redaktionsräume
des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" in
Hamburg und Bonn. Mehrere leitende
Redakteure werden wegen Verdacht auf
Landesverrat festgenommen. Der Herausgeber
Rudolf Augstein stellt sich zwei Tage später
selbst der Polizei. In Spanien wird der
stellvertretende Chefredakteur und
Militärexperte des Blattes, Conrad Ahlers,
an seinem Urlaubsort verhaftet. Anlass der
Polizeiaktion ist ein Artikel über das
NATO-Manöver "Fallex 62". In ihm berichtet "Der Spiegel" über atomare Planungen der
Bundeswehr. Bald konzentriert sich das
Interesse vor allem auf die Begleitumstände
der Aktion. Der Bundestag besteht auf
restloser Aufklärung. Entgegen einer
früheren Behauptung, mit der Sache "nichts,
im buchstäblichen Sinne nichts" zu tun zu
haben, muss Verteidigungsminister
Franz-Josef Strauß schließlich zugeben,
persönlich für die Festnahme von Ahlers in
Spanien gesorgt zu haben. Dieses Vorgehen
"etwas außerhalb der Legalität" - so
Bundesinnenminister Hermann Höcherl - führt
zu einer schweren Regierungskrise. In der
Öffentlichkeit ist die Entrüstung über den
massiven Eingriff in die Pressefreiheit
groß. Es kommt zu Massenkundgebungen, auf
denen vehement der Rücktritt von Strauß
gefordert wird. Als sich Bundeskanzler
Konrad Adenauer jedoch vor seinen
Verteidigungsminister stellt, treten die
fünf FDP-Minister seines Kabinetts am 19.
November 1962 zurück. Nun verzichtet Strauß
auf sein Ministeramt, um Adenauer die
Neubildung seines Kabinetts zu ermöglichen.
Nachfolger wurde Kai-Uwe von Hassel. |
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Der erste Skandal der Bundewehr
Der neue Bundesverteidigungsminister wurde
bereits im Sommer desselben Jahres mit einem
Skandal konfrontiert. Ein 19-jähriger Rekrut
war nach einem 15-Kilometer-Marsch
zusammengebrochen und wenig später
gestorben. Einer der Vorgesetzten des
Verstorbenen gelangte in der Folge als
"Schleifer von Nagold" zu trauriger
Berühmtheit. Der 22-jährige Ausbilder Hans
Dieter Raub begrüßte Rekruten schon mal mit
den Worten: "Ich habe drei Freunde in der
Kompanie. Zwei sind schon tot, der Dritte
sind Sie". Raub musste für acht Monate ins
Gefängnis. Verteidigungsminister von Hassel
überstand die Affäre unbeschädigt. Erst ein weiterer Skandal mit hoher
Opferzahl führte zur Ablösung von Hassels:
Der Abfangjäger "Starfighter" war auf
Betreiben von Strauß angeschafft worden.
Wegen seiner hohen Geschwindigkeit und
optimierten Steigrate galt er als
"Traumflugzeug". In der Praxis stürzte der
Jet jedoch so häufig ab, dass die
Soldaten ihm bald Spottnamen wie "Witwenmacher" und
"fliegender Sarg" gaben. Das Problem beim Starfighter war: Die F-104 war
ein Schönwetterjäger für die amerikanischen
Südstaaten. Deswegen sollte für Deutschland
extra die F-104 G ("G"= Germany) entwickelt
werden. Aber dafür mussten Rumpf und
Tragflächen verstärkt, das Leitwerk
vergrößert und die Triebwerksleistung
vermehrt werden. Und schließlich wog der
neue Starfighter fast ein Drittel mehr. Von
den 960 Starfightern, die von 1961 bis 1991
über Deutschland flogen, stürzten 291 ab.
116 Piloten starben. Eine besondere Tragik erlangten die
Ereignisse, als auch von Hassels Sohn
Joachim in einem Starfighter umkam. |
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Starfighter F 104 G |
 Starfighter und Bundeswehr-Pilot |
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"Zwei Armeen und ein Vaterland"
Eine Mammutaufgabe stellte sich den
Verantwortlichen der Bundeswehr mit dem
Zusammenbruch des Warschauer Paktes und dem
damit verbundenen Ende des Kalten Krieges.
Mit der Wiedervereinigung musste auch die
90.000 Mann starke Nationale Volksarmee der
DDR "abgewickelt" werden. Dass diese Kräfte
mehrheitlich nicht in die Bundeswehr
übernommen werden konnten, wurde schnell
klar: Der damalige Verteidigungsminister
Gerhard Stoltenberg (CDU) hielt die
NVA-Soldaten überwiegend für kaum brauchbar. Zudem sah der "2 plus 4-Vertrag"
für die Bundeswehr eine maximale Gesamtstärke von
370.000 Soldaten vor. Als Befehlshaber des
Bundeswehrkommandos Ost hatte der spätere
brandenburgische Innenminister Jörg
Schönbohm (CDU) die Aufgabe, 3000
NVA-Offiziere innerhalb von Monaten in die
Bundeswehr einzugliedern und die 519
Truppenteile der NVA aufzulösen. Seine
Erinnerungen an diese Zeit hielt Schönbohm
in dem Buch "Zwei Armeen und ein Vaterland"
fest. |
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| Rainer Eppelmann (Minister für Abrüstung und
Verteidigung der DDR) , Gerhard Stoltenberg
(Bundes-verteidigungsminister) , Jörg
Schönbohm (Befehlshaber des neuen
Bundeswehrkommandos Ost) |
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Doch welchem Zweck diente die Bundeswehr
noch, nachdem die Bedrohung aus dem Osten
verschwunden war? Die Weizsäcker-Kommission
legte in ihrem Bericht im Jahr 2000 dar:
"Zum ersten Mal in seiner Geschichte ist
Deutschland ringsum von Bündnis- und
Integrationspartnern umgeben und keiner
äußeren Gefährdung seines Territoriums durch
Nachbarn ausgesetzt." Die Diskussion über
die Aufgaben der Bundeswehr hält bis heute
an. |
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| Die Bundeswehr in Somalia |
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| Einmarsch der Bundeswehr in das Kosovo |
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Rot-Grün schickt die Bundeswehr in den Krieg
Erstmals seit dem Zweiten Weltkrieg wurden
im Frühjahr 1999 deutsche Soldaten in einen
bewaffneten Einsatz geschickt. Dass dieser
Einsatz im Kosovo ausgerechnet von der
rot-grünen Bundesregierung beschlossen
wurde, enttäuschte einerseits Pazifisten und
Friedensbewegte - und galt andererseits als
Feuertaufe der Regierung Schröder. Der
Bundeskanzler setzte diesen Einsatz bei
seinem grünen Koalitionspartner schließlich
mit der Vertrauensfrage durch. 50 Jahre nach ihrer Gründung steckt die
Bundeswehr mitten in der tiefgreifendsten
Veränderung ihrer Geschichte. Von der
Wehrpflichtigenarmee, die den Warschauer
Pakt aufhalten und Deutschland verteidigen
sollte, ist heute nicht mehr viel übrig. Die
neue Bundeswehr ist mittlerweile auf dem Weg
zu einer weltweit einsatzfähigen
Interventionsarmee, die nicht nur am
Hindukusch eingreifen kann. Geht es nach den Plänen des
Bundesverteidigungsministeriums, dann wird
die Bundeswehr schon in wenigen Jahren in
der Lage sein, an der Seite von
NATO-Partnern oder im Auftrag der UNO
vollwertige Kampfeinsätze mit bis zu 45.000
Mann an jedem Ort der Welt durchzuführen.
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Die Verteidigungsminister |
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| 1955 -
1956 |
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Theodor
Blank |
| 1956 -
1962 |
|
Franz
Josef Strauß |
| 1962 -
1967 |
|
Kai-Uwe
von Hassel |
| 1967 -
1969 |
|
Gerhard
Schröder
(nicht der spätere Bundeskanzler) |
| 1969 -
1972 |
|
Helmut
Schmidt |
| 1972 -
1978 |
|
Georg
Leber |
| 1978 -
1982 |
|
Hans
Apel |
| 1982 -
1988 |
|
Manfred
Wörner |
| 1988
- 1989 |
|
Rupert
Scholz |
| 1989 -
1992 |
|
Gerhard
Stoltenberg |
| 1992 -
1998 |
|
Volker
Rühe |
| 1998 -
2002 |
|
Rudolf
Scharping |
| 2002 -
2005 |
|
Peter
Struck |
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Dazu sollen nicht nur neue Schiffe,
Panzerfahrzeuge, Transportflugzeuge und
Marschflugkörper beschafft werden, sondern
auch verbesserte Fähigkeiten zur Aufklärung
(unter anderem über Satelliten) und
Kommunikationssysteme. Die Kosten für die Bundeswehrreform lassen
sich derzeit noch nicht genau beziffern.
Allein für neue Groß-Beschaffungen sind laut
Bundesverteidigungsministerium bis zum Jahr
2014 rund 45,91 Milliarden Euro angesetzt,
danach sollen weitere 30,55 Milliarden ab
2015 fällig werden. Der Bundesrechnungshof
kalkuliert allerdings schon mit 87
Milliarden Euro und unabhängige Experten
gehen von etwa 150 Milliarden Euro
Gesamtkosten aus. Dafür allerdings soll die
Bundeswehr dann über Waffensysteme verfügen,
die an Präzision und weltweiter
Einsatzfähigkeit dem US-Material in nichts
nachstehen. |
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Bundeswehr in Übersee
Der Auslandseinsatz ist für deutsche
Streitkräfte längst zum Alltag geworden. Ob
Patrouille und Schiffskontrolle am Horn von
Afrika oder Peacekeeping in Afghanistan -
Bundeswehr-soldaten sind inzwischen
selbstverständlicher Bestandteil
internationaler Operationen. Rund 7300
Bundeswehrsoldaten verrichten derzeit ihren
Dienst im Ausland – Tendenz steigend. Am Konzept der Wehrpflichtigen-Armee will
deshalb dennoch niemand rütteln. Die SPD hat
sich zwar noch nicht festgelegt und die
Entscheidung über die Wehrpflicht ins
nächste Jahr verschoben, die CDU dagegen hat
sich klar für die Wehrpflicht ausgesprochen.
Auch der ehemalige deutsche General Klaus
Reinhardt sieht in der Bundeswehr als
Wehrpflichtarmee ein Erfolgsmodell. "Bei
einer Berufsarmee erhielten wir eine sozial
und geistig völlig anders strukturierte
Armee", warnte er im ZDF "Warum sollten wir
etwas ändern, das sich sehr gut bewährt
hat?" Er fordert aber zugleich eine bessere
Definition deutscher Sicherheitsinteressen
durch die Bundesregierung und eine breitere
Diskussion über den politischen Hintergrund.
Torsten Rissmann, Fotos: Bildstelle der Bundeswehr
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| Anzeigen |
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