Bordenau (uz) [12.11.05].
Das kleine Dorf nahe des Steinhuder Meeres wirkt eher verträumt.
Es wäre wohl auch kaum im öffentlichen
Interesse, hätte nicht gerade dort vor 250
Jahren Gerhard Johann David von Scharnhorst das
Licht der Welt erblickt. An seinem Geburtstag
wurden vor 50 Jahren die ersten Soldaten der
Bundeswehr vereidigt. Für die Bundeswehr
Grund genug also, beide Anlässe entsprechend
zu feiern. Doch es gibt noch ein weiteres Augenmerk
an diesem 12. November, das alle anderen ein
wenig überlagert: Für den Verteidigungsminister,
Dr. Peter Struck, ist es der letzte große öffentliche
Auftritt im Amt. „Für mich schließt
sich hier der Kreis – nach meinem Amtsantritt
war das erste Gelöbnis hier in Bordenau“,
sagt Struck vor Journalisten und fügt hinzu,
dass er das Amt ungern verläßt, weil
er es mit großer Freude ausgefüllt
habe. Viele Soldaten, die den Minister bei einem
seiner Besuche erlebt haben, dürften ihm
dies bescheinigen. Und er tritt den Beweis noch
zum Schluß an: Spontan steht er neben der
wartenden Wagenkolonne zum Erinnerungsfoto bereit,
teilt kurzer Hand einen Soldaten als Fotografen
ein, damit die ganze Gruppe der "Bittsteller"
auf dem Foto ist.
Fast schon militärisch
zieht er Bilanz: „Ich habe meinen Auftrag
erfüllt!“ Zugleich kündigt er
an, dass sein Nachfolger den eingeschlagenen
Kurs fortsetzen wird.
Zum Appell sind rund 700 Soldatinnen
und Soldaten angetreten, um ihr Gelöbnis
oder ihren Eid abzulegen. Sie gehören zum
Panzerlehrbataillon 334 in Celle, Luftwaffenausbildungsregiment 1
in Goslar, Bataillon Elektronische Kampfführung
912 in Nienburg, Sanitätsregiment 12 in
Fürstenau und zur Marineoperationsschule
in Bremerhaven. Die Einheiten repräsentierten
alle Teilstreitkräfte Bundeswehr. Die Wohnorte
der jungen Menschen sind über die ganze
Republik verteilt.
Als Ehrengäste erwiesen
der amtierende Bundesratspräsident, Peter
Harry Carstensen, und der Generalinspekteur der
Bundeswehr, General Wolfgang Schneiderhan der
Bundeswehr die Ehre. Auch den jungen Rekruten
war es anzumerken, dass diese Veranstaltung etwas
außergewöhnliches ist. „Das
Gelöbnis ist schon irgendwie ein besonderer
Tag und dieser Rahmen wertet es noch viel mehr
auf“, sagt einer der Rekruten im Gespräch
mit truppen.info.
Minister Struck spannt in seiner Rede den Bogen
von den angetretenen Soldaten über Scharnhorst
zur Bundeswehr, einer Armee in der Demokratie
und für die Demokratie, wie er betont: „Vielleicht
wurde das nie deutlicher als mit dem ersten großen
Zapfenstreich vor dem Reichstag in Berlin.“ Dort
wäre die Bundeswehr buchstäblich im
Zentrum der deutschen Demokratie gewesen. „Hier
hat und hier wurde eine Bürger-Armee gefeiert“,
stellte der Minister klar. An die Adresse der
jungen Soldaten sagt er: „Sie leisten einen
sinnvollen, richtigen und guten Dienst. Sie können
sicher sein, er wird in der Bevölkerung
und von unseren internationalen Freunden anerkannt
und gewürdigt.“
Für ein paar Stunden bringt die Bundeswehr
Bordenau zum Leben und den Verkehr zum erliegen.
Noch bevor man Bordenau erreicht, sind es nicht
die Auftritte der Bundeswehr, die auf die Veranstaltung
hinweisen, sondern die Plakate der Friedensaktivisten
an den Straßenbrücken. Sie sind lautstark
zur Gegendemonstration „angetreten“.
Eine „eher überschaubare Gruppe“,
wie es die Polizeikräfte beschreiben, etwa
200 mögen es sein. Groß sind dementsprechend
auch die Sicherheitsmaßnahmen zum Gelöbnis.
Nicht jeder kommt zum Sportplatz der kleinen
Gemeinde, manch verärgertes Wort rutscht
den Bewohnern über die Lippen.
Die passenden Worte findet Uwe Sternbeck, Bürgermeister
der Stadt Neustadt am Rübenberge, zu der
auch Bordenau gehört, in seiner für
die Region werbenden Ansprache an die Soldaten: „Auch
an die Adresse der Demonstranten hier um die
Ecke möchte ich betonen, dass es richtig
ist, immer wieder die Frage nach der Erforderlichkeit
von Bewaffnung zu stellen. Ich bin aber überzeugt,
dass eine bedeutende Gesellschaft, wie die Bundesrepublik
Deutschland auf die Bereitschaft zur militärischen
Verteidigung des eigenen Landes nicht verzichten
kann.“ |
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| Formal perfekt präsentierte sich die Bundeswehr in Bordenau. |
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| Ein letztes Mal am Rednerpult der Bundeswehr: Minister Dr. Peter Struck. |
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| Viele Besucher aus Bordenau und der Umgebung blieben Zaungäste. |
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| Als herzlicher Minister zum Anfassen wurde Dr. Struck bekannt. |
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| Aufträge
ausgeführt: Geburtstagsfeier für die Bundeswehr und Gerhard von Scharnhorst
beendet, Eid oder Gelöbnis abgelegt. Letzten Auftritt als Minister
gemeistert. |
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