Eine entscheidende Hilfe
ist das vor allem dann, wenn es schnell gehen muss. Eine Situation,
die für deutsche Soldaten
in Afghanistan längst nicht mehr realitätsfremd ist, vermittelt
den Eindruck: Eine Patrouille ist in Nordafghanistan auf sich allein
gestellt unterwegs. Dabei wird sie überraschend aus einem Hinterhalt
heraus angesprengt. Chaos, Rauch, Schreie von Verletzten, die Soldaten
erwidern vereinzelt das Feuer: Der Patrouillenführer muss nun möglichst
schnell ein Lagebild gewinnen: „Was ist genau passiert?“ „Von
wo aus haben die Terroristen die Patrouille angegriffen?“ „Wie
viele meiner Soldaten wurden verletzt?“ „Sind meine Fahrzeuge
noch fahrtüchtig?“ Er hat in diesem Moment nur ein Ziel:
möglichst schnell eine möglichst sichere Entscheidung zu treffen,
wie sich seine Soldaten nun verhalten sollen, um schnell aus dem Gefahrenbereich
zu kommen und den Gegner zu bekämpfen.
In solch einem Moment ist es entscheidend, dass die Truppe
vor Ort alsbald eine
Verstärkung erhält. Dazu muss jedoch die fernab gelegene übergeordnete
Führung über das Geschehen vor Ort im Detail informiert sein. Denn
umso genauere Informationen die übergeordnete Führung besitzt, desto
sicherer kann sie in einem solch drängenden Moment entscheiden. Beispielsweise
kann sie sofort den Befehl dazu geben, der Patrouille Verstärkung zu schicken
und Verletzte zu bergen. Es kann aber auch sein, dass die Beurteilung ergibt,
dass in der Umgebung noch weitere Terroristen sind, die nur darauf warten, auch
die Verstärkung in einen Hinterhalt zu locken. Dann könnte sie sich
auf Grundlage des kompetenten Lagebilds zu einer Luftunterstützung entschließen,
um zuerst die Terroristen zu bekämpfen.
Möglich wird die echtzeitnahe und detailgetreue Information der militärischen
Führung durch das neue FüInfoSysH. Die andauernden Meldungen der einzelnen
Truppenteile werden nach Bewertung auf der Lagekarte zusammengefasst, ähnlich
wie bei einem Strategiespiel.
Die Meldungen werden durch FüInfoSysH mittels den bereits im Einsatz befindlichen
Informationsübertragungsmitteln (Funk, TETRAPOL, SatCom-Anlagen) übertragen.
Durch den Einsatz des Systems werden die zur Verfügung stehenden Führungsmittel
optimiert.
Für die Soldaten der Gebirgsjägerbrigade 23 stellt der Umgang mit der
neuen Technik zumindest in Teilbereichen eine Herausforderung dar. Seit 2006
wird in den Gefechtsständen der Brigade digital gearbeitet. Dazu wurde bislang
ein eigenes Konzept erstellt und auf vorhandene, handelsübliche Hard- und
Software zurückgegriffen. Die Ausbildung wird durch die 2. Kompanie des
Gebirgsfernmeldebataillons 210 am Standort Bad Reichenhall durchgeführt.
„Die Leute werden am Anfang durch die Komplexität des Systems schon
fast überrollt. Um sie nicht zu überfordern, haben wir die Ausbildungsinhalte
entsprechend gekürzt und einsatzbedingt angepasst. Denn nur das Einfache
hat Erfolg“, beurteilt Hauptmann Manfred Pecher die laufende Ausbildung.
Er trägt als Gesamtverantwortlicher bei der Gebirgsjägerbrigade 23
die Verantwortung für die Einführung des Systems. „Aber wie bei
jeder Sache muss man sich zuerst einmal mit dem System vertraut machen, sich
richtig einarbeiten, um das FüInfoSysH dann auch entsprechend im Einsatz
bei ISAF nutzen zu können“. |