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 Führungssystem reif für Auslandseinsätze
 Soldaten aus ganz Deutschland werden in Bad Reichenhall ausgebildet
Mit FüInfoSys wird sich die militärische Führung zu jedem beliebigen Zeitpunkt detailliert auf der Lagekarte anzeigen lassen können, wo sich beispielsweise eine Patrouillen gerade befinden.
Foto: Schulze (GebJgBrig 23)
Bad Reichenhall (uz/eb) [19.09.09]. Die Gebirgsjägerbrigade 23 aus Bad Reichenhall hat den Auftrag für eine technische Pionieraufgabe übernommen. Mit diesem Auftrag findet das neue Entwickelte Führungssystem für das Heer den Weg zur Truppe. Das Führungsinformationssystem des Heeres, kurz FüInfoSysH, wird die derzeit genutzte Software der sogenannten „Führungsausstattung, taktisch FAUST E1“ ablösen. Die Soldaten sollen das taktisch-operative Führungsinformationssystem Heer ab April 2010 erstmals in ihrem Auslandseinsatz in Afghanistan verwenden. Bis dahin hat der Verband aus Bayern den Auftrag, Soldaten aus ganz Deutschland am neuen Führungsinformationssystem auszubilden.
Das Führungsinformationssystem wird dem deutschen Einsatzkontingent ISAF im Regionalkommando Nord (RC North) viele Vorteile bieten. Durch das System wird sich im gesamten Verantwortungsbereich ein einheitliches Lagebild erzeugen lassen. Über dieses einheitliche Lagebild verfügen dann alle Soldaten vom Patrouillenführer über die Kommandeure in den einzelnen Wiederaufbauteams bis hin zum Kommandeur des Verbandes über einen einheitlichen Stand der militärischen Lage. Durch zusätzliche Features wird außerdem die Arbeit auf dem Gefechtsstand erleichtert und vereinheitlicht. Patrouillen oder Konvois können im Gesamtbereich mit dem sogenannten „Blue Force Tracking“-System überwacht werden. So wird sich die militärische Führung in ganz Nordafghanistan zu jedem beliebigen Zeitpunkt detailliert auf der Lagekarte anzeigen lassen können, wo sich eine beispielsweise eine bestimmte Patrouille gerade befindet.
Hauptmann Manfred Pecher zeigt den sichtbaren Umfang der Ausbildung.
Eine entscheidende Hilfe ist das vor allem dann, wenn es schnell gehen muss. Eine Situation, die für deutsche Soldaten in Afghanistan längst nicht mehr realitätsfremd ist, vermittelt den Eindruck: Eine Patrouille ist in Nordafghanistan auf sich allein gestellt unterwegs. Dabei wird sie überraschend aus einem Hinterhalt heraus angesprengt. Chaos, Rauch, Schreie von Verletzten, die Soldaten erwidern vereinzelt das Feuer: Der Patrouillenführer muss nun möglichst schnell ein Lagebild gewinnen: „Was ist genau passiert?“ „Von wo aus haben die Terroristen die Patrouille angegriffen?“ „Wie viele meiner Soldaten wurden verletzt?“ „Sind meine Fahrzeuge noch fahrtüchtig?“ Er hat in diesem Moment nur ein Ziel: möglichst schnell eine möglichst sichere Entscheidung zu treffen, wie sich seine Soldaten nun verhalten sollen, um schnell aus dem Gefahrenbereich zu kommen und den Gegner zu bekämpfen.
In solch einem Moment ist es entscheidend, dass die Truppe vor Ort alsbald eine Verstärkung erhält. Dazu muss jedoch die fernab gelegene übergeordnete Führung über das Geschehen vor Ort im Detail informiert sein. Denn umso genauere Informationen die übergeordnete Führung besitzt, desto sicherer kann sie in einem solch drängenden Moment entscheiden. Beispielsweise kann sie sofort den Befehl dazu geben, der Patrouille Verstärkung zu schicken und Verletzte zu bergen. Es kann aber auch sein, dass die Beurteilung ergibt, dass in der Umgebung noch weitere Terroristen sind, die nur darauf warten, auch die Verstärkung in einen Hinterhalt zu locken. Dann könnte sie sich auf Grundlage des kompetenten Lagebilds zu einer Luftunterstützung entschließen, um zuerst die Terroristen zu bekämpfen.
Möglich wird die echtzeitnahe und detailgetreue Information der militärischen Führung durch das neue FüInfoSysH. Die andauernden Meldungen der einzelnen Truppenteile werden nach Bewertung auf der Lagekarte zusammengefasst, ähnlich wie bei einem Strategiespiel.
Die Meldungen werden durch FüInfoSysH mittels den bereits im Einsatz befindlichen Informationsübertragungsmitteln (Funk, TETRAPOL, SatCom-Anlagen) übertragen. Durch den Einsatz des Systems werden die zur Verfügung stehenden Führungsmittel optimiert.
Für die Soldaten der Gebirgsjägerbrigade 23 stellt der Umgang mit der neuen Technik zumindest in Teilbereichen eine Herausforderung dar. Seit 2006 wird in den Gefechtsständen der Brigade digital gearbeitet. Dazu wurde bislang ein eigenes Konzept erstellt und auf vorhandene, handelsübliche Hard- und Software zurückgegriffen. Die Ausbildung wird durch die 2. Kompanie des Gebirgsfernmeldebataillons 210 am Standort Bad Reichenhall durchgeführt.
„Die Leute werden am Anfang durch die Komplexität des Systems schon fast überrollt. Um sie nicht zu überfordern, haben wir die Ausbildungsinhalte entsprechend gekürzt und einsatzbedingt angepasst. Denn nur das Einfache hat Erfolg“, beurteilt Hauptmann Manfred Pecher die laufende Ausbildung. Er trägt als Gesamtverantwortlicher bei der Gebirgsjägerbrigade 23 die Verantwortung für die Einführung des Systems. „Aber wie bei jeder Sache muss man sich zuerst einmal mit dem System vertraut machen, sich richtig einarbeiten, um das FüInfoSysH dann auch entsprechend im Einsatz bei ISAF nutzen zu können“.
Die Führung der Gebirgsjägerbrigade 23 (von vorne nach hinten) Oberst Peter Utsch, stellvertretender Kommandeur, Oberst Johann Langenegger, Kommandeur, und Oberstleutnant Stefan Josef Leonhard, Chef des Stabes der Gebirgsjägerbrigade 23, auf der "Schulbank".
Um ein militärisches Netzwerk, denn etwas anderes ist auch das FüInfoSysH nicht, betreiben zu können, mussten zuerst Netzwerkadministratoren ausgebildet werden. Diese Ausbildung fand von Februar bis April 2009 in Bad Reichenhall, als Industrieausbildung durch die Firma EADS, statt. Hier wurden insgesamt 24 Administratoren, vom Stabsgefreiten bis zum Oberstabsfeldwebel, geschult und in einer Abschlussprüfung geprüft. Die Auswahl des auszubildenden Personals erfolgte „Dienstgradunabhängig und Fähigkeitsorientiert“, das heißt, dass auch schon vorhandene zivilberufliche, fachliche Qualifikationen im IT-Bereich genutzt wurden. Die eigentlich für diese Ausbildung zuständige Führungsunterstützungsschule der Bundeswehr in Feldafing konnte die geplante Ausbildung aus Kapazitätsgründen zur Zeit nicht leisten. In den kommenden Jahren wird aber die Ausbildung des Administratorpersonals durch die Führungsunterstützungsschule der Bundeswehr sichergestellt werden können.
Text: uz / Manfred Pecher undSven Darius Schulze (Gebirgsjägerbrigade 23)
Fotos: Schulze (Gebirgsjägerbrigade 23)
 
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