Ein deutliches Bekenntnis des Freistaates
Thüringen zum Artillerieregiment
100 ist die zusätzliche Verleihung
eines Fahnenbandes. Jede Truppenfahne
ist mit einem Fahnenband geziert,
das den Namen des Verbandes trägt.
Zusätzliche Fahnenbänder
können ausschließlich
durch den Bundespräsidenten,
die Ministerpräsidenten oder
regierenden Bürgermeister sowie
Regierungschefs aus dem Ausland gestiftet
werden.
Der Tag der offenen Tür ist also ein großer Tag für die Soldaten
in Mühlhausen. Im Gespräch mit truppen.info spricht der Regimentskommandeur,
Oberst Hubertus von Rohr, über seine Gedanken zu den Auszeichnungen:
truppen.info: Herr
Oberst, ein Tag der offenen Tür
in einer Kaserne ist immer auch ein
Spiegel der Akzeptanz der Soldaten
an ihrem Standort. Wie ist es um
die Akzeptanz Ihres Verbandes in
Mühlhausen bestellt?
Oberst Hubertus
von Rohr: Seit
dem 3. Oktober 1990 ist Mühlhausen
Bundeswehrstandort. Zunächst wurde
das Artillerieregiment 70 hier aufgestellt
und1994 zum Artillerieregiment
13 umgegliedert. Es folgte 2002 die Aufstellung
der Artilleriebrigade 100. Fünf Jahre
später wurde daraus das heutige Artillerieregiment
100 mit dem Beobachtungspanzeratilleriebataillon
131 in Mühlhausen und dem Rakentenartilleriebataillon
132 in Sondershausen.
Die Stadt Mühlhausen hat damit einen
Teil „Bundeswehr-Geschichte“ sehr
hautnah miterlebt und ist mit ihren Soldaten
gewachsen. Die Soldatinnen und Soldaten
des Artillerieregiments 100 werden gern
in den Mauern der Stadt gesehen. Viele
neue Bindungen werden hier geschlossen,
zahlreiche „Soldatenkinder“ sind
in Mühlhausen geboren. Mit den öffentlichen
Veranstaltungen, der zentralen Leutnantsbeförderung
2005, den Feierlichen Gelöbnissen
und dem Großen Zapfenstreich 2007
auf dem historischen Festplatz „Am
Blobach“ hat die Bevölkerung
durch großes Interesse und rege Teilnahme
ihre Verbundenheit mit ihren Soldatinnen
und Soldaten gezeigt. Vielfältig sind
dienstliche und persönliche Kontakte
mit dem Oberbürgermeister und seinen
Mitarbeitern entstanden und tragen zum
guten Miteinander bei. Letzlich tragen
auch unsere Soldatinnen und Soldaten zur
wirtschaftlichen Entwicklung nicht unwesentlich
bei. So beträgt allein das Investitionsvolumen
für infrastrukturelle Entwicklung
in unseren Kasernen zusammen mehr als 40
Mio Euro, von denen auch hiesige mittelständische
Betriebe profitieren.
truppen.info: Ihr
Regiment wird ab dem kommenden Wochenende
den Beinamen „Freistaat Thüringen“ tragen.
In wieweit glauben Sie hat dieser Beiname
einen Einfluss auf den Bezug Ihrer Männer
und Frauen zum Stationierungsort?
Oberst Hubertus
von Rohr: Das Artillerieregiment
100 weist im Freistaat Thüringen
eine fast 20-jährige Tradition
auf. Wir sind mit den Garnisonstädten
Mühlhausen und Sondershausen fest
mit der Region verbunden. Der Namenszusatz
wird auch der Bedeutung des Artillerieregiments
100 als größter Truppensteller
im Freistaat Thüringen gerecht.
Unsere rund 2.000 Soldaten fühlen
sich im Freistaat Thüringen sehr
gut aufgehoben und sind sich der historischen
Beutung der Verleihung des Beinamens
wohl bewusst.
truppen.info: Das
Fahnenband des Ministerpräsidenten
und der Beiname sind ein deutliches
Bekenntnis des Bundeslandes zu Ihrem
Verband. Welche Beziehung bestand bislang
zwischen dem Land und Ihrem Verband?
Oberst Hubertus
von Rohr: Als ich im November letzten
Jahres vom Ministerpräsidenten die
Zustimmung zum Antrag auf Verleihung des
Beinamens einholte, hat er im persönlichen
Gespräch in Erfurt äußerst
positiv reagiert und seine enge Verbundenheit
mit den Soldatinnen und Soldaten in Thüringen
herausgestellt. Um die gute Beziehung des
Landes zum Artillerieregiment 100 zu unterstreichen,
hat Dieter Althaus darüber hinaus
spontan die Verleihung des Fahnenbandes
des Ministerpräsidenten in Aussicht
gestellt. Neben zahlreichen politischen
Kontakten über die Staatkanzlei hinaus
haben unsere Soldatinnen und Soldaten auch
zu kirchlichen, wirtschaftlichen, sozialen
und sportlichen Einrichtungen in Thüringen
Verbindungen aufgebaut und gepflegt. Wohltätigkeitskonzerte
und Sammlungen für karitative Zwecke
oder Aktivitäten des Kuratoriums für
Behinderte Nordthüringen e.V. werden
durch unsere Bataillone und deren Kommandeure
aktiv vorangetrieben. Unsere Batterien
mit ihren Chefs, Spießen und Unteroffizieren
unterhalten seit Jahren lebendige Patenschaften
zu verschiedenen Gemeinden in Thüringen.
Der kontinuierliche Dialog, gemeinsam getragene
gesellschaftliche und kulturelle Höhepunkte,
zahlreiche Aktivitäten im Umweltschutz
aber auch unbürokratische Hilfe bei
Unwettersituationen waren und sind Bestandteil
einer vertrauensvollen Zusammenarbeit zwischen
unseren Soldatinnen und Soldaten und den
Städten Mühlhausen und Sondershausen,
dem Unstrut-Hainich und dem Kyfhäuser-Kreis
sowie dem Land Thüringen.
truppen.info: Die
Verleihung eines Beinamens nimmt merklich
zu. Zwar ist es nicht immer ein „komplettes
Bundesland“ aber „Holstein“, „Niederbayern“ oder „Westerwald“ wurden
in den vergangenen Monaten verliehen. Welche
Bedeutung hat ein solcher Beiname aus Ihrer
persönlichen Sicht?
Oberst Hubertus
von Rohr: Mit den ersten internen Überlegungen
zu einem Beinamen für das Artillerieregiment
100 gab es auf den unterschiedlichen Dienstgradebenen
und bei den Vertrauenspersonen – von
den Mannschaften bis zu den Offizieren
- Ideen und Anregungen zu dem Beinamen.
Der historische Bezug, der Thüringer
Löwe, die Landesfarben, die städtepartnerschaftliche
Verbindung wurden diskutiert, bevor die
Entscheidung für den Landesnahmen „Freistaat
Thüringen“ einvernehmlich getroffen
wurde. Als Regimentskommandeur bin ich
persönlich sehr dankbar, dass der
Ministerpräsident diesem Vorschlag
gefolgt ist und der Bundesminister der
Verteidigung unseren Antrag genehmigt hat.
Der Beiname erfüllt mich mit Stolz,
zeigt er doch die besondere Stellung unseres
Artillerieregiments, nicht nur in der geographischen
Mitte Deutschlands, sondern sichtbar auch
im Herzen Thüringens.
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