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 Thüringen würdigt Bundeswehr
 Tag der offenen Tür beim Artillerieregiment 100

Oberst Hubertus von Rohr
Foto: ArtRgt 100
Mühlhausen (uz) [29.06.09]. Die Artilleristen aus dem Thüringischen Mühlhausen laden zum Tag der offenen Tür. Im Zusammenhang mit dem Tag der offenen Tür verleiht Ministerpräsident Dieter Althaus dem Artillerieregiment 100 den Beinamen „Freistaat Thüringen“. Gleichzeitig verleiht der Ministerpräsident dem Verband ein Fahnenband. Die Führung von Beinamen durch die Verbände der Bundeswehr gewann in den vergangenen Jahren eine zunehmende Bedeutung. Viele Verbände können damit die enge Bindung zur Region ihres Stationierungsortes dokumentieren. Darüber hinaus tragen die Soldaten dieser Einheiten den Namen der Region, im Fall der Mühlhauser Soldaten sogar den eines ganzen Bundeslandes, im Rahmen von Auslandseinsätzen und internationalen Übungen auch in die Welt hinaus.
Ein deutliches Bekenntnis des Freistaates Thüringen zum Artillerieregiment 100 ist die zusätzliche Verleihung eines Fahnenbandes. Jede Truppenfahne ist mit einem Fahnenband geziert, das den Namen des Verbandes trägt. Zusätzliche Fahnenbänder können ausschließlich durch den Bundespräsidenten, die Ministerpräsidenten oder regierenden Bürgermeister sowie Regierungschefs aus dem Ausland gestiftet werden.
Der Tag der offenen Tür ist also ein großer Tag für die Soldaten in Mühlhausen. Im Gespräch mit truppen.info spricht der Regimentskommandeur, Oberst Hubertus von Rohr, über seine Gedanken zu den Auszeichnungen:

truppen.info: Herr Oberst, ein Tag der offenen Tür in einer Kaserne ist immer auch ein Spiegel der Akzeptanz der Soldaten an ihrem Standort. Wie ist es um die Akzeptanz Ihres Verbandes in Mühlhausen bestellt?

Oberst Hubertus von Rohr: Seit dem 3. Oktober 1990 ist Mühlhausen Bundeswehrstandort. Zunächst wurde das Artillerieregiment 70 hier aufgestellt und1994 zum Artillerieregiment 13 umgegliedert. Es folgte 2002 die Aufstellung der Artilleriebrigade 100. Fünf Jahre später wurde daraus das heutige Artillerieregiment 100 mit dem Beobachtungspanzeratilleriebataillon 131 in Mühlhausen und dem Rakentenartilleriebataillon 132 in Sondershausen.
Die Stadt Mühlhausen hat damit einen Teil „Bundeswehr-Geschichte“ sehr hautnah miterlebt und ist mit ihren Soldaten gewachsen. Die Soldatinnen und Soldaten des Artillerieregiments 100 werden gern in den Mauern der Stadt gesehen. Viele neue Bindungen werden hier geschlossen, zahlreiche „Soldatenkinder“ sind in Mühlhausen geboren. Mit den öffentlichen Veranstaltungen, der zentralen Leutnantsbeförderung 2005, den Feierlichen Gelöbnissen und dem Großen Zapfenstreich 2007 auf dem historischen Festplatz „Am Blobach“ hat die Bevölkerung durch großes Interesse und rege Teilnahme ihre Verbundenheit mit ihren Soldatinnen und Soldaten gezeigt. Vielfältig sind dienstliche und persönliche Kontakte mit dem Oberbürgermeister und seinen Mitarbeitern entstanden und tragen zum guten Miteinander bei. Letzlich tragen auch unsere Soldatinnen und Soldaten zur wirtschaftlichen Entwicklung nicht unwesentlich bei. So beträgt allein das Investitionsvolumen für infrastrukturelle Entwicklung in unseren Kasernen zusammen mehr als 40 Mio Euro, von denen auch hiesige mittelständische Betriebe profitieren.

truppen.info: Ihr Regiment wird ab dem kommenden Wochenende den Beinamen „Freistaat Thüringen“ tragen. In wieweit glauben Sie hat dieser Beiname einen Einfluss auf den Bezug Ihrer Männer und Frauen zum Stationierungsort?

Oberst Hubertus von Rohr: Das Artillerieregiment 100 weist im Freistaat Thüringen eine fast 20-jährige Tradition auf. Wir sind mit den Garnisonstädten Mühlhausen und Sondershausen fest mit der Region verbunden. Der Namenszusatz wird auch der Bedeutung des Artillerieregiments 100 als größter Truppensteller im Freistaat Thüringen gerecht. Unsere rund 2.000 Soldaten fühlen sich im Freistaat Thüringen sehr gut aufgehoben und sind sich der historischen Beutung der Verleihung des Beinamens wohl bewusst.

truppen.info: Das Fahnenband des Ministerpräsidenten und der Beiname sind ein deutliches Bekenntnis des Bundeslandes zu Ihrem Verband. Welche Beziehung bestand bislang zwischen dem Land und Ihrem Verband?

Oberst Hubertus von Rohr: Als ich im November letzten Jahres vom Ministerpräsidenten die Zustimmung zum Antrag auf Verleihung des Beinamens einholte, hat er im persönlichen Gespräch in Erfurt äußerst positiv reagiert und seine enge Verbundenheit mit den Soldatinnen und Soldaten in Thüringen herausgestellt. Um die gute Beziehung des Landes zum Artillerieregiment 100 zu unterstreichen, hat Dieter Althaus darüber hinaus spontan die Verleihung des Fahnenbandes des Ministerpräsidenten in Aussicht gestellt. Neben zahlreichen politischen Kontakten über die Staatkanzlei hinaus haben unsere Soldatinnen und Soldaten auch zu kirchlichen, wirtschaftlichen, sozialen und sportlichen Einrichtungen in Thüringen Verbindungen aufgebaut und gepflegt. Wohltätigkeitskonzerte und Sammlungen für karitative Zwecke oder Aktivitäten des Kuratoriums für Behinderte Nordthüringen e.V. werden durch unsere Bataillone und deren Kommandeure aktiv vorangetrieben. Unsere Batterien mit ihren Chefs, Spießen und Unteroffizieren unterhalten seit Jahren lebendige Patenschaften zu verschiedenen Gemeinden in Thüringen. Der kontinuierliche Dialog, gemeinsam getragene gesellschaftliche und kulturelle Höhepunkte, zahlreiche Aktivitäten im Umweltschutz aber auch unbürokratische Hilfe bei Unwettersituationen waren und sind Bestandteil einer vertrauensvollen Zusammenarbeit zwischen unseren Soldatinnen und Soldaten und den Städten Mühlhausen und Sondershausen, dem Unstrut-Hainich und dem Kyfhäuser-Kreis sowie dem Land Thüringen.

truppen.info: Die Verleihung eines Beinamens nimmt merklich zu. Zwar ist es nicht immer ein „komplettes Bundesland“ aber „Holstein“, „Niederbayern“ oder „Westerwald“ wurden in den vergangenen Monaten verliehen. Welche Bedeutung hat ein solcher Beiname aus Ihrer persönlichen Sicht?

Oberst Hubertus von Rohr: Mit den ersten internen Überlegungen zu einem Beinamen für das Artillerieregiment 100 gab es auf den unterschiedlichen Dienstgradebenen und bei den Vertrauenspersonen – von den Mannschaften bis zu den Offizieren - Ideen und Anregungen zu dem Beinamen. Der historische Bezug, der Thüringer Löwe, die Landesfarben, die städtepartnerschaftliche Verbindung wurden diskutiert, bevor die Entscheidung für den Landesnahmen „Freistaat Thüringen“ einvernehmlich getroffen wurde. Als Regimentskommandeur bin ich persönlich sehr dankbar, dass der Ministerpräsident diesem Vorschlag gefolgt ist und der Bundesminister der Verteidigung unseren Antrag genehmigt hat. Der Beiname erfüllt mich mit Stolz, zeigt er doch die besondere Stellung unseres Artillerieregiments, nicht nur in der geographischen Mitte Deutschlands, sondern sichtbar auch im Herzen Thüringens.

Panzerhaubitze 2000. Das Großgerät der Artillerie gibt es in Mühlhausen zum Anfassen.
Foto: Zeitter
truppen.info: Auch wenn klassische artilleristische Kompetenzen in den Auslandseinsätzen derzeit nicht gefordert sind, trägt Ihr Regiment den Namen „Thüringen“ auch künftig in die Welt. Im vergangenen Jahr waren Ihre Soldaten im Einsatz in Afghanistan. Wie viel Platz bleibt Ihnen im Terminkalender, um die Verbindungen zur Garnisonsstadt und dem Land zu pflegen?

Oberst Hubertus von Rohr: Die Artilleristen in Thüringen waren in den vergangenen Jahren durchgängig an den Auslandseinsätzen beteiligt. So haben wir das 15. Deutschen Einsatzkontingent der Kosovo Force (KFOR) gestellt , waren bei KFOR und ISAF mit den Aufklärungskräften Luna im Einsatz und bei EUFOR mit einer Einsatzkompanie auf dem Balkan gefordert. Damit waren zeitweise über 1.000 Artilleristen bis zu vier Monaten im Einsatz. Einige Spezialisten sind sogar mehrfach eingesetzt worden.
Letztes Jahr hat das Raketenartilleriebataillon 132 mit Teilen seinen Einsatz in Afghanistan erfolgreich absolviert.
Kommenden Samstag verabschieden wir 30 Soldaten, die mit dem modernsten Aufklärungsfluggerät des Heeres, der Drohne KZO, unsere Kräfte in Kunduz unterstützen werden
Die Herausforderungen sind eheblich, aber dennoch bleibt Zeit, die guten gewachsenen Verbindungen zu unseren Garnisonsstädten und zu den Gemeinden genauso zu pflegen wie zur Landeshauptstadt Erfurt. Kulturelle Veranstaltungen im Thüringer Landtag nehmen wir gerne wahr und bieten unsererseits mit öffentlichen Veranstaltungen, so wie jetzt mit dem „Tag der offenen Tür“ Gelegenheit, unsere Leistungsfähigkeit den Repräsentanten aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft sowie der Bevölkerung Thüringens zu präsentieren.

truppen.info: Ein Tag der offenen Tür will vorbereitet sein, wie groß sind die „Verluste“ im Blick auf Ausbildung und Regeneration durch ein solches Vorhaben? Wie viel Stolz und Herzblut legen Ihre Soldaten in diese Veranstaltung?

Oberst Hubertus von Rohr: Unseren Besuchern soll mit dem „Tag der offenen Tür“ ein reichhaltiges Programm geboten werden. Das ist unseren Soldatinnen und Soldaten des Regiments sehr wohl bewusst. Alle bereiten sich intensiv auf diesen Tag vor, der den Höhepunkt in der Öffentlichkeitsarbeit der Bundeswehr in der Region darstellt. Da wir neben unserer artilleristischen Leistungsfähigkeit mit Waffen und Gerät auch viele andere Stationen in unser Programm aufgenommen haben, bedarf es einer soliden Vorbereitung und Abstimmung mit allen Akteuren. Das kostet Zeit in der Vorbereitung, lohnt aber den Einsatz aller eingesetzten Soldatinnen und Soldaten. die ja auch ihre Familienangehörigen mitbringen werden. Bislang ist es der Truppe immer gelungen, das Interesse der Besucher zu wecken und jeden einzelnen mit dem vielfältigen Programm auch zu begeistern, bis hin zu einem deftigen Eintopf .
 
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