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 Ein letztes „Holt nieder Flagge“
 Die Ära der Bundeswehr in Bad Segeberg endet
Oberstabsfeldwebel Peter Siegfried (rechts) und Stabsfeldwebel Jürgen Schöneberg sind zur letzten Flaggenparade angetreten.
Fotos: Zeitter
Bad Segeberg (uz) [17.12.08]. Die Bundeswehr wird kleiner, das merken nicht nur Soldaten, die sich immer häufiger irgendwo auf der Welt über den Weg laufen, das merken auch viele Garnisonsstädte. Die jüngsten Spuren von Standortschließungen sind in Bad Segeberg zu finden. „Das Panzergrenadierbataillon 182 auf dem Papier zu streichen ist einfach“, betonte Hauptmann Volker Wittstock sichtlich ergriffen bei einer kleinen Abschiedszeremonie. Neun Soldaten, die die Kaserne bis zuletzt mit Leben gefüllt hatten, waren angetreten, um ein letztes Mal die Bundesdienstflagge einzuholen. Ein emotionaler Moment für alle - die meisten der Soldaten hatten einen großen Teil ihrer militärischen Laufbahn in dieser Kaserne absolviert. Noch vor einem Jahr waren Soldaten des Bataillons in den Einsatzregionen der Bundeswehr präsent. Im Sommer wurde das Bataillon offiziell außer Dienst gestellt.
Hauptmann Wittstock trug die Verantwortung für die letzten Abwicklungsarbeiten, als „Führer vor Ort“, wie man das bei der Bundeswehr nennt. Sein überschaubares Team, das sich um alle Aufgaben rund um das Ende der militärischen Nutzung kümmerte, hatte noch vor wenigen Wochen zumindest das Stabsgebäude mit Leben erfüllt: Beurteilungen waren noch zu verfassen, Dokumente zu übergeben, Gebäude leer zu räumen und zu übergeben… Es hängt einiges am Akt der Standortschließung. Die Atmosphäre glich ein wenig den letzten Tagen auf einem Truppenübungsplatz. Einen Nachnutzer gibt es in diesem Fall aber nicht, zumindest keinen militärischen. Die Zukunft der Liegenschaft ist derzeit noch offen. Fast zwei Jahre wurde die Auflösung des Bataillons vorbereitet. Ein Zeitraum, in dem vieles schon geregelt werden konnte.
Die letzten Soldaten hatten reichlich zu tun.
Die meisten Soldaten waren kurz nach der Außerdienststellung bereits auf neue Dienstposten versetzt worden, die meisten Personalfragen waren lösbar. Die Soldaten, die die letzten Tage in Bad Segeberg erlebten, waren auch die, die die längste Zeit in der Lettow-Vorbeck-Kaserne stationiert waren. Für sie endet meist auch die eigene Dienstzeit zum Jahresende.
Auch das Material, das es „abzusteuern“, also in Depots oder an andere Dienststellen zurückzugeben, galt, wurde täglich weniger. Da konnte es schon auch einmal passieren, dass ein Soldat zielstrebig mit einem Blatt Papier dorthin ging, wo er zwei Stunden früher noch eine Fotokopie gemacht hatte, das Gerät war inzwischen aber abgeholt worden. Der „Abzug“ verlief geordnet und nach Plan. Darauf ist Volker Wittstock besonders stolz. Obwohl die Aufgabe der Gebäude für ihn und seine Soldaten mit vielen Emotionen und persönlichen Erinnerungen verbunden war, lagen die Soldaten perfekt im Zeitplan.
Verlassene Parkplätze zeugen von der Räumung der Kaserne.
Etwas skurril wirkten die Abläufe in der Kaserne schon seit einigen Wochen. Mit militärischem Alltag hatte das nichts mehr zu tun. Dort wo einmal eine Wachmannschaft über den Zutritt zur Kaserne wachte, waren nun zwei Soldaten als „Standortdienst“ präsent. Am Ende wurde die Kaserne sogar nachts verschlossen. Dort wo einst hunderte von Soldaten ihre Autos abgestellt hatten, türmt sich seit Wochen das Laub und wie ein Mahnmal an die vielfältigen Aufgaben der Segeberger Panzergrenadiere steht ein Baumstamm mit Wegweisern im Novembernebel. Seine Schilder zeigen nach Prizren, Sarajevo und Kunduz, Soldaten aus dem Standort werden keinen Marschbefehl mehr in diese Städte bekommen.
Die Nachweise über die letzten Dienstgeschäfte des Bataillons wurden nach Eutin abgegeben und im Rathaus der Stadt Bad Segeberg wird mit ausgewählten Exponaten die Erinnerung an die Soldaten erhalten. Soldaten, die ihre Kaserne als die Heimat der Holsteiner Panzergrenadiere deklariert hatten.
„ Alles in allem waren die Aufgaben weniger schlimm als befürchtet“, zog Wittstock noch Anfang November eine positive Zwischenbilanz. Wie nahe den Soldaten das „Aus“ für ihren Standort wirklich geht, zeigt sich bei diesem unwiderruflich letzten Flaggenappell in Bad Segeberg.
In allen Himmelsrichtungen waren die Segeberger Soldaten zu Hause.
Hauptmann Wittstock macht unmissverständlich klar, dass eine Auflösung eben mehr ist, als nur ein Bataillon von der Liste zu streichen, besonders wenn man zu den Soldaten gehört, die dem Standort einst Leben eingehaucht hatten. Oberstabsfeldwebel Peter Siegfried und Stabsfeldwebel Jürgen Schöneberg sind angetreten, um von Hauptmann Wittstock den Befehl entgegen zu nehmen, der das Dasein der Bundeswehr in Segeberg endgültig beendet. Wittstock zögert kurz, schluckt und gibt den letzten Befehl, den ein Vorgesetzter in Bad Segeberg gibt: „Holt nieder Flagge!“
Das Mobiliar wartet auf Abtransport.
 
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