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Satire bis der Arzt kommt

  Im "Beautysalon" der Mulis
 In der einzigen Hufschmiede der Bundeswehr
Der nächste „Kunde“ steht zum Hufbeschlag bereit.
Fotos: Flühr
Bad Reichenhall (eb) [10.09.08]. Zurzeit bereiten sich weite Teile der Gebirgsjägerbrigade 23 „Bayern“ auf den Einsatz vor, die Teile der Brigade 23 ins Kosovo und nach Afghanistan im Rahmen der friedenssichernden Maßnahmen führt. Beides sind Einsatzgebiete, die durch ihre Geografie, nebst extremen klimatischen Bedingungen, die Arbeit der Gebirgsjäger von Ort deutlich erschweren, denn Mensch und Material stoßen dort manchmal an ihre Grenzen. Ein Instrument, das den Gebirgsjägern zusätzlich zur Technisierung zur Verfügung steht, ist das Einsatz- und Ausbildungszentrum für Gebirgstragtierwesen 230 mit Sitz Bad Reichenhall. Die Männer von Oberfeldveterinär Dr. Franz von Rennenkampff haben in der Vergangenheit mehrmals schon unter Beweis gestellt, dass sie die Truppe auch versorgen können, wenn kein Hubschrauber mehr fliegen kann oder keine Straße mehr passierbar ist. Die amerikanische Armee, die ansonsten eher auf Technik im Bereich des Militärs setzt, haben Tragtiere wieder entdeckt und denkt stark über eine Aufstellung einer solchen Einheit in ihrer Armee nach. Die einzige pferdehaltende Einheit der Bundeswehr ist auch ein Sammelsurium von Besonderheiten, was die Verwendung von Soldaten angeht.
Eine ganz besondere Teileinheit ist die Schmiede, in der ausgebildete Hufschmiede ihren Dienst versehen und damit einen wichtigen Bestandteil dazu leisten, dass die Einheit ihrem Versorgungsauftrag uneingeschränkt nachkommen kann. Der höchste Dienstgrad in der Schmiede ist Stabsfeldwebel Franz Zeilinger, der zusammen mit seinen Mitarbeitern Stabsunteroffizier Andreas Schifflechner, Unteroffizier Sascha Hubauer und dem Obergebreiter (UA) Björn Wolter dafür sorgt, dass die Tragtiere stets einsatzbereit sind. "Wir leisten Dienst an unseren tierischen Mitarbeitern, die übrigens keinen Dienstgrad haben." erzählt Stabsfeldwebel Franz Zeilinger über seine tierische Kundschaft.
An diesem Morgen werden in der Schmiede des Einsatz- und Ausbildungszentrum 5 Maultiere beschlagen. „Das ist bei jedem Tier alle 4-6 Wochen fällig und im Einsatz auch öfter. Wir sind auch mobil mit unserer Schmiede und waren auch schon im Kosovo, obwohl wir da unsere eigenen Tiere nicht mitgenommen haben, sondern Tiere in der Region gekauft haben, die dann als Tragtiere eingesetzt wurden.“ berichtet der ausgebildete Hufschmied Stabsunteroffizier Andreas Schifflechner von einem Einsatz aus der Vergangenheit.
Sieht schlimmer aus, als es ist: Das neue Eisen wird angepaßt.
Den Tieren macht das Beschlagen scheinbar Spaß, nahezu freiwillig stellt das Muli seinen Vorderfuß auf ein Gestell und bekommt vom Stabsunteroffizier Andreas Schifflechner eine „Pediküre“ verpasst. „Manche Tiere mögen das mehr, manche weniger. Junge Tiere sind meistens etwas unsicher bei den ersten Malen, aber das legt sich. Das Beschlagen ist die essentielle Grundlage, um unsere Transportaufträge im Gelände wahrnehmen zu können.“ sagt Unteroffizier Sascha Hubauer beim Anpassen der neuen Hufeisen.
Nach 4 Stunden schmieden, anpassen und beschlagen hat die Prozedur am Mittag ein Ende für diesen Tag. Schweißtreibende Arbeit ist das bei knapp 30 Grad Außentemperatur und einem knapp 2000 Grad heißen Ofen zum Erhitzen der vorgefertigten Hufeisen. Alle Mitarbeiter der Schmiede sind ziemlich durchgeschwitzt und freuen sich auf die Mittagspause. Bereits einen Tag später warten schon die nächsten Tragtiere auf ihre Pediküre im "Beatuysalon der Mulis". Diesen Job macht hier keiner, der das primär als Einkommen sieht, dazu bedarf es einer ganz besonderen ausgeprägten Beziehung Mensch und Tier, ansonsten geht das nicht.“ Schließt Stabsunteroffizier Andreas Schifflechner. Die anderen in der Schmiede nicken und gehen zum Essen.
Text/Fotos: Hauptmann Christian Flühr, Gebirgsjägerbrigade 23
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