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 „Unsere Standorte haben Bestand und Perspektive“
 Interview mit dem Kommandeur des Heerestruppenkommandos
truppen.info: Herr Oberst, eine neue Struktur, eine neue Dienststelle an einem neuen Dienstort und ein neuer Kommandeur - die Veränderungen für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Ihres Kommandos waren reichlich in den vergangenen Wochen. Was hat die letzten Monate am meisten geprägt?

Oberst Bernhard Liechtenauer: Am prägendsten für die Soldaten meines Stabes ist wahrscheinlich, dass wir alle in einer neuen Kommandobehörde mit ganz unterschiedlichen Truppengattungen des Heeres eine neue Rolle definieren müssen. Manch einer kommt aus einer Verwendung als Kompaniechef, ein anderer hat zuvor in einem Divisionsstab gedient, ich selbst komme aus dem Führungsstab des Heeres: Also aus einem „Patchwork“ ist eine funktionierende Kommandobehörde aufzubauen.
Seit dem 1. Januar bauen wir gemeinsam den Stab des Heerestruppenkommandos: das ist ein Brigadeäquivalent, das im Neuen Heer einmalig ist. Das bedeutet für uns gerade in der Aufbauphase ein umfangreiches Arbeitspaket. Dies erfordert gemeinsame Anstrengung für ein gemeinsames Ziel bei hohem qualitativen Anspruch, ganz nach unserem Motto „Viribus unitis – mit vereinten Kräften“.

Oberst Bernhard Liechtenauer, Kommandeur des Heerestruppenkommando im Baden-Württembergischen Bruchsal.
Foto: Heerestruppenkommando

truppen.info: Soldaten sind es ja schon mal gewohnt, Ihren Arbeitsplatz für eine bestimmte Zeit an einen anderen Ort zu verlegen. Gibt es da aus Ihrer Sicht einen Unterschied zur Bewältigung des Umzugs eines kompletten Stabes?

Oberst Bernhard Liechtenauer: Wenn ein Stab umzieht, gilt es, an viele Kleinigkeiten zu denken. Das beginnt bei E-Mail-Adressen, Transport von Material und Dokumenten und endet nicht zuletzt bei der banalen Frage, in welchen Büros die einzelnen Soldaten sitzen sollen. Gleichzeitig muss ein Führer den Überblick behalten und konkret planen und immer wieder kontrollieren und nachsteuern. Bestimmte Arbeitsvorgänge laufen ja auch während der Verlegung weiter.
Es kommt hier darauf an, dass man miteinander spricht und dass keine Information verloren geht. Hier hat das Heerestruppenkommando Koblenz sehr gut vorausgedacht und uns den Start vorbereitet.
Ein besonders wichtiger menschlicher Aspekt ist außerdem, dass man denjenigen, die ihren Platz am neuen Standort räumen, mit Respekt begegnet. Sie haben in Bruchsal erstklassige Arbeit gemacht, und das muss gew ürdigt werden.

truppen.info: Angesichts der vielen Punkte, die in Ihrer Dienststelle in den vergangenen Monaten zu organisieren waren, kam Ihre Versetzung zum Heerestruppenkommando zu spät?

Oberst Bernhard Liechtenauer: Nein, meine Versetzung kam nicht zu spät. Zuerst einmal haben Generalmajor Ernst H. Lutz und seine Männer und Frauen sowohl die Verlegung des Stabes als auch die Aufnahme der Dienstgeschäfte in Bruchsal hervorragend vorbereitet. Dazu gab es eigens Seminare, Workshops und einen im September 2007 installierten Aufstellungsstab, der die Aufnahme von Personal und Material vorbereitet hat und als Anlaufstelle für künftige Aufgaben diente.
Darüber hinaus bin ich bereits seit Mitte Dezember letzten Jahres in meinem Stab. Die offizielle Indienststellung erfolgte zu Jahresbeginn. Man lässt einem neuen Kommandeur üblicherweise seine ersten 100 Tage, um seinen Stab in eine neue Richtung zu formen. Diese 100 Tage neigen sich dem Ende entgegen und ich kann sagen, wir befinden uns auf einem sehr guten Weg. Bis zum Sommer haben wir eine funktionsfähige neue Kommandobehörde aufgebaut, die unterstellten Verbände und Einheiten angebunden und in das System der Division Luftbewegliche Operationen eingefügt.

truppen.info: Gab es für Sie eine Vorbereitungsphase für diesen Dienstposten? Konnten Sie auf Rahmenbedingungen des Standortwechsels Einfluss nehmen?

Oberst Bernhard Liechtenauer: Bevor ich meinen Dienstposten als Brigadekommandeur in Bruchsal angetreten habe, war ich schon vorher am Standort und wurde außerdem durch den Divisionsstab in Koblenz intensiv eingewiesen. Mein Stellvertreter, Oberst Gustav Brand, führte bis dahin den Aufstellungsstab. Mit ihm stand ich regelmäßig in Verbindung, so dass er bereits im Dezember meine Absichten kannte und umsetzen konnte.
Die Entscheidung, das neue Kommando in Bruchsal aufzustellen, wurde im Rahmen des Stationierungskonzepts 2004 getroffen. Für den Südwesten Deutschlands, also für Baden, bedeutet das eine Aufwertung, sowohl vom Umfang als auch von der Dotierung. Dabei befinden wir uns mit dem Südwesten der Republik in einer äußerst bundeswehrfreundlichen Region. Meine Mitarbeiter und ich fühlen uns wohl und gut aufgehoben.

truppen.info: Umzug und Führungswechsel bringen immer Verluste in Kontakten, insbesondere in denen nach außen. Wie gestalten Sie Ihre Öffentlichkeitsarbeit?

Oberst Bernhard Liechtenauer: Seit meinem Dienstantritt verfolge ich die Aufnahme neuer Kontakte in der Region und im Bundesland sehr akribisch, um das Kommando in der Region zu etablieren und bekannt zu machen. Das ist das Schöne und Spannende am Aufbau einer neuen Dienststelle. Lokal und regional ansässige MdBs waren bereits unsere Gäste ebenso wie der Regierungspräsident aus Karlsruhe. Ich stehe in regelmäßigem Kontakt mit dem Oberbürgermeister und dem Landrat. Außerdem bin ich öfter mal außer Haus und vertrete das Heerestruppenkommando bei verschiedenen öffentlichen Anlässen. Die Menschen nehmen das gerne an, da wird sehr genau registriert, dass man präsent ist. Sie interessieren sich dafür, was „ihre“ Soldaten auf dem Bruchsaler Eichelberg machen, in welchen Einsatzländern sie Dienst tun und wie ihre tägliche Arbeit aussieht. Aber auch alte Kontakte gehen nicht verloren, dafür ist die Welt und die Bundeswehr zu klein geworden.

truppen.info: Während Koblenz zumindest in der Nord-Süd-Ausdehnung der Bundesrepublik ungefähr auf der Mitte lag, haben Sie ihren Dienstsitz künftig quasi in einer der Ecken. Ist das ein Nachteil?

Oberst Bernhard Liechtenauer: Der Großteil unserer Verbände ist in Südwestdeutschland stationiert. Unsere Standorte Bruchsal, Sonthofen, Kusel und Hardheim haben Bestand und Perspektive. Für die Bundesländer Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz bedeutet das einen beachtlichen personellen Aufwuchs, wo doch der Umbau der Streitkräfte an anderen Stellen auch mit Auflösung verbunden ist. Damit gewinnt die Region, und darüber freue ich mich.

truppen.info: Ihr Stab ist im Vergleich zu früher kleiner. Viele Aufgaben, wenn man beispielsweise an die Distanzen der Dienstaufsicht denkt, bleiben unverändert. Können damit noch alle Aufgaben von früher wahrgenommen werden?

Oberst Bernhard Liechtenauer: Der personelle und materielle Umfang des Heerestruppenkommandos hat sich mit dem Umbau von Division zu Brigade deutlich reduziert. Aus ehemals 26.000 aktiven Soldaten wurden ca. 3.500 Frauen und Männer in Uniform.
Die Distanzen zwischen den Standorten sind meist innerhalb von zwei Stunden zu bewältigen. Dank moderner Informationstechnologie sind Entfernungen außerdem nicht wirklich ein Problem.
Gleichzeitig umfasst das Kommando nur noch drei von ehemals fünf Truppengattungen. Die Aufgaben sind also in Vielfalt und Umfang andere als zu „Koblenzer Zeiten“. Wir sind darauf optimiert, die ABC-Abwehr- , die Artillerie- und die Flugabwehrtruppe für deren Einsätze auszubilden, vorzubereiten und maßgeschneidert in die Einsätze zu entsenden. Außerdem unterstützen wir mit unseren Truppen die Übungstätigkeit im Heer; Auftragserfüllung bleibt oberstes Gebot. Wenn es sein muss, werden auch mal Überstunden gemacht, um das Pensum zu erfüllen. Ich habe festgestellt, dass alle Männer und Frauen mitziehen und sehr professionell ihren Auftrag umsetzen. Das ist richtig klasse!

truppen.info: Gestatten Sie mir zum Abschluss eine persönliche Frage:
Die Verwendung als Kommandeur der Heerestruppenbrigade bringt für Sie die Beförderung zum General. Was bedeutet das für Sie?

Oberst Bernhard Liechtenauer: Naja, da ist schon viel Freude dabei, Freude an der Aufgabe und auch Freude auf den Dienstgrad. Das ist doch völlig normal.
Auf keinen Fall heißt es aber, sich zurückzulehnen und auszuruhen. Vor dem „goldenen Stern“ liegen arbeitsintensive Dienstjahre. Ohne Fleiß geht gar nichts. Doch ich habe immer große Freude gehabt an meinem Beruf, ich arbeite gerne.
Mit dem Dienstgrad steigt auch die Verantwortung gegenüber Frauen und Männern, die ihren Vorgesetzten sehr genau beobachten. Und auch der Dienstherr hat einen Anspruch auf Topleistung. Insgesamt bedeuten Aufgabe und Dienstgrad eine besondere Verpflichtung und Verantwortung im Umgang mit den vielen anvertrauten Menschen.

(Das Gespräch führte Uwe Zeitter)
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