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 „Musik ist eine internationale Sprache“
 Heeresmusikkorps 300 läßt kanadische Herzen höher Schlagen

„Vor der Kaserne, vor dem großen Tor....“ Das Heeresmusikkorps 300 spielte beim Military Tattoo unter „Lili Marleens Laterne“.
Itzehoe/Quebec (Kanada) (uz) [27.08.2007]. Die Männer und Frauen rund um Oberstleutnant Robert Kuckertz sind es gewohnt im Rampenlicht zu stehen. Die rund 70 Soldaten gehören zum Heeresmusikkorps 300 aus Koblenz, das, wie fast alle Musikkorps der Bundeswehr, im vergangenen Jahr sein 50jähriges Bestehen feierte. Bei unterschiedlichsten Anlässen haben die Soldatinnen und Soldaten den Auftrag zu Repräsentieren, sie sind das Aufhängeschild der Bundeswehr nicht nur bei militärischen Zeremoniellen. Das Aufgabenspektrum reicht von Wohltätigkeitskonzerten bis hin zu Fernsehauftritten. Selbst für die Nationalhymnen vor den Begegnungen der Fußball-Weltmeisterschaft in ihrem Jubiläumsjahr standen die Musikkorps Instrument bei Fuß, die FIFA lehnte allerdings dankend ab und brachte die Soldatinnen und Soldaten um dieses Highlight.
Dennoch ergeben sich immer wieder Highlights für die Musiker in Uniform, wo sie besonders ihre Professionalität unter Beweis stellen können. Das Heeresmusikkorps 300 konnte dies in den letzten Tagen in Kanada tun. Anläßlich des internationalen Militärmusikfestival in Quebec, das als eines der Größten der Welt gilt, hält sich das Ensemble derzeit für rund 10 Tage in Kanada auf. Nicht nur für den Chef des Musikkorps ist es eine besondere Aufgabe, Deutschland bei diesem Festival zu repräsentieren, sondern vor allem auch für seine Soldatinnen und Soldaten. Doch es geht nicht nur um das Festival, zahlreiche größere und kleinere Auftritte für die unterschiedlichsten Besetzungen standen auf dem Auslandsdienstplan des Orchesters, der als Nächstes den Punkt „Heimreise“ vorsieht.
Aufmerksame Zuhörer fanden Oberstleutnant Kuckertz und sein Orchester reichlich.
Fotos: Dirk Bannert, HTrKdo -PIZ-
Schon vor dem Abflug nach Kanada prägte das Festival die Arbeit der Koblenzer Musiker, wie Oberstleutnant Kuckertz gesteht: „Es gab schon eine spezielle Vorbereitung, da wir uns für Quebec sehr vielfältige Einsätze vorgenommen haben: Ein Benefizkonzert, die Military Tattoo Musikshow, der traditionelle Wachwechsel, das Kirchenkonzert oder die Parade mussten sorgfältig geprobt werden. Diese Arbeit wurde aber durch die zuverlässigen und detailierten Information, die wir durch das kanadische Organisationsteam bekommen haben, erleichtert.“
Ihre Mission haben die Musiker beim fünftägigen Festival erfüllt. „Alle Konzerte des Heeresmusikkorps 300 waren schon seit Wochen ausverkauft“, berichtet Hauptmann Denis Walther, der das Musikkorps als Presseoffizier begleitete, und fügt hinzu: „Deutsche Marschmusik genießt bei den kanadischen Musikliebhabern ein besonders hohes Ansehen.“ Es ist die vierte Teilnahme eines Deutschen Musikkorps beim kanadischen Festival, das in diesem Jahr in die neunte Auflage ging. Entsprechenden Eindruck haben die letzten Tage auch beim Leiter des Musikkorps hinterlassen, nicht ohne Stolz berichtet er: „Einer unserer wichtigsten Aufträge ist die Repräsentation der deutschen Streitkräfte - ob in Koblenz, Mendig oder in Quebec City. Der Einsatz als repräsentatives Orchester der Bundeswehr ist überall gleich. Überrascht ist man fern der Heimat jedoch darüber, wie positiv hier die Bevölkerung dem Militär gegenübersteht und allen Soldaten, die auf der Straße bei der Parade vorbeimarschieren, begeistert applaudiert.“

Musik kennt keine Grenzen: Hauptfeldwebel Christoph Buchheim als Gastmusiker bei der New Yorker Polizei Band.
Der Aufenthalt in Kanada verlangte dem Musikkorps das ganze Aufgabenspektrum ab. Erste Töne erklangen bei der Eröffnungszeremonie. Neben den deutschen Akteuren präsentierten sich auch eine britische Regimentskapelle aus Nepal, die New York City Police Band und selbstverständlich zahlreiche Musikkorps aus Kanada. Bei einem Konzert im Palais Montcalm präsentierte sich das deutsche Orchester mit dem musikalischen Spektrum, das man von den Musikkorps der Bundeswehr gewohnt ist: Der Bogen reicht von Klassikern der Marschmusik, wie „des Großen Kurfürsten Reitermarsch“ bis hin zu Trommelsoli und Mambo-Einlagen. Schnell konnten die Koblenzer so die musikalischen Herzen der Zuhörer für sich gewinnen. Musik ist eben eine internationale Sprache, stellt Robert Kuckertz erneut fest.
Doch auch über die Anlässe aus dem offiziellen Programm hinaus waren die Musiker tätig. Zu einem Ausflug in die Welt der Gospels war das Ensemble am Sonntag Vormittag „angetreten“. Spontan hatte sich während der Erkundung für die Reise ergeben, dass das Heeresmusikkorps einen Gottesdienst umrahmen durfte. International und bunt gemischt ging es beim Festival ohne hinzu: Bei einem Konzert der New Yorker Polizei-Band gastierte Hauptfeldwebel Christoph Buchheim mit seinem Saxophon als Gastmusiker und glänzte beispielsweise bei Glenn Millers „In the mood“.

Das Finale des Military Tattoo in Quebec.
„Das Beeindruckendste für mich war das harmonische Miteinander der verschiedenen Instrumente: deutsche Fanfaren erklingen neben kanadischen Dudelsäcken, Mundharmonikas und den Trommeln der New York Police Band und es klingt, als ob es schon immer so gewesen wäre“, beschreibt Gefreiter Sebastian Busch seine Eindrücke von der Parade der Militärmusiker durch die Altstadt von Quebec City. Busch ist einer der wehrpflichtigen Musiker in den Reihen des Orchesters und spielt Spielmannsflöte. Bunt ging es bei der Parade aber nicht nur musikalisch zu, auch die Uniformen symbolisierten die Unterschiede für die Musikern, die trotzdem perfekt harmonierten. Äußerlich hielt sich die Bundeswehr aber eher zurück: „Durch die eher schlichte Uniform stach die Koblenzer Formation deutlich unter den übrigen Bands hervor“, sind die Eindrücke von Denis Walther, der auch berichtet, dass die Koblenzer, wo immer sie auftauchten mit tosendem Beifall bedacht wurden.
Höhepunkt des Festivals waren jedoch die beiden Quebec City Military Tattoo Shows vor knapp 12.000 Zuschauern im ausverkauften Pepsi-Colosseum. Nach dem Einmarsch aller Bands präsentierte sich jede Nation mit typischen Stücken des Landes. Das Heeresmusikkorps 300 marschierte zu diesem Teil der Show mit dem „Regimentsgruß“ ein, um im Anschluss unter anderem „Lili Marleen“ zum Besten zu geben. Im Finale des dreistündigen Tattoos spielte die Koblenzer Delegation dann mit den knapp 600 Musikern der übrigen Militärmusikkorps auf. Gemeinsam ließen sie „Alte Kameraden“ erklingen.
Während die Musikerinnen und Musiker quasi auf gepackten Koffern sitzen, zerstreut ihr Chef die Illusionen, dass sich die Soldatinnen und Soldaten dann erst einmal erholen können: „Während unseres Aufenthalts in Kanada musste in Koblenz natürlich einiges liegen bleiben, das es nach unserer Rückkehr am Dienstag aufzuholen gilt. Am Mittwoch und Donnerstag spielen wir bereits zwei Feierliche Gelöbnisse, am Freitag spielen wir auf dem Diezer Schloss Oranienstein.“
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