Doch gerade in der Funktion
als General der Heeresflugabwehr
bleibt für Wehmut
kein Platz.
Auch die Umstrukturierung der
zentralen Ausbildungseinrichtung der Truppengattung ist
für den General eine prägende Veränderung.
Die Liegenschaft in Rendsburg wird in den nächsten
Jahren aufgegeben. Die heutige Heeresflugabwehrschule wird
dann in eine neustrukturierte Ausbildungseinrichtung in
Munster eingegliedert. „Damit endet eine gute, gewachsene
Tradition. Im vergangenen Jahr haben wir den 50. Geburtstag
gefeiert, die Schule wurde 1956 aufgestellt, schon bald
wird es sie in der heutigen Form und am Standort Rendsburg
nicht mehr geben“, gibt Brigadegeneral Köpke
zu bedenken.
Durch die Veränderungen sind viele Standorte der Heeresflugabwehrtruppe
von der Landkarte verschwunden.
Die Truppenteile der aktuellen Flugabwehrbrigade 100 reichen
von Lütjenburg in Schleswig-Holstein über
Fuldatal (Hessen) bis in das
Baden-Württembergische
Hardheim. Für den General ist die Verteilung in der
Fläche kein zu großer Nachteil. „Die Distanzen
machen Inspizierungen nicht leicht“, gibt General
Köpke zu, betont aber auch, „dass es unter dem
Strich vor allem um die Zusammenarbeit
der Truppe gehe.“ „Vor
allem nach Wegfall der Brigade
müsse es darauf ankommen,
den Zusammenhalt in der Truppengattung
nicht zu verlieren und das hohe Niveau von Aus- und Weiterbildung
im System
Flugabwehr, nämlich die Fertigkeiten und Fähigkeiten
zur Abwehr der Bedrohung aus
der Luft im Verbund, zu erhalten“,
stellt der General fest.
„Gerade als Brigadekommandeur
habe ich immer Wert darauf gelegt,
dass wir Einsatzerfahrungen sammeln,
auch wenn unsere Soldatinnen
und Soldaten nicht in flugabwehrspezifischen
Verwendungen gefragt waren“,
berichtet Brigadegeneral Köpke, als er auf die Einsatzsituation
angesprochen wird. Die Angehörigen der Heeresflugabwehr
sind in den aktuellen Einsätzen ausschließlich
in anderen Rollen gefragt. „Nur 1999 in Mazedonien
und dann beim Einmarsch in das
Kosovo waren Flugabwehrkräfte
in ihrer Hauptaufgabe, Abwehr
der Bedrohung aus der Luft, dabei“, vervollständigt
er. Danach waren dann aber auch
komplette Einheiten und viele
Soldaten in Einzelabstellungen
an Auslandseinsätzen
beteiligt. Der Überlegung,
dass dies ein Motivationsproblem
aufwerfen könnte,
durch den Umstand anderer Verwendungen,
widerspricht Köpke
postwendend. Auf den Dienstbetrieb
und die Ausbildung habe dies
sicherlich keinen negativen Einfluss. „Das Einsatzengagement
wurde immer sehr offensiv gehandhabt,
soweit die Möglichkeiten
es zuließen", blickt Köpke zurück.
Diese Einsatzerfahrungen könnten für die Soldaten
seiner Truppengattung möglicherweise schon bald von
konkretem Nutzen sein. Zur Verbesserung
des Schutzes der Soldatinnen
und Soldaten im Einsatz gegen ungelenkte Raketen,
Artilleriegranaten und Mörsergeschosse soll ein neues
Flugabwehrwaffensystem beschafft
werden, das sogenannte Nächstbereichsschutzsystem Counter
RAM (NBS C-RAM) (RAM = Raketen,
Artillerie- und Mörsergeschosse),
eine Weiterentwicklung des Systems
Skyshield der schweizer Firma
Oerlikon Contraves. Wenn dieses
System, voraussichtlich ab Ende
des Jahres 2009 in der Truppe verfügbar ist,
stehen die Soldaten der Flugabwehr
des Heeres wohl regelmäßig
in ihrer Erstrolle im Einsatz.
„Wir werden, dessen bin ich mir
sicher, einen guten Weg finden,
NBS C-RAM in die Heeresflugabwehrtruppe zu integrieren und
unsere Frauen und Männer bestmöglich
daran auszubilden“, betont Köpke und beschreibt
damit auch gleich erste Überlegungen für eine
neue Herausforderung, die auf
seine Truppengattung wartet. Das NBS C-RAM hält er
für das richtige Mittel.
Es wird eine der Fähigkeitslücken schließen,
die die asymmetrische Bedrohung
aus der Luft ans Tageslicht gebracht hat, ist sich der General
sicher. Bereits 2004
wurde Skyshield in Todendorf
getestet. Die Ergebnisse waren schon damals sehr vielversprechend.
Als Kommandeur einer Truppenschule
ist Brigadegeneral Köpke aber auch für die fachlichen
Qualifikationen und die Ausbildung
des Nachwuchses verantwortlich. Ein Nachwuchs, der, wie
er betont, nach wie vor Qualität
hat und sehr wohl leistungsfähig ist. „'Pisa’ geht
natürlich auch an den Bewerbern bei der Bundeswehr
nicht vorbei“, lächelt der General und ergänzt: „Gleichwohl
sind wir immer noch in der glücklichen Situation, vor
allem für die Offizier- und Feldwebellaufbahnen, aus
einer Vielzahl von Bewerbern
die besten auswählen zu
können. Im übrigen trägt die Ausbildung in
der Bundeswehr auch dazu bei,
das die eine oder andere allgemeine Wissens- bzw. Kenntnislücke
reduziert oder gar beseitigt wird.“
Die Heeresflugabwehrschule investiert
eine Menge in die Aus- und Fortbildung
sowie auch in die Erziehung ihrer Lehrgangsteilnehmer. Auf
die Frage, ob dies
in dem Umfang notwendig sei,
antwortet Brigadegeneral Köpke
mit einem eindeutigen „Ja!“ Der Aufwand sei
nach Art und Umfang sehr wohl
notwendig und gerechtfertigt. Schließlich gehe es
darum, die Lehrgangsteilnehmer, mehrheitlich Offiziere und
Unteroffiziere, auf ihre Verwendungen
in der Truppe vorzubereiten.
Das erfordere in einer modernen Truppengattung, die mit
komplexen, hochtechnischen Waffensystemen
ausgerüstet sei und sich rasant weiter entwickele,
viel Zeit. „Die Ausbildung in den Lehrgängen
an der Heeresflugabwehrschule
ist eine gute, unabdingbare Investition in die Zukunft.
Nur qualifiziert ausgebildete
Offiziere und Unteroffiziere/Feldwebel
werden den vielfältigen
Anforderungen des Dienstes in
Führungsverwendungen
in der Truppe gerecht werden
können“, führt
General Köpke aus. „Die Leistungen der Vorgesetzten
bestimmen maßgeblich den Wert einer Truppe; sind diese
unzureichend, so kann das, insbesondere
im Einsatz, Gefahr für Leib und Leben bedeuten oder
gar Menschenleben kosten. Das müsse unbedingt vermieden
werden“,
so Köpke.
„Ich bin nicht Soldat geworden,
um General zu werden“, betont Köpke auf die Frage,
ob es ein Patentrezept gibt,
um General zu werden. Dass es ein Rezept gibt, glaubt er
auch nicht: „Viel wichtiger
als ein Karriereziel zu verfolgen,
ist es, dass man in der aktuellen Verwendung sein Bestes
gibt.“ Beförderungen
und damit die nächsten Stufen auf der Karriereleiter
kommen dann ganz von selbst,
plaudert er aus dem Nähkästchen.
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