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 „Schwerpunkt war die Einsatzerfahrung“
 Die Heeresflugabwehr vor neuen Einsatzperspektiven
Rendsburg (uz) [01.06.07]. Brigadegeneral Wolfgang Köpke ist General der Heeresflugabwehr und Kommandeur der Heeresflugabwehrschule in Rendsburg. Er trägt Verantwortung für alle wesentlichen Veränderungen in seiner Truppengattung im Zuge der Neuordnung des Heeres. Als erster Kommandeur der Flugabwehrbrigade 100 war er maßgeblich an der Gestaltung der aktuellen Heeresflugabwehrkräfte beteiligt. Im Interview mit truppen.info spricht der General über Heeresflugabwehr, Einsätze, Perspektiven und Ausbildung.
Die Flugabwehr des Heeres hat sich in den vergangenen Jahren stark verändert. Mit der Unterstellung unter das Heerestruppenkommando wurden die Heeresflugabwehrkräfte in einer Brigade zusammengefasst. Heute muss General Köpke zusehen, wie diese Brigade, die er als erster Kommandeur geführt hat, vor der Auflösung steht. „Es ist wichtig, dass sich die Struktur immer an die Aufgaben anpasst“, betont er.
Brigadegeneral Wolfgang Köpke
Foto: Zeitter
Doch gerade in der Funktion als General der Heeresflugabwehr bleibt für Wehmut kein Platz.
Auch die Umstrukturierung der zentralen Ausbildungseinrichtung der Truppengattung ist für den General eine prägende Veränderung. Die Liegenschaft in Rendsburg wird in den nächsten Jahren aufgegeben. Die heutige Heeresflugabwehrschule wird dann in eine neustrukturierte Ausbildungseinrichtung in Munster eingegliedert. „Damit endet eine gute, gewachsene Tradition. Im vergangenen Jahr haben wir den 50. Geburtstag gefeiert, die Schule wurde 1956 aufgestellt, schon bald wird es sie in der heutigen Form und am Standort Rendsburg nicht mehr geben“, gibt Brigadegeneral Köpke zu bedenken.
Durch die Veränderungen sind viele Standorte der Heeresflugabwehrtruppe von der Landkarte verschwunden. Die Truppenteile der aktuellen Flugabwehrbrigade 100 reichen von Lütjenburg in Schleswig-Holstein über Fuldatal (Hessen) bis in das Baden-Württembergische Hardheim. Für den General ist die Verteilung in der Fläche kein zu großer Nachteil. „Die Distanzen machen Inspizierungen nicht leicht“, gibt General Köpke zu, betont aber auch, „dass es unter dem Strich vor allem um die Zusammenarbeit der Truppe gehe.“ „Vor allem nach Wegfall der Brigade müsse es darauf ankommen, den Zusammenhalt in der Truppengattung nicht zu verlieren und das hohe Niveau von Aus- und Weiterbildung im System Flugabwehr, nämlich die Fertigkeiten und Fähigkeiten zur Abwehr der Bedrohung aus der Luft im Verbund, zu erhalten“, stellt der General fest.
„Gerade als Brigadekommandeur habe ich immer Wert darauf gelegt, dass wir Einsatzerfahrungen sammeln, auch wenn unsere Soldatinnen und Soldaten nicht in flugabwehrspezifischen Verwendungen gefragt waren“, berichtet Brigadegeneral Köpke, als er auf die Einsatzsituation angesprochen wird. Die Angehörigen der Heeresflugabwehr sind in den aktuellen Einsätzen ausschließlich in anderen Rollen gefragt. „Nur 1999 in Mazedonien und dann beim Einmarsch in das Kosovo waren Flugabwehrkräfte in ihrer Hauptaufgabe, Abwehr der Bedrohung aus der Luft, dabei“, vervollständigt er. Danach waren dann aber auch komplette Einheiten und viele Soldaten in Einzelabstellungen an Auslandseinsätzen beteiligt. Der Überlegung, dass dies ein Motivationsproblem aufwerfen könnte, durch den Umstand anderer Verwendungen, widerspricht Köpke postwendend. Auf den Dienstbetrieb und die Ausbildung habe dies sicherlich keinen negativen Einfluss. „Das Einsatzengagement wurde immer sehr offensiv gehandhabt, soweit die Möglichkeiten es zuließen", blickt Köpke zurück.
Diese Einsatzerfahrungen könnten für die Soldaten seiner Truppengattung möglicherweise schon bald von konkretem Nutzen sein. Zur Verbesserung des Schutzes der Soldatinnen und Soldaten im Einsatz gegen ungelenkte Raketen, Artilleriegranaten und Mörsergeschosse soll ein neues Flugabwehrwaffensystem beschafft werden, das sogenannte Nächstbereichsschutzsystem Counter RAM (NBS C-RAM) (RAM = Raketen, Artillerie- und Mörsergeschosse), eine Weiterentwicklung des Systems Skyshield der schweizer Firma Oerlikon Contraves. Wenn dieses System, voraussichtlich ab Ende des Jahres 2009 in der Truppe verfügbar ist, stehen die Soldaten der Flugabwehr des Heeres wohl regelmäßig in ihrer Erstrolle im Einsatz.
„Wir werden, dessen bin ich mir sicher, einen guten Weg finden, NBS C-RAM in die Heeresflugabwehrtruppe zu integrieren und unsere Frauen und Männer bestmöglich daran auszubilden“, betont Köpke und beschreibt damit auch gleich erste Überlegungen für eine neue Herausforderung, die auf seine Truppengattung wartet. Das NBS C-RAM hält er für das richtige Mittel. Es wird eine der Fähigkeitslücken schließen, die die asymmetrische Bedrohung aus der Luft ans Tageslicht gebracht hat, ist sich der General sicher. Bereits 2004 wurde Skyshield in Todendorf getestet. Die Ergebnisse waren schon damals sehr vielversprechend.
Als Kommandeur einer Truppenschule ist Brigadegeneral Köpke aber auch für die fachlichen Qualifikationen und die Ausbildung des Nachwuchses verantwortlich. Ein Nachwuchs, der, wie er betont, nach wie vor Qualität hat und sehr wohl leistungsfähig ist. „'Pisa’ geht natürlich auch an den Bewerbern bei der Bundeswehr nicht vorbei“, lächelt der General und ergänzt: „Gleichwohl sind wir immer noch in der glücklichen Situation, vor allem für die Offizier- und Feldwebellaufbahnen, aus einer Vielzahl von Bewerbern die besten auswählen zu können. Im übrigen trägt die Ausbildung in der Bundeswehr auch dazu bei, das die eine oder andere allgemeine Wissens- bzw. Kenntnislücke reduziert oder gar beseitigt wird.“
Die Heeresflugabwehrschule investiert eine Menge in die Aus- und Fortbildung sowie auch in die Erziehung ihrer Lehrgangsteilnehmer. Auf die Frage, ob dies in dem Umfang notwendig sei, antwortet Brigadegeneral Köpke mit einem eindeutigen „Ja!“ Der Aufwand sei nach Art und Umfang sehr wohl notwendig und gerechtfertigt. Schließlich gehe es darum, die Lehrgangsteilnehmer, mehrheitlich Offiziere und Unteroffiziere, auf ihre Verwendungen in der Truppe vorzubereiten. Das erfordere in einer modernen Truppengattung, die mit komplexen, hochtechnischen Waffensystemen ausgerüstet sei und sich rasant weiter entwickele, viel Zeit. „Die Ausbildung in den Lehrgängen an der Heeresflugabwehrschule ist eine gute, unabdingbare Investition in die Zukunft. Nur qualifiziert ausgebildete Offiziere und Unteroffiziere/Feldwebel werden den vielfältigen Anforderungen des Dienstes in Führungsverwendungen in der Truppe gerecht werden können“, führt General Köpke aus. „Die Leistungen der Vorgesetzten bestimmen maßgeblich den Wert einer Truppe; sind diese unzureichend, so kann das, insbesondere im Einsatz, Gefahr für Leib und Leben bedeuten oder gar Menschenleben kosten. Das müsse unbedingt vermieden werden“, so Köpke.
„Ich bin nicht Soldat geworden, um General zu werden“, betont Köpke auf die Frage, ob es ein Patentrezept gibt, um General zu werden. Dass es ein Rezept gibt, glaubt er auch nicht: „Viel wichtiger als ein Karriereziel zu verfolgen, ist es, dass man in der aktuellen Verwendung sein Bestes gibt.“ Beförderungen und damit die nächsten Stufen auf der Karriereleiter kommen dann ganz von selbst, plaudert er aus dem Nähkästchen.
 
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