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 Handlungssicherheit ist das Ziel
 Truppenpsychologen treffen sich zur Fachtagung in Sigmaringen
Oberregierungsrat Heinrich Müller stellte die Arbeit der Psychologie im Sanitätsamt der Bundeswehr vor. Fotos: Dyba
Sigmaringen (eb) [10.11.2006]. „Wenn man nicht gewusst hätte, dass es Sie gäbe, wüsste man es spätestens seit eineinhalb Wochen“, hat der Kommandeur der 10. Panzerdivision, Generalmajor Markus Bentler, vor dem Hintergrund der jüngst bekannt gewordenen Vorfälle in Afghanistan festgestellt. Denn Bentler empfing am vergangenen Dienstag im Sigmaringer Hotel Fürstenhof die Truppenpsychologen des Heeres, die der Einladung des Heeresführungskommandos zur alljährlichen Tagung des Psychologischen Dienstes gefolgt sind. Die Arbeit der Truppenpsychologen rückte angesichts der Skandalfotos aus Afghanistan unweigerlich ins Zentrum der öffentlichen Wahrnehmung.
Gerade deshalb verwies Bentler deutlich auf die Bedeutung der „mentalen Vorbereitung unserer Soldaten auf den Auslandseinsatz“. Diese entscheide wesentlich über Erfolg oder Misserfolg des Einsatzes. Denn allein schon die Transformation der Bundeswehr in den Heimatstandorten sorge für Belastungen, die aufgefangen werden müssten, da bei diesem Prozess „auch die Seele mitschwingen“ müsse, so Bentler. Ziel sei es, Handlungssicherheit zu erlangen. „Wir haben mittlerweile viele Fälle posttraumatischer Störungen bei Soldaten, so dass wir hier nicht auf einem Auge blind sein können, sondern handeln müssen“, stellte der Kommandeur fest.
„Planen, Führen, Helfen“ war folglich das Motto der Tagung unter der Leitung von Oberregierungsrätin Ina Klüss, Truppenpsychologin der 13. Panzergrenadierdivision in Leipzig, die für ihre wegen des Kongo-Einsatzes verhinderte Kollegin Dietlinde Riedel vom Heeresführungskommando einsprang. Selbst eine Delegation des psychologischen Dienstes des österreichischen Bundesheeres nahm unter der Leitung von Oberstleutnant Christian Langer an der Tagung teil.
Trotz der Probleme, welche die Auslandseinsätze für den Einzelnen mit sich bringen, sei die Einsatzzufriedenheit der Soldaten mit 85 Prozent außergewöhnlich hoch. Dies ergab eine Umfrage unter einsatzerfahrenen Soldaten, die vor allem der Auswertung der vorhandenen Probleme diente und deren Ergebnisse Klüss vorstellte. So gaben die Befragten an, im Einsatz grundsätzlich Vertrauen in ihre unmittelbaren Vorgesetzten gehabt zu haben. Auch die ausgiebige Vorbreitung auf die bevorstehenden Belastungen seien ein Grund für die Zufriedenheit. Die Probleme tauchen zumeist im persönlichen Bereich auf: An vorderster Stelle stehen Schwierigkeiten und Konflikte mit der Familie oder dem Lebenspartner, gefolgt von Konflikten mit dem Vorgesetzten.
„Die Seele muss mitschwingen“: Generalmajor Markus Bentler unterstrich die Bedeutung der mentalen Vorbereitung auf den Einsatz.
Die psychischen Belastungen der Soldaten kennen die Truppenpsychologen aus der Praxis – die meisten unter ihnen waren bereits mehrfach im Auslandseinsatz. Und so mahnten sie an, der Familienbetreuung an den Heimatstandorten mehr Bedeutung beizumessen. Neben der Krisenintervention und den Einsatznachbereitungsseminaren war die Ausbildungsstation „Geiselhaft“ des VN-Ausbildungszentrums, die entsprechend einer Weisung des Inspekteurs des Heeres von den Truppenpsychologen intensiv betreut werden muss, ein Kernpunkt der Tagung. Ziel sei es dabei, so der Truppenpsychologe der 10. Panzerdivision, Oberregierungsrat Mario Steuer, den Soldaten mit einer Situation bekannt zu machen, die nicht alltäglich und vom Erleben einer extremen Hilflosigkeit gekennzeichnet sei. Die Psychologen werteten ihre Erfahrungen aus, um diese in die Ausbildung vor Ort einfließen zu lassen. So wurden beispielsweise bereits die Ausbildungsgruppen an dieser Station verkleinert, was auch zu einem Mehraufwand seitens der Psychologen führt. Deren Zahl soll, so die Planung, im Heer nun verdoppelt werden, so dass künftig jede Brigade über einen Psychologen verfügt. Trotz aller Anstrengungen, die Soldaten optimal zu betreuen und vorzubereiten, gilt die Einsicht: Der Soldat kann nicht auf jede Eventualität vorbereitet werden. Umso wichtiger sei es da, sich der Verantwortung dafür bewusst zu werden, was aus dem Einzelnen im Laufe seines Einsatzes wird, wie Bentler feststellte.
Text/Fotos: PIZ 10. Panzerdivision, Hauptmann Karsten Dyba
 
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