Die
Soldaten, die das Kommando in den entsprechenden
Gebieten führen wird, können je nach
Bedarf aus allen Teilstreitkräften stammen.
So kann schnell auf alle Anforderungen reagiert
werden. Doch es werden nicht nur Soldaten der
Bundeswehr sein: Der entsprechende Einsatzverband
kann durchaus Verbände aus den Partnernationen
mit aufnehmen. Das Kommando ist ein qualifiziertes "force
headquarters" im Sinne der EU
Die Vorbereitung für die Aufstellung des
Kommandos lag schon in der Übung European
Challenge im April dieses Jahres. Weitere Übungen
sollen im kommenden Jahr dafür sorgen, dass
der neuaufgestellte Verband schnell zusammenwächst.
truppen.info sprach mit Generalmajor Jan Oerding,
dem Befehlshaber des Kommandos, über seine
neuen Aufgaben:
Herr General, das Kommando Operative Führung
Eingreifkräfte ist, wenn ich richtig informiert
bin, für die Aufstellungsphase direkt dem
Generalinspekteur unterstellt. Wie wird in dieser
Phase eine Abgrenzung zu den teilweise ähnlichen
Aufgaben des Einsatzführungskommandos vorgenommen?
Läuft in dieser Phase ein hochmobiles Kommando
nicht in die Gefahr als „kriegerische Feuerwehr“ eingesetzt
zu werden, bis durch das Einsatzführungskommando
eine Friedenstruppe installiert werden kann?
Zunächst möchte ich klarstellen,
dass das Kommando Operative Führung Einsatzkräfte
in der Aufstellungsphase wie vorher auch das
Korps
dem
Heeresführungskommando
in Koblenz unterstellt ist, und damit zum Heer
gehört, welches mit der Aufstellung des
Kommandos beauftragt ist. Auf weite Sicht wird
es der Streitkräftebasis zugeordnet und
für den Einsatz dem Einsatzführungskommando
in Potsdam unterstellt werden. Zeitlich kann
der Wechsel noch nicht fixiert werden.
Die Aufgabenstellung der beiden Führungskommandos ist völlig unterschiedlich.
Während das Einsatzführungskommando als Operation Headquarters Einsätze
von Deutschland aus führt, ist unser Kommando ein hochmobiles operatives
Hauptquartier, das Einsätze im Einsatzland führen wird. Dort ist
es die Führungsebene, die eine einheitliche Führung multinationaler
Truppen auch unterschiedlicher Teilstreitkräfte sicherstellt.
Ihr Kommando verfügt, wie auch
bei der Übung European Challenge im ersten
Halbjahr eindrucksvoll bewiesen wurde, bei
Bedarf über Kräfte aus allen Teilstreitkräften.
Wie wird es möglich sein, diese zum Teil
auch kurzfristig abzustellen?
Der Einsatzauftrag für unser
Kommando wird nach politischer Entscheidung
erteilt. Danach wird, abhängig vom Auftrag
und Erfordernis, ein Kräftepaket geschnürt.
Darin sind dann alle notwendigen Land-, Luft-,
oder Seestreitkräfte vertreten. Da diese
Kräfte in der Regel sehr schnell verfügbar,
und auch bestens ausgestattet sein müssen,
werden die Truppenteile in erster Linie aus
den Eingreifkräften rekrutiert werden.
Die bevorstehenden Übungen sollen,
noch dazu dienen, Korrekturen einbringen zu
können, quasi „learning by doing“.
Was bedeutet dies für Soldaten, die dann
auch schon im Auslandseinsatz sein könnten?
Ich möchte meine Antwort einmal
so formulieren: Wie jeder Mansch lernen auch
wir Soldaten ständig hinzu. Dies gilt
immer und unabhängig von bereits erworbener
Einsatzerfahrung. Wir wollen auch von anderen
lernen, die in multinationaler Zusammenarbeit
oder in Strukturfragen ebenfalls Erfahrungen
gesammelt haben. Darüber hinaus sind auch
wir einem laufenden Wechsel an Personal unterworfen.
Das Thema Ausrüstung spielt
in den Einheiten, die mit Auslandseinsätzen
betraut sind, eine besondere Rolle. Ohne den
A 400 M beispielsweise wird Ihr Kommando seine
hohe Mobilität nur eingeschränkt
erreichen. Wo sehen Sie weiteren dringenden
Bedarf?
Die politische und die militärische
Führung haben in der Ausrüstung der
Bundeswehr verschiedene Fähigkeitslücken
erkannt. Dazu zählt nicht nur die unzureichende
Kapazität für strategischen Luft-
und Seetransport. In gewissem Maße wird
dieser Mangel derzeit kompensiert durch Anmietung
von zivilen Flugzeugen und Schiffen. Denken
Sie nur an den Einsatz der Antonows zur Sicherstellung
der Materialtransporte nach Afghanistan. Das
Flugzeug Airbus A 400 M wird mittelfristig
diese Lücke schließen können.
Die Modernisierung der Führungssysteme
ist ebenfalls auf einem guten Weg. Sie werden
teilstreitkraftübergreifend und im multinationalen
Bereich kompatibel sein
Wenn man von etablierten NATO-Stäben
einmal absieht, gelten da, wo verschiedene
Nationen zusammenarbeiten auch unterschiedliche
Vorschriften und Standards. Wie wird dem so
sensiblen Bereich, wie der Führung im
Einsatzgebiet begegnet?
Die Zusammenarbeit im multinationalen
Bereich fordert Grundregeln und einheitliches
Verständnis. Die bislang in der NATO geschaffenen
Regeln und Standards werden durch die EU übernommen.
Das bedeutet, wir fangen nicht von vorne an,
sondern haben standardisierte Verfahren, die übrigens
auch in Einsätzen der UNO erprobt und
bekannt sind. Wir wollen im multinationalen
Umfeld auch die verschiedenen Standards der
Schwester-Hauptquartiere in Frankreich, Großbritannien
und Italien betrachten und – wo möglich – angleichen.
Dazu dienen im übrigen auch die von Ihnen
angesprochenen Übungen in diesem und im
nächsten Jahr.
Das Kontingent in Afghanistan wurde
vergrößert und mit dem Sudan kam
ein neues Aufgabengebiet für die Bundeswehr
hinzu. Wo liegt für Sie als Befehlshaber
ganz persönlich die Grenze des Machbaren
mit Blick auf Einsatzgebiete und die Einsatzbelastung
der Soldaten?
Die Streitkräfte haben bisher
alle Einsätze, die von ihnen gefordert
wurden, gut bewältigt, auch wenn wir sicher
näher an den Grenzen des Machbaren gerückt
sind.
Natürlich befindet sich mein Kommando
derzeit noch auf dem Weg zur Erreichung seiner
vollen Einsatzbereitschaft. Sicher aber kann
es nicht gleichzeitig an mehreren Orten der
Welt eingesetzt werden. Einschränkungen
gibt es natürlich in der Durchhaltefähigkeit
in Bezug auf die Dauer der Einsätze, was
im Übrigen auch so gewollt ist, um den
Stab personell zu begrenzen. Die übrigen
Grenzen unterscheiden sich nicht von denen übriger
Truppenteile der Bundeswehr. Eine wichtige
Grenze erscheint mir dabei die soziale Komponente,
also was wir als militärische aber insbesondere
auch politische Führung unseren Soldaten
und ihren Familien in Bezug auf Einsatzdauer
und Häufigkeit persönlich zumuten
wollen.
Herr General, erlauben Sie mir eine persönliche
Frage: Im Jahr vor seinem 50-jährigen Bestehen
wurde das II. (GE/US) Korps aufgelöst. Ein
Verband, der die Geschichte der Bundeswehr in
Süddeutschland
entscheidend geprägt hat.
Ihre Karriere ist mit Einheiten aus dem Verantwortungsbereich
des II. Korps eng verbunden, was bedeutet es
für Sie persönlich, der letzte Kommandierende
General zu sein?
Nach knapp 50 Jahren bewegter Geschichte
des II. Korps in Ulm hat die Neubewertung der
sicherheitspolitischen Rahmenbedingungen durch
die Politik die Neuaufstellung des Kommandos
Operative Führung Eingreifkräfte
militärisch notwendig gemacht.
Auf Ihre Frage kann ich nur antworten, dass
ich stolz darauf bin, diesen bedeutenden Großverband
des deutschen Heeres geführt zu haben,
der auf eine lange und ereignisreiche Zeit
zurückblicken darf. |