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 Schwerpunkt in Richtung Einsatz verschoben
 Ein weiterer Schritt zur Umstrukturierung
Ulm (uz) [25.11.05]. Mit der Aufstellung des Kommando Operative Führung Eingreifkräfte in Ulm wurde ein weiterer Schritt zur Umsetzung der Reformen vollzogen. Bis zum Ende des Jahres 2006 soll das Kommando seine vollständige Einsatzbereitschaft erreichen. Das Kommando, als internationales Hauptquartier aufgestellt, schließt eine Lücke im Anforderungsspektrum der Streitkräfte. Es soll hochmobil und schnell verlegefähig sein. Innerhalb kürzester Zeiträume, so ist die Anforderung, muss es seinen Auftrag in einem "beliebigen" Einsatzland aufnehmen können.

Generalmajor Jan Oerding
Die Soldaten, die das Kommando in den entsprechenden Gebieten führen wird, können je nach Bedarf aus allen Teilstreitkräften stammen. So kann schnell auf alle Anforderungen reagiert werden. Doch es werden nicht nur Soldaten der Bundeswehr sein: Der entsprechende Einsatzverband kann durchaus Verbände aus den Partnernationen mit aufnehmen. Das Kommando ist ein qualifiziertes "force headquarters" im Sinne der EU
Die Vorbereitung für die Aufstellung des Kommandos lag schon in der Übung European Challenge im April dieses Jahres. Weitere Übungen sollen im kommenden Jahr dafür sorgen, dass der neuaufgestellte Verband schnell zusammenwächst.
truppen.info sprach mit Generalmajor Jan Oerding, dem Befehlshaber des Kommandos, über seine neuen Aufgaben:

Herr General, das Kommando Operative Führung Eingreifkräfte ist, wenn ich richtig informiert bin, für die Aufstellungsphase direkt dem Generalinspekteur unterstellt. Wie wird in dieser Phase eine Abgrenzung zu den teilweise ähnlichen Aufgaben des Einsatzführungskommandos vorgenommen? Läuft in dieser Phase ein hochmobiles Kommando nicht in die Gefahr als „kriegerische Feuerwehr“ eingesetzt zu werden, bis durch das Einsatzführungskommando eine Friedenstruppe installiert werden kann?

Zunächst möchte ich klarstellen, dass das Kommando Operative Führung Einsatzkräfte in der Aufstellungsphase wie vorher auch das Korps dem Heeresführungskommando in Koblenz unterstellt ist, und damit zum Heer gehört, welches mit der Aufstellung des Kommandos beauftragt ist. Auf weite Sicht wird es der Streitkräftebasis zugeordnet und für den Einsatz dem Einsatzführungskommando in Potsdam unterstellt werden. Zeitlich kann der Wechsel noch nicht fixiert werden.
Die Aufgabenstellung der beiden Führungskommandos ist völlig unterschiedlich. Während das Einsatzführungskommando als Operation Headquarters Einsätze von Deutschland aus führt, ist unser Kommando ein hochmobiles operatives Hauptquartier, das Einsätze im Einsatzland führen wird. Dort ist es die Führungsebene, die eine einheitliche Führung multinationaler Truppen auch unterschiedlicher Teilstreitkräfte sicherstellt.

Ihr Kommando verfügt, wie auch bei der Übung European Challenge im ersten Halbjahr eindrucksvoll bewiesen wurde, bei Bedarf über Kräfte aus allen Teilstreitkräften. Wie wird es möglich sein, diese zum Teil auch kurzfristig abzustellen?

Der Einsatzauftrag für unser Kommando wird nach politischer Entscheidung erteilt. Danach wird, abhängig vom Auftrag und Erfordernis, ein Kräftepaket geschnürt. Darin sind dann alle notwendigen Land-, Luft-, oder Seestreitkräfte vertreten. Da diese Kräfte in der Regel sehr schnell verfügbar, und auch bestens ausgestattet sein müssen, werden die Truppenteile in erster Linie aus den Eingreifkräften rekrutiert werden.

Die bevorstehenden Übungen sollen, noch dazu dienen, Korrekturen einbringen zu können, quasi „learning by doing“. Was bedeutet dies für Soldaten, die dann auch schon im Auslandseinsatz sein könnten?

Ich möchte meine Antwort einmal so formulieren: Wie jeder Mansch lernen auch wir Soldaten ständig hinzu. Dies gilt immer und unabhängig von bereits erworbener Einsatzerfahrung. Wir wollen auch von anderen lernen, die in multinationaler Zusammenarbeit oder in Strukturfragen ebenfalls Erfahrungen gesammelt haben. Darüber hinaus sind auch wir einem laufenden Wechsel an Personal unterworfen.

Das Thema Ausrüstung spielt in den Einheiten, die mit Auslandseinsätzen betraut sind, eine besondere Rolle. Ohne den A 400 M beispielsweise wird Ihr Kommando seine hohe Mobilität nur eingeschränkt erreichen. Wo sehen Sie weiteren dringenden Bedarf?

Die politische und die militärische Führung haben in der Ausrüstung der Bundeswehr verschiedene Fähigkeitslücken erkannt. Dazu zählt nicht nur die unzureichende Kapazität für strategischen Luft- und Seetransport. In gewissem Maße wird dieser Mangel derzeit kompensiert durch Anmietung von zivilen Flugzeugen und Schiffen. Denken Sie nur an den Einsatz der Antonows zur Sicherstellung der Materialtransporte nach Afghanistan. Das Flugzeug Airbus A 400 M wird mittelfristig diese Lücke schließen können.
Die Modernisierung der Führungssysteme ist ebenfalls auf einem guten Weg. Sie werden teilstreitkraftübergreifend und im multinationalen Bereich kompatibel sein

Wenn man von etablierten NATO-Stäben einmal absieht, gelten da, wo verschiedene Nationen zusammenarbeiten auch unterschiedliche Vorschriften und Standards. Wie wird dem so sensiblen Bereich, wie der Führung im Einsatzgebiet begegnet?

Die Zusammenarbeit im multinationalen Bereich fordert Grundregeln und einheitliches Verständnis. Die bislang in der NATO geschaffenen Regeln und Standards werden durch die EU übernommen. Das bedeutet, wir fangen nicht von vorne an, sondern haben standardisierte Verfahren, die übrigens auch in Einsätzen der UNO erprobt und bekannt sind. Wir wollen im multinationalen Umfeld auch die verschiedenen Standards der Schwester-Hauptquartiere in Frankreich, Großbritannien und Italien betrachten und – wo möglich – angleichen. Dazu dienen im übrigen auch die von Ihnen angesprochenen Übungen in diesem und im nächsten Jahr.

Das Kontingent in Afghanistan wurde vergrößert und mit dem Sudan kam ein neues Aufgabengebiet für die Bundeswehr hinzu. Wo liegt für Sie als Befehlshaber ganz persönlich die Grenze des Machbaren mit Blick auf Einsatzgebiete und die Einsatzbelastung der Soldaten?

Die Streitkräfte haben bisher alle Einsätze, die von ihnen gefordert wurden, gut bewältigt, auch wenn wir sicher näher an den Grenzen des Machbaren gerückt sind.
Natürlich befindet sich mein Kommando derzeit noch auf dem Weg zur Erreichung seiner vollen Einsatzbereitschaft. Sicher aber kann es nicht gleichzeitig an mehreren Orten der Welt eingesetzt werden. Einschränkungen gibt es natürlich in der Durchhaltefähigkeit in Bezug auf die Dauer der Einsätze, was im Übrigen auch so gewollt ist, um den Stab personell zu begrenzen. Die übrigen Grenzen unterscheiden sich nicht von denen übriger Truppenteile der Bundeswehr. Eine wichtige Grenze erscheint mir dabei die soziale Komponente, also was wir als militärische aber insbesondere auch politische Führung unseren Soldaten und ihren Familien in Bezug auf Einsatzdauer und Häufigkeit persönlich zumuten wollen.

Herr General, erlauben Sie mir eine persönliche Frage: Im Jahr vor seinem 50-jährigen Bestehen wurde das II. (GE/US) Korps aufgelöst. Ein Verband, der die Geschichte der Bundeswehr in Süddeutschland entscheidend geprägt hat.
Ihre Karriere ist mit Einheiten aus dem Verantwortungsbereich des II. Korps eng verbunden, was bedeutet es für Sie persönlich, der letzte Kommandierende General zu sein?


Nach knapp 50 Jahren bewegter Geschichte des II. Korps in Ulm hat die Neubewertung der sicherheitspolitischen Rahmenbedingungen durch die Politik die Neuaufstellung des Kommandos Operative Führung Eingreifkräfte militärisch notwendig gemacht.
Auf Ihre Frage kann ich nur antworten, dass ich stolz darauf bin, diesen bedeutenden Großverband des deutschen Heeres geführt zu haben, der auf eine lange und ereignisreiche Zeit zurückblicken darf.
 
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