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Herr General, erlauben Sie mir zu Beginn bitte eine
persönliche Frage:
Die kontinuierliche Veränderung des Deutschen Heeres hat
in den vergangenen Jahren die Zahl der Divisionen und
damit auch die Stellen der Kommandeure ständig verringert.
Was bedeutet die Übernahme der Führung einer Division
für Sie persönlich? |
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Für
mich ist es eine Ehre und Herausforderung,
die 10. Panzerdivision führen zu dürfen. Dominierend
ist das Gefühl
der Verantwortung, das mit der Führung von über
13.000 Soldatinnen, Soldaten und zivilen Mitarbeitern
einhergeht. Mit der Führung dieser stolzen Division habe
ich die Möglichkeit, Erfahrungen und Kenntnisse, die
ich in 34 Dienstjahren erworben habe, in diesem Großverband
umzusetzen und anzuwenden.
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Bis vor gut zwei Jahren haben Sie eine Brigade der 10.
Panzerdivision geführt. Empfinden Sie diesen Wissensvorsprung
als Vor- oder Nachteil? |
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Sicherlich
ist es zu Anfang immer ein Vorteil,
wenn man einen wichtigen Teil des
Verantwortungsbereiches schon
kennt. Dieser Vorteil erblasst aber recht schnell, da man
gefordert
ist, sich all umfassend und möglichst aktuell zu informieren. |
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Generalmajor Markus Bentler Fotos: PIZ 10. PzDiv |
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Ihr Vorgänger als Kommandeur der 10. Panzerdivision
wurde „auf“ einem „Leopard 2“ verabschiedet. Sie sind
Gebirgsjäger. Inwieweit weht künftig bei der 10. Panzerdivision
ein anderer Wind? |
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Jeder Führer bringt seine ganz persönliche Biographie
und seine ureigenen Erfahrungen in die neue Aufgabe
ein. Das ist gut so und sorgt sicher hier und da
für Abwechslung. Allüberragend
ist jedoch der Auftrag, der der 10. Panzerdivision
gestellt ist. Und dieser Auftrag hat sich mit
meiner Kommandoübernahme
nicht geändert.
Der Auftrag lautet, die mir unterstellten Soldaten
bestmöglich auf
die bevorstehenden Auslandseinsätze vorzubereiten. Deshalb ist es
nicht von Belang, ob jemand das schwarze Barett oder
die Bergmütze
trägt. |
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Sie führen eine Panzerdivision, die den Ruf hat, bereits
mehr "Mulis" als Panzer zu haben. Gepanzerte Verbände
werden im internationalen Zusammenwirken immer weniger
von der Bundeswehr gefordert, neueingeführte Waffensysteme
sind leichter und beweglicher. Was heißt dies für
die künftige Marschrichtung der 10. Panzerdivision? |
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Die 10. Panzerdivision ist neben der 13. Panzergrenadierdivision
wichtiger Teil der Stabilisierungskräfte des Deutschen Heeres. Struktur,
Ausrüstung, Ausbildung und Erziehung sind auf Stabilisierungsoperationen
hin auszurichten. Wir sind schon seit geraumer Zeit auf
diesem Weg, haben das Ziel aber noch nicht erreicht.
Die Umgliederung der 10. Panzerdivision wird im Jahr
2008 abgeschlossen. Für die nächsten zwei Jahre sehe ich als
Schwerpunkt die zielgerichtete Vorbereitung auf die Einsätze und die
Einnahme der neuen Struktur. Die 10. Panzerdivision wird
sich dann im Einklang mit ihrem Auftrag als Großverband der Stabilisierungskräfte
in ihrem Wesen grundlegend verändert haben. |
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Die 10. Panzerdivision wird nach der Auflösung der Panzergrenadierbrigade
30, der Abgabe der Deutsch-Französischen Brigade und der Übernahme
der Panzerbrigade 12 von der schwäbischen Alb aus zwei Brigaden in
Bayern führen. Wo liegt für Sie die Grenze der Zumutbarkeit hinsichtlich
der "Dienstwege"? |
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Die
Stationierungsentscheidungen haben sich stark
von den Gedanken leiten lassen, das zusammen
zu fügen, was zusammengehört. Das
zeigt sich beispielsweise an den mir in der
neuen Struktur unterstellten
Großverbänden, der Gebirgsjägerbrigade 23 und der Panzerbrigade 12. |
So
wird das Fernmeldebataillon 210 in Bad Reichenhall stationiert,
mit dem
Gebirgsaufklärungsbataillon 8 erhält die Panzerbrigade 12 einen neuen
Verband in ihrem Stationierungsraum. Beide Brigaden können damit ihre Ausbildung
nach dem Prinzip „train and organize as you fight!“ durchführen.
Da ist es unerheblich, dass der Divisionskommandeur weite Wege hat. Ihm darf
kein Weg zu weit sein, um bei seiner Truppe zu sein. |
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Die aktuellen Transformationsaufträge gleichen, so wird gerne beschrieben,
einem Motorwechsel im laufenden Betrieb. Wo wird Ihr
besonderes Augenmerk liegen, um größere „Schäden“ zu
vermeiden? |
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Ziel der Transformation ist es, die 10. Panzerdivision auf die
zu leistenden Einsätze vorzubereiten. Es ist eine Fiktion zu glauben,
dass man sich bei der Neuausrichtung gewissermaßen eine „Auszeit“ nehmen
könnte. Das war noch nie der Fall, das Leben geht weiter. Dieser Prozess
ist positiv. Wir entwickeln uns weiter und wir werden
besser. Mein besonderes Augenmerk wird dabei auf einer
zielgerichteten, didaktisch und methodisch
guten Ausbildung liegen, die sich an den Anforderungen
des Einsatzes ausrichtet. |
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Künftig soll es Soldaten mit besonderen Schwerpunkten geben, als
Einsatzkräfte oder für den Friedensdienst beispielsweise. Ihre
Division ist dafür bekannt, neben dem Einsatzengagement auch eine
Reihe von traditionellen Veranstaltungen in Baden-Württemberg durchzuführen.
Wie stark wird hier ein „Rotstift“ anzusetzen sein beziehungsweise
wie ist diese Spezialisierung in einer Heeresdivision
zu realisieren?
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Mit der Neuausrichtung der Division stellt sich die Frage, was
zwischen den Einsätzen zu leisten ist. Zeit ist dabei ein entscheidender
Faktor. Deshalb muss alles auf den Prüfstand. Es ist die Frage zu
beantworten, was dient der Erfüllung des Auftrages und was nicht.
Dabei muss man natürlich mit Augenmaß vorgehen und gelebte Traditionen
und die gewachsenen Verbindungen zur Gesellschaft berücksichtigen.
Ein abschließendes Urteil, das ganz konkrete Maßnahmen nach
sich zöge, habe ich mir noch nicht gebildet.
Eines ist jedoch sicher: Konzentration auf das Wesentliche
tut Not! |
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In Ihrer vorigen Verwendung hatten Sie als Kommandeur
der OSH ein Auge auf den Führungsnachwuchs. Die Anforderungen an den
Offizier werden augenscheinlich immer höher. Gab es ein besonderes
Rezept, das Sie den Soldaten mit auf den Weg gegeben haben? |
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Natürlich habe ich den Offizieranwärtern viel mit auf
den Weg gegeben. Eine Forderung ist jedoch überragend und für
den militärischen Führer zeitlos gültig: Seien Sie Vorbild!
Am wichtigsten ist für mich Wahrhaftigkeit, die Übereinstimmung
von Wort und Tat. Damit verbunden ist der Anspruch, von
seinem Untergebenen nur das zu fordern, was man selbst
zu leisten bereit und in der Lage ist. |
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(Das Gespräch führte Uwe Zeitter) [29.06.06] |
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