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 Wüstenfuchs bedroht einheimische Tierarten
 Fennek optimiert Aufklärungsmöglichkeiten
Lüneburg (uz) [08.10.2006]. Wolf, Luchs und Fuchs sind die mitteleuropäischen Tierarten, die für bewährte Fahrzeugtypen der Bundeswehr Namenspate stehen. Doch seit 2003 schleicht sich ein Wüstenfuchs ein und macht den einheimischen Mechanikwesen das Leben schwer. Die Tage des Spähpanzer „Luchs“ zum Beispiel sind durch die Einführung des „Fennek“, der nach einem Wüstenfuchs benannt ist, als Spähwagen gezählt. Aber auch in anderen Truppengattungen findet das Kind aus der Panzerschmiede KMW (Krauss-Maffei Wegmann) Aufgaben. Beispielsweise als gepanzertes Fahrzeug für Erkunder bei Pionieren oder Artillerie sind „Fenneks“ vorgesehen und auch in der ABC Abwehrtruppe soll eine Spürversion des Fahrzeugs eingeführt werden. In diesen Bereichen wurden bisher „Wolf“ und „Fuchs“ teilweise auch noch der Transportwagen M113 genutzt.
Der Spähwagen "Fennek".
Fotos: Zeitter
Spätestens bis Mitte des nächsten Jahrzehnts soll, wenn die Haushaltsmittel es erlauben, der Spähpanzer „Luchs“ ganz aus der Bundeswehr verschwinden. In den Panzeraufklärungsbataillonen 5 (Sontra), 6 (Eutin), 13 (Gotha) sowie beim Gebirgsaufklärungsbataillon 8 (Freyung) wird jeweils die Hälfte der Kompanien mit dem „Fennek“ ausgestattet, die restlichen greifen bis zum Ende der Nutzungszeit weiterhin auf den inzwischen 30 Jahre alten „Luchs“ zurück. Das Panzeraufklärungslehrbataillon 3 in Lüneburg, das durch die Zuordnung zur 1. Panzerdivision in Hannover den Eingreifkräften zugeordnet ist, rüstet alle Kompanien mit dem „Fennek“ aus. Diese Umrüstung ist im Prinzip für eine Kompanie bereits abgeschlossen. „Ein Großteil unseres Personals bereitet sich gerade auf Auslandseinsätze vor oder ist bereits vor Ort, so konnten wir das Material an die 2. Kompanie übergeben“, erzählt Major Thomas Wojtysiak, der stellvertretende Bataillonskommandeur, der die verbleibenden Einheiten des Verbandes während der Einsatzphase führt. Und die 2. Kompanie ist stolz auf die Möglichkeiten, die ihr nun zur Verfügung stehen. eindrucks- aber auch geradezu liebevoll präsentierten die Männer Ausstattung und Möglichkeiten kürzlich vor interessierten Journalisten.
Der „Fennek“ ist aber viel mehr, als einfach nur ein neues Fahrzeug. Während die Aufklärungsleistung bisher ausschließlich vom Personal erbracht werden mußte, bietet der „Fennek“ eine Vielzahl von technischen Hilfsmitteln zur Ergänzung der menschlichen Leistung. „Die Interpretation liegt natürlich nach wie vor beim Personal“, erklärt Major Wojtysiak. Herzstück des Spähwagens ist eine Beobachtungsplattform, die aus dem inneren des Fahrzeuges bedient werden kann. Sie kann stufenlos auf eine Beobachtungshöhe von rund drei Metern ausgefahren werden und verfügt über Laserentfernungsmesser, Wärmebild- und Tageslichtkamera. Die Kamerabilder können zudem eingefroren werden, um einen Verdacht bestätigen zu können. Allerdings steht den Soldaten lediglich ein schwarz-weißes Display zur Verfügung. Vor allem in Gegenlichtsituationen ist so die neue Hilfe ein wenig zu relativieren, gestehen die Soldaten.
Einem Spähtrupp steht zusätzlich die so genannte „Abbildende Luftgestützte Aufklärungsdrohne im Nächstbereich“ (ALADIN) zur Verfügung. „ALADIN“ könnte durchaus mit einem Modellbauflugzeug verglichen werden. Die Kleindrohne kann einfach von Hand gestartet werden und kann bereits einen wichtigen ersten Eindruck vom Verfügungsraum bieten, bevor die Soldaten zur Aufklärung vorrücken. Zu dem sollen die Trupps auch noch mit einem Sensorensystem ausgestattet werden, das Bewegungen aufklären läßt ohne, dass die Aufklärungskräfte ihre getarnte Stellung verlassen müssen. In der Funktionsweise, die dem einer Lichtschranke ähnelt, könnten diese Sensoren dann zugleich auch als Alarmposten dienen und so den Soldaten neben der zusätzlichen Aufklärungsmöglichkeit auch eine intensivere Konzentration auf die Kernaufgaben erlauben.
Der „Fennek“ zieht vor allem aus seiner flachen Silhouette einen Vorteil. Entsprechender Schutz gegen Wärmestrahlung von Motor- und Abgasanlagen macht es schwer, den Aufklärungswagen selbst aufzuklären. Eine absolute Dichte der Karosse und die Bedienungsmöglichkeit für Waffen und Aufklärungsmittel aus der Kabine geben dem „Fennek“ auch einen Aktionsrahmen in kontaminierten Gelände. Zumindest in der Bundeswehr-Version bietet der „Fennek“ umfangreiche Schutzmöglichkeiten gegen Beschuß und vor allem auch gegen Minen. Ein Angriff mit Hohlladungsgeschossen im August in Kabul verlief recht glimpflich und ohne Verletzungen der beteiligten Soldaten. Der „Fennek“ hat sich in den Auslandseinsätzen bereits etabliert.
Als deutsch-niederländische Gemeinschaftsentwicklung ist der „Fennek“ in beiden Armeen parallel eingeführt wurden. Weitere Nationen sollen bereits Interesse an dem Fahrzeug geäußert und zum Teil auch schon Kaufverträge abgeschlossen haben. Darunter sollen auch die USA sein.
Die Lüneburger Soldaten betonen, dass man noch längst nicht alle Einsatzmöglichkeiten für den „Fennek“ kennt. „Im vergangenen Jahr haben wir beispielsweise beim Elbhochwasser die Deiche geprüft“, erzählt Major Wojtysiak. Auch wenn die Deichmeister das Angebot der Bundeswehr nicht ernst genommen hätten, habe man testen wollen, ob man mit dem Wärmebild eingedrungenes Wasser in unzugänglichen Deichbereichen feststellen kann, führt der Kommandeur aus und ergänzt: „Das hat sehr gut funktioniert und wir konnten etwas zur Sicherung der Region beitragen.“
 
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