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Militärgeschichte selbst erleben |
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Führungsnachwuchs der 10. Panzerdivision erkundet Dolomitenfront |
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Der Führungsnachwuchs der „Zehnten“ genießt den Blick ins Travernanzes-Tal. |
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Sigmaringen (pr/uz) [14.09.06].
75 Soldaten der 10. Panzerdivision
nahmen vom 3. bis zum 8. September an einer „Militärhistorischen
Geländebesprechung“ in
den Dolomiten (Italien) teil. Um
in besonderer Weise selbst zu erfahren und zu lernen, unter
welchen extremen Wetter-
und Geländebedingungen die Kampfhandlungen und das Leben
an der Hochgebirgsfront im 1. Weltkrieg
abliefen organisierte der Verband diese Weiterbildung im fünften
Jahr. Parallel wurde den Teilnehmern damit die besondere Verantwortung
des
militärischen Führers für die ihm anvertrauten
Soldaten im Gefecht verdeutlicht.
Der Chef des Stabes, Oberst im Generalstabsdienst Peter Kallert,
lud dazu Offizier- und
Feldwebelanwärter, sowie verdiente Soldaten aus allen
Dienstgradgruppen ein.
Schon bei ersten Gesprächen in der Kaserne in Murnau
stellte sich heraus, dass niemand so richtig wusste, was ihn
in dieser Woche wohl erwarten würde. Nachdem die Stuben
bezogen, Organisatorisches geklärt und Nützliches
besprochen war, gab es im Unterrichtsraum einen militärhistorischen
Vortag, der neben der Entwicklung zum 1. Weltkrieg auch die
taktischen und operativen Abläufe an der Dolomitenfront
von 1915 bis 1918 darstellte. Nach dieser Einstimmung stellte
sich das Kompetenzteam für diese Weiterbildung vor: Oberst
a.D. Klaus Hammel, Militärhistoriker und Initiator der
Militärhistorischen Geländebesprechung, Oberstleutnant
a.D. Johann Behringer, ehemaliger Kommandeur der Gebirgswinterkampfschule
Mittenwald, Oberstleutnant a.D. Alois Loisl, ehemaliger Ausbildungsleiter
Heeresbergführerausbildung und Bergführer, Gebirgstechnische
Leitung, Oberstleutnant a.D. Michael Lerch, fachliche Durchführung,
sowie zwei aktive Heeresbergführer der Gebirgsjägerbrigade
23 aus Bad Reichenhall, welche die Sicherheit der Teilnehmer
im Gebirge gewährleisteten. Nach der Vorstellungsrunde übernahmen
die Heeresbergführer die praktische Einweisung zum Gebrauch
der Kletterausrüstung und der Teleskopwanderstöcke. |

Zeugen des Ersten Weltkrieges – Soldaten
der 10. Panzerdivision passieren Stellungssysteme
in den Dolomiten. |
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Am
ersten Morgen war bereits um 04.45 Uhr wecken. Nachdem die
Ausrüstung verpackt und die Vollzähligkeit überprüft
worden war, brachen die zwei Busse, mit den ersten Sonnenstrahlen,
in Richtung Italien auf. Ziel war die Auronzo-Hütte, welche
sich in etwa 2.200 Meter Höhe befindet. Auf der nicht
enden wollenden Serpentinenstrecke kurz vor der Hütte,
war es dann für einen Bus zu viel. Der Turbolader versagte. „Absitzen
und Gepäck aufnehmen! Wir gehen den Rest zu Fuß!“,
lautete der Befehl von Oberst Kallert. Bei strahlendem Sonnenschein
und mit vollem Gepäck bekamen die Teilnehmer in diesem
Augenblick einen ersten Eindruck, was es heißt, in dieser
Höhe zu marschieren. Bei der Auronzo-Hütte gab es
eine erste Geländeeinweisung durch Oberst a.D. Hammel.
Nachdem sich die Teilnehmer orientiert hatten, ging es in zwei
Gruppen weiter zur Drei-Zinnen-Hütte in 2.450 Meter Höhe. |
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Auf
dem Patternsattel, dem wohl bekanntesten
Aussichtspunkt der Dolomiten,
erfolgte eine kurze Geländeorientierung.
Dann wurde es für die Teilnehmer
ernst. Der erste Klettersteig
stand bevor: Der Toblinger Koten
(2.617 m), ein isoliert stehender
Felsturm, der von den Österreichern
zu einer strategisch wichtigen
Festung ausgebaut worden war,
sollte bezwungen werden. Doch
zuvor erfolgte noch eine taktische
Einweisung in die Stellungen
und die Kämpfe der Österreicher
und der Italiener in den Sextener
Dolomiten. Heute noch sind die Überreste
der Stellungen, Schießscharten
und Kavernen (Höhle/Hohlraum)
deutlich zu erkennen. Mit angelegter
Kletterausrüstung ging es
den schwierigen Aufstieg hinauf.
Gesichert an Stahlseilen waren
160 Meter über Felsen und
17 Stahlleitern, vorbei an originalen,
morschen und zerfallenen Holzleitern,
hinauf zum Gipfelkreuz zu steigen.
Ein traumhafter Ausblick auf
die mächtigen Zinnen und
ein malerisches Bergpanorama
war der Lohn. Hier befand sich
im 1. Weltkrieg ein Artilleriebeobachtungsposten.
Spätestens jetzt wurde den
Teilnehmern klar, unter welchen
Anstrengungen damals gekämpft
wurde. Und was es bedeutete in
den Dolomiten zu (über-)leben. |
Den
Gipfel des Paternkofels (il paterno,
2.744 m) zu besteigen war die
Aufgabe des zweiten Tages. Die
Teilnehmer konnten sich hier über
die Bedeutung lebenswichtige logistische
Versorgung bewusst zu werden.
Das großartige Felsmassiv
ragt
mächtig über die schütteren Geröllfelder der Grava Longa
(Lange Alm). Zuerst ging es auf einem normalen Bergpfad, bis zum Eingang des
Stollens, bergan. Diesen haben die Österreicher im 1. Weltkrieg angelegt.
Nach etwa 200 Metern war der Stollen durchquert. Über Schrofen und Rinnen
ging es den Klettersteig bis zur Gamsscharte kurz unter den Gipfel hinauf. Im
1. Weltkrieg befand sich hier eine Geschützstellung. In kleinen Gruppen
wurde das letzte Stück zügig in Angriff genommen. In luftiger Höhe
fand die inzwischen schon übliche Orientierung bei Kaiserwetter,
mit einer unglaubliche Aussicht auf die Zinnen sowie auf die Drei- Zinnen- Hütte,
statt. |
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Auch der Kommandeur der 10. Panzerdivision,
Generalmajor Markus Bentler (links),
und der Chef des Stabes, Oberst Peter
Kallert,
marschierten mit ihren Soldaten
und nutzten die Möglichkeit zur
Weiterbildung in den Dolomiten. |
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Einen
Ausblick, den die italienischen
Gebirgsjäger im Verlauf
des 1. Weltkrieges täglich
hatten. Vom Gamsjoch aus beschossen
und zerstörten sie damals
die Drei-Zinnen-Hütte. Weiter
ging es für die jungen Soldaten über
eine enge Galerie, die den Italienern
als Versorgungslinie zwischen
den Stellungen im Fels diente, über
den Patternsattel zur Auronzo-Hütte.
Für den dritten Ausbildungstag
verlegten die Teilnehmer zum Valparola-Paß. "Verstärkt" wurden
sie hier vom Kommandeur der 10. Panzerdivision,
Generalmajor Markus Bentler, der als
ehemaliger Kommandeur der Gebirgsjägerbrigade
23 einen besonderen Bezug zu den Bergen
hat. Der General wollte es sich, trotz
vollen Terminplanes, nicht nehmen lassen,
seinen Nachwuchs zu begleiten, um sich
mit ihm auszutauschen und einen Eindruck
von dessen fundierter Ausbildung im
Gebirge zu erhalten.
Vom Pass aus marschierten die Teilnehmer
zum Col di Lana (2.462 m). Der Berg
war, wie der benachbarte Monte Sief,
im Ersten Weltkrieg zwischen Österreichern
und Italienern heftig umkämpft
und ist heute ein Mahnmal des Krieges
in den Dolomiten. 12 italienische Infanterie-
und 14 Alpini-Kompanien unternahmen
1915/16 immer wieder verlustreiche
Versuche, den zuerst vom deutschen
Alpenkorps und dann von den Österreichern
besetzten Gipfel zu stürmen, wobei
allein durch Lawinen 278 Italiener
ums Leben kamen, 97 verwundet und 63
vermisst wurden. Der Berg bekam deswegen
von den Italienern auch den Namen „Col
di Sangue“ (Blutberg). Nachdem
die Italiener, trotz übermenschlicher
Anstrengung, den Col di Lana nicht
einnehmen konnten, unterminierten sie
den Berggipfel und sprengten ihn in
der Nacht vom 17. auf den 18. April
1916 gegen 23.30 Uhr. Dazu verwendeten
sie ca. 5.000 Kilogramm Nitrogelatine,
je 100 Rollen Schießbaumwolle
und je 100 Sprengkapseln. Die riesigen
Gesteinsbrocken zeugen noch heute von
der ungeheueren Gewalt der Sprengung,
welche tausende Tonnen Fels durch die
Luft wirbelte.
Am Gipfelkreuz begrüßte
der Divisionskommandeur mit dem traditionellen „Berg
heil“ seine Soldaten. Dort erklärte
ein Feldarzt, wie die Verletzten- und
Verwundetenversorgung im 1. Weltkrieg
erfolgte. Eine kleine Kapelle auf dem „neuen“ Gipfel
erinnerte bislang an die im Krieg gefallenen
Soldaten. Sie wird zur Zeit komplett
erneuert. |

Berg heil! Der Kommandeur der 10. Panzerdivision,
Generalmajor Markus Bentler mit
seinen Soldaten unterm Gipfelkreuz des Col
di Lana (2.462 m). |
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An dieser Stelle versammelte
der Sigmaringer Militärpfarrer
Siegfried Weber die Teilnehmer, um
mit ihnen einen Berggottesdienst zum
Gedenken an die fast 200 Gefallenen
abzuhalten.
Nach dem Gedenkgottesdienst stiegen
die Soldaten fast 1000 Meter nach Pieve
ab, um mit dem Bus zum Pordoijoch zu
fahren. An der dortigen Gedenkstätte
des Volksbundes Deutscher Kriegsgräberfürsorge
legte General Bentler einen Kranz zum
Gedenken an die gefallenen Soldaten
der beiden Weltkriege nieder.
Der wohl anstrengenste Anstieg stand
am Folgetag bevor. Startpunkt war der
Falzarego-Paß (2.105 m) mit der
Einweisung in die Bedeutung des Kampfes
um den Lagazuoi, sowie die Sprengung
des Schreckensteins. Tief in Nebel
gehüllt präsentierte sich
der Berg an diesem Tag. Die Seilbahngondeln
verschwanden im Nichts. Der Bergmarsch
führte fast 700 Höhenmeter
in dem Kaiserjägersteig (Klettersteig) über
das österreichische Felsband zum
Gipfel des kleinen Lagazuoi (2.792
m) hinauf. Nebelschwaden waren ständige
Begleiter. Doch unterm Gipfelkreuz
herrschte wieder das beste Wetter.
Auf dem geschichtsträchtigen Berg,
verglich der General in einer kurzen
Ansprache die Anforderungen an den
Soldaten und das Material von damals
und heute. Dabei verdeutlichte er seinen
Soldaten, wie wichtig es ist, in Bezug
auf die Auslandseinsätze, die
gegenwärtigen und zukünftigen
Herausforderungen anzunehmen und dabei
nicht die Geschichte zu vergessen.
Das Beschäftigen mit der Militärgeschichte
fördere die geistige Flexibilität,
führe aus engen Denkschemata und
-gewohnheiten heraus und mache die
Variationsbreite der Handlungsmöglichkeiten
bewusst. Über ein Geröllfeld
ging es weiter, entlang den einstigen österreichischen
Felswachen, in das Travernazes-Tal
hinunter, vorbei am „Gespaltenen
Fels“ zu der sogenannten Travenanzes-Stellung
und weiter zur Scharte Schreckenstein
(2.656 m), wo der zweite Aufstieg wartete.
Der Aufstieg zum Schreckenstein erfolgte über
einen steilen Geröllhang. Unterhalb
der Scharte besichtigten die Teilnehmer
die riesige Galerie, die den Österreichern
als Stellung und Unterkunft diente.
An einer fast senkrecht ansteigenden
Felswand waren breite Metallsprossen
eingeschlagen, an denen man sich hinaufziehen
musste. Gesichert an Stahlseilen erreichten
die Soldaten den Eingang der Galerie
Schreckenstein. Links
neben den Stahlleitern sind noch
immer die Überreste der Holzbaracken deutlich zu erkennen. |

Der katholische Militärpfarrer Siegfried
Weber, feiert einen Berggottesdienst
mit den Soldaten. |
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Fast
insgesamt 231 Stufen und Sprossen führten den folgenden dunklen Felstunnel,
der als Angriffstunnel diente, im Berg hinauf. Am letzten Stück
gab es keine Treppe mehr. Ohne das Stahlseilgeländer war
es fast nicht möglich hinauf zu gelangen, da durch die
Feuchtigkeit im Stollen die Steine rutschig waren. Völlig
durchgeschwitzt gab der Berg die Soldaten schließlich
frei. Das grelle Sonnenlicht blendete die Augen, bis die sich
wieder an die Umgebung gewöhnt hatten. Jetzt erst nahm
man das Ausmaß der damaligen italienischen Sprengung
war. Die Teilnehmer fanden sich in einem riesigen Sprengtrichter
wieder. Über die Forcella de Bois führte der Marsch
zurück zum Sammelpunkt am Paß (1.400 m).
Die mannigfaltigen Eindrücke und Erfahrungen dieser Woche boten beim abschließenden
Kameradschaftsabend eine Menge Gesprächsstoff. Körperliche Fitness,
Teamfähigkeit, soziale Kompetenz, Offenheit und der Wille zur Überwindung
der eigenen Ängste waren Voraussetzung für die erfolgreiche Teilnahme. |
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