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 Wo „Kätzchen“ aus Kohlefaser entstehen
 In Donauwörth werden Tiger und NH 90 produziert
Donauwörth (uz) [05.11.07]. Seine eher unfreundliche Frontansicht treibt jedem Kampftruppensoldat das blanke Entsetzen ins Gesicht. Zugleich macht er seinem Namensgeber, dem „Tiger“ alle Ehre. Geschmeidig wie das Raubtier bewegt sich der künftige Kampfhubschrauber der Bundeswehr über das Flugfeld auf dem Werksgelände von Eurocopter in Donauwörth. Wendig und mit Bewegungen, die man kaum voraussehen kann. „Artgerecht“, wie die lebenden Exemplare im Zoo wird auch dieser „Tiger“ unter Verschluss in den Hallen von Eurocopter gehalten: Hinter Maschendraht stehen die „Kätzchen“ und warten auf ihre Fertigstellung, Erprobung und Auslieferung. Die Halle teilen sie sich mit einem anderen jungen, zukünftigen Kind der Bundeswehr: Mit dem „NH 90“.

Modernste Produktionsverfahren kommen den Neuanschaffungen der Bundeswehr zu Gute.
Foto: Eurocopter.
Maschinen beiden Typs befinden sich zur Zeit in der Erbrobung. Rund 15 Stunden ist jede Maschinen zu Tests in der Luft, bevor sie bereit ist für die Übergabe. Dann wird meist das Prüfungsprogramm nochmals vom Kunden, also der Bundeswehr, durch das Personal der Wehrtechnischen Dienststelle 61 (WTD 61) in Manching geflogen. Schließlich müssen alle Maschinen in Ordnung und sicher sein, bevor sie ihren Dienst aufnehmen. Insgesamt absolviert jede Maschine ein Protokoll, das etwa 15.000 Prüfpunkte umfaßt – einfache Sichtprüfungen eingerechnet.
Sicherheit ist bei den beiden Neukonstruktionen ein ganz besonderes Thema beide Helikopter haben in ihrem Torso bestimmte Sollbruchstellen erhalten. Damit können die Vorgaben aus der zivilen Luftwaffen weit übertrumpft werden. Aus 2,8 Metern muss nach diesen Vorgaben ein Hubschrauber im freien Fall stürzen können und die Insassen müssen den Sturz überleben können. Bei Eurocopter geht man gleich eine ganze Zahl an Schritten weiter: Beim neuen „NH 90“ übersteht die Zelle einen Sturz aus knapp acht Metern heil und die Passagiere haben sogar noch bei einer Höhe von knapp 12 Metern eine Chance zu überleben.
Tiger und NH 90 werden Seite an Seite produziert.
Foto: Eurocopter
Das neue Material, ein Kohlefaserverbundstoff, der in Donauwörth produziert beziehungsweise für jedes Bauteil individuell geformt wird, gibt diese Möglichkeiten. Der Stoff hat aber noch weitere Vorteile. Ganze Zellenteile lassen sich durch dieses Verfahren in einem Stück produzieren. Der entscheidende, alltägliche Vorteil ergibt sich aber für den Betrieb der neuen Hubschrauber: Durch den Einsatz der Kohlefaser sparen die Helikopter an Gewicht. Das wird sich natürlich auch in den Betriebskosten später einmal auswirken. Es muss deutlich weniger Gewicht in die Luft gehoben werden. Der Rumpf eines „NH 90“, wiegt gerade mal noch 750 kg, weniger als die meisten Kleinwagen. In Donauwörth werden für den „NH 90“ weit mehr Rumpfteile gefertigt, als in der eigenen Endmontage gebraucht werden. Sie werden vorwiegend nach Frankreich oder Skandinavien an die europäischen Partner im Eurocopter-Konzern zur weiteren Verarbeitung geliefert. Alle vier Tage wird im Durchschnitt eine Rumpf-Baugruppe ausgeliefert.
Der „NH 90“ verfügt technisch über weitere Neuerungen. Er wird der erste Hubschrauber für die Bundeswehr sein, dessen Steuerung weitestgehend auf Mechanik verzichtet. „Fly by wire“ heißt das Schlagwort. Hier werden die Impulse der Steuerung aus dem Cockpit umsetzt und in vier getrennten Steuerkreisen an den Antrieb übermittelt. Jeder Steuerkreis wird individuell angeschlossen, so dass die Kreise wirklich unabhängig funktionieren. Ausfälle in der Steuerung seien dadurch so gut wie ausgeschlossen, schwärmen die Verantwortlichen. Selbst wenn einmal ein Kreis ausfällt, kann die Maschine sicher weitergeflogen werden. Es sei auch, so wird versichert, bislang nicht vorgekommen, dass aus den Kreisen unterschiedliche Impulse gesandt wurden. Dieses Verfahren trägt allerdings auch dazu bei, dass sich eine weitere beeindruckende Zahl um den „NH 90“ ranken kann: Rund 170 Meter Kabel werden in jedem Helicopter verlegt.
Richtig ins Schwärmen gerät man bei der Fetigung militärischer Hubschrauber aber erst, wenn es an die technische Ausstattung des „Tiger“ geht. Auch wenn deutsche „Tiger“ auf eine Maschinenkanone im Bug verzichten müssen, sind sie dennoch mit unzähligen modernen Bewaffnungsmöglichkeiten ausgestattet. Von der Lenkdraht gesteuerten Fortentwicklung der TOW, deren ältere Version in Panzer-, Infanterie- und Panzergrenadierverbänden zum Einsatz kommt, bis zum modernen Flugkörper, der sich selbst ins Ziel lenkt und auch über eine Zielverfolgung verfügt. Im Gegensatz zum Konkurrenzmodell, dem zugegebener Maßen bereits betagten „Apache“ aus den Vereinigten Staaten, erfolgt die Zielaufnahme beim „Tiger“ ausschließlich optisch. Dadurch kann die Zielerfassung nicht erkannt werden, wie beim Laser-Verfahren des Apache. Für den „Tiger“ selbst bedeutet, dies ein hoher Schutz davor, selbst aufgeklärt zu werden. Durch die Anbringung der optischen Gräte unterhalb des Rotors kann der Kampfhubschrauber aus der Deckung operieren. Optisch verfügt der „Tiger“ beispielsweise auch über Infrarot-Sensoren. Alle Daten und Informationen kann sich die Besatzung, die aus zwei Personen bestehen wird, in ihr Visier projizieren lassen. Natürlich auch die Infrarotbilder. Die Optik dreht sich dabei stets in die Blickrichtung des Bedieners.
Noch drehen die Tiger ihre Kreise vorwiegend über und um Donauwörth.
Foto: Zeitter
Eine Sicherheitseinrichtung kann der Hubschrauber bieten, die wohl der Besatzung ganz außerordentlich wichtig ist: Selbst wenn der Tiger durch einen Treffer Öl verliert, ist die Besatzung in der Lage, die Maschine auch ohne Öl im Antrieb, noch aus der Gefechtszone zu steuern und in einer sicheren Umgebung zu landen.
Und auch wenn der Tiger später bereits im Truppendienst steht, die eine oder andere Änderung und Fortentwicklung kann auch nachträglich vorgenommen werden, betont man bei Eurocopter.
Helikopter im Jungbrunnen
 
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