Das neue Material, ein Kohlefaserverbundstoff,
der in Donauwörth produziert
beziehungsweise für jedes Bauteil individuell geformt wird, gibt diese Möglichkeiten.
Der Stoff hat aber noch weitere Vorteile. Ganze Zellenteile lassen sich durch
dieses Verfahren in einem Stück produzieren. Der entscheidende, alltägliche
Vorteil ergibt sich aber für den Betrieb der neuen Hubschrauber: Durch den
Einsatz der Kohlefaser sparen die Helikopter an Gewicht. Das wird sich natürlich
auch in den Betriebskosten später einmal auswirken. Es muss deutlich weniger
Gewicht in die Luft gehoben werden. Der Rumpf eines „NH 90“, wiegt
gerade mal noch 750 kg, weniger als die meisten Kleinwagen. In Donauwörth
werden für den „NH 90“ weit mehr Rumpfteile gefertigt, als in
der eigenen Endmontage gebraucht werden. Sie werden vorwiegend nach Frankreich
oder Skandinavien an die europäischen Partner im Eurocopter-Konzern zur
weiteren Verarbeitung geliefert. Alle vier Tage wird im Durchschnitt eine Rumpf-Baugruppe
ausgeliefert.
Der „NH 90“ verfügt technisch über weitere Neuerungen.
Er wird der erste Hubschrauber für die Bundeswehr sein, dessen Steuerung
weitestgehend auf Mechanik verzichtet. „Fly by wire“ heißt
das Schlagwort. Hier werden die Impulse der Steuerung aus dem Cockpit umsetzt
und in vier getrennten Steuerkreisen an den Antrieb übermittelt. Jeder Steuerkreis
wird individuell angeschlossen, so dass die Kreise wirklich unabhängig funktionieren.
Ausfälle in der Steuerung seien dadurch so gut wie ausgeschlossen, schwärmen
die Verantwortlichen. Selbst wenn einmal ein Kreis ausfällt, kann die Maschine
sicher weitergeflogen werden. Es sei auch, so wird versichert, bislang nicht
vorgekommen, dass aus den Kreisen unterschiedliche Impulse gesandt wurden. Dieses
Verfahren trägt allerdings auch dazu bei, dass sich eine weitere beeindruckende
Zahl um den „NH 90“ ranken kann: Rund 170 Meter Kabel werden in jedem
Helicopter verlegt.
Richtig ins Schwärmen gerät man bei der Fetigung militärischer
Hubschrauber aber erst, wenn es an die technische Ausstattung des „Tiger“ geht.
Auch wenn deutsche „Tiger“ auf eine Maschinenkanone im Bug verzichten
müssen, sind sie dennoch mit unzähligen modernen Bewaffnungsmöglichkeiten
ausgestattet. Von der Lenkdraht gesteuerten Fortentwicklung der TOW, deren ältere
Version in Panzer-, Infanterie- und Panzergrenadierverbänden zum Einsatz
kommt, bis zum modernen Flugkörper, der sich selbst ins Ziel lenkt und auch über
eine Zielverfolgung verfügt. Im Gegensatz zum Konkurrenzmodell, dem zugegebener
Maßen bereits betagten „Apache“ aus den Vereinigten Staaten,
erfolgt die Zielaufnahme beim „Tiger“ ausschließlich optisch.
Dadurch kann die Zielerfassung nicht erkannt werden, wie beim Laser-Verfahren
des Apache. Für den „Tiger“ selbst bedeutet, dies ein hoher
Schutz davor, selbst aufgeklärt zu werden. Durch die Anbringung der optischen
Gräte unterhalb des Rotors kann der Kampfhubschrauber aus der Deckung operieren.
Optisch verfügt der „Tiger“ beispielsweise auch über Infrarot-Sensoren.
Alle Daten und Informationen kann sich die Besatzung, die aus zwei Personen bestehen
wird, in ihr Visier projizieren lassen. Natürlich auch die Infrarotbilder.
Die Optik dreht sich dabei stets in die Blickrichtung des Bedieners. |