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„Die
Wiege der Luftwaffe stand im Biergarten“ |
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Lehrsammlung zeigt Wandel der Funktionen |
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Soldaten in der Unteroffizierschule der Luftwaffe auf historischen
Spuren.
Fotos: Zeitter |
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Appen
(uz) [29.03.08]. Ein wenig Abseits vom eigentlichen Schulleben
in der Appener Marseille-Kaserne liegt die Lehrsammlung der
Unteroffizierschule der Luftwaffe (USLw). Sie unterscheidet
sich von den meisten anderen Lehrsammlungen vor allem dadurch,
dass sie keine Sammlung von Technik und Ausrüstung ist.
Hier geht es vorrangig um Menschen, um die Unteroffiziere der
Luftwaffe und ihre Rolle im Wandel der Zeit. Einen Ausbildungstag
verbringen beispielsweise die angehenden Feldwebel im Rahmen
ihres Lehrganges auf den Spuren ihrer Vorgänger. „Die
Rolle der Unteroffiziere hat sich durchaus verändert“,
weiß Martin Brehl, der Historiker und Fachlehrer für
politisch-historische Bildung der Schule zu berichten. „Zunächst
könnte man sagen waren die Unteroffiziere regelrecht Untertanen,
der vor allem zu gehorchen hatte“, blickt Brehl in die
Zeit des beginnenden 19. Jahrhunderts. |
Übergangsweise
ist die Lehrsammlung im ehemaligen Offizierheim (OHG) untergebracht. In
den nächsten Jahren soll sie aber in ein anderes Gebäude, die
frühere Kommandeursvilla, umziehen. Bis dahin arbeitet der Historiker
auf einer Baustelle, auf einer Baustelle, mit der er sehr gut leben kann,
wie er betont. Er hat sogar Platz für Sonderausstellungen, wenn sich
eine Möglichkeit bietet. Allerdings hat er auch zugleich bei allen
Planungen einen Blick auf das künftige Gebäude und die Vorgaben
für Brandschutz und Denkmalschutz.
Viele Exponate wünscht er sich noch, einiges konnte er schon einrichten.
Eine Sammlung von Uniformen und kleineren Exponaten ist stattlich angewachsen.
Allerdings befindet sich alles noch im Aufbau: „So richtig fertig ist noch
keiner der Räume“, sagt Brehl beim Rundgang. Seit 2003 kümmert
sich der Historiker um die Lehrsammlung und das Archiv der USLw.
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Historiker Martin Brehl bei einer Einweisung für die Soldaten. |
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Die Ausbildung der Lehrgangsteilnehmer
ist sein tägliches Brot
und eine Tätigkeit, für die er viel Erfahrung mitbringt. Bis zu seiner
Einstellung als Historiker war er als Offizier auf Zeit als Hörsaalleiter
an der Schule tätig. Erfahrungen, die in die Konzeption der Lehrsammlung
mit eingeflossen sind. Ganz genau weiß Martin Brehl, dass die Lehrgangsteilnehmer
teilweise ja nicht so ganz freiwillig im kleinen „Hörsaal“ sitzen,
in dem der Ausbildungstag in der Lehrsammlung beginnt. Im dichtgedrängten
Zeitplan eines Feldwebellehrgangs übernimmt diese Weiterbildung einen Inhalt,
der nicht für die Prüfung relevant ist.
Die meisten der Soldaten, die vor Martin Brehl sitzen, kommen aus technischen
Verwendungen. Eine Tatsache, die der Fachlehrer berücksichtigt. Die technische
Entwicklung spielt in seinen Ausführungen eine große Rolle. So lassen
sich die Soldaten mit dem einprägsamen Satz, dass die Wiege der Luftwaffe
in einem Biergarten stand, für das Themenfeld Militärgeschichte interessieren.
Hintergrund dieser natürlich stark vereinfachten These ist übrigens,
so erklärt Brehl, dass man das Gas für die ersten Versuche mit Ballons
aus einer Berliner Gasfabrik in der Nachbarschaft eines Biergartens bezogen habe
und sich so die Wiese des Biergartens für Versuchsaufstiege der Ballons
angeboten habe. |
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| Meist trifft Martin Brehl bei seinem Einführungsvortrag auf
offene Ohren. |
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Die Soldaten werden in der
Militärgeschichte des 20. Jahrhunderts weitergebildet und erleben
in der ehemaligen OHG eine kritische Darstellung der Geschichte und Entwicklung
der Luftwaffe. Die Ausbildung wird dabei nur kurz in Form eines Unterrichts
gehalten. Vor allem die Soldaten selbst müssen sich im Rahmen von
Gruppenarbeiten
mit Persönlichkeiten und Entwicklungen auseinandersetzen. Die Ergebnisse
werden dann den anderen Lehrgangsteilnehmern vorgetragen. Für die Recherche
stehen den Soldatinnen und Soldaten Gruppenarbeitsplätze mit PC und zahlreiche
Unterlagen zur Verfügung. Der Fachlehrer achtet darauf, dass die Soldaten
vorsichtig mit den Informationen umgehen und prüfen, was wirkliche Fakten
sind. „Gerade in der Informationsflut des Internets wird oftmals ein wenig
hinzugedichtet“, weiß Brehl. Wenn dieser sorgsame Umgang mit den
Fakten gewahrt bleibt, haben die Gruppen aber mit jedem Ergebnis, zu dem sie
kommen, recht. „Wenn ernsthaft gearbeitet wurde, werden die Ergebnisse
der Gruppen nicht kommentiert oder korrigiert. Nur in wirklichen Ausnahmen muss
ich eingreifen“, zieht er Resümee.
Eine der kommenden Aufgaben, die auf den Macher der Lehrsammlung zukommen, ist
das Einarbeiten der Geschichte der Luftwaffenunteroffiziere in der Nationalen
Volksarmee (NVA). Eine Arbeit, bei der Martin Brehl bereits erste spannende Entdeckungen
gemacht hat. „Die Werbung um den Nachwuchs, wie Plakate und ähnlichem,
unterscheidet sich kaum – sieht man einmal von ideologischen Schlagworten
ab - zwischen Luftwaffe und den Luftstreitkräften / Luftverteidigung der
Nationaler Volksarmee“, berichtet der Historiker. Die Technik stehe im
Mittelpunkt. Doch auch für den Bereich der Exponate hat er ein ähnliches
Problem, das sich durch alle Bereiche zieht. „Es ist sehr schwierig, passende
Exponate zu finden, die sich wirklich auf Unteroffiziere beziehen“, beklagt
er und fügt hinzu: „Wenn man beispielsweise Quellen aus den ersten
Jahren der Luftstreitkräfte, könnte man den Eindruck bekommen, dass
Offiziere die Geschichten aufgeschrieben haben und die Unteroffiziere die Arbeit
gemacht haben. Denn mir ist bis heute kein Unteroffizier der Luftstreitkräfte
bekannt, der seine Erinnerungen aufgeschrieben und veröffentlicht hat.“
Da die Bundeswehr für den Erwerb der Exponate kaum Haushaltsmittel zur Verfügung
hält, hat Brehl oft das Nachsehen gegen private Sammler. Dabei kommt es
auch mal vor, dass er sich selbst ein interessantes Stück über eines
der Internet-Auktionshäuser sichert.
Öffentlich zugänglich ist die Lehrsammlung der USLw nicht. Veranstaltungen
der Schule, wie Tage der offenen Tür, bilden eine der seltenen Besuchsmöglichkeiten. |
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