truppen.info | Technik | Lehrsammlungen und Museen: Lehrsammlung des Ausbildungszentrums der Heeresflugabwehr
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 Zeitreise durch technologische Entwicklungen
 Lehrsammlung steht nicht nur Schülern zur Verfügung
Der Flugabwehrraketenpanzer "Roland" gehört zu den frischgebackenen "Rentnern" in der Rendsburger Lehrsammlung. Er wurde 2005 aus dem Dienst genommen.
Fotos: Zeitter
Rendsburg (uz) [16.02.08]. Die Abwehr von Gefahren aus der Luft gehört zu einer der jüngsten Aufgaben, die von Soldaten zu absolvieren sind. In den Jahren des I. Weltkrieges gewann die Kriegsführung aus der Luft erstmals an Bedeutung und mit ihr natürlich auch die Bemühung um deren Abwehr. An der früheren Heeresflugabwehrschule im schleswig-holsteinischen Rendsburg wurde in den 1980er Jahren begonnen, Exponate rund um die Geschichte der Flugabwehr in den deutschen Streitkräften zu sammeln. Auf mehr als 2000 Quadratmetern können die Lehrgangsteilnehmer der Schule und interessierte Gruppen in der Lehrsammlung des Ausbildungszentrums Heeresflugabwehrtruppe eine Zeitreise durch die Geschichte der Flugabwehr machen. „Es geht in der Lehrsammlung nicht um die Wahrung der Tradition - unsere Aufgabe ist die Darstellung der technischen Entwicklung der Truppengattung“, erläutert Hauptmann Siegmar Jessulat, der sich als Projektoffizier um die Lehrsammlung kümmert.
Die Tage, der Lehrsammlung in Rendsburg allerdings sind gezählt. Der Nachwuchs der Truppengattung wird künftig im niedersächsischen Munster ausgebildet werden und die Feldwebel-Schmid-Kaserne, die die Lehrsammlung derzeit beherrbergt wird gechlossen. In den Jahren 2009 oder 2010 werden die Verantwortlichen ihre Exponate ebenfalls nach Munster bringen müssen. Geordnet soll der Umzug geschehen, wenn es nach den Wünschen der Verantwortlichen geht. Ob es auch so funktionieren wird, läßt sich heute noch nicht sagen. Wichtig ist, zumindest zeichnet sich aber auch bereits ab, es wird wieder eine überdachte Ausstellung geben. Für viele der geliehenen Exponate ist dies die Voraussetzung. Fest steht bereits, dass die Lehrsammlung nicht an das bestehende Panzermuseum angegliedert wird.
Die Lehrsammlung wurde Anfang der 1980er Jahre in Leben gerufen. Damals wurde Gerät, das zur Ausbildung in Rendsburg genutzt wurde, nach der Nutzungszeit als Anschauungsobjekt aufbewahrt. „Nach und nach hat man uns dann auch Gerät angeboten“, erinnert sich Wolfgang Wierk. Der amtlich anerkannte Prüfer aus der Instandsetzung des Rendsburger Ausbldungszentrums ist bei der Lehrsammlung ein Mann der ersten Stunde. Alle Fahrzeuge, egal ob mit eisernem Kreuz oder Hammer und Zirkel sind bei ihm in guten Händen.
1989 wurde die Lehrsammlung offiziell genehmigt. In ihrer Geschichte hat sie in der Wahrnehmung durchaus ein Wechselbad der Gefühle erlebt. Es gab auch durchaus einzelne Vorgesetzte, die Sammlung als „altes Zeug“ abgetan haben, erzählen Verantwortlichen. Insbesondere den Kommendeuren sei die Lehrsammlung immer sehr wichtig gewesen. Selbst im neuen Schulkonzept am neuen Ausbildungsplatz findet die Lehrsammlung wieder einen Platz. „Die Sammlung hat schon einen hohen Stellenwert“, betont Jessulat stolz. Er selbst hat die Leitung der Sammlung erst vor wenigen Jahren übernommen und mußte sich erst einmal intensiv einarbeiten.

Hauptmann Siegmar Jessulat führt Besucher durch die Lehrsammlung.
Der Aufbau der Lehrsammlung ist in drei Teilen erfolgt. Im Ersten geht es um die Flugabwehr bis zum 2. Weltkrieg. Im Folgenden um die Truppenluftabwehr der Nationalen Volksarmee und im Dritten um die Flugabwehr des Heeres der Bundeswehr bis heute, dazu kommt noch eine Ergänzung mit Exponaten zur Geschichte der Kaserne in Rendsburg, sowie eine Uniformsammlung. Öffnungszeiten hat die Lehrsammlung übrigens nicht und der Besuch ist ausschließlich im Rahmen einer Führung möglich. „Ab einer gewissen Gruppengröße, wird die Führung allerdings etwas abgespeckt“, gesteht Siegmar Jessulat, der die Interessierten in rund eineinhalb bis zwei Stunden in die Geheimnisse der Flugabwehr mit Flugzielen und Bekämpfungsabläufen einweiht. Nicht alle Besucher gehören zum Ausbildungszentrum, auch viele ehemalige oder Interessierte melden sich an.
Darunter sind schon auch einmal Piloten, die sich einen Eindruck von der potenitellen Bedrohung verschaffen wollen oder Fotografen von Fachzeitschriften für Modellbau. „Selbst aus Asian waren schon Fotografen hier, die den „Wirbelwind“ fotografierten“, erzählt der Hauptmann. Der Wirbelwind, ein Flak-Panzer, der 1944 entwickelt wurde und mit 4 Kanonen für die Bekämpfung von Erd- und Luftzielen geeignet war, rückt sich immer wieder in das Interesse der Besucher. Er ist eines der zwei letzten Exemplare, die erhalten sind. Das Exemplar in Rendsburg gehört der Wehrtechnischen Studiensammlung (WTS) in Koblenz, ein weiteres Exemplar sind im Aussenbereich eines kanadischen Museums. Der „Wirbelwind“ ist nur eine von zahlreichen Leihgaben, die in der Ausstellung zu sehen sind. Selbst Fahrzeuge aus Privatbesitz werden ausgestellt. Für Jessualt bescheinigt dies, dass die Anlage der Lehrsammlung in einer Halle unabdingbar ist: „Viele Exponate sind sicherlich nur deswegen bei uns, weil sie nicht der Witterung ausgesetzt sind.“
Oft half der Zufall den Machern der Lehrsammlung. „Wenn Material angeboten wird, haben wir zu prüfen, ob es aufzuarbeiten ist“, beschreibt Wolfgang Wierk. Mit seinem Team hegt und pflegt er nicht nur den Bestand, er repariert und restauriert auch. In seiner Funktion als Prüfer kommt ihm auch zu Gute, dass er alle Fahrzeuge fahren kann und vor allem auch darf. Auch beim Museumsbestand ist die obligatorische Einweisung unerlässlich. Immerhin sind rund 95% der Ausstellungsstücke prinzipiell fahrbereit. „Man muss einfach bedenken, dass viele der Bediener, die das Gerät erlernt haben, inzwischen nicht mehr zur Verfügung stehen“, erläutert der Projektoffizier. Noch immer sind die Macher mit viel Sammelleidenschaft zu Gange auch wenn sie schon einiges „zusammengekramt“ haben, wie sie stolz sagen. Vieles steht noch auf der Wunschliste für die Lehrsammlung. Verfügbarer Platz und Beschaffungsmöglichkeiten sowie Genehmigungen stehen dabei in steter Konkurrenz zu einander. Gerade aber im Themenbereich der Bundeswehr ist die Sammlung schon recht komplett und umfaßt auch die meisten Prototypen, die entwickelt wurden. Ein Fahrzeug wurde sogar vom Hersteller zur Verfügung gestellt. Eine Vervollständigung des historischen Materials für die Sammlung aus den Weltkriegen scheitert meist daran, dass die Bundeswehr keine Mittel für solche Beschaffung zur Verfügung stellt, Exponate aber kaum noch ohne Geld zu bekommen sind.
Führung im Bereich der Truppenluftabwehr.
Dass der Weg des Geräts in die Lehrsammlung des Ausbildungszentrums Heeresflugabwehr nicht immer einfach sind, darüber könnte Wolfgang Wierk wohl fast ein Buch schreiben. So habe er beispielsweise bei einem Besuch auf einem Fliegerhorst in Mecklenburg-Vorpommern, der eigentlich nichts mit der Lehrsammlung zu tun gehabt habe, gefragt, ob es dort noch Material der NVA gäbe, plaudert Wierk aus dem Nähkästchen. Man habe ihn dann in eine Halle geführt. Die Fahrzeuge, die dort verlassen standen, sahen für ihn wie Schützenpanzer aus und unverrichteter Dinge kehrte er nach Rendsburg zurück. Dort berichtete er einem Soldaten, der in der NVA gedient hatte, von seiner Entdeckung. Dieser wurde schnell hellhörig. Er vermutete in den Fahrzeugen die sogenannte Automatisierte Führungsstelle PU-12M, die auf dem Fahrgestell des Spähwagen 60B basierte. Eine weitere Recherche bestätigte den Verdacht und eines der Fahrzeuge fand inzwischen seinen Weg in die Lehrsammlung.
Einen guten Kreis solcher Helfer hatten die Macher die Lehrsammlung immer präsent, sei es, wenn es um Informationen rund um die verschiedenen Elemente und Ausrüstungsstufen ging, oder auch wenn es galt ein neues Exponat auftreiben. Dieser Unterstützung und reichlichem Zeitaufwand, der nebenamtlich aufgebracht wurde, ist der Umfang der Lehrsammlung zu verdanken.
 
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