truppen.info: Wehrbeauftragtenbericht 2007
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 Bloß nicht krank werden
 Wehrbeauftragter Robbe (SPD) legt aktuellen Mängelbericht vor
Reinhold Robbe, Wehrbeauftragter des Bundestages Reinhold Robbe, Wehrbeauftragter des Bundestages
Foto: Bundestag
Berlin (lb) [05.03.08]. Krank zu sein ist für Soldaten ebenso unangenehm wie für Zivilisten. Doch bei den Soldaten mangelt es zusätzlich auch noch an Behandlungsmöglichkeiten: es fehlen Ärzte und Pfleger, es fehlt an Kompetenz und Struktur. Der neue Wehrbeauftragtenbericht stellt für den Sanitätsdienst der Bundeswehr keine gute Diagnose. Die Ursache nennt Wehrbeauftragter Reinhold Robbe (SPD) auch: der „Spagat zwischen Einsatz und Grundversorgung“ überschreite „derzeit die Grenze der personellen Leistungsfähigkeit“, heißt es in dem heute in Berlin vorgestellten Dokument. Die Symptome sind teilweise haarsträubend.


Beispiel 1: „Der Petent wurde mit der Verdachtsdiagnose eines Harnweginfektes behandelt. Auf Grund der von ihm beschriebenen Symptome und des deutlich positiven Glucoseschnelltestes hätten aber vorzeitig die Differenzialdiagnose eines Diabetes mellitus erhoben und weitergehende Untersuchungen veranlasst werden müssen. Das ist nicht geschehen. Durch die Fehldiagnose des Befundes ist die tatsächliche Erkrankung erst zwei Tage später erkannt worden. … Zur Klärung der Frage, ob durch die fehlerhafte Behandlung beim Patienten nachteilige gesundheitliche Folgen eingetreten sind, wurde ein Wehrdienstbeschädigungsverfahren eingeleitet.“

Beispiel 2: „In einem anderen Fall beklagte ein Petent, dass seine Leistenoperation im Operationssaal abgesetzt worden sei. Die Ermittlungen bestätigten das Vorbringen. Auf Grund organisatorischer Abläufe im Operationsbetrieb wurde kurzfristig ein Operateur eingesetzt, der den Lokalbefund erstmalig im Operationssaal in Augenschein nehmen konnte. Wegen reizlosen Befundes entschied er, die Operation abzusetzen. Zu diesem Zeitpunkt hatte der Petent bereits seine Prämedikation und Spinalanästhesie erhalten. Der Führungsstab des Sanitätsdienstes wies mir gegen über darauf hin, dass die Entscheidung über die Durchführung einer Operation grundsätzlich beim Operateur liege. Die Entscheidung einer Absetzung der Operation am Operationstisch ohne vorherige Rücksprache mit dem behandelnden Chirurgen sei aber nicht hinnehmbar und werde ausdrücklich bedauert.“

Beispiel 3: „Vereinzelt wurden Soldaten nicht untersucht, weil die Krankenmeldezeit abgelaufen war. In anderen Fällen wurden Notfallsprechstunden eingerichtet, ohne an diesen Tagen eine Meldezeit für Neukranke vorzusehen, so dass kein Truppenarzt für sie verfügbar war.“

Neben Korrekturen bei der medizinischen Versorgung der Soldaten, mahnt der Wehrbeauftragte auch verwaltungsseitig Veränderungen gerade in den Bundeswehrkrankenhäusern an. „Natürlich müssen auch diese sich, ebenso wie zivile Krankenhäuser, den erhöhten Anforderungen insbesondere in den Bereichen Controlling, Qualitätsmanagement und Leistungsabrechnung stellen. Wie ich bei meinen Besuchen festgestellt habe, muss die entsprechende Kompetenz teilweise erst noch erworben werden.“
Personalmangel erkennt Robbe insbesondere beim Fachpersonal, „namentlich in den Bereichen Anästhesie und Intensivmedizin sowie im OP-Dienst“. „Der dadurch entstandene personelle Engpass führte erneut zu Einschränkungen im Operationsdienst.“ „Darüber hinaus fehlte es an Notfallärzten. Die Einsatzbelastung der verfügbaren Notfallärzte war daher weiterhin besonders hoch.“
Neben der weiteren Nachwuchsgewinnung ist es vor diesem Hintergrund nach Ansicht des Wehrbeauftragten wichtig, die Ausfallzeiten der Truppenärzte zu verringern. Denn neben den Auslandseinsätzen belaste zusehends die persönliche Familienplanung den Dienstbetrieb. „Etwa ein Drittel der Abwesenheitstage entfällt inzwischen auf Mutterschutz, Elternzeit, Betreuungsurlaub und Teilzeitarbeit. Angesichts der Tatsache, dass 52 Prozent der Sanitätsoffizieranwärter und 60 Prozent der Sanitätsoffizierbewerber Frauen sind, ist aus der Sicht der Führung des Sanitätsdienstes damit zu rechnen, dass familienbedingte Abwesenheiten, die den Sanitätsdienst auf Grund des vergleichsweise hohen Anteils an weiblichen Soldaten von rund 36 Prozent bereits jetzt überproportional treffen, weiter zunehmen werden. Hinzu kommt, dass auch männliche Soldaten immer häufiger Freistellungen für Erziehung und Betreuung in Anspruch nehmen.“
Insgesamt sind im Jahr 2007 knapp 5.300 Eingaben beim Wehrbeauftragten eingegangen, ein leichter Rückgang gegenüber dem Vorjahr.
(Lars Bessel)
Bericht des Wehrbeauftragten 2007
 
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