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Bundesverteidigungsministerium herrscht beim
Thema „Wahlausgang“ und
der Frage nach dem neuen oder neuen-alten Minister Funkstelle. Stattdessen
verweist man an die Parteizentrale der SPD – zu deren Verwunderung. „Man
muss sehen, was kommt“, lautet denn auch die magere Aussage
der dortigen Pressestelle. Das Büro des Abgeordneten Struck äußert
ebenfalls nur kurz Zufriedenheit darüber, dass der Minister
seinen Wahlkreis in Celle erneut direkt „geholt“ hat.
Der Bundeswehrverband als „Soldatengewerkschaft“ hält
sich ebenfalls bedeckt: man habe zum derzeitigen Minister ein gutes
Verhältnis, heißt es. Immerhin hatte Struck den Verbandsvorsitzenden
Gertz unlängst wissen lassen, dass er die „gute freundschaftliche
Zusammenarbeit“ schätze, auch wenn man nicht genug Zeit
gehabt habe, um eine „echte Freundschaft“ aufzubauen.
Die Zeit könnten die beiden nach Einschätzung von Holger Schmidt-Denker
gleichwohl doch noch bekommen. Schmidt-Denker ist bundespolitischer Korrespondent
beim Nachrichtensender n-tv und dortiger Verteidigungsexperte. „Wenn es
seine Gesundheit erlaubt, wird Struck Verteidigungsminister bleiben“, ist
er sich sicher, „weder in der FDP noch in der CDU gibt es jemanden, der
Struck ‚das Wasser reichen’ kann.“ Hinzu käme, dass Peter
Struck auch bei der Union hohes Ansehen als Fachminister genieße und ihm
der Job erklärtermaßen auch viel Spaß mache.
Den aktuellen Stimmungsumschwung im Ministerium nennt Schmidt-Denker „hochspannend“.
Habe der Minister doch trotz anderslautendem Wahlkampfgetöse selbst seit
Wochen nicht mehr an die Chance geglaubt, überhaupt im Amt bleiben zu können. „Es
herrschte regelrechte Wehmutsstimmung auf den Fluren.“ Davon sei nun nichts
mehr zu spüren. Von Klarheit kann man allerdings auch nicht sprechen.
Das gilt erst recht für die Verbündeten im Ausland: EU-Kommissionspräsident
José Manuel Barroso hofft, dass Deutschland möglichst rasch über
eine stabile Regierung verfügt. Deutschland sei für die Lösung
vieler Probleme wichtig, zitiert Barrosos Sprecherin den Kommissionspräsidenten. „In
der Verteidigungspolitik schätzen wir das deutsche Engagement in Krisenregionen
wie in Afghanistan im Rahmen der internationalen Schutztruppe ISAF und auf dem
Balkan zur Stabilisierung der Lage in Bosnien und Kosovo. Wir gehen davon aus,
dass diese Einsätze fortgeführt werden,“ erklärt die britische
Botschaft in Berlin gegenüber truppen.info. Auch die französische Verteidigungsministerin
Mich le Alliot-Marie erwartet keine Folgen – in dem Fall für das deutsch-französische
Verhältnis. Die Amerikaner rechnen nach Aussage des Außenministeriums
ungeachtet des Wahlergebnisses ebenfalls mit einer Fortsetzung der „ausgezeichneten
Beziehungen“ zu Berlin. Auch die Mitarbeiter der russischen Botschaft hoffen, „dass
sich die guten Entwicklungen künftig fortsetzen“. Immerhin habe man
unter der Führung von Schröder-Struck viel erreicht – Beispiel:
mit den deutschen Truppentransporten nach Afghanistan habe Moskau erstmals einem
NATO-Staat andauernde Überflugrechte eingeräumt. Im Bereich „Wehrtechnik“ sei
das „Potential noch viel größer“, heißt es auf Anfrage
unserer Redaktion.
Vorerst bleibt der Verteidigungsminister auf jeden Fall im Amt: zunächst
muss sich der neue Bundestag konstituieren und dann eine(n) neuen Kanzler(in)
wählen. Sollte dies nicht gelingen, bliebe die alte Regierung solange geschäftsführend
im Amt bis sich eine entsprechende Mehrheit findet oder es Neuwahlen gibt. Wann
das Parlament in seiner neuen Zusammensetzung das erste Mal tagen wird ist noch
offen. Spätestens am 13. Oktober muss der Bundestag allerdings - in alter
oder auch neuer Besetzung - zusammenkommen, um über die Verlängerung
des Bundeswehr-Einsatzes in Afghanistan zu beraten und zu entscheiden …
(Lars Bessel)
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