truppen.info: Die Bundestagswahl 2005
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 Neuwahl - Wie geht´s weiter mit der Bundeswehr?
 Das planen die Parteien in ihren Wahlprogrammen ...
Itzehoe [25.07.05]. Am 21. Juli 2005 hat Bundespräsident Horst Köhler den 15. Deutschen Bundestag aufgelöst und Neuwahlen für den 18. September 2005 angesetzt. Längst hat in Erwartung dieser Entscheidung der Wahlkampf der Parteien begonnen. In „Regierungsprogrammen“ und „Wahlmanifesten“ erklären die Parteien, was sie im Falle einer Regierungsübernahme planen. Dabei dominiert das Thema „Arbeit“ und die Frage, wie Deutschland den künftigen wirtschaftlichen Herausforderungen gewachsen sein soll. Doch wie sehen die Pläne der Parteien hinsichtlich der Zukunft der Bundeswehr aus? Wie halten es denn nun die Parteien mit der Wehrpflicht und der Finanzierung der Bundeswehr? Oder soll die Bundeswehr zukünftig gar im Inneren eingesetzt werden? truppen.info hat nachgefragt und die Vorstellungen der Parteien zusammengefasst.

Wehrpflicht
Die derzeitige Regierungspartei SPD hat sich beim Thema Wehrpflicht noch nicht festgelegt. Die Stimmen innerhalb der Partei gehen weit auseinander. Während sich Verteidigungsminister Peter Struck in der Vergangenheit immer wieder für die Wehrpflicht ausgesprochen hat, haben sich namhafte SPD-Politiker für die Schaffung einer Berufsarmee eingesetzt. Die endgültige Entscheidung, ob Wehrpflicht oder Berufsarmee, hat die SPD auf den Ende 2005 stattfindenden Parteitag verschoben. Der grüne Koalitionspartner hat sich längst auf die Einführung einer Berufsarmee festgelegt.
CDU und CSU sprechen sich in ihrem „Regierungsprogramm“ klar für die Beibehaltung der Wehrpflicht aus. Für CDU/CSU wird Deutschlands „Sicherheit nicht nur in entfernten Regionen und am Hindukusch verteidigt“. Heimatschutz und Landesverteidigung dürften daher nicht länger vernachlässigt werden. CDU/CSU sehen die Landesverteidigung als verfassungsmäßige Kernaufgabe der Bundeswehr als Wehrpflichtarmee. Darüber hinaus stärke die Wehrpflicht den Rückhalt der Bundeswehr bei den Bürgern und erleichtere die Gewinnung qualifizierten Nachwuchses und stelle die Aufwuchsfähigkeit in Krisenzeiten sicher.
Die FDP hat bereits auf ihrem Parteitag am 17. September 2000 beschlossen, sich für die Aussetzung der Allgemeinen Wehrpflicht einzusetzen. Sie sieht die Wehrpflicht als einen „so tiefen Eingriff in die individuelle Freiheit der jungen Bürger, so dass sie von einem demokratischen Rechtsstaat nur dann abgefordert werden darf, wenn es die äußere Sicherheit des Staates wirklich verlangt“. Diese Sicherheitslage sieht die FDP derzeit nicht. Im Gegenteil: Sie argumentiert, dass für die derzeitigen Einsätze der Bundeswehr gar keine Wehrpflichtigen eingesetzt werden dürften. Das Bündnis (die NATO) fordere zudem von der Bundesrepublik auch keine Wehrpflichtarmee, sondern Streitkräfte, die gut ausgebildet, modern ausgerüstet, voll einsatzbereit und schnell verlegbar seien. Mit einer Berufsarmee steige die Einsatzfähigkeit der Bundeswehr und sinke die Einsatzbelastung des einzelnen Soldaten, so die FDP.
Bündnis 90 / die Grünen sprechen sich in ihrem Wahlprogramm 2005 nicht nur für die Aussetzung der Wehrpflicht ein, sondern ganz für deren Abschaffung. Auch die Grünen argumentieren, wie die FDP, dass die Wehrpflicht sicherheitspolitisch nicht mehr zu rechtfertigen sei. „Ohne diese (sicherheitspolitische, Anm. d. Red) Begründung ist der Eingriff in die Grundrechte junger Männer auch unter dem Gesichtspunkt der Wehrgerechtigkeit nicht mehr hinnehmbar.“ Die Grünen wollen die Wehrpflicht durch einen „freiwilligen flexiblen Kurzdienst“ ersetzen. Was darunter zu verstehen ist, bleibt im Wahlprogramm jedoch offen.
DIE LINKSPARTEI (Wahlbündnis aus PDS und WASG) fordert in ihrem Entwurf des Wahlprogramms 2005 die Wehrpflicht abzuschaffen und „die Bundeswehr auf eine Personalstärke von 100.000 zu reduzieren.“ Dies ist jedoch nur die halbe Wahrheit: In dem Parteiprogramm der PDS ist zu lesen, dass „ein Deutschland ohne Armee“ ein langfristiges Ziel sozialistischer Politik sei.

Einsätze
Die SPD möchte den von ihr eingeleiteten Transformationsprozess der Bundeswehr „mit konsequenter Ausrichtung an den Aufgaben der internationalen Krisenbewältigung“ fortsetzen. Dass die SPD dabei auch Kampfeinsätze der Bundeswehr nicht mehr ausschließt hat Bundesverteidigungsminister Struck unlängst öffentlich bekräftigt. Eingebunden in NATO und EU will die SPD dort militärische Verantwortung übernehmen, „wo das zur Sicherung des Friedens und zum Schutze der Menschen unumgänglich ist.“ Sie sage dort nein, wo sie „nicht vom Einsatz militärischer Mittel überzeugt ist“. Welche sicherheitspolitischen Szenarien dies jedoch sind, bleibt im „Wahlmanifest“ unklar. Umso klarer spricht sich die SPD für die Trennung zwischen den Aufgaben der Streitkräfte und der Polizei für die äußere und für die innere Sicherheit aus. Damit widerspricht die SPD den Plänen der CDU/CSU, die Bundeswehr auch im Inneren einzusetzen. Im CDU/CSU „Regierungsprogramm“ heißt es dazu: „Wir werden den Einsatz der Bundeswehr für die Abwehr von terroristischen Gefahren zulassen.“ In einem Interview mit der „Passauer Neue Presse“ am 15. Juli 2005 konkretisierte die CDU/CSU-Kanzlerkandidatin Angela Merkel dieses Vorhaben: „Wir müssen durch eine Grundgesetzänderung endlich den Weg frei machen für den Einsatz der Bundeswehr im Inneren zur Terrorabwehr. […] Warum sollen Bundeswehrsoldaten in akuten Gefahrenfällen nicht sensible Objekte bewachen dürfen?“ Merkel sieht einen Widerspruch darin, dass die Bundeswehr zwar im Ausland zur Terrorabwehr eingesetzt werde, dies im Inland jedoch nicht möglich sei. Dieser Einschätzung widersprach die FDP noch am selben Tag. In einer Pressemitteilung erklärte der innenpolitische Sprecher der FDP-Fraktion im Bundestag, Max Stadler, die FDP wolle weiterhin, dass die Polizei für die Wahrung der Inneren Sicherheit zuständig bleibe. Auch den Äußerungen Strucks, wonach er Kampfeinsätze der Bundeswehr nicht ausschließe, erteilt die FDP eine klare Absage.
„Die Auslandseinsätze der Bundeswehr dürfen allein nur dem Ziel dienen, in einer Region die Friedenssicherung zu gewährleisten und die Bevölkerung zu schützen. Für Kriegseinsätze ist die Bundeswehr weder ausgerüstet noch ausgebildet“, sagte der parlamentarische Geschäftsführer der FDP, Jürgen Koppelin am 04. Juni 2005.
Der stellvertretende Vorsitzende der FDP-Bundestagsfraktion, Werner Hoyer, ergänzte am 06. Juni, es stehe zwar zu befürchten, dass die Bundeswehr in Zukunft noch stärker gefordert sein werde. „Aber der Bundesverteidigungsminister redet mit seiner Wortwahl einem Szenario das Wort, das es nach besten Kräften zu verhindern gilt“.

Bündnis 90 / die Grünen sprechen sich in ihrem Wahlprogramm nicht grundsätzlich gegen Kampeinsätze der Bundeswehr aus. Sie stellen fest, dass die Bundeswehr ausschließlich für die Ziele und nach den Regeln der UN zur Gewaltverhütung und Rechtsdurchsetzung im Dienst kollektiver Sicherheit eingesetzt werden dürfe. Die Charta der UN lässt ausdrücklich auch Kampfeinsätze (das so genannte „peace enforcement“, Art 7 UN Charta) zu. Das heißt für die Grünen: Militärische Alleingänge nein – Kampfeinsätze ja, aber nur unter Führung der UN. Den von CDU/CSU geplanten Einsatz der Bundeswehr im Inneren lehnen die Grünen dagegen ab. Sie halten einen solchen Einsatz der Bundeswehr „für die Sicherheit der Menschen nicht für erforderlich“.
DIE LINKSPARTEI lehnt Kampfeinsätze der Bundeswehr ab. Für sie sind „kämpfende deutsche Soldaten in aller Welt keine Botschafter des Friedens“. Auch lehnt DIE LINKSPARTEI die Aufstellung europäischer „Interventionsstreitkräfte“ ab. Wozu jedoch die von ihr vorgeschlagene 100.000-Mann-Armee überhaupt eingesetzt werden soll, ist dem Wahlprogramm nicht zu entnehmen.
(Torsten Rissmann)
 Das vorläufige amtliche Endergebnis
 Bundestagwahl 2005 - Wählen aus dem Einsatz
 "Struck bleibt Verteidigungsminister"
 
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