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 Soldaten droht erneut die Halbierung des Weihnachtsgeldes
 Bald eigenes Besoldungsgesetz für Soldaten?
Berlin [21.02.06] Das Weihnachtsgeld für die 400 000 Beamten und 700 000 Pensionäre des Bundes wird von 2006 an für vorerst fünf Jahre weiter eingeschränkt. Da Soldaten nach dem Beamtenbesoldungsgesetz bezahlt werden, gilt dies auch für sie. Die Kürzung des Weihnachtsgeldes sieht ein Gesetzentwurf von Innenminister Wolfgang Schäuble (CDU) vor. Bundesbeamte sollen danach nur noch 2,5 Prozent ihrer Jahresbezüge oder 30 Prozent eines Monatslohnes als einmalige Sonderzahlung erhalten, Pensionäre 2,085 Prozent der Jahrespension. Die erneute Kürzung des Weihnachtsgeldes wie auch die Verlängerung der Arbeitszeit der Bundesbeamten von 40 auf 41 Stunden sind von Union und SPD im Koalitionsvertrag vereinbart worden.
Dabei ist es noch keine zwei Jahre her, dass den Besoldungsempfängern massiv ins Portemonnaie gegriffen wurde. Mit Wirkung vom Jahresende 2004 mussten die Soldaten und ihre Familien empfindliche Einbußen hinnehmen.
Foto: Rissmann
Durch die Reduzierung der Sonderzahlung (Weihnachtsgeld) von 84 auf 60 Prozent und die Streichung des Urlaubsgeldes wurde die Besoldungserhöhung der Jahre 2003/ 2004 (4,4 Prozent) bis auf ein Prozent aufgezehrt.
Sparen auf dem Rücken der Soldaten hat Tradition: In den letzten zehn Jahren wurden bereits Zulagen versteuert (Fliegerzulage, Springerzulage,…) und die Intervalle der Dienstaltersstufen von zwei auf drei Jahre erhöht. Erst letztes Jahr wurden die Tagessätze für das Trennungsgeld während Kommandierungen gekürzt, das Verpflegungsgeld aber erhöht. Das Trennungsgeld reicht jetzt gerade aus, dieses Verpflegungsgeld zu bezahlen. Da aber das Trennungsgeld nachträglich noch versteuert wird, zahlen die Soldaten bei Kommandierungen drauf.
Die Soldaten leisteten bisher ohne Murren ihren Beitrag zur Staatskonsolidierung, obwohl sie durch den Transformationsprozess der Bundeswehr und die Auslandseinsätze härter belastet sind als die übrigen Angehörigen des öffentlichen Dienstes. Sie vertrauten darauf, dass der Dienstgeber seiner Fürsorgepflicht nachkommen und Planungssicherheit gewähren werde. Davon ist nicht mehr viel übrig. Im Jahr 2006 werden die Soldaten gegenüber 2004 einen nominalen Einkommensverlust von rund 2,4 Prozent haben. Berücksichtigt man den Kaufkraftverlust, sind die Bezüge der Soldaten nach Berechnungen des Deutschen BundeswehrVerbandes sogar rund acht Prozent weniger wert als 2004.
Für die Ruhestandssoldaten stellen sich die Eingriffe noch viel gravierender dar: Der Einkommensverlust betrug im Jahr 2004 gegenüber 2003 2,4 Prozent, 2006 wird er gegenüber 2003 auf 4,6 Prozent ansteigen – Inflationsrate nicht mitgerechnet. Was aus der gleichzeitig von der Bundesregierung propagierten Absicht der Stärkung der Kaufkraft werden soll, ist nicht klar. Nur eins steht fest: Die Soldaten werden keinen großen Beitrag zur Binnenkonjunktur mehr leisten können. Hart trifft es auch die Zeitsoldaten. Ihre ohnehin kümmerliche Rentennachversicherung wird durch die erneute Absenkung des Jahreseinkommens noch weiter reduziert. Die Quittung erhalten die Soldaten, die vier, sechs oder zwölf Jahre gedient haben, wenn der Ruhestand naht. Dann müssen sie feststellen, wie niedrig der Rentenanspruch ist, den sie sich während ihrer Dienstzeit in der Bundeswehr erworben haben.
Nach massiven Protesten des Beamtenbundes und des Deutschen BundeswehrVerbandes versuchen Politiker der Bundesregierung nun zu beschwichtigen: SPD-Fraktionschef Peter Struck zum Beispiel forderte von Schäuble „eine soziale Lösung“. Der dpa gegenüber sagte Struck: „Eine Rasenmähermethode macht meine Fraktion nicht mit.“ Kleine Beamte, Briefträger oder Unteroffiziersränge bei der Bundeswehr dürften „nicht über den gleichen Kamm geschoren werden wie der höhere Dienst.“ Die Abschläge müssten sozial gestaffelt werden. Struck: „Unten darf nichts gekürzt werden, dafür oben mehr.“ Die geplante Einsparung von rund einer halben Milliarde Euro sollte insgesamt aber erreicht werden.
Doch werden Soldaten wirklich über den gleichen Kamm wie Bundesbeamte geschoren? Im Prinzip ja – wenn es um Gehaltskürzungen geht. Die Umsetzung der geplanten Wochenarbeitszeit von 41 Stunden scheint für Soldaten wenig wahrscheinlich. Dabei wäre dies für Soldaten ein Glücksfall. Für sie gilt nach wie vor eine wöchentliche Rahmendienstzeit von 46 Stunden.
Im Gespräch ist jetzt ein eigenes Besoldungsgesetz für Soldaten der Bundeswehr. Union und SPD haben in ihrem Koalitionsvertrag festgelegt, zu prüfen, ob eine spezifische Bezahlung des militärischen Dienstes mit all seinen Besonderheiten und Problemen geschaffen werden kann. Bisher gilt für die Soldaten das Beamtenbesoldungsgesetz. Im Koalitionsvertrag heißt es dazu: „Die Besonderheiten des militärischen Dienstes werden bei der Sozialgesetzgebung und Bestimmungen der Fürsorge berücksichtigt. Dabei wird die Möglichkeit zur Schaffung einer spezifischen Besoldungsordnung für Soldatinnen und Soldaten geprüft.“
Der Vorsitzende des Bundeswehrverbandes, Bernhard Gertz, sagte den "Stuttgarter Nachrichten" (10.11.2005), die jetzigen Besoldungsrichtlinien seien angesichts des Tätigkeitsfeldes von Soldaten "zu bürokratisch und zu unflexibel." Der SPD- Verteidigungsexperte Rainer Arnold, sagte gegenüber der gleichen Zeitung, eine ganz spezielle Abrechnung sei dringend nötig. Soldaten seien "nicht wirklich Beamte." Der SPD-Abgeordnete Jörn Thießen sprach sich im truppen.info-Interview jedoch gegen ein eigenes Besoldungsgesetz für Soldaten aus. Er befürchtet, dass 190.000 Zeit- und Berufssoldaten keine große Lobby hätten und sich durch ein eigenes Besoldungsgesetz schlechter stellen
würden. Noch schlechter? Das können sich viele Soldaten nicht vorstellen.
[Torsten Rissmann, mit Material von dpa und DBwV]
Der Koalitionsvertrag
 
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