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Berlin [28.09.05]. Die Bundeswehr bleibt ein weiteres Jahr in
Afghanistan. Der Bundestag hat mit großer Mehrheit die
Verlängerung des ISAF-Mandates beschlossen. Außerdem wird die Zahl
der Soldaten von 2250 auf 3000 aufgestockt und der Einsatzraum
deutlich ausgeweitet. In der letzten Plenarsitzung der
Legislaturperiode würdigten alle Parteien den Einsatz Deutschlands
am Hindukusch: Verteidigungsminister Peter Struck (SPD) erklärte,
die Stabilisierung des Landes sei auch für die Sicherheit
Deutschlands unerlässlich.
Dass
die Lage in Afghanistan, wie es im Militärjargon heißt, „nicht
ruhig und nicht stabil“ ist, bewies ein am Nachmittag verübter
Selbstmordanschlag in der Hauptstadt Kabul, bei dem neun
Menschen starben und 18 verletzt wurden. Nach Aussage des
deutschen Einsatzführungskommandos in Potsdam sind unter den
Opfern keine deutschen Soldaten und auch keine Angehörigen der
internationalen Schutztruppe ISAF.
Aber
auch Deutsche haben dort schon ihr Leben gelassen:
Verteidigungsminister Struck erinnerte im Bundestag auch an
die 17 Bundeswehrsoldaten, die in dem bisher fast vierjährigen
Einsatz starben. Wie Struck betonten aber auch Außenminister
Joschka Fischer (Bündnis90/Grüne) sowie Redner von Union und
FDP, ohne die internationale Schutztruppe ISAF und die
Beteiligung deutscher Soldaten liefe Afghanistan Gefahr,
wieder zu einer Brutstätte für Terroristen werden.
Nach
dem neuen Beschluss kann die Bundesregierung nun bis zu 3000
Soldaten an den Hindukusch entsenden. Ziel sei es vor allem,
auf diese Weise gelegentliche Personalengpässe zu vermeiden.
Allerdings wird die Bundeswehr als bereits zuvor größte
Truppenstellerin der ISAF noch einen weiteren Standort im
Norden Afghanistans beziehen: Masar-i-Sharif. Ein deutscher
Major erklärte dazu in Kabul, man dürfe die Gefahren im neuen
Einsatzgebiet nicht kleinreden, sie gleichwohl aber auch nicht
überschätzen.
Struck sagte in der Sondersitzung des Bundestages, der
Bundeswehreinsatz berge ein hohes Risiko für die Soldaten. Es
gehe aber nicht um einen Kriegseinsatz, sondern um eine
Friedensmission. Es werde keine Vermengung mit dem
Anti-Terror-Kampf der USA geben. Außenminister Joschka Fischer
(Bündnis90/Grüne) sagte, es habe sich in jeder Hinsicht
rentiert, einen Beitrag für den Wiederaufbau Afghanistans zu
leisten. Die Kosten betragen jährlich 319 Millionen Euro.
Das
bis zum 13. Oktober 2005 laufende Mandat wurde zunächst wieder
um ein Jahr verlängert. Im militärischen Planungsstab ist man
jedoch schon viel weiter. Allein bis das neue Feldlager in
Masar-i-Sharif mit rund 300 Soldaten bezogen sei, werde ein
Jahr vergehen. An der Drogenbekämpfung sollen sich die
deutschen Streitkräfte weiterhin nicht beteiligen. Allerdings
sagte Struck: „Der Drogenhandel bleibt ein Riesenproblem.“
Die
Vorsitzenden der künftigen Linkspartei-Fraktion, Gregor Gysi
und Oskar Lafontaine, sprachen von einer geplanten Verknüpfung
von ISAF mit dem „völkerrechtswidrigen Kriegseinsatz der USA
in Afghanistan“. Die USA führen mit 18000 eigenen Soldaten den
Anti- Terror-Kampf „Enduring Freedom“ (OEF) in Afghanistan, an
dem auch deutsche Elite-Soldaten beteiligt sind. Die
Bundesregierung lehnte Pläne in der NATO allerdings unlängst
erneut entschieden ab, ISAF und OEF zusammenzulegen.
(Lars Bessel)
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