Es wird kaum öffentlich Notiz genommen von der
weitreichenden Entscheidung, die in dieser Woche im Bundestag
gefällt wurde. Noch vor zehn Jahren wurde die Stationierung
deutscher Soldaten im Ausland heftig diskutiert - heute geht alles
relativ schnell: Die Beteiligung der Bundeswehr am ISAF-Kontingent
wurde verlängert. Längst stellt Deutschland das personalstärkste
Kontingent am Hindukusch. Auch wenn ursprünglich alles einmal ganz
anders gedacht war.
Mit den
jüngsten Wahlen in Afghanistan wurde das Ziel von ISAF
erreicht: Das Land verfügt über eine Regierung mit
entsprechender Handlungsfreiheit. Zeit wäre es also, dass das
Engagement reduziert wird oder über die Grundlage eines neuen
Mandats diskutiert wird. Eher das Gegenteil passiert. Das
Kontingent soll unter dem "Deckmantel" ISAF weiter ausgebaut
werden. Nach Kunduz und Feyzabad will sich die Bundeswehr in
einer weiteren Region um den Wiederaufbau kümmern. Das
Kontingent wird vergrößert statt verkleinert. Auch der viel
diskutierte im Einsatz im Kampf gegen den Drogenanbau spielt
dabei zur Zeit keine Rolle. Es scheint wieder einmal so, als
füllen die (nicht nur) deutschen Soldaten die Lücke bis zur
politisch stabilen Lösung für das Land. Dass der Einsatz nicht
ungefährlich ist, darauf weist auch der Minister im Bundestag
hin. Er weiß, wovon er spricht. Selbst ist er schon in Camp Warehouse in Kabul unter "Beschuss geraten".
Doch
nicht nur Anschläge und Minen sind die Gefahr: Afghanistan
hält für die Soldaten noch viel mehr Gesundheitsrisiken
bereit. Eine Messung der Schadstoffbelastung bei einer
Patrouille vor einigen Jahren führte zu der Empfehlung, dass
die Soldaten kürzere Patrouillen absolvieren sollen.
"Langzeitwirkung" nicht ausgeschlossen! So mancher Soldat
dürfte sich da die Diskussion um Sinn und Unsinn eines
Einsatzes, die noch vor zehn Jahren geführt wurde, zurück
wünschen. Diskussionen wie die über Einsatzregionen in
Somalia, Kambodscha oder Kroatien (um Bosnien-Herzegownia
nicht zu nennen).
Das Ziel des ursprünglichen ISAF-Auftrags
ist erreicht. Dringend gefragt sind nun politische Lösungen,
die auch gerne mit Hilfe der Bundeswehr Umsetzung finden
sollen. Ansonsten gilt: Im Zuge des stetig knapper werdenden
Haushalts sollte auch mit soldatischen Ressourcen gehaushaltet
werden. |