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Historischer
Kurs: Marine steuert Libanon an |
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Bundestag billigt Mandat im Nahen Osten mit großer Mehrheit |
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Volldampf
voraus: Die Fregatte "Mecklenburg-Vorpommern" (Brandenburg-Klasse)
ist das (erste) Führungsschiff im neuen UNIFIL-Einsatz der Deutsches
Marine. Bilder: Zeitter |
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Berlin
[20.09.2006]. 442 Bundestagsabgeordnete
haben heute namentlich für einen weiteren Auslandseinsatz
der Bundeswehr gestimmt – in einer desöfteren
als „historisch“ titulierten Sitzung,
gaben Sie damit den Marschbefehl für bis zu
2.400 Marinesoldaten, die im Nahen Osten für
Frieden zwischen Israel und dem Libanon sorgen
sollen.152 Parlamentarier stimmten gegen das
Mandat. Auf Grundlage
der UN-Resolution 1701 sollen die Deutschen unter
der Abkürzung UNIFIL zunächst bis August
2007 vor Ort bleiben. Geschätzte Kosten: rund
200 Millionen Euro. |
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| Gleich zwei
Fregatten und vier Schnellboote sind unter den acht Einheiten, die in
das Einsatzgebiet entsandt werden. |
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Der
Einsatz ist heikel, nicht unbedingt aus militärischer Sicht,
aber aus politischer. Die Marine ist auch in Friedenszeiten sozusagen
immer im Einsatz und betreibt das „Geschäft“, Seestraßen
zu kontrollieren, bereits seit längerem auch im Zuge von „Enduring
Freedom“, also dem sogenannten Kampf gegen den internationalen
Terrorismus. Doch der bewaffnete Einsatz von deutschen Soldaten unmittelbar
in der Nähe Israels birgt eher diplomatische Gefahren: was passiert
zum Beispiel, wenn ein Bundeswehrsoldat etwa auf einen Israeli schießen
müsste? Wie neutral können die Deutschen mit Blick auf
ihre Geschichte eigentlich sein?
Tatsache ist: Israel und der Libanon wollen den Einsatz der Bundeswehr. Und die
Bundesregierung auch. Allerdings gab es auch bei den „Pro-Koalitionen“ Bündnis90/Grüne,
CDU/CSU und SPD Abweichler, sprich Nein-Stimmen, ebenso wie es einzelne Ja-Stimmen
bei FDP gab. Lediglich die Linkspartei stimmte geschlossen mit Nein.
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Nach
Angaben der Marine ist mit einer Marschzeit der acht
deutschen Schiffe - zwei Fregatten, vier Schnellboote, zwei Versorgungsschiffe
- an die Küste des Libanon von etwa zwei Wochen zu rechnen.
Morgen geht es in Wilhelmshaven los. Das Marinekontingent
unter dem Befehl des Kieler Admirals Andreas Krause, an dem sich
auch
Norwegen, Schweden, Dänemark und die Niederlande beteiligen
wollen, soll offiziell die Waffenzufuhr über See für
die schiitische
Hizbullah-Miliz unterbinden. |
Kanzlerin
Angela Merkel (CDU) sagte, die Bundesregierung habe die Bedingungen
für den deutschen Beitrag genau geprüft. Man sei zu dem
Schluss gekommen: „Es
dient deutschen Interessen“. Nach ihren Worten kann die Mission aber nur
der Anfang eines langen Weges sein, um zu einem umfassenden Frieden in der Region
zu kommen. Gemeinsam mit den USA müssten die Europäer den Friedensprozess
nun energisch wieder anschieben: „Wir müssen die Gunst der Stunde
nutzen.“ Und das kostet Geld, das ist auch der Kanzlerin klar, Merkel sprach
sich auf mittlere Sicht für eine Erhöhung des Verteidigungsetats aus.
Die derzeitige Höhe sei nicht ausreichend, sagte sie in einer Rede zum 50.
Jubiläums des Bundeswehrverbands. Die militärischen Fähigkeiten
müssten mit der politischen Verantwortung in Einklang gebracht werden. Konkrete
Zahlen nannte sie jedoch nicht. |
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| Leistungsstarkes
Basis-Lager": Der Einsatzgruppenversorger "Frankfurt am Main. |
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Wenn
Admiral Krause und seine Männer und Frauen morgen ablegen,
dann sind über
10.000 deutsche Soldaten ständig im Auslandseinsatz. Und die Probleme werden
nicht kleiner. Auch in der Bundeswehr mehren sich kritische Stimmen vor dem Libanon-Einsatz.
Im Gespräch mit „NDR Info“ haben – wie bereits teilweise
im letzten Berichten des Wehrbeauftragten nachzulesen war – mehrere Sanitäts-Soldaten
auf Missstände in der Truppe aufmerksam gemacht. Wolfgang Petersen ist der
Vorsitzende des Forums der Sanitäts-Offiziere. Der Oberarzt am Bundeswehrzentralkrankenhaus
Koblenz muss ab Oktober in den Libanon - doch er sieht große Gefahren, „weil
der Sanitätsdienst im Bereich der Bundeswehr am Ende ist. Wir können
nicht mehr leisten. Es ist so, dass teilweise in den Kliniken die Operationssäle
nicht mehr besetzt werden können, weil viele von uns im Ausland sind. Das
heißt: Patienten, die hier dringend versorgt werden müssten, können
nicht mehr versorgt werden. Wir können damit auch junge Kollegen gar nicht
mehr weiter ausbilden, weil wir nicht genügend Operationen hier durchführen
können.“ Nach seinen Worten haben weder die vorgesetzte Sanitätsführung
noch die Politik die intern angesprochenen Probleme behoben. „Es ist so,
dass dadurch auch die Qualität der Behandlung in Einzelfällen nachlässt“,
so Petersen auf „NDR Info“. Schon im Kosovo-Einsatz hatte die Bundeswehr
seinen Aussagen zufolge zu wenig ausgebildetes Personal vor Ort. Petersen berichtet,
dass ihm bei Operationen sogar eine Bäckergesellin assistieren musste. Auch
Notärzte im Auslandseinsatz seien häufig zu schlecht geschult. „Es
ist zum Beispiel so, dass die Bundeswehr ein spezielles Konstrukt gebildet hat.
Ich nenne es mal den Ersatz-Notarzt, der im Auslandseinsatz mit einer sechswöchigen
Ausbildung im Notfall auch schwerstverletzte Menschen versorgen muss. Das ist
aus meiner Sicht eine sehr fragwürdige Methode, weil man inzwischen in vielen
Bundesländern für den Notarztjob eine dreijährige Ausbildung braucht.“
Ähnlich scharf äußert sich der Arbeitskreis Darmstädter
Signal. Oberstleutnant Jürgen Rose aus München ist Mitglied in dieser
Vereinigung bundeswehr-kritischer Soldaten. In dieser Funktion wirft Rose der
Bundesregierung vor, Sanitätssoldaten im Ausland an die Waffe zu zwingen
und damit gegen das Völkerrecht zu verstoßen. „Dass man jetzt
sogar, vom Bundesverteidigungsministerium angeordnet, Sanitäter hinters
Maschinengewehr legt, also zur infanteristischen Feldlagersicherung einsetzt,
stellt einen ganz klaren Verstoß gegen die Genfer Abkommen und die Zusatzprotokolle
von 1977 dar“, so Rose beim NDR. Die Soldaten im Arbeitskreis Darmstädter
Signal sind gegen einen Libanon-Einsatz der Bundeswehr und fordern die Bundesregierung
auf, sofort zum humanitären Völkerrecht zurückzukehren.
(Lars Bessel)
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An der deutschen
Nord- und Ostseeküste bewährt, erwartet die Schnellboote der Gepard-Klasse
nun eine neue Herausforderung. |
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