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„Kampfeinsatz
im Heiligen Land?“ |
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Engagement
an Israels Grenzen wird immer wahrscheinlicher |
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Berlin/Itzehoe/Wien
[14.08.2006]. Im Zweiten Weltkrieg
führte das NS-Regime einen Vernichtungsfeldzug
gegen die europäischen Juden – und die
deutsche Wehrmacht Krieg auf dem Balkan. Die
Vorbehalte gegenüber einer deutschen Beteiligung
an einem neuerlichen Bombardement des „Amselfeldes“ waren
während des Kosovo-Krieges 1999 entsprechend
groß – heute zählen die Bundeswehrangehörigen
zu den international anerkanntesten Soldaten
innerhalb der KFOR-Mission. Nun steht offenbar
der nächste
geschichtsträchtige Auftrag an: ein Einsatz
an den Grenzen Israels. Bereits kommende Woche
wird vermutlich das Kabinett unter Bundeskanzlerin
Angela
Merkel (CDU) über eine deutsche Beteiligung
an einer internationalen Friedenstruppe zur Sicherung
des Waffenstillstandes zwischen Israel und dem
Libanon entscheiden. truppen.info sprach mit
einem österreichischen
Hauptmann über seine „Grenz-Erfahrungen“ im „Heiligen
Land“ und die gar nicht so gegenwärtige
Vergangenheit. |
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Im Gespräch:
Die Marine soll den Schwerpunkt in einem deutschen Einsatzkontingent
bilden. Die Aufgaben könnten in der Sicherung der Küstenregionen liegen.
Archiv-Bild: Zeitter |
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Heinz
Nitsch ist jetzt 45 Jahre alt, Hauptmann beim österreichischen
Bundesheer, und mehr als erfahren in internationalen Einsätzen.
Derzeit ist er als Presseoffizier im Kosovo eingesetzt. Zwischen
1991 und 1994 war er als „Blauhelmsoldat“ auf den von
Israel besetzten Golan-Höhen, von 1995 bis 1996 als UN-Militärbeobachter
im derzeit wieder umkämpften Südlibanon.
Auch er habe damals immer einmal wieder etwas von Vorbehalten gegenüber
deutschsprachigen Soldaten in Israel gehört, „persönlich ist
mir das nie widerfahren“. Zum Teil sei er sogar von älteren Juden
auf deutsch angesprochen worden, „das Verhältnis war offen und freundlich,
zum Teil sogar freundschaftlich“. Berührungsängste habe es nicht
gegeben. Zumindest Mitte der 90er Jahre sei die Vergangenheit „kein Thema“ gewesen,
so Nitsch, der Blick sei in die Zukunft gerichtet gewesen. Allerdings: der seit
1974 bis heute andauernde Einsatz der Österreicher auf den Golan-Höhen
war zu keiner Zeit als „Kampfauftrag“ angelegt, die Waffen dienen
lediglich zur Selbstverteidigung.
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Bei
dem derzeit politisch diskutierten Einsatz der Bundeswehr
an der Grenze zwischen Israel und dem Libanon geht es dagegen eher
um
einen „friedenserzwingenden“ Auftrag.
Für Heinz Nitsch ein zweischneidiges Schwert: „das könnte problematisch
werden“. Ähnlich wie der Zentralrat der Juden in Deutschland befürchtet
auch Nitsch, dass alte Erinnerungen „aufgewärmt“ werden könnten,
wenn ein deutscher Soldat tatsächlich gezwungen sein sollte, auf einen israelischen
Soldaten zu schießen. „Da wäre viel Aufklärungsarbeit notwendig,
um die Unterschiede zwischen damals und heute herauszustellen.“
Gleichwohl: das israelische Außenministerium wäre „sehr erfreut,
wenn sich Deutschland entschließen könnte, an der Truppe teilzunehmen“,
erklärte ein Sprecher gegenüber dem ZDF. Insgesamt soll diese internationale
UN-Schutztruppe rund 13.000 Männer und Frauen umfassen.
Die Zeichen innerhalb der schwarz-roten Bundesregierung stehen weitgehend auf
grün – vollkommen unklar sind dagegen Art und Umfang dieser nächsten
Mission. Immerhin ist die Bundeswehr bereits mit tausenden von Soldaten zwischen
Balkan, Afghanistan und Kongo, im Roten wie im Mittelmeer im Einsatz. Peter Mattsson,
Vizepräsident des Deutschen Marinebundes, warnt deshalb im truppen.info-Interview: „Die
Marine hat in den letzten Jahren viele heikle Einsätze angetreten und gemeistert.
Wenn sie das leisten kann, soll die das auch tun. Wir geben allerdings zu bedenken:
wenn die Marine auf allen Hochzeiten tanzen soll, dann braucht sie auch entsprechendes
Schuhwerk. Wenn überall geknausert wird, kann das nicht funktionieren, da
braucht man mehr Material und auch Personal. Die Frauen und Männer sind
schon stark belastet und mit fünf Fregatten auf sechs Hochzeiten zu tanzen,
das geht nicht." |
Welche
Teilstreitkraft am Ende gefordert sein wird, ist allerdings noch
offen.
CSU-Chef Edmund Stoiber (CSU) schließt einen Einsatz von deutschen Soldaten
sogar ganz aus – abgesehen von Sanitätern. SPD-Chef Kurt Beck favorisiert
die Marine, offenbar in der Hoffnung, die Bundeswehr auf diese Weise aus einer
direkten Konfrontation heraushalten zu können. Doch: welchen Zweck sollen
die Soldaten auf ihren Schiffen dann erfüllen? Aber auch der Bundeswehrverband
gibt zu bedenken, es gäbe noch andere Möglichkeiten, als Kampftruppen
zu entsenden, etwa im Bereich Wiederaufbau oder Logistik. Es sei allerdings „nahe
liegend“, so der stellvertretende Verbandspräsident, Wolfgang Schmelzer,
gegenüber der „Leipziger Volkszeitung“, dass sich Deutschland
angesichts der Stärkeverhältnisse in der NATO und der gegebenen politischen
Konstellationen „an einer Friedensmission mit starken Kräften beteiligt“.
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Auf die Bundeswehr
kommt wahrscheinlich eine neue Einsatzaufgabe zu. Foto: privat |
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Die
Opposition lehnt einen Bundeswehreinsatz im Nahen Osten
dagegen rundweg ab,
er käme zur „Unzeit“ (Bündnis90/Grüne), die Bundeswehr
sei schon jetzt „überfordert“ (FDP) und die ganze Diskussion
zeige nur, dass die Regierung „überall mit Soldaten dabei sein will“ (Linkspartei).
Verteidigungsminister Jung (CDU), Innenminister Schäuble (CDU) und Parteichef
Beck (SPD) erklären allerdings unisono, dass Deutschland sich „nicht
verweigern“ könne. Das letzte Wort werde aber letztendlich der Bundestag
haben, so Vize-Regierungssprecher Thomas Steg. Ein solcher Beschluss sei von
so „weitreichender und historischer Bedeutung“, dass etwas anderes
als eine Parlamentsentscheidung gar nicht denkbar sei.
Im Nachrichtensender „N24“ erklärte dazu Bundespräsident
Horst Köhler: Deutschland müsse „im Rahmen auch europäischer
UN-Beschlüsse“ Verantwortung übernehmen. Er wünsche sich
aber „durchaus noch mehr öffentliche Diskussion“.
(Lars Bessel) |
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