Warum
gerade jetzt mit den Verhandlungen begonnen wird? Weil es „sowieso nie
einen besseren Moment dazu geben wird“, erklärte UN-Berichterstatter Kai
Eide vor dem Sicherheitsrat. ARD-Korrespondent Rainer Sütfeld brachte es
auf folgenden Nenner: „Die UNO hat keine Chance, aber sie will sie
nutzen.“ Tatsache ist: alle Staaten, die an der Stabilisierung des
Balkans mit zivilem und militärischem Personal und somit viel Geld
beteiligt sind, möchten nur allzu gern eben dieses Personal so schnell
wie möglich an anderen Ecken der Welt einsetzen. Und nicht nur
Deutschland stößt mit seinen verschiedensten Einsätzen mittlerweile
an seine Grenzen.
Doch die
Lage in der Unruheprovinz ist alles andere als vielversprechend:
Kriminalität und Korruption steigen ebenso wie die Arbeitslosigkeit,
einheimische Polizei und Justiz sind längst noch nicht in der Lage,
alleinverantwortlich für Ordnung zu sorgen. Selbst verstärkte
Aktivitäten paramilitärischer Kräfte musste KFOR unlängst bestätigen.
Dennoch ist allen Beteiligten klar, einfach „weiter so“ geht nicht.
Deshalb soll jetzt politisch das zu Ende gebracht werden, was man vor
dem Luftkrieg 1999 nicht zu Ende gedacht hatte.
Ein
entscheidender Knackpunkt wird neben der Grenz- die Flüchtlingsfrage
sein. Wie viel rückkehrwillige Serben es tatsächlich gibt ist unklar,
bis zu 200.000 sagen die einen, maximal die Hälfte andere Quellen. Doch
seitens der Albaner denkt man gar nicht daran, den Serben wieder Platz
zu machen. Für den Fall einer Unabhängigkeit des Kosovo wäre allerdings
ebenso klar, dass der ausschließlich serbisch bevölkerte Nordteil
abgespalten werden würde und der Stadt Mitrovica drohte vermutlich
das Alt-Berliner Schicksal: die Teilung.
Doch die
Zukunft des Kosovo ist nur ein Teil des Gesamtpuzzles: Montenegro,
der kleinere Teil Rest-Jugoslawiens, sprich Serbien-Montenegros,
will zwischen Anfang Februar und Ende April 2006 über seine eigene
Unanhängigkeit abstimmen. Mit Bosnien-Herzegowina ist die EU
indessen bereit über ein „Stabilisierungs- und
Assoziierungsabkommen“ zu verhandeln – als ersten Schritt hin zu
einer EU-Vollmitgliedschaft. |