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 Von Parteiproporz und Einfluß
 Kommentar von Torsten Rissmann
Das Gerangel um Kanzlerschaft und Ministerposten ist vorbei. Angela Merkel ist heute zur Kanzlerin gewählt worden, die Minister haben ihre Ernennungsurkunden vom Bundespräsidenten erhalten und sind im Bundestag vereidigt worden. Dennoch, es bleibt ein fahler Beigeschmack. Zu offensichtlich ging es bei der Besetzung der Ministerposten um Parteiproporz. Nur so ist es zu erklären, dass jemand Verteidigungsminister geworden ist, dessen fachliche Qualifikation eher im landwirtschaftlichen denn im militärischen Bereich zu finden ist. Franz Josef Jung war von der CDU als Minister für Landwirtschaft und Verbraucherschutz nominiert. "Der hessische CDU-Politiker Franz Josef Jung soll Bundesminister für Landwirtschaft und Verbraucherschutz werden. Doch die Entscheidung dafür liegt letztlich bei der CSU", hieß es aus Kreisen der CDU-Führung gegenüber der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" vom 16.10.05.
Wie das? Der CSU waren während der Sondierungsgespräche zwei Ministerposten versprochen worden. Auf einen davon war zunächst Edmund Stoiber als Wirtschaftminister gesetzt. Dadurch, dass dieser auch seinen Kandidaten für das Landwirtschaftsministerium, Horst Seehofer, gegen Angela Merkel durchsetzte, blieb für Franz Josef Jung nur noch das Verteidigungsministerium übrig.
Jung war nicht ohne Grund vom hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch für ein Ministeramt in Berlin vorgeschlagen worden. Jung ist der engste Vertraute Kochs und gilt ihm gegenüber als 100%ig loyal. Dies hat er während der Schwarzgeld-Affäre der hessischen CDU bewiesen.
Ganz offensichtlich postierten die größten Kritiker Merkels, Stoiber und Koch, "ihre" Männer rund um die designierte Kanzlerin. Dabei spielte es keine Rolle, welche fachliche Qualifikation diese Personen haben. Hauptsache sie sind ihren Landesfürsten gegenüber loyal und sind ihnen so ein verlängerter Arm in die Bundesregierung.
Es bleibt zu hoffen, dass jetzt, nachdem die "Große Koalition" steht und die großen Volksparteien die "Liebe" füreinander entdeckt haben, die Sachfragen im Vordergrund stehen und nicht Parteipolitik. Die Bundeswehr befindet sich zur Zeit in der größten Umstrukturierung seit Bestehen. Verniedlicht nennt man das gerne "Transformation". Darüber hinaus sind derzeit mehr deutsche Soldaten im Auslandseinsatz als je zuvor. Franz Josef Jung tritt ein schweres Amt an. Die so genannten "ersten 100 Tage" werden dem neuen Minister kaum vergönnt sein.
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