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 Auf Struck folgt Jung
 Bundespräsident ernennt neuen Verteidigungsminister
Berlin [22.11.05]. Wer unter franz-josef-jung.de nach Informationen über den neuen Mann an der Spitze des Verteidigungs-ministeriums sucht, liest dort erstaunt folgende Zeilen: „Auf den folgenden Seiten finden Sie Informationen über meine Person und über meine Arbeit sowohl im Hessischen Landtag in Wiesbaden, als auch in meinem Wahlkreis.“ Offensichtlich haben auch den Minister selbst die Entwicklungen der vergan-genen Tage und Wochen ein wenig überrollt.
Um die Pflege seiner Webseiten braucht sich der 56jährige nun nicht mehr zu kümmern – dafür hat er als 14. Bundesminister der Verteidigung der Bundesrepublik Deutschland nun ein ganzes Ministerium. Heute erhielt Dr. Franz Josef Jung seine Ernennungsurkunde vom Bundespräsidenten überreicht.
Morgen vormittag zieht der neue Mann dann auch in sein neues Arbeitszimmer im Bendler-Block ein, am Abend wird der bisherige Minister Struck mit einem Großen Zapfenstreich von „seinen“ Soldaten verabschiedet. Struck, bereits wieder als Chef der SPD-Bundestagsfraktion in neuer Rolle, hinterlässt seinem Nachfolger jede Menge Arbeit: die Bundeswehr steckt im größten Umbruch ihrer Geschichte, auch „Transformation“ genannt. Damit hat Peter Struck unbestritten wichtige Weichenstellungen in seiner Amtzeit vorgenommen, der Umbau von der Verteidigungs- zur Einsatzarmee hat begonnen. Zwar musste Struck die Truppe nicht wie sein Vorgänger Scharping in den Krieg schicken, allerdings musste der 13. Verteidigungsminister der Bundesrepublik Deutschland den Menschen oft genug erklären, warum deutsche Soldaten am Hindukusch sterben müssen. Struck, der ursprünglich seinen Job als Fraktionschef nur höchst ungern gegen den des Verteidigungsministers tauschen wollte, hat sich im Laufe seiner Amtszeit viel Anerkennung in der Truppe verdient – und erklärte zum Schluss des öfteren, es mache ihm sogar Spaß.
Und was kommt jetzt? Franz Josef Jung hat mit Militär bislang nicht viel am Hut gehabt. Für seinen ersten zaghaften Vorstoß, man solle doch statt der Wehr- beziehungsweise Zivildienstpflicht lieber eine allgemeine Dienstpflicht einführen, bekam der Hesse umgehend eins auf den Deckel, am deutlichsten aus den eigenen CDU-Reihen. Seitdem ist Ruhe. Für „große Würfe“ hat Jung sowieso kein Geld, allein die bereits eingeleiteten Umbaumaßnahmen kosten mehr Geld als im Verteidigungshaushalt vorhanden ist – und die Große Koalition unter Kanzlerin Angela Merkel hat sich auf die Fahnen geschrieben, noch mehr sparen zu wollen. Ex-Minister Struck ging denn auch bereits vor Wochen von „Kontinuität“ aus.
Einen größeren Handlungsspielraum könnten dem neuen Minister wohl nur NATO und EU verschaffen, indem die Statusfrage für das Kosovo zügig geklärt wird und die Bundeswehr dann – so lautet zumindest der Plan – ihr Truppenkontingent deutlich reduzieren kann. Das auf diese Weise freiwerdende Geld könnte problemlos doppelt und dreifach ausgegeben werden, ganz ohne Phantasie und viel Ahnung von der Bundeswehr zu benötigen. Am 1. März 2006 sind alle schlauer – dann sind die berühmten ersten 100 Tage vorbei …
(Lars Bessel)
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