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 Jagd nach Ursache und Verursachern
 Kommentar von Uwe Zeitter
Eines einmal vorweg. Auf Fotos zu posieren, wie sie in den letzten Tagen auf den Titelseiten auftauchten ist ziemlich blöd. Diese Fotos auf welchem Weg auch immer in Medien gelangen zu lassen ist noch viel blöder. Blöd und gefährlich sind die Worte, die mir zu diesen Bildern einfallen. Gefährlich für die Nachfolger der Soldaten, die hier abgebildet wurden, die nun in den Einsatzregionen ihren Dienst versehen. Das Problem solcher Fotos ist angeblich so alt, wie die Bundeswehr-Einsätze selbst: Bereits im Somalia-Einsatz 1993 soll es nach der Veröffentlichung privater Einsatzfotos disziplinare Maßregelungen gegeben haben.
In Regionen, in denen jeder Schritt lebensgefährlich sein kann, liegen die Maßstäbe anders, schnell kann sich eine unauffällige Situation unter Kameraden aufschaukeln. Manche Soldaten sind anfälliger, andere nicht. Wie gesagt, entschuldbar ist ein solches Verhalten nicht. Wieder einmal ziehen eine Hand voll Soldaten den Ruf von hunderttausend anderen, die mit solchen „Aktionen“ nichts am Hut haben, ins Rampenlicht. Nicht zuletzt ist es natürlich auch das Ansehen in den Einsatzgebieten der Bundeswehr, das durch solche Eskapaden leidet.
Aber keine Bange: Schnell hat die Jagd auf die Täter begonnen – einhellig wird aus Berlin eine gnadenlose Aufklärung angekündigt. Eine Aufklärung, die, berechtigter Weise, zur Entlassung beteiligter Soldaten führt. Für die Zukunft werden diese drastischen Maßnahmen aber keine Veränderung bewirken.
Die Vorausbildung der Kontingente und die Moral in Einsatzgebieten sind die Ansatzpunkte auf die der Verteidigungsminister seinen Generalinspekteur angesetzt hat. Wieder einmal ist die Truppe der Schuldige - Rahmenbedingungen, die seit Jahren Freiraum für „Ausrutscher“ bieten, stehen nicht auf dem Prüfstand. Fest steht: Nicht alles läßt sich durch eine intensive und kompakte Vorausbildung und Dienstaufsicht in den Griff bekommen, vieles muss weit vor der Einplanung in ein Kontingent geregelt werden. Viele Verwendungen in den Einsatzregionen sind ohne Reservisten nicht mehr zu besetzen, eigentlich darf jeder, der möchte in einen Einsatz... Um die Dienstposten der aktiven Soldaten zu füllen, wurde in Berlin ein Attraktivitätsprogramm für die Laufbahnen gestartet. Resultat: Immer mehr Soldaten werden in immer jüngeren Lebensjahren mit immer weniger militärischen Ausbildung (denn die trägt ganz und gar nicht zur Attraktivität der Bundeswehr als Arbeitgeber bei – und wenn doch sollte man auch hellhörig werden), zu militärischen Vorgesetzten. Aus Rücksicht auf fachliche Funktionen wird auf die Vermittlung von militärischem Handwerkszeug verzichtet. Teil dieses Handwerkszeugs ist eine gehörige Portion Disziplin und noch mehr Handlungstraining für Situationen, in die eben nur Soldaten kommen können. In den Friedensverwendungen hinter deutschen Kasernenzäunen mag dies nicht weiter auffallen. Die Bundeswehr ist ein attraktiver Arbeitgeber geworden. Hinter den Zäunen eines Feldlagers tritt dann ans Tageslicht, dass junge Unteroffiziere zum Teil nicht einmal in der Lage sind, einfache militärische Aufgaben zu übernehmen.
Jeder Einsatz verändert den Soldaten, den einen mehr, den anderen weniger und nicht jeder gesteht sich die Veränderungen auf Anhieb ein. Hier hat sich die Bundeswehr ein unterschätztes Mittel zur Nachbereitung geschaffen. Vieles wird in augenscheinlich eher überflüssigen Seminaren an das Tageslicht gebracht. Genauso einfach, wie dieses Seminar wirkt, ist es allerdings auch nicht an diesem Seminar teilzunehmen. Je höher der Dienstgrad, desto einfacher die Entschuldigung. Viele unbewältigte Eindrücke können im nächsten Einsatz schon eine Spätfolge sein.
So lange nur in der „Schlammzone“ ermittelt und geforscht wird, können sich die Beobachter, gespannt auf die nächste Schlagzeile, wieder zurücklehnen. [27.10.06]
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