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 Finanzamt auf alt-russischem Boden
 Die „Rote Armee“ hat Zeitz längst verlassen – der Streit ums „Erbe“ dauert an
Itzehoe [6.10.05].Wer sich im Internet unter www.zeitz.de das Datenblatt zum „Gewerbegebiet B-Plan 16 B (Panzerkaserne)“ ansieht (Bild), wird denken, dort eine geglückte Konversions-Maßnahme vorzufinden.
Immerhin, so heißt es in dem Datenblatt, seien rund 10 von 13 Hektar verfügbarer Fläche bereits belegt, gerade einmal 2,8 Hektar stünden noch zur Verfügung. Die Realität sieht allerdings genau anders herum aus, weiß Heidrun Ködderitzsch vom städtischen Wirtschaftsförderungsamt, da müsse irgendein Fehler vorliegen.

(Zum Dokument bitte hier klicken.)
Tatsächlich wurde auf dem Gelände der ehemals russischen Kaserne bislang nur ein Autohaus neu gebaut, in einem alten Mannschaftsblock wird „betreutes Wohnen“ für ältere Menschen angeboten und in einen weiteren Block zog das Finanzamt ein. „Alles andere wurde abgerissen, liegt brach und ist eingezäunt“, so Ködderitzsch. In der Artilleriekaserne sieht es ähnlich aus: von den sieben Hektar ist noch nichts verkauft – immerhin stimmt in diesem Fall das dazugehörige Datenblatt.
Dabei hätte alles ganz anders kommen können: 1993 hätte die Stadt die alte Panzerkaserne nur zu gern für einen symbolischen Kaufpreis erworben, wollte unter anderem Stadtreinigung, Müllabfuhr und die Feuerwehr dort unterbringen. Das Geld für Abriss, Altlastensanierung, Erschließung und Neubauten war vorhanden, erinnert sich die Wirtschaftsförderin. „Aber die langwierigen Verhandlungen bleiben ohne Erfolg.“ Der Bund habe schlicht zu viel Geld haben wollen. Und das, wo die Stadt sich eigentlich noch immer für die rechtmäßige Eigentümerin hält, ihren sogenannten „Restitutionsanspruch“ habe sie aber nach der Wende nicht zweifelsfrei belegen können. Heißt: die Stadt war bis Ende des Zweiten Weltkrieges Eigentümerin, wurde dann von den Russen enteignet und aufgrund fehlender Dokumente übernahm schließlich nach der Wiedervereinigung die Bundesrepublik Deutschland das Areal.
Das Bundesvermögensamt ließ schließlich bis auf zwei Blocks alles abreißen und planieren, ein fälliger Bodenaustausch aufgrund der zu erwartenden Altlasten der „Roten Armee“ habe allerdings nicht stattgefunden, so Ködderitzsch. Nun warten alle auf ansiedlungsfreudige Unternehmen, in letzter Zeit blieben allerdings sogar die Anfragen aus. Außerdem soll es auch nur „produzierendes Gewerbe“ sein und ja kein Einzelhandel – einen potentiellen privaten Investor habe man aus diesem Grund abgewiesen, zu groß die Sorge um schwindende Einnahmen der Kaufmannschaft in der Innenstadt.
Auch den Plan, auf dem Gelände der Artilleriekaserne Wohnungen zu bauen, hat man mittlerweile verworfen. Zwar sei der Bund bereit gewesen, die notwendige Erschließung letztendlich zu bezahlen, allerdings hätte die Stadt die Kosten vorfinanzieren müssen, bis das Gelände tatsächlich verkauft ist. Dazu aber war die Stadt Zeitz wiederum nicht bereit, da man in diesem Fall die Gebühren hätte erhöhen müssen. Nun wird erst einmal eine Umgehungsstraße gebaut, direkt an den beiden ehemaligen Kasernen vorbei. „Vielleicht bringt das ja neue Interessenten“, lautet die vage Hoffnung im Zeitzer Wirtschaftsförderungsamt.
(Lars Bessel)

Die ehemalige Kaserne in Zeitz.
Itzehoe (Schleswig-Holstein)
Nagold (Baden-Württemberg)
Engstingen (Baden-Württemberg)
 
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