Tatsächlich
wurde auf dem Gelände der ehemals russischen Kaserne bislang nur
ein Autohaus neu gebaut, in einem alten Mannschaftsblock wird „betreutes
Wohnen“ für ältere Menschen angeboten und in einen
weiteren Block zog das Finanzamt ein. „Alles andere wurde abgerissen,
liegt brach und ist eingezäunt“, so Ködderitzsch.
In der Artilleriekaserne sieht es ähnlich aus: von den sieben
Hektar ist noch nichts verkauft – immerhin stimmt in diesem
Fall das dazugehörige Datenblatt.
Dabei hätte alles ganz anders kommen können: 1993 hätte
die Stadt die alte Panzerkaserne nur zu gern für einen symbolischen
Kaufpreis erworben, wollte unter anderem Stadtreinigung, Müllabfuhr
und die Feuerwehr dort unterbringen. Das Geld für Abriss, Altlastensanierung,
Erschließung und Neubauten war vorhanden, erinnert sich die
Wirtschaftsförderin. „Aber die langwierigen Verhandlungen
bleiben ohne Erfolg.“ Der Bund habe schlicht zu viel Geld haben
wollen. Und das, wo die Stadt sich eigentlich noch immer für
die rechtmäßige Eigentümerin hält, ihren sogenannten „Restitutionsanspruch“ habe
sie aber nach der Wende nicht zweifelsfrei belegen können. Heißt:
die Stadt war bis Ende des Zweiten Weltkrieges Eigentümerin,
wurde dann von den Russen enteignet und aufgrund fehlender Dokumente übernahm
schließlich nach der Wiedervereinigung die Bundesrepublik
Deutschland das Areal.
Das Bundesvermögensamt ließ schließlich bis auf
zwei Blocks alles abreißen und planieren, ein fälliger
Bodenaustausch aufgrund der zu erwartenden Altlasten der „Roten
Armee“ habe allerdings nicht stattgefunden, so Ködderitzsch.
Nun warten alle auf ansiedlungsfreudige Unternehmen, in letzter Zeit
blieben allerdings sogar die Anfragen aus. Außerdem soll es
auch nur „produzierendes Gewerbe“ sein und ja kein Einzelhandel – einen
potentiellen privaten Investor habe man aus diesem Grund abgewiesen,
zu groß die Sorge um schwindende Einnahmen der Kaufmannschaft
in der Innenstadt.
Auch den Plan, auf dem Gelände der Artilleriekaserne Wohnungen
zu bauen, hat man mittlerweile verworfen. Zwar sei der Bund bereit
gewesen, die notwendige Erschließung letztendlich zu bezahlen,
allerdings hätte die Stadt die Kosten vorfinanzieren müssen,
bis das Gelände tatsächlich verkauft ist. Dazu aber war
die Stadt Zeitz wiederum nicht bereit, da man in diesem Fall die
Gebühren hätte erhöhen müssen. Nun wird erst
einmal eine Umgehungsstraße gebaut, direkt an den beiden ehemaligen
Kasernen vorbei. „Vielleicht bringt das ja neue Interessenten“,
lautet die vage Hoffnung im Zeitzer Wirtschaftsförderungsamt.
(Lars Bessel)
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