Stadt
wie Zweckverband hätten den Eindruck, dass die Konversionsflächen
durch den Bund „nicht nachhaltig“ vermarktet würden,
so Dr. Seidelmann, „auch wenn das Bundesvermögensamt behauptet,
es tut’s immer noch“. Tatsache sei: nicht einmal ein Drittel
der Flächen ist verkauft, rund zehn Firmen mit etwa 100 Arbeitsplätzen
haben sich seitdem angesiedelt. Gefragt seien deshalb eigene Vermarktungsanstrengungen
der betroffenen Kommune, so Dr. Seidelmann. Dabei sei es allerdings
wenig hilfreich, dass der Bund „ein schieres Vermögen“ für
seine leerstehende Liegenschaft haben will. Selbst die kurz vor dem
Abzug der Soldaten noch frisch renovierten Gebäude seien nach all
den Jahren in keinem besonders guten Zustand mehr. Die Quadratmeterpreise
hätten sich dennoch nicht geändert, obwohl die Unterkünfte
zusehends zur Belastung beim Verkaufsgespräch würden. „Aber
da gibt es keine Möglichkeit, sich anzunähern.“
Da die 24 Hektar Kaserne nach wie vor dem Bund gehören, hat die
Stadt Nagold kurzerhand weitere 60 Hektar direkt daneben als Gewerbeflächen
ausgewiesen. Sobald deren Verkauf gut anläuft ist sich Dr. Seidelmann über
die weitere Entwicklung sicher: die Kasernenflächen gewinnen an
Attraktivität, der Bund erzielt tatsächlich seine erhofften
hohen Erlöse und die dafür notwendigen Bemühungen und
Kosten bleiben bei der Kommune.
Und damit nicht genug: abgesehen vom Recht einen Bebauungsplan
aufzustellen, hat die Kommune „kein formelles Druckmittel“ oder auch nur
ein Mitspracherecht, an wen der Bund was verkauft, so der INGpark-Geschäftsführer.
Das Bundesvermögensamt sei somit in der Lage, zum Beispiel ein
sehr kleines Stück Fläche zu veräußern, obwohl
diese „Briefmarke“ bei der weiteren Vermarktung eine große
Behinderung darstellen würde. Wehren konnte man sich, so Dr. Seidelmann,
bislang nur gegen zahlreiche „abartige Anfragen“ – wie
etwa das Ansinnen, im ehemaligen Offizierscasino ein Bordell zu er öffnen.
(Lars Bessel)
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