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 „Abartige Anfragen“ und kein Mitspracherecht
 Nagold wartet seit zehn Jahren auf Investoren für fast 80 Hektar
Itzehoe [6.10.05]. Die Elitekämpfer der Bundeswehr sind gerade einmal 26 Kilometer entfernt stationiert. Auch Nagold war vor zehn Jahren als Standort im Gespräch, doch statt des KSK kam das BVA. Das Kommando Spezialkräfte wurde in Calw aufgestellt, die Kaserne in Nagold geräumt und in die Obhut des Bundesvermögensamtes gegeben.
Erklärtes Ziel: die zivile Vermarktung von 24 Hektar Kasernenfläche plus Gebäuden. Passiert ist seit 1995 allerdings nicht viel, klagt Dr. Wolf-Ingo Seidelmann, neuer Geschäftsführer von INGpark (Industriepark Nagold Gäu), wie sich das Areal mittlerweile nennt.

Die ehemalige Eisberg-Kaserne in Nagold.
Stadt wie Zweckverband hätten den Eindruck, dass die Konversionsflächen durch den Bund „nicht nachhaltig“ vermarktet würden, so Dr. Seidelmann, „auch wenn das Bundesvermögensamt behauptet, es tut’s immer noch“. Tatsache sei: nicht einmal ein Drittel der Flächen ist verkauft, rund zehn Firmen mit etwa 100 Arbeitsplätzen haben sich seitdem angesiedelt. Gefragt seien deshalb eigene Vermarktungsanstrengungen der betroffenen Kommune, so Dr. Seidelmann. Dabei sei es allerdings wenig hilfreich, dass der Bund „ein schieres Vermögen“ für seine leerstehende Liegenschaft haben will. Selbst die kurz vor dem Abzug der Soldaten noch frisch renovierten Gebäude seien nach all den Jahren in keinem besonders guten Zustand mehr. Die Quadratmeterpreise hätten sich dennoch nicht geändert, obwohl die Unterkünfte zusehends zur Belastung beim Verkaufsgespräch würden. „Aber da gibt es keine Möglichkeit, sich anzunähern.“
Da die 24 Hektar Kaserne nach wie vor dem Bund gehören, hat die Stadt Nagold kurzerhand weitere 60 Hektar direkt daneben als Gewerbeflächen ausgewiesen. Sobald deren Verkauf gut anläuft ist sich Dr. Seidelmann über die weitere Entwicklung sicher: die Kasernenflächen gewinnen an Attraktivität, der Bund erzielt tatsächlich seine erhofften hohen Erlöse und die dafür notwendigen Bemühungen und Kosten bleiben bei der Kommune.
Und damit nicht genug: abgesehen vom Recht einen Bebauungsplan aufzustellen, hat die Kommune „kein formelles Druckmittel“ oder auch nur ein Mitspracherecht, an wen der Bund was verkauft, so der INGpark-Geschäftsführer. Das Bundesvermögensamt sei somit in der Lage, zum Beispiel ein sehr kleines Stück Fläche zu veräußern, obwohl diese „Briefmarke“ bei der weiteren Vermarktung eine große Behinderung darstellen würde. Wehren konnte man sich, so Dr. Seidelmann, bislang nur gegen zahlreiche „abartige Anfragen“ – wie etwa das Ansinnen, im ehemaligen Offizierscasino ein Bordell zu er öffnen.
(Lars Bessel)

Idyllische Lage am Rande des Schwarzwaldes, nur weniger als 100 Kilometer vom Ballungsraum Stuttgart entfernt, die ehemalige Kaserne in Nagold.
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