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Fluch des
Golf von Aden |
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Einsatz für die Deutsche Marine soll noch 2008 beginnen |
Wahlstedt
(uz) [12.11.08]. Ein Wort, das für die meisten Menschen über
viele Jahre ausschließlich mit der Roman-Romantik aus Karibik-Abenteuern
in Zusammenhang stand hat den Weg zurück in die aktuelle Nachrichtenwelt
gefunden: Piraterie. Besonders vor der Küste Somalias steigt
die Bedrohung spürbar an. Der zu Beginn der 1990er Jahre zerfallene
Staat bietet nahezu perfekte Bedingungen für die moderne Seeräuberei – fern
von Segelschiffen und Vorderladern. Die modernen Piraten verfügen
durchaus über modernste Waffen.
Mit zunehmender Bedrohung der Gewässer im Golf von Aden, der
den Indischen Ozean mit dem Roten Meer
verbindet und damit Teil einer der bedeutendsten Seefahrtsrouten ist,
rückte auch die Deutsche
Marine immer mehr in den Blickpunkt der Öffentlichkeit. Im Rahmen
des Mandats der Operation „Enduring Freedom“ sind Kräfte
der Marine ohnehin im Seegebiet eingesetzt.
Während der vergangenen
Monate übernahmen Aufklärungsflugzeuge vom Typ P3C-Orion
erstmals Aufgaben in einer internationalen
Mission. Dabei wurden gute Erfolge erzielt, so wurde gemeldet. Die
Spezialisten aus der Luft
konnten, neben ihrem eigentlichen Auftrag,
auch Positionen von Piraten aufklären und dadurch Übergriffe
verhindern. In diesen Tagen werden die Marineflieger wieder von einer
Fregatte abgelöst.
Doch auch auf See verzeichnete die Präsenz der Marine Erfolge.
Zur rechten Zeit am rechten Ort konnten
Einheiten der Deutschen Marine rechtzeitig zur Hilfe eilen. |
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Die Deutsche Marine wird am Horn von Afrika demnächst mit wachsamen
Augen auf die Handelsschiffahrt achten.
Fotos: Zeitter |
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„Hilfe“ ist auch das Stichwort, das die politische Diskussion über
die Tätigkeit der Bundeswehr im Seegebiet, das immerhin acht
Mal größer als die Bundesrepublik ist, prägt. Lediglich
im Rahmen der Nothilfe ist derzeit ein Eingreifen der Bundeswehr möglich.
Eine präventive Abwehr oder gar ein Einsatz gegen Piraten ist
nach deutscher Rechtsauslegung nicht möglich. Gefordert wäre
danach die Bundespolizei. Die ist aber weder in der Seeregion vor
Ort, noch verfügt sie über optimale Mittel, um der Bedrohung
begegnen zu können.
Verständnis in der Öffentlichkeit gibt es für diese Spitzfindigkeiten
wenig. Wer Deutschland am Hindukusch verteidigt, müsse auch dafür Sorge
tragen, dass akutere Gefahren für Seewege, die entscheidend für die
wirtschaftliche Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland sind, abgewehrt werden
können – ist eine mittlerweile verbreitete Meinung, die auch gerne
in den Medien kommuniziert wird. Nicht zu unrecht, wenn die augenscheinlichen
Qualitäten der beiden Bedrohungen vergleicht. Gefordert ist die Politik
zur Erteilung eines Mandats. Wenngleich unter den Abgeordneten des Deutschen
Bundestages weitgehend Einigkeit in der Meinung besteht, dass ein Mandat für
die Deutsche Marine zu erteilen sei, gibt es eine deutliche Kluft: Die Frage,
wie ein Einsatz im Kampf gegen Piraten vom Grundgesetzt abgedeckt sei. Auch wenn
der Artikel 87 a des Grundgesetzes den Einsatz der Bundeswehr nur im Rahmen der
Verteidigung vorsieht, wäre ein Engagement im Seegebiet vor Somalia gemeinsam
mit Bündnispartnern nach Artikel 24 möglich. Verteidigungsminister
Dr. Franz-Josef Jung verspricht unterdessen, dass man einen Einsatz der Deutschen
Marine noch in diesem Jahr beginnen werde.
Unter dessen schaukelt sich die Gefahr nach oben: Mit dem Angriff auf den „Kreuzfahrer“ „Seaborn
Spirit“ im November 2005 katapultierten sich die somalischen Freibeuter
erstmals ins Bewusstsein der der deutschen Öffentlichkeit. Mehr als 250
Fälle von Piraterie sind allein im letzten Jahr bekannt geworden, derzeit
befinden sich mehr als zehn Schiffe in der Hand von Piraten, der jüngste Übergriff
liegt noch keine 100 Stunden zurück. In der Regel fließen für
den Abzug der Piraten Gelder. Ein Teufelskreis, denn die gezahlten Gelder setzen
die Piraten in der Lage, ihre Möglichkeiten, besonders die der Bewaffnung,
zu verbessern. Die tatsächlichen Zahlen der Übergriffe, so wird vermutet,
liegen weit über den verzeichneten Angriffen. Besonders die Sorge um steigende
Versicherungsprämien, aber auch die Sorge um den Ruf mangelnder Sicherheit
der Seewege sind wohl Gründe dafür, dass nicht alle Vorfälle in
den Statistiken auftauchen können. Eine Erfahrung, die auch truppen.info
bei den Recherchen gemacht hat. Namhafte Deutsche Reeder sowie deren Dachorganisation
sind nicht zu einer Einschätzung der Situation zu bewegen – angekündigte
Statements bleiben einfach aus. Eine Äußerung würde den Eindruck
erwecken, dass man seine Schiffe nicht heil durch den Golf von Aden bringen könnte,
ist die regelmäßige, spärliche Antwort auf Anfragen. Genau diese
Sicherheit ist es aber, die zur Diskussion steht. |
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| Der ständige Einsatzverband der NATO bei einem Besuch in Kiel.
Damals war die Fregatte "Mecklenburg-Vorpommern" (Bildmitte im Hintergrund)
Teil des Verbandes. |
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Deutlich wurden die Brisanz und die Notwendigkeit
eines schnellen Handels durch
den spektakulären Übergriff auf den ukrainischen Frachter „Faina“.
Mehrere US-Kriegsschiffe hatten im Oktober verhindert, dass die Ladung, die aus
33 Panzern bestand, im bürgerkriegsgeplagten Somalia entladen werden konnte.
Die NATO hat inzwischen ihren ständigen Einsatzverband 2 (SNMG 2), zu dem
auch stets eine deutsche Fregatte gehört, in die Region verlegt. Zudem operieren
im Auftrag der NATO bereits italienische und griechische Einheiten im Golf von
Aden. Auch die EU hat mittlerweile mit der „Operation Atalanta“ die
Grundlage für einen Einsatz von Streitkräften gelegt. Wie das Engagement
der Bundeswehr aussehen soll, ist derzeit offen.
Möglich sind sowohl eine Sicherung für Schiffe, die den Golf von Aden
passieren, beispielsweise durch die Bildung von Konvois, die von Marine-Kräften
begleitet werden, aber auch ein aktives Engagement zur Aufspürung von Piraten
ist denkbar. Die Marschrichtung wird das Mandat vorgeben, das der Bundestag den
Soldaten mit auf den Weg gibt.
Auf dem Weg sind die Einheiten, die für einen Einsatz in Frage kommen könnten,
aber bereits. Für den genannten Einsatz im Rahmen der Operation „Enduring
Freedom“ hält sich die Fregatte „Mecklenburg-Vorpommern“ im
Einsatzgebiet auf und die Fregatte „Karlsruhe“ sowie der Betriebsstofftanker „Rhön“ gehören
derzeit zum Ständigen Marineverband 2. Beide Fregatten könnten sich
möglicherweise der Aufgabe „Piraterie“ annehmen. Medien berichteten
bereits voreilig beim Auslaufen in Wilhelmshaven, dass genau das der Zweck der
beiden Einheiten sei. Eine zwingende Beteiligung der deutschen Einheiten im Kampf
gegen Piraten ist übrigens auch bei einem Einsatz des Marineverbandes nicht
erforderlich. Die nationalen Vorgaben bleiben auch bei der SNMG 2 gewahrt, die
Deutsche Marine wäre notfalls zum Zusehen verurteilt. Ein Gedanke, der den
Verantwortlichen ein gewisses Unbehagen zu bereiten scheint.
Dass die Angehörigen der Bundesmarine in der Lage sind, Einsätze gegen
Piraten durchzuführen, steht außer Frage. Ein aktiver Kampf gegen
Piraten könnte für die Deutsche Marine aber weitere Herausforderungen
beinhalten. Das internationale Seerecht sieht vor, dass aufgegriffene Piraten
der Gerichtsbarkeit im Land der Herkunft des Schiffes, das die Piraten aufgriff,
zuzuführen seien. Dies wiederum setzt zusätzliche logistische Kapazitäten
voraus. |
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| Die Handelsschiffahrt liegt besonders im Interesse der Piraten vor der somalischen Küste. |
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