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Neue Auszeichnung
notwendig? |
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Reaktionen
zur Stiftung eines neuen „Eisernen Kreuzes“ |
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Itzehoe/Berlin
(uz) [27.07.07]. Eine Petition an den Deutschen Bundestag
sorgte im April für reichlichen Diskussionsstoff. Vor allem
in den Reihen der Bundeswehr aber auch darüber hinaus wurde
diskutiert: Der Petent forderte damals eine Neustiftung
des „Eisernes Kreuzes“. Nur so könne, wurde argumentiert,
dem Engagement der Soldaten in der steigenden Gefahr
in Auslandseinsätzen
Rechnung getragen werden.
Die Hürde in den Deutschen Bundestag hat das Anliegen nicht
nehmen können, bleibt die Frage, ob die Petition dennoch
Aufmerksamkeit im Parlament erlangt hat. truppen.info
hat alle Mitglieder des Verteidigungsausschusses des Deutschen
Bundestages
um eine Stellungnahme gebeten, ob eine solche Auszeichnung
dennoch diskutiert werden sollte und welche Position die Mitglieder
in
einer solchen Diskussion einnehmen.
Hier sind die in der Redaktion eingegangenen Antworten
(in der Reihenfolge des Eingangs):
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Ernst-Reinhard Beck (CDU)
„Ich stehe der Stiftung eines Verwundetenabzeichens und einer Auszeichnung
für herausragende
militärische Einzelleistungen im Einsatz positiv gegenüber.
In nahezu allen Armeen
der Welt sind solche Auszeichnungen üblich. Das Ehrenkreuz
der Bundeswehr und die allein
an eine bestimmte Zeitdauer geknüpften Einzelmedaillen werden
der heutigen Einsatzwirklichkeit
nicht mehr gerecht. Die formale Gestaltung der Auszeichnung ist
für mich eher nachrangig. Gegen das Eiserne Kreuz
habe ich keine Vorbehalte, tragen doch alle gepanzerten Fahrzeuge,
alle Flugzeuge und Schiffe der Bundeswehr das Eiserne Kreuz als
Hoheitsabzeichen.
Noch wichtiger als die Schaffung neuer Orden ist für mich
jedoch, dass wir die noch bestehenden
Lücken in der Einsatzversorgung unserer Soldaten schließen
und das Weiterbeschäftigungsgesetz für im
Einsatz schwer beschädigte Soldaten bald durch
die parlamentarischen Grenzen bringen.“ |
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Gerd
Höfer (SPD)
„Gleichgültig, welches sichtbare Zeichen für
besondere Verdienste eines
Soldaten/einer Soldatin in welcher Stufe auch immer, es sollte
sich in der Gestaltung von den Orden aus dem "Dritten Reich" deutlich
abheben.
Ich hätte nichts dagegen, wenn es das Eiserne Kreuz wäre,
schließlich ist dies neben dem Hoheitsabzeichen das Erkennungszeichen
der Bundeswehr. Verwundetenmedaillen oder ähnliches lehne
ich ab, Verwundung allein ist kein Zeichen eines besonderen Einsatzes
oder einer besonderen Leistung. Allenfalls kann Verwundung eines
der Kriterien sein, weswegen
eine Anerkennung ausgesprochen wird. Diese Anerkennungen müssen
sich ebenso deutlich abheben vom Bundesverdienstkreuz wie vom Ehrenkreuz
der Bundeswehr; beide können auch Soldaten/Soldatinnen verliehen
werden.“ |
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Paul
Schaefer (Die Linke)
„Die Neustiftung eines Eisernen Kreuzes zur Würdigung von Soldaten,
die bei Auslandseinsätzen verwundet oder getötet wurden,
wäre aus mehreren Gründen ein Schritt in die falsche
Richtung.
Meine Probleme der Motiv-Wahl will ich an dieser Stelle dabei nur
kurz anreißen. Auch wenn das Eiserne Kreuz aufgrund der auf
Wunsch der Bundeswehr gewünschten identitätsstiftenden
Tradition bereits als Motiv als nach 1955 von den Teilstreitkräften
verwendet wird: Das Eiserne Kreuz als Ehrenabzeichen ist sowohl
eng verbunden mit dem preußischen Militarismus der Deutschland
in den ersten Weltkrieg führte und dem Nationalsozialismus.
Nach der Machtergreifung Hitlers und in Vorbereitung seiner Kriegspläne
führte das nationalsozialistische Regime das Eiserne Kreuz
wieder ein. Meiner Auffassung nach würde die Wiederbelebung
des Eisernen Kreuzes als Ehrenzeichen einen bedenklichen Traditionsbezug
knüpfen.
Was nun die Frage der Würdigung der bei Auslandseinsätzen
verwundeten und getöteten Soldaten angeht, vertrete ich
die Auffassung, dass eine Würdigung durch den Dienstherren
insbesondere durch finanzielle und andere konkrete Hilfestellungen
für die Soldaten und die Hinterbliebenen erfolgen muss.
Außerdem wird bereits seit 1996 eine symbolische Auszeichnung
der Soldaten für ihre Teilnahme an Auslandseinsätzen
vorgenommen in der Form der Verleihung einer Einsatzmedaille.
Die symbolische Überhöhung der Verwundung und des Todes
bei einem Einsatz dagegen ist gesellschaftlich und auch für
die Soldaten kontraproduktiv. Körperliche Versehrtheit bis
hin zum Tod sollte nicht als ehrenvolles Opfer für Deutschland
dargestellt werden. Stattdessen müssen sowohl die konkreten
Umstände, die dazu führten, kritisch bewertet werden
und den Betroffenen danach größte Fürsorge zu
Teil werden.“ |
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Dr.
Rainer Stinner (FDP)
„Ich verfolge seit längerer Zeit mit großem Interesse die Diskussion
um die Neuauflage bzw. Neustiftung von Orden und Ehrenzeichen für besondereLeistungen
im Auslandseinsatz.
Auch aus meiner Sicht sind die bisherigen Möglichkeiten, besondere Leistungen
im Einsatz durch eine Auszeichnung zu würdigen, durchaus zu verbessern.
Eine Neustiftung des Eisernen Kreuzes ist aus meiner Sicht jedoch der falsche
Weg. Das Eiserne Kreuz ist aufgrund der Erststiftung während der Befreiungskriege
zwar Teil der Tradition der Bundeswehr.
Es ist jedoch derzeit nicht angebracht das Eiserne Kreuz wieder zu stiften.
Vielmehr ist eine Auszeichnung, die die Erfolgsgeschichte der Bundesrepublik
Deutschland widerspiegelt - nach meinem Dafürhalten - eher als Auszeichnung
geeignet.
Anstatt weitere Bundeswehrauszeichnung einzuführen, wäre deshalb
eine leichtere Verleihung des Bundesverdienstkreuzes aus meiner Sicht der richtige
Weg.
Somit kommt der Kerngedanke der Auszeichnung stärker zu Tragen: Nicht
„nur“ die Bundeswehr dankt dem Soldaten, sondern die Bundesrepublik
Deutschland insgesamt, repräsentiert durch den Bundespräsidenten,
anerkennt eine herausragende Leistung.
Bisher wird das Bundesverdienstkreuz an Soldaten eher aufgrund privatem Engagements
verliehen. Zukünftig könnte beispielsweise dem jeweiligen Kontingentführer
die ausdrückliche Möglichkeit gegeben werden
dem Bundesminister der Verteidigung (als Vorschlagsberechtigtem) Empfehlungen
für die Verleihung von Bundesverdienstkreuzen vorzulegen.
Einen entsprechenden Vorschlag werde ich in Kürze mit Vertretern des
Bundesministeriums der Verteidigung diskutieren.“
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Rainer
Arnold (SPD)
„Meine Kollegen und ich halten es für richtig und wichtig, den zu Tode gekommenen
Soldaten der Bundeswehr ein ehrendes Andenken zu ermöglichen. Unabhängig
davon, ob sie ihr Leben durch einen Unfall oder bei einem Kampfeinsatz verloren
haben, alle haben Anspruch darauf, dass Ihnen öffentlich gedacht werden kann – von
Angehörigen, Kameraden, der Bevölkerung.
Die Errichtung eines für jedermann zugänglichen Ehrenmals im
Bendlerblock wird daher von mir unterstützt. Unseren toten Soldatinnen
und Soldaten wird dort gedacht werden, wo ausländische Gäste mit
militärischen Ehren empfangen werden, die politische und militärische
Führung
mit dem großen Zapfenstreich geehrt werden und Rekruten öffentlich
ihr Gelöbnis ablegen.
Selbstverständlich bleibt es auch dem Parlament unbenommen, eine
Initiative zur Errichtung eines Ehrenmals für diejenigen, die ihr Leben
für
unser Land verloren haben – somit auch für Soldatinnen
und Soldaten –
in der Nähe des Reichstagsgebäudes zu errichten. Dabei muss sich
der
Deutsche Bundestag einig werden, welchen Personenkreis dieses Ehrenmal gedenken
soll. Hierzu hat eine breite parlamentarische Debatte eingesetzt. Das Ergebnis
gilt es abzuwarten.
Der Verleihung eines Eisernen Kreuzes stehe ich skeptisch gegenüber,
da diese durchaus ehrenvolle Auszeichnung nach meiner Auffassung von den Nationalsozialisten
missbraucht wurde. Die Verleihung des Eisernen Kreuzes an Soldatinnen und Soldaten
der Bundeswehr würde in der Öffentlichkeit und der Politik immer
vorwiegend in diesem Zusammenhang
gesehen werden.
Die Verleihung anderer Orden oder Ehrenzeichen für Soldaten, die bei Auslandseinsätzen
durch besondere Leistungen hervorgetreten oder körperlich geschädigt
wurden, sollte meines Erachtens in einer breiten gesellschaftlichen Debatte über
pro und contra erörtert werden. Nur
wenn Gesellschaft und Politik hinter der Einrichtung eines solchen Ehrenzeichens
stehen, macht es auch Sinn.“ |
| [Fotos:
Deutscher Bundestag] |
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Unsere bisherige Berichterstattung zum Thema |
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