Mit sich zufrieden ist die Soldatin
nach Abschluss der schriftlichen Prüfungen
nicht ganz. Aber immerhin kam sie nicht in den Kreis derer, die sich noch in
eine mündliche Prüfung begeben müssen. Martina Johannsen atmet
nochmals auf. Recht entspannt kann sie inzwischen auf den Lehrgang zurückblicken.
Einen Lehrgang, den sie als recht heftig empfand. „Hier wurde das gesamte
Wissen aus dem Unteroffizierlehrgang als Grundlage vorausgesetzt, für viele
von uns ist das aber schon viele Jahre her und dadurch ist der Stoff nicht mehr
ganz so präsent“, beschreibt die Soldatin einen gewaltigen Lernaufwand.
Der Hörsaal habe sich oft bei Lernspielen getroffen, um sich die Aneignung
des Wissens so einfach wie möglich zu machen. Insgesamt habe man sich sowieso
im Lehrgang unheimlich gut ergänzt und unterstützt, schwärmt Stabsunteroffizier
Johannsen und fügt hinzu: „Wir haben uns von Anfang an super verstanden.“
Dennoch, im Gegensatz zu früheren Lehrgängen, erkannte sie beim Feldwebellehrgang
auch Grenzen in der Wissensaufnahme. „Es gab im Lehrgang einen Punkt, an
dem auch ich schon auch mal Paragraphen oder Gesetzesquellen durcheinander gebracht
habe“, gesteht Johannsen.
Der Blick auf die Rückreise in ihre Stammeinheit nach Heide brachte für
die Soldatin durchaus gemischte Gefühle. „Es ist schon schade, dass
wir nun auseinander gehen müssen, aber ich freue mich auch schon wieder
auf die Rückkehr“, dann kann Martina Johannsen wieder ein wenig soldatischer
agieren. Die militärischen Komponenten haben für sie durchaus ein wenig
gefehlt zwischen den vielen theoretischen Anteilen des Feldwebellehrgangs. „Ich
hätte mir schon mehr ‚grüne‘ Ausbildung gewünscht“,
gesteht die Soldatin. Von den Ausbildern aus ihrer Stammeinheit hat sie eine
Menge Tipps mit auf den Weg nach Appen bekommen. Auch die Erfahrungen aus dem
eigenen Alltag in der Grundausbildungseinheit der USLw in Heide waren nützlich. „Viele
unserer Rekruten werden mit dem Dienstgrad in die Grundausbildung eingestellt,
den ich auch trage, da muss man schnell lernen sich durchzusetzen“, beschreibt
sie und ergänzt: „Das alles zusammen hat mir sehr geholfen.“ Vor
allem dort, so führt sie weiter aus, wo Martina Johannsen naturgemäß richtig
aufblüht.
Erkennbar war dies vor allem, als sie in einer Lehrprobe als Leitender bei der
Schießausbildung eingeteilt wurde. Dass Martina Johannsen mit einer gewissen
Portion Nervosität in die Übung ging, war nur kurzzeitig zu merken.
Schnell fand sie sich mit ihrer Rolle zurecht und hielt die Fäden fest in
den Händen. Mit einer kräftigen Stimme sorgte sie dafür, dass
der Schießbetrieb nach den Vorgaben, aber auch nach ihren Vorstellungen
verlief.
So gar nicht nach ihrer Vorstellung verlief der sportliche Bereich des Lehrgangs.
Durch eine Verletzung sollte sich Martina Johannsen eigentlich schonen. „Das
ging so für mich gar nicht, ich habe immer wieder versucht mitzumachen“,
schmunzelt sie. Ihre Kameradinnen und Kameraden versuchten meist schon das quirlige
Energiebündel zu bremsen. Wirklich gelungen ist dies dann erst den Vorgesetzten. „Ich
war da schon ziemlich beratungsresistent“, gesteht Martina Johannsen ein.
Aber, so fügt sie hinzu, so sei sie eben und vermutlich ist es genau dieser
Antrieb, der die Soldatin auf der Karriereleiter nach oben bringt. |