Sein
Wehrdienst vergrößerte das Interesse noch. Bei der Luftwaffe
war er als Bordelektroniker an fliegenden Waffensystemen tätig
und kümmerte sich unter anderem um Radar, EloKa-, Feuerleit und
Datenverarbeitungssysteme. 1960 wurde er als Fahnenjunker aus der Bundeswehr
entlassen. Obwohl er grundsätzlich Interesse an einer Wehrübung
hatte, hat er keinen weiteren Dienst in Uniform geleistet. "Ich
war immer unabkömmlich", blickt Ingo Brenne zurück.
Nach seinem Wehrdienst studierte er Elektrotechnik an der
Fachhochschule Duisburg und anschließend an der Technischen
Hochschule in Aachen Informationstechnik und Hochfrequenztechnik.
Ein
technisches "Vollblutstudium",
das ihn mit Radar, Laser und Maser beschäftigte. Außerdem
waren der Starfighter und auch Plasma Antriebe in den Vorlesungen
ein Thema. Eine Werbeaktion des Bundesamt für Wehrtechnik
und Beschaffung (BWB) brachte ihn zunächst in den Geschäftsbereich
des Bundesministeriums der Verteidigung. Von 1969 bis 1971 war er zur Referendarsausbildung
unter anderem bei der Wehrtechnischen Dienststelle 81 in Greding. Seine
Tätigkeiten
befassten ihn damals mit dem Panzerabwehrflugkörper SS-11. "Die Waffe
war unberechenbar und gefährlich" berichtet er. Nur zwei von drei
Flugkörpern fanden den Weg in das Ziel. Brenne baute einen Prüfstand
für
SS-11 mit dem der Fehler gefunden und nachgewiesen werden konnte.
Nach seinem Staatsexamen, das ihm den Titel des Bauassessors brachte, wollte
er eigentlich bei der Wehrtechnischen Dienststelle bleiben, doch ein
Angebot
des
Bundesamt für Wehrtechnik und Beschaffung (BWB) zog er vor: Im Systemreferat
wurde er als Baurat zur Anstellung sofort
in wichtige Projekte involviert. 1973 wurde er stellvertretender Projektbeauftragter
für gleich drei Projekte: Military Air Trafic Control (MATRAC), Tieffliegermeldedienst
(TMD), Heeres-Flugabwehr-Aufklärungs- und Gefechtsführungssystem
(HFlaAFüSys).
1974 wurde Ingo Brenne zusammen mit fünf weiteren Personen für einen
Managementlehrgang für Command & Controlsysteme in den USA ausgesucht.
Die Entwicklung solcher Systeme war in dieser Zeit ein aktuelles Thema. Entsprechend
dieser zusätzlichen Qualifikation wurde er nach der Rückkehr in die
Wehrtechnische Dienststelle für Führungssysteme versetzt. Dort kümmerte
er sich um Softwareentwicklung für Heer, Luftwaffe und Marine. Die Versetzung
nach Bonn bedeuteten für
ihn eine tägliche Wegstrecke von 180 km. Auch wenn man ihm eine kurze
"Stehzeit" zusagte, pendelte er von 1977 bis 1981 vom Wohnort in
Koblenz nach Bonn. In dieser
Zeit war er als stellvertretender Projektbeauftragter für das DV gestützte
Führungssystem der EIFEL II der Luftwaffe verantwortlich. Damals wie heute
bildete der Schwerpunkt seiner Arbeit die Sicherheitsarchitektur.
Nach seinem Drängen auf eine Rückversetzung wurde Brenne 1981 Deutscher
Sprecher im MRCA-Programm für Avionic Age. Die Abwesenheit des zuständigen
Beraters brachte Ingo Brenne als Vertreter in das BMVg, wo er als Referent
für
Ausrüstung
und Datenverarbeitung in Waffensystemen des Heeres den zuständigen Bearbeiter
in der Deutsch-Französischen Kooperation tätig war.
In der Folge war er ab 1987 Projektbeauftragter AWACS. "Das war eine sehr
interessante internationale Tätigkeit", berichtet der Baudirektor
aus dieser Zeit. Mit großer Eigenständigkeit war er als Deutscher
Sprecher der Independent European Planing Group für den Technologie Bereich
Multi Sensor Data Fusion verantwortlich, außerdem war er Deutscher Sprecher
in der NATO Research Group "Artificial Intelligence applied to C&C Systems".
Das Panel, das er damals bearbeitete, ist zur Zeit wieder sehr
aktuell. "Viele Dinge haben wir vor 20 Jahren schon so gemacht, wie sie
heute wieder angepackt werden", betont der Baudirektor.
Stolz ist Ingo Brenne auf die Leitung eines multinationalen Vorhabens zur Vernetzung
von Luftverteidigung und Flugabwehr-Raketen-Systemen. 1989 übernahm er
diese Position und realisierte den von der NATO vorgegebenen engen Zeit- und
Kostenrahmen des immerhin 50 Millionen
Dollar schweren Projekts, an dem auch die Abstimmung mit den anderen fünf
Nationen zum Alltag gehörte.
1992 wurde Ingo Brenne Leiter des Referats NATO- Luftverteidigung, der
Referatsleiter ging damals vorzeitig in den Ruhestand. Allerdings erhielt Ingo
Brenne in dieser
vierjährigen Tätigkeit keine förmliche Einweisung auf den Dienstposten.
Parallel dazu war er in sechs von den sieben Jahren, die das NATO-Projekt "Data
Fusion Demonstrator" dauerte, ab 1993 gewählter Vorsitzender des
sogenannten "Steeering-Comitees".
Stolz ist er auf diese Wahl vor allem, weil er auch von Generalen gewählt
wurde.
Als 1996 die Aufgaben der "Luftverteidigung" nach St. Augustin verlegt
wurden, blieb Ingo Brenne in Koblenz und übernahm die Projektleitung von
Open Sky und Verification (VERIS) sowie eines Vorhabens zur Flugzielidentifizierung
und -klassifizierung für AWACS.
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