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  Arbeitsplatz über den Wolken
Wunstorf (uz) [23.01.06]. Rund 7100 Stunden hat Stabsfeldwebel Hans Voltmann bisher an seinem Arbeitsplatz hoch über den Wolken verbracht. Dort sitzt er allerdings eher ruhig in seinem "Sessel" und bearbeitet Papiere. Er leistet den Großteil seiner Arbeit vor dem Start. Als Ladungsmeister trägt er die Verantwortung für alles, was mit "seiner" C-160 Transall abhebt. Das können beispielsweise Hilfsgüter oder Ersatzteile, Versorgungsgüter für die Einsatzländer oder auch Soldaten auf dem Weg von oder in die Kontingente oder Fallschirmjäger auf dem Weg zum Absetzen sein.
Lebenslauf
Stabsfeldwebel
Hans Voltmann
Jahrgang 1960

1. Oktober 1979
Diensteintritt mit Grundausbildung in Pinneberg

ab Januar 1980
Flugabfertiger in der Ausbildungsstaffel des Lufttransportgeschwaders (LTG) 62 in Wunstorf

März 1982
Ausbildung zum 1. Flugbetriebsspezialist
anschließend vorfliegerische Ausbildung in der Lufttransportstaffel
- WFV III (Fliegerische Untersuchung)
- Flug Physiologische Ausbildung
- Englisch (SLP 222)
- Sea Survival

September - November 1982
Lehrgang Luftfahrzeug Ladungsmeister
C-160 in der Ausbildungsstaffel LTG 62

Dezember 1982
Ausbildung Überleben Land

danach Einsatz bei der
Ausbildungsstaffel LTG 62

September/Oktober 1983
Lehrgang Absetzen von Lasten

anschließend Einsatz bei Lufttransportstaffel mit Erwerb CR-Status (Combat Ready) für alle Einsätze

11. Oktober 1991
Erteilung Überprüfungs- und Lehrlizenz (ÜLB)

ab Januar 1997
Einsatz als ÜLB

seit 1. April 2005
TTvG
Erprobung und Luftverladbarkeit
Dabei wollte er, als er sich für eine gewisse Zeit bei der Bundeswehr entschieden hatte eigentlich zum Heer und "etwas mit Panzern" machen, erzählt der Berufssoldat, der zuvor eine Ausbildung absolviert hat, die auf den elterlichen Landwirtschaftsbetrieb zugeschnitten war. Er wollte sich im Bereich Pflanzenschutz weiterbilden, als die Musterung anstand und die militärische Karriere eröffnete. Alles Weitere hat sich dann ergeben. Sein erstes Dienstjahr absolvierte Hans Voltmann noch in der Wehrpflicht. Die Erfahrung am Panzer blieb ihm allerdings verwehrt, er sollte Horchfunker werden. Zur Grundausbildung wurde er nach Pinneberg eingezogen. Es kam anders, die Einheit wurde wegen dringendem Bedarf geteilt und "seine Hälfte" wurde zum Flugabfertiger ausgebildet. Damit war bereits der Grundstein für die weiteren Verwendungen gelegt. "Wir waren wenig draußen, hatten aber bereits die fachliche Ausbildung abgeschlossen, als die drei Monate um waren", erzählt er. Als Flugabfertiger war Voltmann in der Ausbildungsstaffel des Lufttransportgeschwaders 62 in Wunstorf eingesetzt. Der Standort Wunstorf entsprach den heimatnahen Vorstellungen: 33 Kilometer ist er von seinem Heimatort entfernt. In seiner Verwendung kümmerte er sich um die Vorbereitung von fliegerischen Vorhaben, dafür wurde zum Beispiel auch die Struktur und Regelung des Luftraums ausgebildet. Er erstellte beispielsweise auch Kommandantenmappen, die alle notwendigen Unterlagen für den Flug enthalten. Mit einer weiteren Ausbildung wurde er 1. Flugbetriebsspezialist.
"Schlüsseldienst" an der Transall.
Ein Stockwerk über seinem Arbeitsplatz saßen die Lehrer für die Ladungsmeister. 1982 gab es Personalmangel bei den Ladungsmeistern und durch die räumliche Nähe fragte man ihn, ob er Interesse hätte. Um den Mund wässrig zu machen, gab es damals eine Mitflugmöglichkeit nach Kreta. "Ich habe mir gesagt, das wäre genau das Richtige", blickt Stabsfeldwebel Voltmann zurück. Sofort hat er eine Bewerbung geschrieben und kurz darauf begann die Ausbildung.
Schnell ging es zur Fliegerischen Untersuchung und zur flugphysiologischen Ausbildung, die zum Beispiel auch die Ausbildung in der Druckkammer beinhaltet. Außerdem wird in dieser Ausbildungsphase Englisch gelernt. Erstmals war er in dieser Phase auch auf dem Lehrgang Überleben auf See in Nordholz, dieser wird alle fünf Jahre wiederholt. Die flugphysiologische Ausbildung muss alle drei Jahre erneuert werden. Ebenfalls noch im Jahr 1982 folgte der Lehrgang als Ladungsmeister A, der erste Teil und der Lehrgang "Überleben Land".
Wenn ein erstes Jahr Erfahrungen gesammelt wurden, folgt der zweite Teil der Ausbildung, die sich um das Absetzen von Lasten und Fallschirmsprung dreht. Ihn absolvierte er 1983 und übernimmt seitdem auch regelmäßig die Verantwortung des richtigen Timings dazu. In der weiteren Tätigkeit erwarb Voltmann den Status "Combat Ready" der Voraussetzung für alle Einsatzmissionen ist. Ihre Lizenz müssen alle Ladungsmeister jährlich erneuern. Dazu gehört ein Test mit 100 Fragen und ein Überprüfungsflug. Dazu kommen auch ärztliche Untersuchungen.

Stabsfeldwebel Hans Voltmann vor seinem "Arbeitsplatz".
1991 erwarb Voltmann die Überprüfungs- Lehrberechtigung (ÜLB). Er kümmerte sich damals um die sechsmonatige Basisausbildung für die neuen Soldaten. In dieser Zeit gehörten Unterrichte und Beladungsübungen zum Alltag. Dazwischen mussten aber auch die Qualifikationen erhalten werden. Gleichzeitig nahm er an Übungen und führte Routineflügen durch. Zusätzlich wurde in der Phase seiner Verwendung als Ausbilder auch der sogenannte KRK-Lehrgang Voraussetzung. Zusätzlich werden auch Ausbildungen absolviert, die für den schlimmsten Fall schulen: Intensiv hat der Stabsfeldwebel gelernt mit dem psychologischen Stress bei Verhören beispielsweise in der Situation einer Geiselnahme umgehen zu können.
Durch seine Lizenz überprüft Voltmann auch seine Kameraden in der jährlichen Verlängerung der Lizenzen. Nur die Inhaber der ÜLB werden von Prüfern aus einem der beiden anderen Standorte (Rendsburg-Hohn oder Landsberg-Penzing) überprüft.
Seit April 2005 hat Voltmann eine Verwendung in einer Gruppe, die sich mit Truppenversuchen und der Luftverlastbarkeit beschäftigt. Auch wenn der Nachfolger der Transall, die Airbus A 400 M, bereits in Planung ist, werden immer noch Bauteile für die Transall erprobt. Für viele Ausrüstungsgegenstände testet die Gruppe, ob man sie mit dem Flugzeug transportieren kann. Eines der jüngeren Beispiele ist ein spezielles Boot für Kampfschwimmer. Die Maße von 12 Meter Länge und das Gewicht von 6 Tonnen wollen erst einmal in der Transall untergebracht werden. Dafür wird gewogen, der Schwerpunkt errechnet, Verzurrmöglichkeiten geprüft und in letzter Konsequenz sogar die Vorbereitungen, die vor dem Transport durch die Truppe zu treffen sind, festgelegt. Viele Beschaffungsmaßnahmen enden aber auch auf den Schreibtischen der Soldaten. Teilweise ist die mangelnde Beschaffenheit für den Lufttransport bereits ein Kriterium, um die Einführung in die Truppe abzulehnen. Diese Aufgabe nimmt mittlerweile den Großteil seiner Arbeitszeit in Anspruch. Spontane Missionen sind für Stabsfeldwebel Voltmann nicht mehr an der Tagesordnung. Geflogen wird in erster Linie, um Lizenzen zu erhalten oder die entsprechenden Überprüfungen durchzuführen.
Seine ersten Einsätze absolvierte Voltmann bei der Erprobung einer Feuerlöschausrüstung. Eingesetzt war er bei Waldbränden in der Umgebung von Celle und auf Sardinien. Die Zeit der Transall als Löschflugzeug war allerdings nicht von Dauer. Danach war er im Prinzip in allen Einsatzregionen vor Ort, in denen die Transall genutzt wurde und wird.
Eine neue Dimension erhielt das Einsatzspektrum mit der Luftbrücke für Sarajevo und die anderen Hilfseinsätze für die Bevölkerung. Von Frankfurt aus wurden im Verband mit Herkules der US-Airforce und mit Transall aus Frankreich Lebensmittel nach Ostbosnien geflogen. "Da ging es immer in der Dämmerung raus und nachts wurde abgeworfen", erinnert sich der Ladungsmeister.
Einsätze
1983/1984
Feuerlöscheinsätze aus der Luft Celle bzw. Sardinien

1985
Sudan/Äthiopien

1989
Sudan (Lebensmitteltransporte)

1990
Erdbeben Hilfe im Iran
im Golfkrieg Einsätze in die Türkei

1991
Kurdenhilfe

1992/93
Beförderung von UN-Inspektoren von Bahrain nach Bagdad
Austausch von Hubschrauberbesatzungen der Heeresflieger in Bagdad
Rückführung von Beutegut nach Kuweit

1993
Hilfsflüge Somalia

>1993
Advanced Aricraft Tactical Training CenterAATTC
Red Flag
Ausrüstungshilfe Baltic-Staaten

1993/94
Luftbrücke Sarajevo, Versorgung der Bevölkerung in Ost-Bosnien aus der Luft (High-Level-Nightdrop)
Lebensmitteltransporte nach Ruanda während Bürgerkrieg

1995/96
Bahrain
Sarajevo
Ost-Bosnien

1994 und 1998
Maple Flag

1999 Hilfsflüge für Kosovo-Flüchtlinge nach Skopje und Tirana

2000 Flutkatastrophe Mosambik

2001 Enduring Freedom Einsatz über Istanbul

heute als Routineflüge:
Flüge in die Einsatzgebiete EUFOR (SFOR), KFOR und Enduring Freedom
Einsatz in Termez 1 - 2 x mal pro Jahr
Ein Kamerad von Voltmann wurde damals beim Anflug auf Sarajevo beim Beschuss der Maschine schwer verletzt. Die Flüge nach Bosnien hielten recht lange an: "Da waren wir immer mit involviert und da flog schon auch immer eine gesunde Angst mit", erinnert sich der Stabsfeldwebel und fügt nachdenklich hinzu: "in Sarajevo hatte die Maschine schon mal ein paar Löcher."

Die Transall im Einsatz.
Foto: privat.
Neben den inzwischen zur Routine gehörenden Flügen in die Einsatzländer gehört auch die regelmäßige Stationierung im usbekischen Termez zum regelmäßigen Dienstplan der Besatzungen. Ein bis zwei mal pro Jahr werden die Soldaten für vier Wochen dort stationiert um dort im Einsatzgeschwader für das ISAF-Kontingent sicherzustellen. Die Kontingentflüge wechseln wöchentlich zwischen den drei Geschwadern.
Mit dabei war Voltmann auch bei einer taktischen Weiterbildung in den USA.
Dort ging es 10 Tage lang darum sich im Tiefflug vor Angriffen beispielsweise von Jets zu schützen und sich entsprechend zu "verstecken". In einer Übung wie "Red Flag" oder "Maple Flag" wird das Erlernte geübt.
Als Hans Voltmann seine Ausbildung begann, legte man noch keinen so großen Wert auf die Vorbildung. Heute sind ZAW-Maßnahmen zum Reiseverkehrskaufmann der Standard. Technische Berufe sind eher die Ausnahme, unverständlich, wie der Stabsfeldwebel findet.
Auch die Chancen zum Berufssoldaten übernommen zu werden, sind derzeit eher schwierig. Für die frisch Ausgebildeten der letzten Jahre ist es problematisch. Der Bedarf kann durch die bevorstehende Einführung des neuen Flugzugmusters noch nicht endgültig definiert werden. Eine zivil vergleichbare Einsatzmöglichkeit gibt es nicht. "Firmen die an Flughäfen die Abfertigung erledigen, ziehen den Nachwuchs für Führungspositionen meist aus den eigenen Reihen", berichtet Voltmann.
An einem "Flugtag" trifft die Crew sich eineinhalb, im Winter oder bei Langstreckenflügen zwei Stunden vor dem Flug. Dann werden Kontrollen durchgeführt und beispielsweise Passagiere belehrt und dann kann es auch schon losgehen.
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