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„Gnadenlos alles durchgemacht“ |
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München (uz) [08.07.06]. Sie gehört zu den schnellsten
Soldatinnen in Deutschland. Entsprechende Platzierungen bei Weltmeisterschaften
und olympisches Edelmetall bestätigen dies. Susi Erdmann war im Rodeln
und ist im Bobsport seit Jahrzehnten auf den Spitzenplätzen zu finden.
Ihre Karriere begann im zarten Alter von 9 Jahren auf einer
Naturrodelbahn in Blankenburg im Harz. „Rodeln ist dort einfach Tradition“,
erzählt die Sportlerin, als sei es das Natürlichste der Welt,
sich auf zwei Kufen in einen Eiskanal zu stürzen. Sie habe auch einige
andere Sportarten ausprobiert, das sei alles zu langweilig
gewesen, Rodeln habe ihr aber einfach den 'richtigen Kick‘ gegeben.
Die Geschwindigkeit macht es eben, sagt sie. |
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Lebenslauf |
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Hauptfeldwebel Susi Erdmann |
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geboren am 29. Januar 1968
in Blankenburg (Harz)
1977
Erste Übungsläufe auf der Naturbahn von Schierke (Harz)
1978
Aufnahme als Rodlerin in den „Armeesportverein Halberstadt“
1979
Erste Fahrten auf der Kunsteisbahn Oberhof (Thüringen)
1981
Aufnahme in der „Kinder- und Jugendsportschule“ – (heutiges
Sportgymnasium) in Oberhof– eine der Elitesportschulen der ehemaligen DDR. Erfolge bei „Jugend-Spartakiaden“ in
der DDR und bei „Jugendwettkämpfen der Freundschaft“
1985
Erste Reise zum Königssee nach Berchtesgaden:
3. Platz bei der Junioren-EM
1986
Silber bei der Junioren WM
1987
Abiturabschluß in Oberhof, im selben Jahr Silber bei der Junioren EM
1988
Aufnahme in die „Nationale Volksarmee“ der DDR als Sportsoldatin,
gleichzeitig Fernstudium der Bibliothekswissenschaften an der Uni Leipzig
bis zur „Wende“
1989
Weltmeistertitel bei der Rennrodel-WM in Winterberg als DDR-Teilnehmerin
1990
Entlassung aus der NVA als Oberfeldwebel
1990-1992
Bis1992 Zivilangestellte bei der Bundeswehr und gleichzeitiges Training
- „Soldatinnen“ wurden damals noch nicht eingestellt
1991
Zweiter Weltmeistertitel
1992
Einstellung in die Bundeswehr als Sanitätssoldatin, Aufnahme in die Sportfördergruppe
Berchtesgaden. Bronze bei den Olympischen Spielen von Albertville
1994
Silber bei den Olympischen Spielen von Lillehammer
1997
Ernennung zur ersten weiblichen Sport-Berufssoldatin durch Verteidigungsminister
Volker Rühe. Dritter Weltmeistertitel
1998
Vierter Platz bei den Olympischen Spielen von Nagano
1999
Vierter Platz bei der WM
2000
Zum Saisonbeginn Umstieg vom Rennrodeln in den Zweierbob
2002
Bronze bei den Olympischen Spielen von Salt Lake City
Gesamtweltcupsieg
2003
Vierter Weltmeistertitel
2004
Fünfter Weltmeistertitel
2006
Fünfte Teilnahme bei Olympsichen Spielen
Sportliche Erfolge im Rennrodeln:
1985
Junioren-EM 3. Platz
1986
Junioren WM 2. Platz
1987
Junioren-EM 2. Platz
1989
WM 1. Platz (Einzel)
und 2. Platz (Mannschaft)
1990
WM 1. Platz (Mannschaft)
EM 1. Platz (Einzel und Mannschaft)
1991
WM 1. Platz (Einzel)
Gesamtweltcup 1. Platz
1992
Olympische Spiele Albertville: Bronzemedaille
Gesamtweltcup 1. Platz
EM 1. Platz (Einzel + Mannschaft)
1993
WM 1. Platz (Mannschaft) und
4. Platz (Einzel)
1994
Olympische Spiele Lillehammer: Silbermedaille
Gesamtweltcup 3. Platz
1995
WM 1. Platz (Mannschaft) und
2. Platz (Einzel)
1996
WM 2. Platz (Einzel)
EM 1. Platz (Mannschaft)
1997
WM 1. Platz (Einzel)
Deutsche Meisterschaft 1. Platz
1998
Olympische Spiele Nagano: 4. Platz
EM 3. Platz (Einzel) und
1. Platz (Mannschaft)
1999 WM 4. Platz (Einzel)
Sportliche Erfolgeim Zweierbob:
2001
WM 3. Platz
Gesamtweltcup 3. Platz
Deutsche Meisterschaft 1. Platz
2002
Olympische Spiele Salt Lake Cit:y Bronzemedaille
Gesamtweltcup 1. Platz
Deutsche Meisterschaft 1. Platz
2003
WM 1. Platz
Gesamtweltcup 2. Platz
Deutsche Meisterschaft 3. Platz
2004
WM 1. Platz
Gesamtweltcup 3. Platz
Deutsche Meisterschaft 2. Platz
2006
Olympische Spiele Turin: 5. Platz |
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Doch
nicht nur in der Jagd um Hundertstelsekunden im Eiskanal
hat Susi Erdmann eine Vorreiterrolle, auch bei ihrem Arbeitgeber,
der Bundeswehr,
ist das so. Nach der Wende stand die Sportsoldatin
der NVA plötzlich
ohne Arbeitgeber da. Frauen hatten damals noch keine
Möglichkeit
von der Bundeswehr in ihrem Leistungssport gefördert zu werden.
Eine zweijährige Übergangsfrist wurde der Sportlerin damals
als Zivilangestellte eingeräumt. Susi Erdmann blickt zurück: „Ich
stand damals am Anfang meiner Karriere, da hab ich
nur gedacht, ‚wenn
ich jetzt zur Arbeit gehen muss, kann ich aufhören!‘“ Doch
die Bundeswehr wurde in dieser Zeit flexibler und
die Sportlerin konnte sich für die Sportförderung bewerben. „Da
gab es keine Privilegien, ich war ganz normal bei
einem Eignungstest und habe die Allgemeine Grundausbildung absolviert“,
erzählt
sie. Volker Rühe, der damalige Verteidigungsminister ließ es
sich nicht nehmen, die Sportlerinnen persönlich in ihr Dienstverhältnis
zu berufen. Dementsprechend trat Erdmann ihre Grundausbildung
auch ein paar Tage später an. Allein diese Prominenz brachte
ihr in den ersten Woche kritische Blicke und Vorurteile in der Ausbildung
ein: „Es hat ein ganzes Weilchen gedauert, bis ich die davon überzeugt
habe, dass ich auch ‚ganz normal‘ bin und mein Sport
ein hartes Stück Arbeit ist“, erzählt sie. Sportlich
allerdings konnte ihr die Grundausbildung nichts anhaben.
Die Märsche
und Biwaks haben ihr Spaß gemacht und nach Dienst ging es für
sie noch zum Training. „Wir haben gnadenlos alles durchgemacht“,
erzählt die Sportlerin, die, wenn es darauf ankam, ihre Mitstreiter
und Mitstreiterinnen motiviert hat, alles zu geben.
Susi Erdmann grinst: „Die haben ganz schön gebissen, die
Mädels!“ Ansonsten
hat sie ihre Grundausbildung so in Erinnerung wie
die meisten anderen Soldaten auch: Hart aber schön.
Volker Rühe, dessen erste Amtshandlung die Einstellung der Sportlerinnen
war, war es dann auch, der Hauptfeldwebel Susi Erdmann zur ersten Berufssoldatin
ernannt hat. „Das war schon etwas Besonderes und hat uns auch
irgendwie verbunden“, sagt sie. Rühe und Erdmann sind bei
einigen PR-Terminen zusammengetroffen. „Er hat mich auch nach
Jahren wiedererkannt“, erzählt sie.
Der Sport bei der Bundeswehr hat im Vergleich zur Nationalen
Volksarmee (NVA) viel mehr soldatisches. Eine Allgemeine
Grundausbildung gab es für die Sportler damals nicht. Susi Erdmann
blickt zurück: „Wir
haben eben die Uniform bekommen und wurden von Erfolg
zu Erfolg befördert.“ Bis
zum Oberfeldwebel hat es die Rodlerin gebracht. Bei
der Einstellung in die Bundeswehr ging es mit dem Dienstgrad „Sanitätssoldat“ mit
einer Allgemeinen Grundausbildung los. |
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| "Sprung auf Marsch Marsch!" Susi Erdmann (vorn) in ihrem Element. Foto: Bobteam
Susi Erdmann |
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Die
Bundeswehr ist für sie ständig präsent. „Ich lebe
mit 38 Jahren noch in der Kaserne“, berichtet die Wahl-Münchnerin.
Egal ob sie individuell oder mit ihrem Bobteam trainiert, sportlicher
Mittelpunkt von Montag bis Freitag ist die Kaserne in Bischofswiesen-Strub.
Eine kleine, gemütliche Kaserne, wie Erdmann findet. Hier geht
sie auch ganz normal in die Kantine zum Essen und wird von den meisten
Soldaten dort gar nicht erst erkannt. „Das geht völlig unkompliziert“,
sagt die Sportlerin, die mit ihrer offenen und sympathischen Art dann
schon auch mal gerne einen netten Plausch mit dem Küchenpersonal
hält.
Neben dem Training kümmert sich Susi Erdmann auch selbst um das „Bobteam
Susi Erdmann“. Auch wenn ihr die Bundeswehr eine gewisse finanzielle
Sicherheit gibt, um die Ausrüstung und das Management müssen
sich die Sportler selbst kümmern. Gerade bei einer „Material-Sportart“ wie
dem Bobfahren kommt da ein erheblicher Aufwand zusammen. Diesen wickelt
sie als Firmenchef selbst ab. Dazu gehört auch, in den Sommermonaten
Sponsoren für die nächste Saison zu finden. Ans Aufhören
denkt Hauptfeldwebel Erdmann noch nicht so richtig: „Ich denke, dass
dies meine letzten olympischen Spiele als Sportlerin waren“, sagt
sie vorsichtig und fügt ebenso schnell hinzu: „aber zwei Saisons
möchte ich schon noch machen!“ Sie könne sich aber auch
durchaus vorstellen als Co-Kommentatorin olympische Spiele zu begleiten,
meint Erdmann mit einem Zwinkern in den Augen.
Ihr Leben hat sie dem Sport verschrieben: „Es war bald klar, dass
ich etwas länger als andere Sport machen möchte“, erzählt
die Spitzensportlerin. Das war auch einer der Gründe für die
Bewerbung als Berufssoldatin. Sie habe sich natürlich schon Gedanken über
die Zukunft gemacht. Ihre Überlegung, so erzählt sie, war: „Susi,
was machst du eigentlich, wenn der Sport mal nicht mehr ist?“
Auch für dieses „Leben nach dem Sport“ erschien ihr die Bundeswehr
der richtige Arbeitgeber zu sein. Ihre Zukunft sieht sie dabei nicht unbedingt
in einer Position im Spitzensport, zumal es um den Nachwuchs im Bobsport eher
schlecht bestellt ist. „Ich bin nicht der Mensch, der im Leistungssport
weitergehen muss, eigentlich glaube ich, dass ich dafür geboren bin, Menschen
den Sport nahe zu bringen“, gesteht die Sportsoldatin. Sie selbst findet
es erschreckend, wenn sie zum Training auf dem Sportplatz in Berchtesgaden den
Schulsport sieht und wie wenig Kinder da fit sind. Da liegt, wie sie sagt, ihr
Ansatzpunkt: „Man muss den Menschen sagen: 'ihr tut was für euch und
für eure Gesundheit!‘“ Vorstellen könnte sich Hauptfeldwebel
Erdmann beispielsweise eine Funktion als Sportlehrerin bei der Bundeswehr. Diese
Dienstposten sind allerdings ausschließlich von Zivilpersonal besetzt,
erzählt sie.
So richtig weiß sie noch nicht, was auf sie zukommt, wenn sie den Bob wirklich
einmal an den Nagel hängt. Eigentlich ist die Sportförderung so angelegt,
dass sie zeitlich begrenzt, also für Soldaten auf Zeit vorgesehen ist. Viele
Sportler werden entlassen, wenn die Leistungsanforderungen nicht mehr erfüllt
werden. Für Susi Erdmann war dies nie ein Problem, den Erfolgsdruck hat
sie sich immer selbst verschafft und ihn nicht durch Funktionäre oder die
Bundeswehr gespürt. Und die eigene Meßlatte lag augenscheinlich recht
hoch. Für die Berufssoldaten führt dieses System der Sportförderung
allerdings in eine ungewisse Verwendung nach der Karriere: „man kann sich
eben nur für eines entscheiden, die militärische Laufbahn oder die
Sport-Karriere“, stellt Susi Erdmann klar. Durch ihre Funktion als Spitzensportlerin
hat sie bei unterschiedlichsten Veranstaltungen in viele Bereiche der Bundeswehr „hineinschnuppern“ können. |
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Hauptfeldwebel Susi Erdmann: Neben der Verwendung
in der Sportfördergruppe macht die Sportlerin auch militärischen
Dienst, wie hier im Stab des Wehrbereichskommando IV in München.
Foto:
Kai Mörk, WBK IV |
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Es
gebe bei der Bundeswehr viele Verwendungen, die sie sich vorstellen
könnte,
meint sie und ergänzt: „Es gibt aber auch viele Jobs wo ich denke
'da
ziehe ich meinen Hut!‘“ Überhaupt
fasziniert es die Sportsoldatin,
welche Aufgaben die Bundeswehr heute übernimmt und wie sie sich aus den
Armeen der beiden Gesellschaftssysteme entwickelt hat.
Gerade in ihrer bayerischen Wahlheimat, die dem Wintersport eher verbunden ist,
wird Susi Erdmann auch auf der Straße erkannt. „Mein Name ist bekannt,
weil ich mir das durch die Leistungen im Sport hart erarbeitet habe und nicht
weil ich „Superstar“ bin und darauf bin ich sehr stolz“, gesteht
sie.
Was sie sich in ihrer Laufbahn übrigens nicht vorstellen kann, ist eine
Verwendung im Bereich der militärischen Ausbildung. „Ich habe nicht
den richtigen Tonfall für die Grundausbildung“, meint die Sportlerin – auch
wenn sie in ihrer „kleinen Firma“ schon auch auf den Tisch hauen
kann und ihren Mädels sagen kann, wo es lang gehen muss.
Die Bundeswehr ist für Susi Erdmann, so sagt sie, das Beste was ihr passieren
konnte. Diese Meinung, so ist sie sich sicher, teilen so gut wie alle Spitzensportler
aus Randsportarten, die bei der Bundeswehr auf der Gehaltsliste stehen: „Diese
Karriere hätte nie funktioniert, ohne die Freistellung, die Trainingsmöglichkeiten
und die soziale Absicherung der Bundeswehr. |

Susi Erdmann steuert auf Erfolgskurs. Foto: Bobteam Susi Erdmann
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www.susi-erdmann.de
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