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"Möglichkeiten, die man nicht für möglich hält" |
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Koblenz (uz) [19.03.06]. "Klar geh ich zur Bundeswehr, da bekomme ich
ein Studium bezahlt", Oberstleutnant im Generalstab (i.G.) Jörg
Wellbrink lacht, als er die Antwort auf die Frage, warum
er zur Bundeswehr ging, gibt. So wie er denken und dachten
wohl die meisten Offizieranwärter.
In der Bewerbung habe er angegeben, er wolle Pädagogik studieren und
Berufssoldat werden oder Elektrotechnik und Offizier auf
Zeit sein. "Was
soll ich im Zivilen mit einem Pädagogik-Studium?" habe er im Einstellungsgespräch
noch gefragt. Dr. Wellbrink grinst und ergänzt, die Pädagogen,
die er kenne, hätten aber auch alle gute Jobs gekriegt.
Die Bundeswehr zeichnet sich für den Oberstleutnant auch heute noch,
in Zeiten akuter Finanzknappheit, durch einen hohen Stellenwert
der Ausbildung und deren Qualität aus. "Wenn man sich mit dem
Thema Laufbahn beschäftigt, kann man Möglichkeiten finden, die
man eigentlich nicht für möglich hält", betont Dr. Wellbrink,
der selbst wohl das beste Beispiel für diese These ist: |
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Lebenslauf |
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Oberstleutnant i.G.
(im Generalstabsdienst)
Dr. Jörg Wellbrink |
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23. Mai 1963 Geburt in Bremerhaven
1982 Abitur in Lüdenscheid
1982-1983 Offizieranwärterausbildung in der Instandsetzungsgruppe
1983-1986 Studium der Elektrotechnik in München
1986 Abschluss als Diplom-Ingenieur der Elektrotechnik
1987-1991 Verwendungen in der Instandsetzungsführung
1991-1994 Kompaniechef im Instandsetzungsregiment 41
1994-1995 Instandsetzungsstabsoffizier im Instandsetzungsregiment 14
1996-1998 Operations Research Studium an der Naval Postgraduate School (NPS) in Monterey, Kalifornien
1998 M.Sc. Operations Research (OR)
1998-2000 Verwendung in der Gruppe Weiterentwicklung der Instandsetzungstruppe an der Technischen Schule des Heeres in Aachen, im Fachbereich Modellbildung und Simulation (M&S)
2000-2003 Promotionsstudium MOVES an der NPS in Monterey, Kalifornien
2003 Promotion Modeling, Virtual Environments and Simulations (MOVES)
2003-2005 Referent für M&S im IT Amt der Bundeswehr in Koblenz
seit März 2005 Militärischer Referent für die Leitung des IT Amts der Bundeswehr
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Sein Studium hat er als Diplom-Ingenieur der Elektrotechnik
abgeschlossen, als Zeitoffizier hat er seine Laufbahn
allerdings nicht beendet, inzwischen ist der 42jährige
Berufssoldat. In 20 Dienstjahren ist er 14 mal versetzt
worden. Dr. Wellbrink hat sich nie dagegen gesträubt,
er hat immer die Möglichkeit für das Vorankommen
gesehen. Schon als junger Technischer Offizier (TO)
hatte er den kurzfristig abwesenden Kompaniechef zu
vertreten.
Der Oberstleutnant erinnert sich an die Überraschung: "Mit
24 war ich Chef von 'Zweihundertundirgendwas' Leuten.
Ich wusste gar nicht, was ich getan habe..." In
Zusammenarbeit mit dem Kompaniefeldwebel hat er diese
Herausforderung gemeistert. In seiner Zeit habe er
sehr viele gute Vorgesetzte erlebt, erzählt Dr.
Welbrink, von jedem kann man was lernen.
Nach seinen Verwendungen in der Instandsetzungstruppe,
bot sich für Jörg Wellbrink die Möglichkeit
zu einem weiteren Studium. An der Naval Postgraduate School
im kalifornischen Monterey studierte er Operations Research.
Voraussetzung für diesen Studiengang ist ein naturwissenschaftliches
Studium, weshalb vorrangig Offiziere aus dem Instandsetzungsbereich
für diesen Studiengang vorgesehen werden. In anderen
Truppengattungen werden Offiziere auch mit sonstigen Studiengängen
angenommen. Nach der Rückkehr
aus den Vereinigten Staaten wurde Wellbrink in der Gruppe
Weiterentwicklung der Instandsetzungstruppe eingesetzt.
Dort stellte er recht schnell fest, dass es bei der Bundeswehr
Differenzen in der Abgrenzung zwischen modellgebundener
Simulation und Operations Research gibt. Wer in Operations
Research ausgebildet wurde, ist eher beratend und programmierend
tätig, verfügt aber nicht über Kenntnisse
aus dem Netzwerk- oder Hardwarebereich. Diesen Umstand
hat der Oberstleutnant dem vorgesetzten General der Instandsetzungstruppe
gemeldet und ihm Informationen aus Amerika weitergegeben.
Dort wurde damals nämlich ein Ausbildungsweg mit abschließender
Promotion eingerichtet. "Da habe ich beim besten Willen
nicht an mich gedacht, als ich empfohlen habe, es sollte
versucht werden, diesen Ausbildungsgang zu belegen",
beteuert Dr. Wellbrink. Und doch erinnerte man sich an
den Tippgeber. Der Oberstleutnant denkt zurück: "Etwa
ein Jahr später hat man mich angerufen und gefragt,
man hätte einen Lehrgangsplatz, ob ich dafür
Verwendung hätte." Klar hatte er die, so ging
er im Prinzip zum dritten Mal in ein Studium, das er mit
einem Doktor in modellgebundener Simulation abgeschlossen
hat. Darüber hinaus ist Dr. Jörg Wellbrink der
erste Absolvent mit einem Doktor in dieser Fachrichtung.
Zumindest
wenn
es nach der Naval Postgraduate School geht, denn auch eine
andere Schule beansprucht die Vergabe des ersten Doktortitels
für sich. "Dann bin ich aber immer noch der Zweite",
schmunzelt Dr. Wellbrink gelassen. Auf jeden Fall ist er
der erste Deutsche mit diesem Titel. Heute gibt es zwei
Doktoren in Deutschland in dieser Fachrichtung, beide sind
bei der Bundeswehr beschäftigt. Damit bestätigt
er seine eigene These, wenn man sich mit den Möglichkeiten
auseinandersetzt, kann man auch ganz neue Wege beschreiten.
In der letzten Ausbildung befasste sich der Offizier um
die Simulation von Denkweisen, die menschliche Denkweise übersteigen.
Er befasste sich damals auch mit Möglichkeiten des
Terrorismus. Für seine Doktorarbeit fand er einen
Weg, das Nachlassen der menschlichen Auffassungsgabe zu
Simulieren. In verschiedenen Experimenten erhob er Daten
von 50 Offizieren, mit denen er nach und nach das Computersystem
trainierte. "Dann wurde das System mit einer neuen
Aufgabe konfrontiert, ich habe also bewusst den Computer
dazu gebracht, Fehler zu machen", erklärt der
Oberstleutnant. |
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Umsetzung
findet diese Arbeit zum Beispiel an Radararbeitsplätzen: Dort
kommt es vor, dass
das Personal über Stunden den Monitor überwacht, das entscheidende
Blinken aber übersieht. Oder ein Anästhesist, der viele Anzeigen überwachen
muss, entscheidende Veränderungen aber übersieht.
Knapp zwei Jahre nach seiner Rückkehr aus den USA war Dr. Wellbrink
im neu entstehenden IT-Amt (Informationstechnologie) der Bundeswehr
als Referent für
modelgebundene Simulation tätig. Seit etwa einem Jahr ist er militärischer
Referent für die Leitung des Amtes tätig. Seine Aufgaben sind
in dieser Funktion vielfältig. Von der Bewertung militärischer
Vorgänge für die zivile Amtsführung, organisieren und optimieren
der Organisationsvorgänge, Controlling, Vorbereitung von Besuchen....
Dem Umfang seiner Aufgaben sind kaum Grenzen gesetzt. Aber vor solchen
Verwendungen hat sich der Soldat ja nie gescheut.
Gescheut hat er sich übrigens vor einem anderen neuen Weg nicht.
1990 ging er als einer der ersten Soldaten in die neue Bundesländer
und brachte sich bei der Aufstellung eines Instandsetzungsregiments
ein. 1990 hat der stolze Familienvater von vier Kindern übrigens
auch geheiratet. |
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Organisatorische Aufgaben bestimmen den derzeitigen Alltag von Oberstleutnant
i.G. Dr. Jörg Wellbrink. Fotos: Zeitter |
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langsam winkt ihm dann eine neue Aufgabe. "Verwendungsbreite hat
das Stichwort" betont der Generalstabsoffizier, der gespannt ist,
was das Personalamt für ihn bereit hält. Theoretisch Möglich
wäre durchaus auch eine Verwendung als Kommandeur, das würde
ihn wieder zurück in die Truppe bringen. "Das wäre nicht
das Schlechteste", meint der Oberstleutant und ergänzt: "Es
gibt aber eine Menge von Verwendungen, die ich mir gut vorstellen könnte." Wenn
es eine Versetzung ohne Umzug gäbe, wäre der Oberstleutnant
aber wohl auch nicht traurig. Das aktuelle Familienheim im Westerwald
würde er gerne noch etwas behalten. |
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