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 Mit vielen „Sechsern im Lotto“ zum Traumberuf
Bad Reichenhall (mp) [13.09.05]. Schon früh fällte er seine Entscheidung: Franz von Rennenkampff wollte zur Bundeswehr. Eine Verweigerung kam für ihn nicht in Frage. Ihm blieb, wie er rückblickend meint, eigentlich auch gar keine andere Wahl: „Als Offizierskind hatte ich sehr engen Kontakt zur Bundeswehr und war von Anfang an das „Zigeunerdasein“ gewöhnt“, erklärt der gebürtige Hannoveraner seine Bestimmung. Addiert man die ländliche und bäuerliche Prägung durch das Elternhaus, wundert man sich auch nicht darüber, wieso der Tierarzt seine Wahlheimat im Einsatz- und Ausbildungszentrum für Gebirgstragtierwesen im idyllischen Berchtesgadener Land, nämlich in Bad Reichenhall gefunden hat.
 Lebenslauf
 Oberfeldveterinär
 Dr. Franz von Rennenkampff
Portrait Dr. v. Rennenkampf
26. April 1957
Geburt in Hannover

1. Oktober 1976
Eintritt in die Bundeswehr
in Berchtesgaden-Strub

1. Oktober 1977
Versetzung an die Sanitätsakademie München (Studium der Tiermedizin)

1. April .1984 Versetzung als Veterinäroffizier zur Gebirgstragtierkompanie 230,
Bad Reichenhall
Beförderung zum Stabsveterinär

1987 Promotion
Ernennung zum Berufssoldat

1988
Beförderung zum Oberstabsveterinär

1990
Fachtierarzt für Pferde

1991 - 2003
Nebentätigkeit in der eigenen Pferde- und Kleintierpraxis

1995
Vorbereitungskurs für öffentlichen Veterinärdienst in Stuttgart

2001
Leitender Veterinär bei der Übung Bright Star ’01 in Kairo/ Ägypten

2002/2003
6. Einsatzkontingent KFOR als Leitender Veterinär der Multinationalen Brigade Südwest in Prizren (Kosovo)

1. April 2003
Versetzung zur Diensthundeschule der Bundeswehr in Koblenz als Kommandeur
Beförderung zum Oberfeldveterinär

1. April 2005
Versetzung zum Einsatz- und Ausbildungszentrum für
Gebirgstragtierwesen 230 in Bad Reichenhall als Kompaniechef und
Dienstellenleiter
Anfangs sah es für diese Karriere aber gar nicht so gut aus. Erst nach einer zweiten Untersuchung wurde ihm die Tauglichkeit für die „Edelweiß“-Truppe zugesprochen und so meldete er sich im Oktober 1976 zu seinem Grundwehrdienst in Berchtesgaden-Strub bei den Gebirgsjägern. „Ich hatte eigentlich nicht vor, eine Laufbahn bei der Bundeswehr einzuschlagen, aber meine Kameraden und Vorgesetzten waren so prägend, dass ich mich entschloss, Reserveoffizier zu werden“, beschreibt von Rennenkampff seine anfängliche Einstellung. Durch einen einfachen Flyer änderte sich alles: Darin wurde die Berufsausbildung zum Offizier beworben. Im letzten Abschnitt las er, dass er bei der Bundeswehr auch Tierarzt werden kann - sein Traumberuf, den er auf Grund des hohen Numerus Clausus bereits verworfen hatte.
Spontan bewarb er sich auf einen Studienplatz. „Ich wusste, dass es pro Jahr nur einen Platz gibt und war schon mit dem Maßband, das die letzten Tage zählte, unterwegs. Bis kurz vor Ende meiner Dienstzeit kam noch keine Antwort.“ Und dann kam sie gerade noch rechtzeitig. „Das war wie ein Sechser im Lotto“, schmunzelt von Rennenkampff, wissend, dass es nicht der einzige Glücksgriff bleiben würde. Die entsprechende Versetzung zur Sanitätsakademie in München folgte 1978. Er bekam eine Freistellung für das zivile Studium der Tiermedizin an der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) in München. „Der einzige Unterschied zu meinen Kommilitonen war, dass ich jeden Sommer einen roten Brief von der Einheit bekam, in dem ich daran erinnert wurde, mein Studium konsequent durchzuziehen“, erzählt er jovial. Die sommerliche Post verfehlte ihre Wirkung offensichtlich nicht: Pünktlich zum Ablauf der Regelstudienzeit machte er im Sommersemester 1984 sein Examen.
Auch privat hatte sich in der Zwischenzeit einiges verändert: Im Mai 1983 heiratete er seine Freundin Ellen. Ende des Jahres kam der erste, ein Jahr später der zweite Sohn zur Welt.
Doch wusste er nicht, was aus seiner Karriere werden sollte: Seine alte Einheit gab es nicht mehr. Da erfuhr er von einer neu eingerichteten Stelle in Bad Reichenhall. Als junger Leutnant trat er nun seine Aufgabe als Veterinäroffizier in der damaligen Gebirgstragtierkompanie an und wurde wenig später zum Stabsveterinär befördert. Zu seinen Aufgaben zählte die tierärztliche Versorgung von Tragtieren, kurative Prophylaxe, die Fachaufsicht über den Hufbeschlag, Tierhaltung, -fütterung und -schutz. Als Leiter des Veterinärtrupps war er zudem für die Ausbildung von Soldaten im Umgang mit Tieren zuständig. Er war die rechte Hand des Kompaniechefs.
1987 promovierte Franz von Rennenkampff an der LMU. Für seine Dissertation über Maultiere erwies sich der Standort Bad Reichenhall als geradezu prädestiniert. Parallel zu seinen Untersuchungen für die Doktorarbeit absolvierte der Veterinär die „Heereseinheitliche Taktische Weiterbildung“ (HTW), deren gutes Ergebnis wohl die Aufmerksamkeit des Personalamtes in Bonn erregte: „Trotz vollen Jahrgangs habe ich mich als Berufssoldat beworben und tatsächlich schon wieder den Sechser gehabt und die Stelle bekommen“.
1990 absolvierte er seine Prüfung zum Fachtierarzt für Pferde. „Das war mir wichtig, um auch hier in Reichenhall bleiben zu können“, erläutert er, „der „normale“ Bundeswehrtierarzt wird ansonsten in Sanitätskommandos oder Zentralinstituten zur Tierseuchenbekämpfung und Lebensmittelhygiene eingesetzt.“
Auch familiär bemühte er sich um „Standortsicherung“. Mit dem Hausbau 1989 und der Geburt der Söhne „drei“ bis „fünf“ legte sich die Großfamilie schon recht genau fest, wo sie ihre Zukunft verbringen wollte. „Da hatte ich dann sprichwörtlich alles erreicht“, scherzt er, „ein Haus gebaut, einen Baum gepflanzt und (mindestens) einen Sohn gezeugt.“ Im Rahmen des „Nebentätigkeitserlasses“ eröffnete der Tierarzt eine Pferde- und Kleintierpraxis. Abends tauschte er nun seine Flecktarn-Uniform gegen den Arztkittel.
Um sich beruflich zu verbessern, besuchte der Veterinär Mitte der neunziger Jahre den Vorbereitungskurs für den öffentlichen Dienst, welcher der zivilen Ausbildung zum Amtstierarzt entspricht. „Diese Ausbildung ist gerade für die Auslandseinsätze wichtig, da die Bundeswehr ja dort öffentlich-rechtliche Aufgaben wahrnimmt“, erklärt er die Bedeutung dieser Ausbildung.
Operation eines Tragtieres Auch Operationen gehören zu den Aufgaben des Veterinärs. Foto: privat
Auch als Truppenoffizier verfügte er mittlerweile über reichlich Erfahrung. Durch Vertretung in Leitungspositionen der Gebirgsjägerbrigade erlernte er auch den Umgang mit der Arbeit der „Bürohengste“.
Absprache zwischen Kompaniechef und Kompaniefeldwebel Die Verwendung als Disziplinarvorgesetzter bringt viele administrative Aufgaben zu denen des Veterinärs. Der "Spieß" ist da eine große Unterstützung. Fotos: Pfohl
Das Familienglück wurde mit der Geburt der ersten Tochter im Jahr 1997 perfekt. Aber mit dem Einsatzbefehl als leitender Veterinär bei der Übung Bright Star 2001 in Ägypten stand auch schon die nächste berufliche Herausforderung und seine Feuertaufe als öffentlich-rechtlicher Hygieniker ins Haus. Bei dieser Übung, wie auch zwei Jahre später im Kosovo-Einsatz in Prizren, war er hauptsächlich für die Küchenhygiene und die Verhinderung der Einführung von Tierseuchen zuständig. „Für den KFOR-Einsatz im sechsten Kontingent habe ich mich freiwillig gemeldet, da damals die Notwendigkeit erkannt worden war, dass wir auch auf dem Balkan die Tragtiere brauchen.“
Sein Einsatz wurde allerdings verkürzt, da auf ihn zu Hause eine neue Aufgabe wartete. Zum ersten Mal sollte es nun weg gehen aus Bad Reichenhall. Zum ersten Mal weg von der Familie. Er wurde zum Kommandeur der Diensthundeschule der Bundeswehr in Koblenz ernannt, wobei ihm seine Erfahrungen als Truppenoffizier in dieser Führungsverwendung sehr zu Gute kamen. Zwei Jahre leitete er die Schule und bezeichnet die Zeit als „hochinteressante Tätigkeit“. Vor allem die Arbeit mit „der Materie Hund“ gefiel ihm.
Im Zuge der Kommandeursstelle kam die Beförderung zum Oberfeldveterinär, aber gleichzeitig auch die Schließung der Praxis und der Abschied vom heimischen Berchtesgadener Land.
Von Rennenkampff kann nicht verhehlen, dass er sich sehr darüber gefreut hat, als ihn die Bundeswehr im April 2005 zurück nach Bad Reichenhall rief. Der Chef „seiner“ alten Kompanie stand vor der Pensionierung und überließ seinen Posten dem Wahl-Bayer.
Hier befehligt er nun an vertrauter Stelle 140 Soldaten sowie 54 Maultiere und Pferde. „Die Rückkehr war ein weiterer Sechser im Lotto und ein dreifaches Nach-Hause-Kommen: zur Familie, zur Einheit und zu den Tieren“, die ihn zum Teil sogar wieder erkannt haben.
Dr. v. Rennenkampff vor dem Misthaufen der Tragtierkompanie
In seiner Kompanie darf auch ordentlich Mist gemacht werden.
im Operationssaal auf dem Fahrrad mit einem der Tragtiere
Mit guter Ausrüstung kann der Oberfeldveterinär für die vierbeinigen Kompanienagehörigen da sein. Für einen Ausritt darf es auch der "Drahtesel" sein. Dr. von Rennenkampff mit einem seiner Kompanieangehörigen.
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