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 "Personalführung ist Dienstleistung"
Müllheim (uz) [01.05.06]. Die Aufgaben eines S1-Offiziers sind vielfältig. Im Führungsgrundgebiet 1 geht es um alle Fragen, die mit dem Personal zu tun haben. Hauptmann Andreas Verführt ist als S1-Offizier bei der Deutsch-Französischen Brigade im südbadischen Müllheim tätig. Zusammen mit dem S1-Stabsoffizier kümmert er sich um den deutschen Anteil des Brigadepersonals - rund 3000 Soldaten in drei Standorten sind es zur Zeit, das Personal der Brigade wird dabei unmittelbar geführt. Auf seinem Schreibtisch landen Versetzungs- und Verpflichtungsgesuche ebenso, wie Aufgaben der Nachwuchswerbung und die Personalplanung, die Auszeichnung von Soldaten mit Orden, Reservistenarbeit und nicht zuletzt auch die Bearbeitung von Beschwerden und Eingaben, die gemeinsam mit dem Rechtsberater wahrgenommen wird. Nur einige Punkte aus dem weiten Feld, in dem Hauptmann Verführt Kompetenz zu zeigen hat. "Man muss sich eigentlich täglich darum kümmern, dass man mit veränderten Verfahren und Verordnungen auf dem Laufenden bleibt", erzählt der Offizier, der seine Aufgabe als Dienstleistung sieht. "Wenn ich zurückdenke, als ich noch in den 'Niederungen der Dienstgrade', wie ich das einmal nennen möchte, war, habe ich das nicht als einen Arbeitsvorgang empfunden", blickt Verführt zurück. Öfter hat er erlebt, dass Soldaten mit einem Antrag aus dem Geschäftszimmer seiner Kompanie geworfen wurden. "Das war eben ein eingeschworener Haufen, heute wäre das undenkbar", beschreibt er die Entwicklung der Personalarbeit. Bei ihm erleben die Soldaten der Brigade entsprechend auch ein anderes Bild. "Meine Tür steht immer offen und wenn jemand zu mir kommt, bekommt er, im schlimmsten Fall nach kurzer Wartezeit, einen Rat", betont der Personaloffizier. Viele Soldaten aus seinem Bereich nehmen das Angebot aber nicht oder zu spät an. Wichtig ist ihm vielleicht gerade deshalb, dass er Kontakt in den unterstellten Bereich halten kann. Oft macht ihm dabei aber die Zeit und das Arbeitspensum einen Strich durch die Rechnung. Dazu kommt, dass Besuche in den beiden anderen Standorten der Brigade, Donaueschingen und Immendingen, eine unangenehme Reise durch den Schwarzwald mit dem Höllental erfordern. Trotzdem werden an den Standorten der Brigade regelmäßig Gesprächstermine mit den Unteroffizieren geführt. Ebenso regelmäßig werden natürlich auch die Kompaniechefs und Kompaniefeldwebel (Spieß) eingehend beraten, um Soldaten optimal färdern zu können.
 Lebenslauf
Hauptmann
Andreas Verführt
Portrait Andreas Verführt
26.Juli1966
geboren in Duisburg

4. Januar 1988
Diensteintritt zur Allgemeinen Grundausbildung bei der
Nachschubausbildungskompanie 14/1, Lüneburg

1. April 1988
Versetzung zur Panzerjägerkompanie 80, Lüneburg
Verwendung als:
-Munitions- und Betriebsstoffwart
-ABC- und Selbstschutz Geräteunteroffizier
-Versorgungsdienstfeldwebel

1. Januar 1995
Versetzung als S4 (Logistik/Nachschub) - Feldwebel zum
Instandsetzungsregiment 1, Rotenburg (Wümme)

1. Oktober 1996
bis 30. September 1999
Ausbildung zum Offizier des Militärfachlichen Dienstes und
staatlich anerkannten Erzieher in Darmstadt

1. Oktober 1999
Versetzung als S1 (Personal)-Offizier zum
Instandsetzungsbataillon 11 in Delmenhorst

März - September 2002
Sprachenausbildung beim Bundessprachenamt in Hürth

1. Oktober 2002
Versetzung als S1-Offizier zum deutsch/französischen Ausbildungszentrum für den Kampfhubschrauber "Tiger" in
Le Luc (Südfrankreich)

seit 1. Juli 2005
Personaloffizier der Deutsch-Französischen Brigade in Müllheim (Baden)
Die Richtung, die Andreas Verführt beruflich eingeschlagen hat, war dabei ursprünglich eine ganz andere: Nach dem Abitur wurde er zur 15monatigen Wehrpflicht eingezogen. Nach der Grundausbildung wurde er bei der Panzerjägerkompanie 80 in Lüneburg im Bereich Logistik und Nachschub, dem Führungsgrundgebiet 4, eingesetzt. Während dieser Zeit hat er sich intensiv um einen zivilen Ausbildungsplatz beworben. "Damals herrschte wohl bei den Unternehmen die Meinung vor, dass ein Abiturient, der sich um eine Lehrstelle bemüht, nur zu faul zu einem Studium sei", blickt er zurück. Aus 90 Bewerbungen hatte er nur zwei Angebote erhalten. Als er die dann mit seiner damaligen Verwendung als Wehrpflichtiger in der Bundeswehr-Logistik verglichen hatte, musste er feststellen, dass er eigentlich in einem Umfeld arbeitet, das ihm sehr gut gefiel und wo er sich wohlfühlte. So entschied er sich, sich erst einmal auf vier Jahre zu verpflichten.
Später bot sich die Möglichkeit, Feldwebel zu werden und so ergab ein Schritt den anderen, bis er Berufssoldat wurde. Damals entschied sich Andreas Verführt zum Wechsel in die Laufbahn der Offiziere des militärfachlichen Dienstes. Die dazugehörige Ausbildung in Darmstadt schloss er als staatlich anerkannter Erzieher ab. Der Laufbahnwechsel brachte dann aber auch den Wechsel des Führungsgrundgebietes mit sich. Die Dienstposten für Offiziere im S4-Bereich reichten für die Bewerber nicht aus, so dass ihm die Rückkehr in die Ursprungsverwendung verwehrt blieb. "Es ist üblich, dass man im Antrag an erster Stelle seine Wunschverwendung angibt und zum Ausweichen eine Verwendung nennt, in der es bekannter Maßen einen höheren Personalbedarf gibt, mit der man aber auch 'leben' kann", schmunzelt Verführt. Das Prinzip des militärfachlichen Dienstes ist es aber eigentlich, dass man als Offizier auf die Erfahrungsbreite aus der Dienstzeit als Feldwebel zurückgreifen kann. Eine Möglichkeit, die Andreas Verführt verwehrt blieb. "Ich stand bei meiner ersten Verwendung unter dem Druck, möglichst viel Wissen in möglichst kurzer Zeit aufzuholen", blickt der Hauptmann zurück. Dennoch ist er glücklich, in diesem Verwendungsbereich gelandet zu sein und ergänzt: "Ich möchte auch gar nichts anderes machen."
Wenn er einmal von den Erfahrungen in seiner ersten Einheit absieht, hat er auch keine Punkte, die er unbedingt anders machen möchte, als seine bisherigen Personalführer. Im Gegenteil: Viele seiner Kameraden, von denen er gelernt hat, sind Vorbild für ihn geworden und an die, die er in seiner Anfangszeit als Personaloffizier erlebt hat, erinnert er sich oft: "Jetzt wo ich selbst in der Position stehe und vergleiche, denke ich oft, 'das ist doch bemerkenswert, wie der das damals gemacht hat'", gibt Hauptmann Verführt zu.
Eine erneute Veränderung hat er dann mit einer Versetzung nach Südfrankreich erfahren. Als erster S1-Offizier leistete er im deutsch-französischen Ausbildungszentrum für den Kampfhubschrauber "Tiger" wirkliche Pionierarbeit: "Ich habe eine Dienststelle neu aufgebaut, die es vorher nicht gab, dort wurde mit einem Waffensystem gearbeitet, das es vorher auch noch nicht gab, also etwas wirklich ganz Neues!"
Andreas Verführt hatte hier die Möglichkeit seinen Arbeitsbereich zu 100% vorschriftenkonform aufzubauen. Was allerdings gar nicht so einfach ist, wie er zugeben muss, denn auch die Rahmenbedingungen müssen beachtet werden, nicht immer lassen sich die mit den Vorschriften so perfekt vereinbaren. Eine Hauptaufgabe in dieser Zeit war die Betreuung und Fürsorge. Oft mussten Familien der Lehrgangsteilnehmer mit untergebracht werden und das komplette Betreuungskonzept musste erst einmal erarbeitet werden. Direkte Personalbearbeitung wurde fast zur Nebensache.
Dazu kam eine ganz neue Erfahrung: "Ich arbeite als 'Ausländer' in einem fremden Land." Für Verführt eine besondere Herausforderung, die er sowohl privat, wie auch dienstlich nicht missen möchte. "Wobei", so ist sich der Offizier sicher, "die multinationale Zusammenarbeit mit den Sprachkenntnissen steht und fällt, denn nur wenn ich die Sprache spreche, kann ich auf die Menschen zugehen." Täglich hat man sich in einer solchen Verwendung mit den Sitten, Gewohnheiten, Sprachen und auch Gesetzen des Landes auseinanderzusetzen. Und er hat am Ende dieser Verwendung eine neue Erfahrung mit zurück nach Deutschland genommen: "Jetzt kann ich auch nachvollziehen, wie sich Gäste in unserem Land fühlen."
Alles in allem war Andreas Verführt von dieser neuen Erfahrung sehr angetan. Die Versetzung als Personaloffizier in die Deutsch-Französische Brigade war also sehr willkommen, nicht nur wegen der damit verbundenen Beförderung zum Hauptmann.
" Bei mir ist bisher alles so gelaufen, wie ich mir das vorgestellt habe", zieht Verführt eine Zwischenbilanz seiner Dienstzeit und ergänzt: "Ich bin 100% dienstzufrieden". In seiner Laufbahn habe er auch viele interessante Nebenverwendungen gehabt, berichtet der Hauptmann, beispielsweise war er als S1-Offizier im "Nebenamt" auch Presse- oder Jugendoffizier. Selbst der ungeplante Wechsel des Führungsgrundgebietes sei aus heutiger Sicht richtig gewesen. - Wobei einen großen Wunsch hegt er noch: ein weiterer Laufbahnwechsel zum Offizier des Truppendienstes. Die Entscheidung steht im kommenden Jahr an, "wenn das klappt, hat sich für mich alles erfüllt, was ich mir gewünscht habe", betont der Hauptmann.

Für die Soldaten der Brigade immer ansprechbar: Hauptmann Andreas Verführt versteht seinen Job als Personaloffizier als Dienstleistung.
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