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 "Mit dieser Verwendung hat sich ein Kindheitstraum erfüllt"

Die Homburg: Ein Minenjagdboot der "Frankenthal-Klasse"..
Olpenitz (uz) [21.04.06]. Lucas Fuckerirer hat zur Zeit den Job, den er sich als Kind erträumt hat: Der Kapitänleutnant ist Kommandant des Minenjagdbootes „Homburg“. Schon in seiner Kindheit wollte er zur See fahren. Seine Eltern haben diese Leidenschaft gefördert. Sie "versorgten" ihn mit Büchern und Modellbausätzen. Dennoch hatte er Zweifel, diesen Werdegang einzuschlagen: "Ich war lange hin und her gerissen, ob ich das wirklich machen soll", gesteht der Offizier. Als er im Sommer 1995 seine Bewerbung zum Marineoffizier auf den Weg brachte, ging es ihm vor allem darum, dass er nicht irgendwann bereuen muss, es nicht versucht zu haben. Noch bevor er an der Offizierbewerberzentrale (OPZ) geprüft werden konnte, wurde er zum Wehrdienst eingezogen. Er absolvierte seine Allgemeine Grundausbildung auf Sylt und wurde hinterher im Standortsanitätszentrum in Kiel eingesetzt. Erst im Februar 1996 konnte er vor der OPZ seine Tauglichkeit beweisen und zum 1. Juli des selben Jahres mit einer Offiziersausbildung beginn en.br Es folgte die Offiziersgrundausbildung inklusive der Schulungen auf dem Segelschulschiff "Gorch Fock". In seiner Zeit als Seekadett war Lucas Fuckerirer auf der Fregatte "Bremen" im Dienst. Mit diesem Schiff absolvierte er auch eine Ostasienreise.
 Lebenslauf
Kapitänleutnant
Lucas Fuckerirer
Geburtsjahr 1976

4. Oktober 1995
Diensteintritt
Allgemeine Grundausbildung Sylt

1. Januar 1996
Versetzung in das Standortsanitätszentrum Flensburg

Februar 1996
Offiziersprüfung

ab 1. Juli 1996
Ausbildung zum Offizier

Oktober 1997 - 2001
Studium an der Universität der Bundeswehr in Hamburg

Juli 2002
Versetzung auf die "Ensdorf"

Februar bis April 2003
Verwendung als Zugführer Marinesicherungsbataillon

anschließend:
weitere Verwendung auf der "Ensdorf"

2004
Teilnahme am deutsch-polnischen Offizieraustausch

ab 1. Oktober 2004
1. Wachoffizier auf der "Pegnitz"

August 2005
Kommandantenprüfung

seit 20. Januar 2006
Kommandant der „Homburg“
Im Oktober 1997 nahm er an der Universität der Bundeswehr in Hamburg sein Studium der Geschichte auf. Seine Praktikumsphasen zwischen den Trimestern des Studiums führten ihn auf die Boote der Minenstreitkräfte.
Nach dem Studium absolvierte er seine Fachausbildung für den operativen Dienst. Sein Schwerpunkt war die Minenkriegsführung, damit erwarb er die Qualifikation als Sperrwaffenoffizier. Die sogenannte A-wertige Ausbildung, die er damit durchlaufen hatte, ist für Offiziere - für Stabsoffiziere baut darauf dann die sogenannte B-wertige Ausbildung auf.
Klar war damit auch, dass die Minenstreitkräfte seine weitere Laufbahn bestimmen. 2003 trat er als 3. Wachoffizier (WO) seinen Dienst auf dem Hohlstablenkboot "Ensdorf" an.
Die folgende Verwendung setzte Lucas Fuckerirer förmlich auf das Trockene. Als Zugführer war er von Februar bis April 2003 bei einem Marinesicherungsbataillon im bayerischen Hohenfels tätig. Schon bald konnte der Offizier aber wieder seine Freude an der Seefahrt ausleben. Als 2. WO ging es zurück auf die "Ensdorf". Nach einem deutsch-polnischen Offizieraustausch im Jahr 2004 winkte Lucas Fuckerirer die nächste Verwendung: Er wurde 1. Wachoffizier auf der "Pegnitz", die ebenfalls ein Hohlstablenkboot der "Ensdorf-Klasse“ ist.
Der Verantwortungsbereich von Lukas Fuckerirer: Ein Boot der "Frankenthal-Klasse".
Im August 2005 zeichnete sich bereits die nächste Stufe auf der Karriereleiter ab: Kapitänleutnant Fuckerirer wurde zur Kommandanten-Prüfung berufen. Der Kommandeur legt dafür die Teilnehmer fest. "Es wird das praktische Können bewertet und auch Fragen wie 'wie geht er mit dem Boot oder dem Personal um‘ spielen eine Rolle und dann zeichnet sich wohl ab, das könnte ein Kandidat sein", erzählt Fuckerirer. Er hatte offensichtlich die Kriterien als Prüfungskandidat erfüllt. In der Prüfung wartete dann eine fünf- bis sechsstündige Klausur auf den Offizier. Dabei wurden alle Bereiche geprüft: Taktik, Logistik, Sanität und natürlich auch disziplinare Themen. Der genaue Ablauf der Prüfung obliegt immer dem Kommandeur der entsprechenden Flottille. In diesem Fall war kein praktischer Teil verlangt.
Am 20. Januar 2006 übernahm er das Kommando über das Minenjagdboot "Homburg", ein Boot der "Frankenthal-Klasse“. Derzeit ist er mit 30 Jahren der jüngste Kommandant in der Flottille. Übrigens, ohne, dass er bislang eine B-wertige Ausbildung durchlaufen hat.

Kommandant an Bord...
"Als Kommandant schau ich in alle Bereiche mal rein" erzählt Lucas Fuckerirer, betont aber, dass er kaum eingreifen müsse, weil er eine sehr gute Mannschaft hat: "Ich kann mich auf keinen Fall beschweren." Seine Aufgaben sind dabei delegieren und überwachen - führen eben, wie es militärisch üblich ist, bei so einer Besatzung keine allzu aufreibende Tätigkeit. An einem "normalen" Arbeitstag im Stützpunkt, steht Organisation und Ausbildung im Vordergrund. Der 1. WO arbeitet dem Kommandanten Unterlagen vor und auf, so dass im Normalfall nur noch Unterschriften zu leisten sind. Wenn das Boot im Hafen liegt, nimmt der Kommandant an den Lagebesprechungen im Stab teil. Dabei werden auch anstehende Fahrten und größere Übungs- oder Werftvorhaben abgestimmt. Nach der Dienstzeit ist das Boot im Stützpunkt meist bis auf die Wache verlassen. Die Zeit- und Berufssoldaten aus der 42köpfigen Mannschaft machen sich auf den Heimweg - natürlich auch der Kommandant, als frischgebackener Familienvater. Alle, die nicht nach Hause fahren, können an Bord oder im Stützpunkt übernachten.
Doch Lucas Fuckerirer hat sich für diesen Beruf natürlich entschieden um auf See zu sein: "Ich freu mich über jeden Tag auf See", schwärmt der Kapitänleutnant. Dann ist der Kommandant sein eigener Herr und kann sich auch intensiv seinem Ausbildungsauftrag widmen. Aber die Seetage sind auch mit höheren Belastung verbunden. "Es ist schon eine gewisse Bürde, die man eben mit der Verantwortung, für alles, was an Bord passiert, trägt", berichtet der Kommandant, lässt aber auch keinen Zweifel daran, dass er die gerne trägt. Ihm ist bewusst, dass er auf See mit seinen Entscheidungen allein ist. Manchmal fühlt er sich da wie im bekannten Film: "Einsame Entscheidung".
Verantwortung trägt der Kommandant auch für besondere Spezialisten auf seinem Boot, denn die "Homburg" verfügt wie alle Boote der "Frankenthal-Klasse“ über Taucher. So stimmt er auch seine Ausbildungsfahrten auf alle Bedürfnisse ab. Sie kann er nach Abstimmung selbst ansetzen, um seinen Tauchern entsprechende Tauchgänge zu ermöglichen, aber auch um Wehrpflichtige einzuarbeiten und seine Mannschaft zu schulen. Wie auch seine Kameraden auf anderen Booten legt er einen großen Wert auf den Einsatz der Pflichtdienstleistenden: "Die sollen keine bessere Hilfs- oder Reinigungskraft sein, oder einfach mal Kaffee auf die Brücke bringen, sondern auch Spaß bei ihrer Aufgabe haben", betont Fuckerirer.
Je nach Einsätzen oder Aufträgen sind die Boote auch deutlich mehr als 200 Tage im Jahr auf See, in diesem Jahr werden es für die Homburg wohl „nur“ rund 120 Tage. Im kommenden Jahr steht die Crew nur rund die Hälfte auf dem Dienstplan, die Homburg wird in der Werft überholt. Das heißt für die Männer aber keinesfalls „Freizeit“, denn die Homburg muss auch dort bewacht werden. Je nach Ort der Überholung heißt dies eine hohe Fahrleistung, und zwar auf der Straße. Abgesehen davon ist es in den Werften meist nicht möglich, sich auf der Baustelle, zu der das eigene Boot geworden ist, aufzuhalten. Es werden eher spartanische Baucontainer bewohnt. Oft wird in dieser Zeit auch Personal abgezogen, um Lücken auf anderen Booten zu schließen, meist ohne Rückkehr.... Der Werftzeit sieht der Kapitänleutnant eher skeptisch entgegen.
Wenn die Homburg sonst den Heimathafen Kiel verlässt, ist das Einsatzgebiet überschaubar. Die Ostsee und Nordsee sind die Einsatzgebiete, für die die Boote konzipiert wurden. Aber auch im Mittelmeer gehören die Minenjagdboote inzwischen zu den regelmäßigen Besuchern.
" Dieser Dienstposten erfüllt meinen Kindheitstraum", strahlt Kapitänleutnant Fuckerirer. Für etwa zwei Jahre wird er dieses Boot befehligen und er hofft, dass er ein wenig über diese Zeit hinaus auf dem Dienstposten bleiben kann. Und was kann ihm die Bundeswehr dann bieten? "Ich hoffe, dass ich danach irgendwann noch einmal Kommandant auf einem Boot werde", sinniert der Offizier. Gerne würde er nochmals auf einem Hohlstablenkboot fahren. Doch der weitere Werdegang ist offen und kann ihn auch durchaus an einen Schreibtisch führen, mit etwas Glück einen mit Seesicht...
Vielleicht wird sich der Kapitänleutnant auch auf die Inhalte seines Studiums konzentrieren. Eine Promotion ist durchaus auch etwas, was er sich für die Zukunft vorstellen kann. Auch als Historiker gibt es Verwendungsmöglichkeiten bei der Bundeswehr, einen Vorgeschmack gab es bereits: Im Januar 2005 war er bereits der Vortragende bei der Historisch-Taktischen Tagung der Flotte.
Zur Fahrt auf zivilen Schiffen berechtigt die Ausbildung bei der Marine übrigens nicht, dafür wäre eine etwa zweijährige Zusatzausbildung notwendig. Das liegt nicht daran, dass die Ausbildung bei der Marine schlechter ist, es ist einfach nur etwas völlig anderes. "Wenn wir uns zum Beispiel im Nord- Ostseekanal mit Lotsen unterhalten, merken wir schon, dass wir uns nicht verstecken müssen", erzählt der Kommandant. Ein Wechsel kommt für Lucas Fuckerirer natürlich nicht mehr in Frage, er ist Berufssoldat.

Das Boot im Griff: Auf dem Kapitänleutnant lastet die Verantwortung für das Geschehen an Bord. Fotos: Zeitter
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