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Die Extreme kennen gelernt |
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Kiel/Harrislee (uz) [07.12.08]. Mit U-Booten wollte Sven Kasimir
fahren, als er sich nach dem Abitur entschloss, zur Bundeswehr zu
gehen. Damals wurden erstmals auch
Soldaten in der Laufbahn der Mannschaften für diesen Dienst zugelassen.
Für Kasimir ein guter Grund sich freiwillig für einen 23monatigen
Wehrdienst zu melden. Eine Erfahrung, die Gold wert ist,
wie Kasimir rückblickend
erzählt, auch wenn er mit einem gewissen romantischen Blick bei der
Marine angetreten sei, der sehr schnell ernüchtert wurde. |
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Lebenslauf |
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Kapitänleutnant
Sven Kasimir |
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am 21. April 1977 in Rathenow geboren
1996 Abitur
1. Oktober 1997
Allgemeine Grundausbildung an der Marinewaffenschule in Eckernförde
(freiwillig länger Dienender W23)
anschl. U-Bootlehrgang in Eckernförde
Februar – Herbst 1997
Sonar-Bediener auf U 23
dabei Antrag auf Übernahme zum Offizier
Dezember 1997
Ausbildungsfahrt auf dem Segelschulschiff „Gorch Fock“
anschließend Offizierlehrgang
1998 – 2002
Studium der Pädagogik an der Universität der Bundeswehr
(Helmut-Schmidt-Universität) in Hamburg
2002-2006
Verwendungen als Fernmeldeoffizier und Navigationsoffizier an Bord
des Tender „Donau“ in Rostock-Warnemünde
seit 2006
Jugendoffizier in Husum |
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Schnell fasste er den Entschluss, sich für die Laufbahn
der Offiziere zu bewerben, immer noch mit dem Ziel, weiterhin
auf U-Booten zu fahren, wo er als Sonar-Bediener tätig
war. Seinem Antrag wurde entsprochen und nach nur neun
Monaten an Bord von U23 absolvierte er die Ausbildungsreise
auf dem Segelschulschiff „Gorch Fock“, die
für Offizieranwärter obligatorisch ist. Nach
dem Offizierlehrgang studierte Kasimir an der Universität
der Bundeswehr in Hamburg Pädagogik. Hier entschloss
er sich auch, eine neue Richtung einzuschlagen. Seine ersten
Verwendungen durchlief er an Bord des Tenders „Donau“ als
Fernmelde- beziehungsweise Navigationsoffizier. „Das
war ein ganz anderes Fahren“, beschreibt Kasimir
die Extreme, die er durch den Wechsel erfahren hat und
ergänzt: „Auf einem Tender herrscht für
Bundeswehr-Verhältnisse vermeintlich ein gewisser
Luxus.“
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Kapitänleutnant Sven Kasimir steht im öffentlichen Interesse.
Fotos: Zeitter |
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Als das Ende seiner Bordverwendungen in Sicht kam, befasste
sich Kasimir mit einer Verwendung im Bereich der Presse-
und Öffentlichkeitsarbeit. Sein Kommandant, der
in einer früheren Verwendung ebenfalls Jugendoffizier
war,
empfahl ihm dieses Aufgabenfeld. „Ursprünglich hatte ich da auch eine
ganz falsche Vorstellung von der Aufgabe“, räumt Kapitänleutnant
Kasimir ein. Dennoch fasste der Offizier eine solche Verwendung ins Auge. Die
Voraussetzungen für den Dienstposten erwarb er in einem mit heißer
Nadel gestrickten Programm. „Meinen Grundlehrgang habe ich noch knapp vor
einer längeren Seefahrt absolvieren können“, erzählt Kasimir. |
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Trotz der Eile hat er damals
das so genannte Votum bekommen, das die Voraussetzung
für eine hauptamtliche Tätigkeit als Jugendoffizier ist. Inzwischen
ist er längst der Faszination der Öffentlichkeitsarbeit erlegen. Als
Jugendoffizier, so findet Sven Kasimir, sitzt man an einer tollen Schnittstelle
zwischen der Bundeswehr und der Öffentlichkeit. Der Jugendoffizier gilt
als Fachmann für Themen der Sicherheitspolitik. Dementsprechend steht er
als Referent zur Verfügung. Vor allem in Schulen ist er ein willkommener
Referent in Politik- und Gemeinschaftskundeunterrichten. Doch in seinem „Einsatzplan“ finden
sich durchaus auch außergewöhnliche Gruppen. Unweit der dänischen
Grenze war er beispielsweise kürzlich zu Gast bei einem Gruppenabend von
Pfadfindern. Kapitänleutnant Kasimir erzählt von der Bundeswehr, ihren
Aufgaben und politischem Hintergrund zu den Auslandseinsätzen. Aber auch
auf alle anderen Fragen rund um die Streitkräfte hat er eine Antwort parat.
Für die Jugendlichen eine Wissensbereicherung und für den Jugendoffizier
auch. Er lernt, dass die Kleidung der Pfadfinder keine Uniformen, sondern eine
Kluft sind. Auch, dass es keine Dienstgradabzeichen bei den Pfadfindern gibt.
Dennoch erkennt der Soldat Parallelen und das Eis zwischen ihm und seinem Publikum
schmilzt im Gespräch über Uniform und Kluft schnell.
Schon wenige Stunden später schaltet Sven Kasimir um. Beim Tag des offenen
Landeshauses in Kiel steht er als Ansprechpartner im Zelt der Bundeswehr Rede
und Antwort. Seine Aufgabe ist abwechslungsreich und interessant, wie er findet.
Zudem bietet die Aufgabe ein Höchstmaß an Flexibilität. „Bei
mir ist es oft so, dass der Chef anruft, wann ich Zeit für ihn habe“,
erzählt der Jugendoffizier. Nicht nur bei der Bundeswehr eine ungewöhnliche
Arbeits-Konstellation. Er ist sich bewusst, dass er für diesen Vertrauensvorschuss
seiner Vorgesetzten auch eine große Verantwortung trägt. |
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Der Jugendoffizier vor Publikum: Die außergewöhnlichen Termine, wie hier
bei Pfadfindern, sind es, die Sven Kasimir besonders gerne wahrnimmt. |
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Sein Betreuungsbereich in Husum
ist nebenbei einer der schönsten, den es unter den knapp 100 Regionen
der Jugendoffiziere gibt. Wenn ihn seine Schuleinsätze auf eine
der Halligen an der schleswig-holsteinischen Westküste führen,
ist seine Arbeit regelmäßig mit einer kleinen „Kreuzfahrt“ verbunden.
Alle Orte in seinem Einsatzgebiet kann der Kapitänleutnant innerhalb
von
einer halben Stunde mit dem Auto erreichen. Auch das ist nicht alltäglich
für einen Jugendoffizier. Kasimir ist sich im Klaren darüber, dass
ihn der eine oder andere Jugendoffizier schon um seinen Einsatzbereich beneidet.
Seine Arbeit hat aber noch viele positive Aspekte mehr für Sven Kasimir.
Auch wenn er als Berufssoldat unter den Jugendoffizieren eher eine Ausnahme ist,
sieht er gerade diese Verwendung durchaus als Sprungbrett oder zumindest wichtigen
Meilenstein für kommende Aufgaben. Wichtig ist für ihn auch die Horizonterweiterung,
eine Verwendung in der Streitkräftebasis gebe ihm einen schönen Überblick über
die Bundeswehr, betont Kasimir. Als lebendige Schnittstelle zwischen der Bundeswehr
und der Öffentlichkeit gehören aber auch wichtige Kontakte und Termine
an der „Cocktail-Front“ zu seinen Aufgaben. |
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Der Jugendoffizier im Einsatz, auch persönliche Erfahrungen sind gefragt. |
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Der Nachteil der hohen Zeitbelastung
fällt für Sven Kasimir nicht ins Gewicht. Seinen Job macht
er mit Leib und Seele und auch den Termin am Freitagabend bei den Pfadfindern
nahm er mit einer gehörigen Portion Neugier gerne in seinen Terminplan
auf. Das ist es für ihn, was die Verwendung als Jugendoffizier ausmacht.
Auch wenn er dafür seltener ins heimatliche Rathenow kommt. Auch
seine Hobbys stehen zurück. Bei seiner Vorstellung im Kreis der
Pfadfinder
zeigt er ein Motorrad. Es gehöre seiner Schwester, räumt er ein, er
dürfe aber ab und zu damit fahren, denn ein eigenes, so erzählt er,
lohne sich einfach nicht.
Berührungsängste nimmt der Kapitänleutnant keine wahr. Viele Menschen
freuen sich, Uniformierte zu sehen, wie er sagt. Und über unterschiedliche
Sichtweisen diskutiert Kasimir gerne. Unter den Schulen, die er besucht, hat
er durchaus „Stammkunden“. Auf dem Dienstposten bleibt ein Jugendoffizier
normalerweise rund drei Jahre. Für die meisten seiner Kameraden ist die
Verwendung die letzte in der Dienstzeit. Für Sven Kasimir geht es mit ein
wenig Glück hinterher wieder in den Borddienst. Mit seiner Erfahrung in
der Öffentlichkeitsarbeit hat er sich für spätere Aufgaben bereits
einen Vorteil verschafft. Zum Beispiel dann, falls er einmal als Kommandant ausgewählt
wird. Bis dahin wird er seine berufliche Freiheit und viele interessante Pausengespräche
genießen dürfen. |
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